Befreiende Pastoral

50 jahre Theologie der Befreiung in Deutschland

50 Jahre Theologie der Befreiung in Deutschland: 1972 - 2022

Im SS 1972 hatte sich in Frankfurt, St. Georgen der erste "Studienkreis Theologie der Befreiung" in Deutschland gebildet, noch vor Erscheinen der deutschen Ausgabe des Buches "Theologie der Befreiung" von Gustavo Gutiérrez. Er wurde von lateinamerikanischen Mitstudenten (Doktoranden, mit konkreten Erfahrungen aus LA) initiiert und getragen. Einzige deutsche Mitarbeiter waren Christian Herwartz (Obdachlosenpriester in Berlin*) und ich. Pater Semmelroth und Pater Grillmeier waren konstruktiv-kritische Begleiter. Es ging vor allem um die Frage: was ist neu, gar revolutionär? Und was bedeutet dies für die bisherige „weiße“ und imperiale (d.h. „griech.-röm. Kirche“) und die Theologie des „christlichen Abendlandes“ - auch und gerade in Bezug zu der befreienden Botschaft der Propheten und von Jesus? Dies geschah in besonderer Weise in Auseinandersetzung mit Metz, Moltmann, etc. Karl Rahner, öfter zu „Besuch“ in St. Georgen, hat zwei Mal am Treffen des Arbeitskreises teilgenommen und hat uns ermutigt (obwohl nicht mit allem einverstanden).

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Solidarität - Grund des Glaubens

 

Bischof Oscar Romero: „Eine der wichtigsten Botschaften der Kirche heute ist, dass die Christen ihre vom Individualismus geprägte Mentalität aufgeben sollten. Wir sollten nicht mehr von „meiner“ Erlösung und „meinem“ Gott sprechen, sondern davon, wie Gott will, dass wir leben: Als sein Volk, als pilgerndes Volk, so wie Israel aus dem Auszug aus der Sklaverei, durch die Wüste in das Gelobte Land.“ (Predigt am 19.11.1978). 
 
Das Sprechen von „Solidarität“ galt lange Zeit, vor allem nach dem „finalen Sieg des Kapitalismus“ seit 1990, als überholt und aus der Zeit gefallen. Doch Solidarität - und nicht nur das Sprechen davon - ist heute nicht nur dringlicher denn je. Es ist die zentrale Botschaft unseres Glaubens: der Worte und Taten Jesu Christi. Sie ist gelebte und praktizierte Gottes- und Nächstenliebe. Jesus der Christus hat dies verkörpert und ist deswegen hingerichtet worden. Die lateinamerikanischen Bischöfe sagen 1968 in Medellín: „Wir müssen das Gewissen zur solidarischen Verpflichtung mit den Armen, zu der die Nächstenliebe uns führt, schärfen. Diese Solidarität bedeutet, dass wir uns ihre Probleme und Kämpfe zu eigen machen. Dies muss sich in der Anklage der Ungerechtigkeit und Unterdrückung konkretisieren, im christlichen Kampf gegen die unerträgliche Situation, die Arme häufig erleiden müssen. „Solidarität verlangt, dass man in die Situation derer eintritt, mit denen man solidarisch ist“. Solidarität mit dem Unterdrückten heißt nicht nur, dass man seine Welt annimmt, seine Kultur, seinen gesellschaftlichen Status, sondern auch, dass man sich seine Nöte und Kämpfe zu eigen macht.“ (nach G. Gutiérrez: Theologie der Befreiung).

 

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Anfänge einer befreienden Pastoral

Bereits seit 1963 zeichneten sich in der Diözese Cajamarca die Umrisse einer befreienden Pastoral ab, die zu einer Kirche der Befreiung führten - eine arme Kirche inmitten der Ausgestoßenen und aller, die unter die Räuber fallen. Eine solche Praxis der Befreiung führte dann u.a. zu den Beschlüssen von Medellín (1968) und dann zu einer neuen Theologie, die erstmals aus der Perspektive der Opfer die biblische Botschaft neu entdeckt und neu deutet. Es ist eine prophetische Kirche, die die herrschenden Missstände anklagt und die eine neue Zeit verkörpert, in der alle Menschen - weil Kinder Gottes mit einer unantastbaren Würde - das haben und sein werden, was sie für ein Leben in Würde und in Fülle brauchen. An dieser Entwicklung in Cajamarca waren auch Deutsche beteiligt. Dies soll hier exemplarisch am Beispiel von Pfr. Alois Eichenlaub aufgezeigt werden.

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