Evangelisierung in Bambamarca

Die von Rom angesagte  „Neue Evangelisierung“ will in die Spur der ersten Evangelisierung zurückfinden - diesmal ohne Gewalt, aber weiter ohne Anerkennung des Glaubens und der Kultur der alten Völker Amerikas. Es geht in Wirklichkeit um eine unverfälschte Transplantation der römischen Kirche in die jeweiligen Kulturen, weltweit uniformiert im römischen Gewand und ohne Berücksichtigung der jeweiligen und so unterschiedlichen Kontexte (16). Eine derartige Evangelisierung ist in dieser Arbeit nicht gemeint.

a) Entstehen der Kirche von Bambamarca:  Die 1. Evangelisierung - Geschichte der Pfarrei (1)

Lange Zeit vor der Gründung der Stadt Bambamarca besuchte ein Bischof das Tal von Pencaspampa. Um 1600 kam der später zum Patron der Diözese und Heiligen ernannte Erzbischof von Lima, Toribio de Mogrovejo, mit einem größeren Gefolge von Priestern nach Bambamarca. Vor einem zerstörten Heiligtum der Kultur von Cuismanco wurde die erste Heilige Messe außerhalb der Hazienda auf dem Boden von Pencaspampa gefeiert. Nach der Überlieferung wurden viele Indios bei dieser Gelegenheit bekehrt. Für die meisten Indios war es die erste Messe, die sie je miterlebt hatten. Der Notar des Bischofs berichtet über den Besuch:

„Die priesterlichen Assistenten des Bischofs errichteten mit der Hilfe der Eingeborenen einen prächtigen Altar, mit wertvollen Tüchern, mit Goldfäden durchzogenen Decken und mit einem riesigen Schirm. Diese Arbeiten wurden auf der Manufaktur von Chala hergestellt. Auf dieser Hazienda war der Erzbischof mit seinem Gefolge untergebracht und dort fand auch der prunkvolle zivile Empfang statt“ (2). Außer dem Hauskaplan von Chala und später dem von Llaucán, war kein Priester in der Zone. Diese Kapläne brachten einigen engeren Angestellten des Grundherrn das Christentum bei, auch der Grundherr war interessiert daran, dass die Indios seiner Umgebung christianisiert wurden.

Nach damaliger Auffassung war die Christianisierung der Indios die Voraussetzung für deren Domestizierung (3). Nur als Christen konnten sie treue Diener ihres Herrn sein. Es war Aufgabe der Priester, die Indios in diesem Sinne zu unterweisen. Offiziell war die Missionsstation von Chota zuständig für die Evangelisierung der Provinz Bambamarca. Von Chota kamen Priester nach Bambamarca mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu taufen. Diese Taufen fanden in den Kapellen der beiden Hazienden statt (4).

Anlässlich der Gründung der Stadt Bambamarca legte Bischof Martínez Compañón am 4.11. 1783 den Grundstein für die Kirche. Die Kirche wurde 1801 vollendet und eingeweiht. Die beiden Priester Blas Olivos und Mariano Moreno aus Chota widmeten sich dem Aufbau der Kirche und der Gemeinde. Sie verteidigten die Indios vor Übergriffen der Weißen und sie erreichten vorübergehend eine Erleichterung der Arbeitsbedingungen in den Manufakturen. Der Besitzer von Chala spendete das gesamte Holz für den Bau der Kirche.

Die Gemeinde hieß „San Carlos de Pencaspampa“, weil die Gründung der Stadt auf den Namenstag von San Carlos fiel. Die Patronin der Gemeinde wurde die „Virgen del Carmen“, weil die spanischen Padres an deren Namenstag, am 17. Juli, nach Bambamarca gekommen waren. Da für die Kirche viele Heiligenfiguren notwendig waren, organisierten die Padres eine Spendensammlung und Besucher wurden gebeten, Heiligenfiguren aus Spanien mitzubringen. Die Statue der „Virgen del Carmen“ konnte erst am 20. Mai 1808 nach Bambamarca gebracht werden. Der Empfang für die Heilige Jungfrau war das bis dahin größte Fest in der noch jungen Geschichte der Stadt. Seit diesem Jahr werden zu Ehren der Patronin Stierkämpfe, Hahnenkämpfe, Feuerwerke, Theateraufführungen etc. organisiert.

Seit 1809 war Bambamarca praktisch eine selbstständige Pfarrei, aber erst im Jahre 1833 wird Bambamarca offiziell zur Pfarrei erhoben. Der erste Pfarrer von Bambamarca, Juan Francisco de Goicochea, übernahm am 20. Juli 1833 die Pfarrei San Carlos de Bambamarca. Die Pfarrer von Bambamarca hatten einen schweren Stand. Viermal wurden Pfarrer auf unehrenhafte Weise aus unterschiedlichen Gründen aus der Stadt gejagt. So gab es 1919 einen einflussreichen antiklerikalen Zirkel in der Stadt, auf dessen Betreiben der damalige Pfarrer aus der Stadt gejagt wurde, weil dieser angeblich gegen die Demokratie und die moderne Zeit eingestellt war.

Ein anderer Pfarrer war wiederum für die Ansässigen zu liberal und zu radikal. 1912 wurde ein Pfarrer wegen familiärer Streitigkeiten, in die er als Partei verwickelt war, vertrieben und ein Franziskaner wurde vertrieben, weil er nicht nur die Campesinos, sondern auch die Stadtkasse ausgeplündert hatte. Nach altem Brauch geschah die Vertreibung, indem man den Pfarrer in umgekehrter Sitzposition auf den Rücken eines Esels festband und ihn unter Spott und Beschimpfungen aus der Stadt jagte. Zwei Pfarrer waren so beliebt, dass noch Jahrzehnte nach ihrem Tod von deren Barmherzigkeit und Güte erzählt wurde.

Die Pfarrei erhielt bis 1962 zweimal Besuch von dem jeweiligen Bischof von Cajamarca. 1929 besuchte Bischof Villanueva die Stadt. Über 300 Reiter gaben ihm eine Ehreneskorte und geleiteten ihn zuerst nach Llaucán - Llaucán liegt auf dem direkten Weg von Cajamarca nach Bambamarca, die heutige Straße führt nicht über Llaucán - und von dort, von einer noch größeren Menge begleitet, gelangte er nach Bambamarca. Empfang, Unterkunft und Festlichkeiten fanden in den Residenzen der beiden Hazienden statt. Der nächste Bischof, der Bambamarca besuchte, war Bischof Taboada im Rahmen einer Pastoralreise durch seine Diözese.

Die Pfarrei Bambamarca umfasste in der Amtszeit Bischof Dammerts vier Distrikte mit einer Fläche von insgesamt 1.010 km2: Bambamarca, Hualgayoc, Chugur und Cortegana (das politisch zu Celendín gehört). Sie war die größte Pfarrei in der Diözese, sowohl nach Fläche als auch nach Einwohnern. Bischof Simón hat inzwischen Hualgayoc wieder zu einer eigenen Pfarrei erhoben (zurzeit ohne Pfarrer) und Cortegana der Pfarrei Celendín zugeordnet. Mit dem Distrikt Cortegana (etwa 16.000 Menschen) kam die Pfarrei bis 1992 somit auf mehr als 100.000 Menschen, die alle getauft waren.

b) Bambamarca - ein globales Dorf (5)

Am Beispiel von Bambamarca lässt sich zeigen, was Globalisierung für die Mehrheit der Menschen bedeutet. Das globale Dorf wird als ein Ort deutlich, indem nicht wie oft behauptet, alle Menschen in gleicher Weise Zugang zu dem haben, was moderne Zivilisation bedeutet oder zumindest zu dem, was sie zum Leben brauchen; es ist auch kein Ort, in dem alle miteinander kommunizieren und in dem sich dank moderner Wirtschaftsweisen alle Menschen einander näher kommen und sich immer mehr als Bürger der Einen Welt verstehen. Es ist ein Ort, in dem genau das Gegenteil geschieht, und in dem für die in Armut gehaltenen Menschen nur dann eine Verbesserung ihrer Lebensumstände erreicht werden kann, wenn sie sich gegen diese Form einer Globalisierung und deren wirtschaftliche Lehrsätze und religiöse Dogmen zur Wehr setzen.

Bambamarca ist nicht ein Ort, in den die Moderne noch nicht vorgedrungen ist und in dem gerade deswegen noch archaische Strukturen herrschen würden, sondern im Gegenteil: Bambamarca - wie viele Orte in den Randzonen dieser Welt - steht im Brennpunkt und ist deshalb sehr aktuell und modern, weil an solchen Orten die Auswirkungen des herrschenden globalen Systems und seiner Vernetzungen am deutlichsten sichtbar werden und das System sich als das entlarvt, was es in Wirklichkeit ist (6).

Die Geschichte, Entwicklung und gegenwärtige Situation Bambamarcas zeigt schlaglichtartig und exemplarisch, was sich hinter dem Begriff globales Dorf verbirgt: eine Minderheit, die kleine städtische Schicht im Zentrum, lebt von der Arbeit der großen Mehrheit, den Campesinos, die in allen Bereichen des Daseins an den Rand gedrängt und diskriminiert werden - rassistisch, wirtschaftlich, kulturell, politisch Dieser Rassismus ist ein Abbild des weltweit herrschenden Rassismus. Dieser zeigt sich z.B. darin, dass nach westlichem Selbstverständnis das Leben eines US-Bürgers offensichtlich hundertmal mehr Wert ist, als das Leben eines Guatemalteken oder Angolaners (7).

Und selbstverständlich findet dies seine wirtschaftliche Entsprechung darin, dass jedem neugeborenen US-Bürger ein Energie- und Ressourcenverbrauch zugestanden wird - quasi als eingeborenes Natur- und Menschenrecht - der bis zum Hundertfachen über dem eines Peruaners liegt. Die weltweite Herrschaft reproduziert sich auch auf nationaler und dann sogar auf regionaler Ebene.

Ein Beispiel zeigt, wie im regionalen Maßstab das weltweite Modell funktioniert (hier im Bezug auf Rassismus und wirtschaftliche Notwendigkeiten). Der Anwalt der Mine Yanacocha sagte bei einer Anhörung am 30. 1. 2003 vor dem obersten Gerichtshof in Lima: „Zwischen der Stadt Cajamarca und dem Abbaugebiet der Mine leben keine Menschen, die Mine operiert auf menschenleerem Gebiet“. Marco Arana, als Vertreter von Ecovida als Zeuge anwesend, kommentiert: „Mehr als 15.000 Menschen sind wohl von der Landkarte verschwunden, oder sind Campesinos keine Menschen“? (8)

Die globalen Spielregeln haben ihre Gültigkeit bis hinein in die kleinsten Einheiten menschlichen Zusammenlebens. Sie beziehen von daher auch ihren Wahrheitsanspruch und damit ihre universelle Gültigkeit - scheinbar ohne Alternative. Davon hat auch die Evangelisierung auszugehen und die Auswirkungen einer Evangelisierung in Bambamarca haben eine Bedeutung für Deutschland. Umgekehrt behindert eine Evangelisierung in Deutschland, die nicht von der Option für die Armen weltweit ausgeht, eine befreiende Entwicklung in Bambamarca.

Folgende Zusammenhänge, wie sie sich von Bambamarca her begründen lassen und die sich im globalen Maßstab widerspiegeln, lassen sich feststellen:

  • Die große Mehrheit des Volkes und der Menschheit wird von einem Zentrum her definiert und von den Interessen des Zentrums bestimmt.
  • Das Umfeld (Peripherie) hat die Aufgabe, das Zentrum zu nähren. Dies führt zu wachsender Verelendung auf dem Land und zu immer mehr Reichtum im Zentrum.
  • Die Weltsicht des Zentrums ist geprägt von christlich-abendländischen Vorstellungen und Werten. Die Kultur des Umfeldes wird als Unkultur wahrgenommen. Die Menschen des Umfeldes werden bestenfalls als zu missionierende (zu entwickelnde) Objekte behandelt.
  • Wenn die in Armut und Abhängigkeit gehaltenen Menschen aus ihrer nicht selbst verschuldetenUnmündigkeit aufbrechen wollen, müssen sie mit harten Reaktionen derer rechnen, die ihre Herrschaft und Privilegien in Gefahr sehen.
  • Die Glaubenserfahrungen der Armen (auf dem Weg aus der Gefangenschaft) werden von der herrschenden Religion („wirtschaftliche Vernunft“) als Abfall vom Glauben diffamiert - im Kern aber richtigerweise als Rebellion gegen die herrschenden Zustände gedeutet.
  • Die Menschen am Rande sind bevorzugt in der Lage, ausgehend von ihrem Glauben an einen befreienden Gott, eine Alternative zu den herrschenden Götzen zu entwickeln und den Menschen in den Zentren einen Weg der Befreiung zu weisen.

Die Verhältnisse in Bambamarca können nicht nur als ein Spiegel der globalen Strukturen verstanden werden, sondern auch als Reproduktion der Strukturen in Peru selbst (Lima - Provinzen) und im Departement Cajamarca (Stadt - Land) (9). Zugleich ist dies ein Hinweis darauf, dass bei jeder Evangelisierung in Deutschland auch der lokale und globale Kontext zu sehen ist - „sehen“ im biblischen Sinn: die Augen gehen auf und man erkennt seine Situation. Die Christen in Deutschland würden sich dann eher als „Städter“ entdecken.

Die weltweite Situation der Armut und deren Ursachen werden aber systembedingt verdeckt. Sie wird auch von Christen verdeckt, die ihre eigenen Verwicklungen in ein System, das weltweites Elend produziert, nicht sehen wollen oder nicht können. „Diese Einstellung gegenüber den Ländern der ‚Dritten Welt’ ist gekennzeichnet durch ein Verdecken der Realität, die aus Herrschaft und Unterdrückung besteht; ein Verschleiern mit einem ideologischen Mantel, der sehr schön, aber nur Fassade ist. Was sie damit erreichen, ist die Verfälschung der Realität. Und genau dies muss aufgedeckt werden“(10).

Dies aufzudecken ist Aufgabe einer Evangelisierung gerade in den reichen Ländern. Erst dann wird man nicht nur die Situation richtig sehen lernen, sondern auch biblisch deuten können. Wenn der Kontext von Bambamarca (Stadt - Land) als exemplarisch für die weltweite Realität gelten kann, dann bedeutet eine Analyse dieses Kontextes eine existentielle Herausforderung an die Christen in einem reichen Land.

Wie schon beim sozial-politischen Kontext für Cajamarca geschehen, hilft auch hier das Beispiel des barmherzigen Samariters weiter. Christen in Deutschland befinden sich in der Situation des Priesters oder Leviten, die gewohnheitsmäßig ihren Weg zum Gottesdienst im Tempel in Jerusalem gehen. Sie können nicht sehen, dass der unter die Räuber Gefallene etwas mit ihnen zu tun haben könnte und erst recht nicht mit ihrem eigenen Glauben an Gott. Der Mensch im Straßengraben wird nicht als Mensch und nicht als Opfer erkannt. Es zählt nur das Opfer im Tempel. Jesus aber stellt diese religiöse Ordnung auf den Kopf: Es gibt nichts Wichtigeres als der Mensch im Straßengraben. Er ist das „Sakrament Gottes“ (Gutiérrez).

Dem unter die Räuber Gefallenen zu helfen bedeutet, den scheinbar rechten Weg des Glaubens zu verlassen. Nun gilt es aber nicht nur dem unter die Räuber Gefallenen zu helfen, sondern danach zu fragen, wie es zu dem Verbrechen kommen konnte und danach, wie die Wege beschaffen sind, die eigentlich fromme Menschen dazu verleitet - im Vertrauen auf den richtigen Weg - an den Opfern vorüber zu gehen. Wer hat mit welchem Interesse die Wege so gebaut, dass sie zwar zum Tempel in Jerusalem führen, nicht aber zu dem Menschen im Straßengraben?

Es geht also darum, als Mensch „auf dem Weg“ seine Verantwortung gegenüber dem Opfer und seine eigene Verwicklung zu erkennen und seinen Weg zu ändern (11). Die Pfarrei Bambamarca unterhält seit nunmehr vierzig Jahren mit einer deutschen Pfarrei partnerschaftliche Beziehungen. Es liegt nahe, die Entwicklung beider Pfarreien (Kirchen) zu vergleichen. Vieles spricht für einen Vergleich zwischen der pastoralen Situation, des jeweiligen Glaubens und der „Kosmovision“ in den deutschen und peruanischen Partnergemeinden, vor allem wenn man die unterschiedlichen Gemeinden als Teilkirchen der einen katholischen Kirche versteht.

Dies wäre eine eigene Arbeit. Hier wird nur der erste Schritt aufgezeigt: das Aufzeigen des Kontextes, dessen Deutung und die notwendigen Schritte einer Veränderung in einer konkreten peruanischen Gemeinde und Diözese. Dies geschieht vor allem mit den Zeugnissen und den Worten der Akteure dort.

Der entsprechende Schritt in Deutschland wäre, ebenso den eigenen Kontext zu analysieren, danach zu fragen, von wem und was die alltägliche Wirklichkeit der Menschen bestimmt wird, an was und an wen sie „ihr Herz hängen“ (Luther), welche Träume und Sehnsüchte sie haben und daraus die entsprechenden Konsequenzen für eine erneuerte Pastoral zu ziehen - ausgehend von den Verlierern in dieser Gesellschaft. Nach einer gründlichen Analyse der Situation in Deutschland könnten dann in der Praxis Orientierungsmarken für einen Weg der Erneuerung gefunden werden. Analyse, Deuten und Handeln wäre dann die Aufgabe von Theologen und Gemeinden im Bezug auf ihren eigenen lokalen Kontext, der aber ein globaler Kontext ist.

Dieser lokale Kontext kann dann im Blick auf die Bedingungen und Auswirkungen der Globalisierung und die Glaubenserfahrungen der Indios erkannt und gedeutet werden: Erst vom Standort der Campesinos her kann der eigene lokale deutsche Standort sachgerecht biblisch und theologisch gedeutet werden. Wird die weltweite Situation von der Bibel her gedeutet, dann erweisen sich die herrschenden Strukturen als ungerecht und als „zum Himmel schreiende Sünde“. Diese Interpretation der Campesinos - bestätigt durch die Dokumente von Medellín und Puebla - hat eine globale und gesamtkirchliche Bedeutung.

Eine solche Aufgabe überschreitet den Rahmen dieser Arbeit und auch meine Kompetenz. Eine systematische, vergleichende Pastoral kann hier ebenfalls nicht geleistet werden. Dennoch lassen sich punktuelle Vergleiche nicht vermeiden, weil sie auch in der konkreten Partnerschaftsarbeit eine konkrete Rolle spielen. Darauf muss eingegangen werden, aber ohne den Anspruch auf gründliche Behandlung. Das ist eine Aufgabe für Pastoraltheologen. Diese Arbeit kann ihnen aber als Vorlage dienen, sie liefert den Stoff für den notwendigen zweiten Schritt: im Dialog mit dem Glauben und der Praxis der Campesinos und im Bewusstsein, Teil einer globalen Gemeinde zu sein, die notwendigen eigenen Schritte in Deutschland zu finden.

Es ist daran zu erinnern, dass ich meine Rolle als Übersetzer oder als Bote sehe, der die Situation von peruanischen und deutschen Gemeinden jeweils auch von außen her, d.h. vom Standpunkt des jeweils anderen aus betrachten möchte.

c) Evangelisierung im globalen Dorf (ausgehend von verschiedenen Standorten)

Weil Bischof Dammert und die Campesinos bei der Analyse und Deutung ihrer Situation stets den globalen Kontext mit einbeziehen, ist auch bei der Evangelisierung (Verkündigung) dieser Kontext zu beachten. Eine exemplarische Evangelisierung wie in Bambamarca hat daher auch eine fundamentale Bedeutung für die Evangelisierung in Deutschland. Beide sind aufeinander bezogen wie zwei gegenüberliegende Pole innerhalb desselben Kontextes.

In Deutschland wird der Begriff „Evangelisierung“ in der Regel anders verstanden als dies in Cajamarca (Dammert) geschehen ist. Evangelisierung im christlichen Abendland wird immer noch vorrangig als Weitergabe des bisherigen Glaubens verstanden und meint damit vor allem die Hinführung zum Glauben und dessen Einübung. Daher richtet sich diese Evangelisierung zuerst an Kinder und Jugendliche. Die Sakramentenpastoral, vor allem die Vorbereitung auf Eucharistie und Firmung, steht deshalb im Mittelpunkt der Pastoralarbeit deutscher Gemeinden.

Ideologisch aber wird der Begriff der Evangelisierung, wenn man darunter eine Neu- Evangelisierung Europas unter katholischer (besser: römischer) Vorherrschaft versteht. Zwar haben einige deutsche Pastoraltheologen die Defizite einer Konzentration auf die Sakramentenpastoral und einer damit verbundenen klerikalen Fixiertheit erkannt, doch wie sie selbst sagen, finden ihre Erkenntnisse und Anstöße z.B. in den Seelsorgeplänen deutscher Diözesen und in den Gemeinden selbst wenig Gehör.

„Es stehen sich zwei grundverschiedene Konzepte gegenüber: Auf der einen Seite gibt der immer größere Personal-, vorab Priestermangel den Ausschlag... Auf der anderen Seite wird insistiert, dass die Pastoral ihre Tagesordnung von den Herausforderungen der Gegenwart bestimmen lassen müsse und hier im Sinne des Evangeliums Partei zu ergreifen habe... Während sich die meisten deutschsprachigen Bistümer dem ersten Konzept zuordnen lassen, lässt sich das Bistum Basel in bemerkenswerter Weise von dem zweiten Konzept leiten“ (12).

Um zu verstehen, was in der Diözese Cajamarca und in Bambamarca gemäß den festgestellten Prioritäten in Cajamarca mit Evangelisierung gemeint ist, muss deutlich gemacht werden, was mit Evangelisierung nicht vorrangig gemeint ist:

  • Es geht nicht zuerst um bestimmte Initiationsriten entsprechend den Anforderungen einer christlich-abendländischen Christenheit, eine Einführung von Kindern und Jugendlichen in die Sitten und Gebräuche der (noch) herrschenden Kultur.
  • Es geht nicht um eine bessere Anbindung bzw. Unterwerfung unter die (amts-) kirchlichen Vorgaben einer individuellen Moral mit einem entsprechend individuellen Sündenbewusstsein; aber auch nicht um ein „Evangelium light“, das auf beliebige Weise geplagten Wohlstandsbürgern zu seelischen Erbauungen verhilft.
  • Es geht nicht um ein Wiedergewinnen der ehemals politischen Macht der Kirche und eine damit verbundene christliche Re-Kolonialisierung des Abendlandes.
  • Es geht nicht darum, in einer säkularisierten Welt Nischen und Nester zu bauen, in denen es sich guten Gewissens angenehm überwintern (und träumen) lässt.
  • Mit anderen Worten: es geht nicht um eine Einführung in die global herrschende Religion der Sieger und deren Götzen, sondern es geht um deren Entlarvung als Mächte des Todes und um die Verkündigung der befreienden Botschaft Jesu.

Die neue Evangelisierung in Lateinamerika geht von dem Armen aus, dem unter die Räuber Gefallenen, dem Anderen als eigenständiges und gleichberechtigtes Subjekt. Sie hat die Ankündigung des Reiches Gottes und die damit verbundene Umkehr als Ziel, sowie ein neues Leben in einer neuen Gemeinschaft. In dieser Evangelisierung bringt sich der Verkünder existentiell mit ein, er wird dadurch ein anderer, er wird selbst evangelisiert. Jeder Getaufte hat den Auftrag zur Verkündigung, jeder Christ ist berufen, die Botschaft Jesu zu verkünden.

Im Unterschied dazu wird in Peru spätestens seit 1992 verstärkt von einer „Neuen Evangelisierung“ gesprochen. Dies geht auf Papst Johannes Paul II. zurück, der die Feier zu „500 Jahre Evangelisierung in Amerika“ zum Anlass nahm, um zur neuerlichen Evangelisierung des Kontinents aufzurufen. Manuel Díaz Mateos setzt sich mit dem durch den Papst in Mode gekommenen Begriff auseinander und lehnt ihn ab. „Die Neue Evangelisierung läuft Gefahr, sich in ein Produkt des Freien Marktes zu verwandeln, in einen Slogan.  Von welcher neuen Evangelisierung sprechen wir? Sind wir wirklich bereit, etwas zu ändern“? (13). 

Diese neue Evangelisierung scheint alle zu begeistern, sie dient in Wirklichkeit nur dazu - so Mateos - das wirklich Neue zu verhindern, von dem das Evangelium spricht. „Es handelt sich um einen eher triumphalistischen Kreuzzug um für die Kirche das verlorene Terrain wieder zu gewinnen. Man benutzt dazu extensiv die modernen Medien, mit Programmen aus Europa oder den USA. Die erste Evangelisierung kam zu uns ‚zu Pferde’, die neue Evangelisierung kommt via Satellit“ (14). Zu beachten ist ebenfalls, dass zumindest in Peru das Wort von einer „Neuen Evangelisierung“ praktisch als Waffe benutzt wird, um die seit 1962 begonnene Evangelisierung im Geiste des Konzils zu diskreditieren.

Die in Peru so verstandene „Neue Evangelisierung“ entspricht nicht dem Dokument der peruanischen Bischöfe „Evangelización“, in dem die biblischen Aspekte der Evangelisierung und der ihr innewohnenden Option für die Armen herausgearbeitet werden. „Evangelisieren heißt, die Frohe Botschaft zu verkünden und alles dafür zu tun, dass diese Botschaft die geschichtliche und soziale Effizienz hat, um die Welt in diesem Sinne transformieren zu können“ (15). Der von Rom initiierten „Neuen Evangelisierung“ geht es zuerst um die neuerliche Durchsetzung römischer Vorschriften und des römisches Rechts. Deren Durchsetzung hätten Bischöfe wie Dammert u.a. vernachlässigt - so Vorwürfe der „Römer“ - und deswegen sei nun die Kirche in Lateinamerika in die Defensive geraten.

Diese „Neue Evangelisierung“ will in die Spur der ersten Evangelisierung zurückfinden - natürlich ohne Gewalt, aber weiter ohne Anerkennung des Glaubens und der Kultur der alten Völker Amerikas. Es geht in Wirklichkeit um eine unverfälschte Transplantation der römischen Kirche in die jeweiligen Kulturen, weltweit uniformiert im römischen Gewand und ohne Berücksichtigung der jeweiligen und so unterschiedlichen Kontexte (16). Eine derartige Evangelisierung ist in dieser Arbeit nicht gemeint.

Wenn nun in dieser Arbeit von Evangelisierung die Rede ist, dann ist eine Evangelisierung gemeint, wie sie in der Diözese Cajamarca auf der Basis der Dokumente des Konzils und der Beschlüsse von Medellín und Puebla geschehen ist. „Für die Kirche Perus bedeutet dies, sich auf die Seite der Unterdrückten und Unterprivilegierten zu stellen“ (17).

Für Pablo Thai-Hop beginnt die wahre Evangelisierung Perus 1958, als sich die peruanische Bischofskonferenz entschloss, eine Sozialwoche im Januar 1959 abzuhalten. „Dieses Ereignis wurde von Bischof José Dammert organisiert. Es zeichnete sich dadurch aus, dass sich die peruanische Kirche erstmals der gesamten Gesellschaft öffnete und durch seine Forderung, die notwendigen wirtschaftlichen und sozialen Änderungen in der Gesellschaft durchzuführen. In der Abschlussansprache sagte Kardinal Landázuri:‚Die Kirche stellt sich offen auf die Seite derer, die mit aller Entschlossenheit nach einer gerechteren und sozialeren Ordnung schreien’.“ (18).

Einen entscheidenden Beitrag zur Evangelisierung in Peru leistete Bischof Germán Schmitz als Weihbischof von Lima. Er war Hauptautor des Dokumentes „Evangelización“ und zusammen mit Leonidas Proaño verfasste er den Abschnitt über die Option für die Armen im Abschlussdokument von Puebla. Durch sein persönliches Zeugnis hat er eine große Autorität gewonnen. Der letzte Artikel im Sammelband „La nueva Evangelización“ trägt den Titel: „Germán Schmitz: Zeuge einer neuen Evangelisierung“ (19).

Es waren Bischöfe wie Schmitz, Dammert, Luis Vallejos und andere, die für diese neue Evangelisierung stehen, wie sie dann auch in Bambamarca Fuß fassen konnte. Selbstverständlich waren es nicht nur diese Bischöfe, es waren viele Mitarbeiter und schließlich die Campesinos selbst, die Jesu Botschaft vom Reich Gottes in Peru und in Bambamarca durch ihr Zeugnis verkündeten. „Damit die Kirche zur Evangelisierung... beitragen kann, muss es Christinnen und Christen, Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner und Missionare geben, die mit ganzem Herzen und ganzer Seele mitten in der Geschichte, Kultur und Realität des einfachen Volkes präsent sind. Es muss solche geben, die an Ort und Stelle - in situ - den unausweichlichen Kampf um Leben und Befreiung auf sich nehmen und sogar zum Zeugnis für das Martyrium bereit sind“ (20)

Das Evangelium als Frohe Botschaft wird notwendigerweise von den Menschen, die sich als Opfer der Geschichte und der herrschenden weltwirtschaftlichen Zwänge fühlen, anders verstanden als von den Menschen, die - ob gewollt oder nicht - zu den Nutznießern dieser Geschichte zählen. Die Botschaft Jesu trifft auf Menschen, die unterschiedliche Standorte einnehmen. Die mächtigen Ägypter haben den Ruf Gottes anders vernommen als ihre Sklaven, die Hebräer. Die Mächtigen und Hohen Priester in Jerusalem, als „Kinder Abrahams“ und daher als die bestellten und berufsmäßigen Herren des Tempels und der Wahrheit, haben die Botschaft Jesu vom anbrechenden Reich Gottes anders aufgenommen als z.B. die Aussätzigen, die Ausgegrenzten und die „Hirten von Bethlehem“. Warum sollte es heute anders sein?


Anmerkungen

(1) Es ist noch einmal auf meine Unterscheidung zwischen der ersten und zweiten Evangelisierung hinzuweisen: die erste Evangelisierung im Gefolge der Conquista bis 1962 und die dann von Dammert seit 1962/63 eingeleitete zweite Evangelisierung. Dammert selbst sprach von einer Re - Evangelisierung (vgl. Kapitel IV).

(2) Campos, Victor: Historia de Bambamarca, S. 189.

(3) Der letzte Besitzer von Chala hatte 1963 noch dieselbe Auffassung, vgl. „Der erste Pastoralkurs in Chala“, in diesem Kapitel. Die Hauskapläne waren nicht ständig auf der Hazienda. Manchmal war über viele Jahre hinweg deren Stelle aus verschiedenen Gründen verwaist.

(4) Auch die beiden Priester, die von 1997 - 2002 als Pfarrer in Bambamarca tätig sind, kommen aus Chota und stehen in der Tradition der Hauskapläne, diesmal im Dienst der Goldminen und erneut eines spanischen Bischofs.

(5) Der Begriff „Globales Dorf“ stammt von McLuhan. In „War and Peace in the Global Village“ (1969), zieht er aus der Vietnamberichterstattung des Fernsehens den Schluss, dass dadurch jeder Fernsehzuschauer aus seiner passiven Rolle herausgekommen und sich in einen Teilnehmer verwandelt hat. Durch die Möglichkeiten des Fernsehzeitalters wird die gesamte menschliche Familie zu einem einzigen „globalen Stamm“ verschmolzen. Nach McLuhan leben wir in einer neuen Zeit der Gleichzeitigkeit: die Zeit hat aufgehört, der Raum ist aufgehoben. Wir leben alle in einem globalen Dorf, in einem gleichzeitigen Happening. Nach seinem Tode 1980 wurde 1995 „The Global Village - Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhundert“ im Jungfermann Verlag veröffentlicht. Der Begriff bekam durch das Internet und die politischen Veränderungen in den neunziger Jahren eine viel weitergehende Bedeutung. Der Begriff betont heute die globalen Auswirkungen einer Vernetzung in allen Bereichen, besonders auch in Wirtschaft und Politik. Wirtschaftliche und finanzpolitische Entscheidungen in Deutschland (oder eines Konzerns) haben Auswirkungen auch in Bambamarca und umgekehrt: Würde z.B. die Goldmine bestreikt, würde der Goldpreis weltweit steigen, was wiederum enorme Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte hätte. Was lokal geschieht, hat globale Auswirkungen und umgekehrt.

(6) „Wir teilen mit den Nationen der Dritten Welt das Schicksal, Opfer von Systemen zu sein, die unsere wirtschaftlichen Reichtümer ausbeuten, unsere politischen Entscheidungen kontrollieren und uns die kulturelle Vorherrschaft ihrer Werte und ihrer Konsumzivilisation aufdrängen. Diese von den lateinamerikanischen Bischöfen in Medellín angeprangerte Situation bleibt bestehen und festigt sich aufgrund der internen Struktur unserer Länder, einer Struktur der wachsenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ungleichheit, der politischen Perversion, die nicht dem Wohle aller, sondern nur einigen wenigen dient“. Dokument der Bischöfe Perus für die Bischofssynode: Gerechtigkeit in der Welt, 14. August 1971. In: Bischöfliche Aktion Adveniat (Hrsg.): Dokumente/ Projekte Nr. 10: Eine Kirche auf neuen Wegen, Essen: Selbstverlag, 1972. S. 11.

(7) Auch die Reaktion auf den 11. September 2001 entspricht diesem Muster. Es war das erste Mal, dass die USA auf ihrem eigenen Territorium angegriffen wurden. Dieser Angriff  wurde - mit Recht - als ein ungeheures Verbrechen empfunden. Doch allein in den letzten 50 Jahren haben die USA mindestens 55 Mal in fremden Ländern militärisch eingegriffen ohne selbst angegriffen worden zu sein. Diesen Angriffen fielen weit mehr als 100.000 Menschen unmittelbar zum Opfer, von der Zerstörung der Lebensgrundlagen in vielen Ländern abgesehen. Gleichzeitig dient dieser 1. Angriff auf die USA nun als Vorwand, um jetzt mit noch mehr Gewalt die eigene Weltordnung durchsetzen zu können, was natürlich noch mehr Gewalt provozieren wird.

(8) Dok. 1, V: (Rund-) Mail von Marco Arana, 2. 2. 2003. Die Aussage des Anwalt ist systemimmanent richtig: die 15.000 Campesinos sind aus weltwirtschaftlicher Sicht (BIP, Schuldentilgung, Handel, Innovation etc.) völlig irrelevant, während die Mine Wirtschaftwachstum generiert, Gewinne und Investitionen ermöglicht, sogar Steuern zahlt! Welche „vernünftige“ Gründe sollte es daher geben, auf die Campesinos Rücksicht zu nehmen?

(9) Ohne von Globalisierung zu sprechen, schrieben die peruanischen Bischöfe bereits 1969, welche weltweite Abhängigkeiten bestehen, die sich auf nationaler Ebene reproduzieren: „Die Kirche klagt diese Zustände der Sünde an (Medellín, Friede 1, 65). Diese ungerechte Wirklichkeit ist in der heutigen Zeit keine isolierte Erscheinung; sie ist die Folge eines Prozesses von weltweiten Dimensionen, charakterisiert durch die Konzentration der wirtschaftlichen und politischen Macht in den Händen einiger weniger und des internationalen Finanzimperialismus (Pius XI, Quadregesimo Anno, AAS 23, 212; Paul VI, Populorum Progressio, 26.58), der mit der peruanischen Oligarchie zusammenarbeitet. Reste des kolonialen Feudalismus tragen zur Aufrechterhaltung des Systems bei und behindern seine notwendige Veränderung“. Beschlüsse der 36. Vollversammlung der peruanischen Bischofskonferenz, Januar 1969. Bischöfliche Aktion Adveniat (Hg.): Dokumente/Projekte 10, S. 45.

(10) Ellacuría, Ignacio: Entdeckung oder Verschleierung. In: „Die Eroberung Amerikas und wir in Europa“. Berichte und Dokumente Nr. 5. Hrsg. vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor. Aachen: Misereorvertriebsgesellschaft, 1992, S. 133. (kursiv vom Autor).

(11) Die Daten zum Kontext von Bambamarca zeigen, dass die Ursachen für das Elend weltweit die gleichen sind: Diskriminierung, Nichtanerkennen des Anderen, konkrete Abhängigkeiten, absoluter Vorrang wirtschaftlicher Interessen. Auch die Deutung im Lichte des Glaubens gilt weltweit: es handelt sich um einen radikalen Bruch innerhalb der Menschheit und damit mit Gott, um eine strukturelle Sünde, um Verachtung des Armen, mit dem sich Jesus identifiziert und der gekreuzigt wird. Diese Situation nicht zu sehen und an dem unter die Räuber gefallenen Menschen vorbei zu gehen, bedeutet, Christus zu verleugnen (vgl. Mt 25). Eine Verschleierung dieser Realität dient der Aufrechterhaltung eines Systems, dessen Grundlage das weltweit organisierte Räubertum ist. Diesem organisierten Räubertum ist auch I. Ellacuría zum Opfer gefallen, der im Jahr seiner Ermordung (1989) schrieb: „Und wirklich ist die Dritte Welt zurückgelassen worden wie Christus. Aus der Sicht des Glaubens ist es das, was ich das ‚gekreuzigte Volk’ genannt habe. Das Problem liegt darin, dass in unserer heutigen Gesellschaft die Zivilisation des Kapitals herrscht. Sie ist es, die die heutige Welt formt und den weitaus größten Teil der Welt zu einem ‚Christus’ gemacht hat“. Ellacuría: Entdeckung oder Verschleierung. S. 142.

(12) Mette, Norbert/Steinkamp, Hermann: (Kreative) Rezeption der Befreiungstheologie in der praktischen Theologie. In: Fornet-Betancourt, Raul (Hrsg.): Befreiungstheologie I - III. Kritischer Rückblick und Perspektiven für die Zukunft, Bd. 3. Mainz: Grünewald 1996. S. 25. In dem Artikel gehen die Autoren auf die Schwierigkeiten der Sozialpastoral in Deutschland (Diakonie) und auf die Unterschiede zu Lateinamerika ein. Neben diesen beiden Autoren sind Ottmar Fuchs, Leo Karrer und Norbert Greinacher die Pastoraltheologen, die für eine engagierte Sozialpastoral stehen und die sich insbesondere durch Anregungen aus Lateinamerika inspirieren lassen.

(13) Mateos, Manuel Díaz SJ: Die neue Evangelisierung nach Lukas. In: La nueva Evangelización - Reflexiones, experiencias y testimonios desde el Perú. Lima: CEP/IBC, 1992, S. 31.

(14) Ebd.

(15) Documento de la XLII Asamblea Episcopal Peruana: Evangelización - algunas lines pastorales. Enero 1973. Editorial Salesiana, Lima, Perú, 1973. Reflexion Teológica 3.1.4. S. 7.

(16) Wenn römisches Recht und Vorschriften und römische Tradition als quasi göttliche Normen missverstanden werden, wird ein Verstoß gegen diese Normen als Abkehr von Kirche und der wahren Lehre verstanden und entsprechend geahndet. Die aktuelle Diskussion um die „Teología India“ ist auf diesem Hintergrund zu sehen.

(17) Dokument der peruanischen Bischöfe: Gerechtigkeit in der Welt. 14. August 1971. Bischöfliche Aktion Adveniat (Hrsg.): Dokumente/Projekte 10. Eine Kirche auf neuen Wegen, Essen: Selbstverlag, 1972. S. 18.

(18) Thai-Hop, Pablo: El caminar de la Iglesia evangelizadora y comprometida con los pobres. In: La nueva Evangelización - Reflexiones, experiencias y testimonios desde el Perú. Lima: CEP, 1992. S. 140.

(19) Gutiérrez, Gustavo: Germán Schmitz: testigo de una nueva evangelización. In: La nueva Evangelización - Reflexiones, experiencias y testimonios desde el Perú. Lima: CEP, 1992. S. 269 - 290.

(20) Moreno, Juan Ramón: Evangelisierung. In: Mysterium liberationis, Band 2, S. 806.