Vom Herrschen und vom Dienen, Mk10, 35-45

Das Schwerpunktthema von „nachhaltig predigen“ für das Kirchenjahr 20/21 lautet „abgebrannt…“. Und ja, der Menschheit ist es gelungen, viele für das permanente Wachstum lebensnotwendige Ressourcen buchstäblich zu verbrennen, der Treibstoff für die rasante Entwicklung der letzten 200 Jahre geht zu Ende, vor allem aber haben wir damit unseren Planeten derart „ins Schwitzen“  gebracht“, dass die Menschen und viele Tierarten dies nicht mehr ertragen können. Abgebrannt aber auch im übertragenen Sinn: Unser vorwiegend westlich geprägtes Lebensmodell, die Kosmovision weißer Menschen mit ihrem Wachstumswahn und ihrem extrem übersteigerten Individualismus, ist an seine Grenzen gestoßen bzw. hat sie schon überschritten. Die Verheißungen der Propheten und die Botschaft Jesu können uns die Kraft und den Mut geben, umzukehren. Die Beispiele vieler Menschen in der Nachfolge Jesu lehren uns, dass wir das schaffen können.

Vom Herrschen und vom Dienen (Mk 10, 35-45)

Die Situation

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Jesus sagt, er wird ausgeliefert und getötet werden. Nach seinem Auftreten in Galiläa, der Verkündung seiner Botschaft und der Sammlung seiner Jünger*innen wagt er sich nun in die „Höhle des Löwen“, in das Zentrum der Macht. Und die Jünger spüren: „Jetzt geht es los“, jetzt geht es um die Entscheidung. Dabei denken sie sehr weltlich, sie denken eher an die Befreiung von der Besatzungsmacht und an eine neue politisch-gesellschaftliche Ordnung. Die aktuell bedrückende Herrschaft wird untergehen bzw. besiegt werden und es wird eine neue Herrschaft beginnen. Doch diese neue Herrschaft (Reich Gottes) denken sie noch in „alter Weise“, wie üblich! Sie träumen von machtvollen, herrschaftlichen Posten im neuen Reich. Sie wollen „oben sitzen“, denken wohl an damit verbundene Privilegien, etc. Sie haben offenbar keine Ahnung, was Jesus wirklich meint, wie er tickt - und das nach alldem, was sie ja bisher schon von ihm gehört hatten. Doch sie haben das Gehörte von ihrem „alten“ Standpunkt heraus verstanden, z.B. als Aufstand und Errichtung einer neuen politischen Ordnung. Jakobus und Johannes wurden von den anderen Jüngern daraufhin hart kritisiert. Sie waren sehr ärgerlich, aber eher deswegen, weil die Beiden „heimlich“ beim Meister vorgeprescht waren und die höchsten Posten unter sich aufteilen wollten, ohne die anderen miteinzubeziehen. Viele waren wahrscheinlich Anhänger der Zeloten, die in Galiläa ihr Zentrum hatten. Zumindest wussten sie von deren Anliegen und haben vermutlich auch damit sympathisiert. Jesus aber weist sie sehr hat zurecht. Jesus spricht von einer von Gott verheißenen neuen Ordnung, die der heute herrschenden Ordnung - den „Gesetzmäßigkeiten dieser Welt“ - völlig widerspricht. „Bei euch soll es nicht so sein“: Kein Missbrauch der Macht wie bisher üblich; zum Diener und zum „Sklaven“ der „Ohnmächtigen“, der „Wegwerfmenschen“ und der Unterdrückten werden; die Bereitschaft, dafür sein Leben einzusetzen, zu leiden und verfolgt zu werden.

Beispiele und Gleichnisse

Jesus hat vor allem in Gleichnissen stets vom Alltag der Zuhörer erzählt, die ihn deshalb auch verstanden haben. Der Alltag der Menschen, des Volkes, war geprägt vom täglichen Kampf ums Überleben. Der großen Mehrzahl der Menschen war die Erfahrung von Rechtlosigkeit, Willkür, Gewalt und Ausbeutung sehr vertraut. Man weiß, auch anhand römischer Quellen, über die Lebensverhältnisse im Palästina der damaligen Zeit sehr gut Bescheid. Jesus sprach in seinen Gleichnissen von solch alltäglichen Erfahrungen. Er ging von dieser Lebenswirklichkeit der Menschen aus, nahm deren Standort und Perspektive ein – was ihm auch deshalb nicht schwerfiel, weil er ja selbst in solchen Verhältnissen aufgewachsen war – und kam zum Schluss: So kann es nicht weitergehen, bei euch soll alles anders sein, das ist nämlich nicht so, wie sich Gott das Zusammenleben der Menschen vorstellt. Schon die „alten“ Propheten haben immer wieder die zum Himmel schreienden Missstände im Volk Gottes aufgedeckt und Gottes Gericht angekündigt. Doch die Stimme der Propheten wurde nicht gehört, sie wurden zum Schweigen gebracht. Jesus kannte natürlich die Botschaften der Propheten und als er bei seinem ersten öffentlichen Auftreten in seinem Heimatdorf aus dem Buch des Propheten Jesaja vorlas und erklärte, wie wenig das Volk bisher auf die Propheten gehört hat, wollte man ihn einen Abgrund hinabstürzen. Jesus wusste also, was ihm bevorstand, und er wusste auch um das Schicksal von Johannes dem Täufer. 

1. „Herren der Welt“

„Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen“. Bei uns (weil getauft!) aber soll es anders sein! Dazu drei Beispiele, die in dieser Woche in den Schlagzeilen waren (geschrieben am 20.06.20) und die zeigen, welche Werte heute in dieser unserer Welt dominieren.

a) Seit vielen Jahren ist bekannt (für den, der es wissen will), unter welchen Umständen weltweit und hierzulande Lebensmittel produziert werden, welche Auswirkungen dies auf unsere unmittelbare Umwelt hat, wir kennen die Arbeitsbedingungen, usw. Steuerkriminalität, Bereicherung über Wettbewerbsverstöße und systematische Ausbeutung von Arbeitern sind eher die Regel als die Ausnahme – vom Leiden der Tiere ganz zu schweigen. Die Missstände werden selten geahndet. Wird dann z.B. durch Vireninfektionen in den entsprechenden Betrieben die Öffentlichkeit informiert, geben politisch Verantwortliche sich schockiert. Die Betriebsbedingungen dieser industriellen Landwirtschaft, siehe Viehfutter, Pestizide, Gülle, etc. werden als systemrelevant erklärt. Also in welchem System, in welcher Gesellschaft leben wir denn? Ein einzelner kath. Pfarrer hat dies stets angeklagt – als „Rufer in der Wüste“. Im TV sprach er nun von einer „Mafia", von „Sklaven" und von „Sklaventreibern", von Opfern und Tätern, von „kriminellen Subunternehmern" und von Profiteuren auf dem Wohnungsmarkt, die selbst „mit erbärmlichen Wohnungen sehr viel Geld verdienen, wenn sie nur genügend Arbeitsmigranten hineinstecken können“ (ARD: „Plasberg“, 22.06.20).

b) Rassismus und Sklaverei. Da ich mehrere Jahre in indigenen Gemeinschaften gelebt und gearbeitet habe, könnte ich dazu viel sagen, würde aber an dieser Stelle zu weit führen. Ich möchte auch nicht über eine individuelle Schuld sprechen, sondern fragen, welchen Lebensstil wir uns leisten und auf wessen Kosten das geschieht. Am Beispiel der Lieferketten lässt sich dies anschaulich verdeutlichen. Kaum bekannt, aber eine der wichtigsten Initiativen mit Beteiligung der Kirchen besteht darin, unsere Mit-Verantwortung an der zunehmenden Verwüstung und an dem sich weltweit wieder ausbreitenden Hunger einzugestehen und uns verändern zu wollen. Viele deutsche Unternehmen lassen ihre Produkte in Ländern des Globalen Südens herstellen, oder verarbeiten Rohstoffe aus diesen Ländern in ihren Produkten. Sie profitieren dabei von billigsten Arbeitskräften und niedrigen Umweltauflagen. Schäden an Mensch und Umwelt werden bewusst in Kauf genommen, denn sie gehören zum Geschäftsmodell. Für den Profit der Unternehmen bezahlen vor allem die Menschen vor Ort in Form von Ausbeutung, Unterdrückung von Gewerkschaften, Hungerlöhnen, Vertreibungen und Umweltverschmutzung. Deutsche Unternehmen verlagern nicht nur ihre Produktion ins Ausland, sondern auch ihre unternehmerische Verantwortung und die Schäden, die mit der Produktion einhergehen. An unzähligen Beispielen und auch bei Besuchen vor Ort selbst gesehen und erlebt, lässt sich zeigen, dass unser Wohlstand mit auf (neo-) kolonialer Ausbeutung und moderner Sklaverei beruht.

c) Deutsche Waffenexporte: Am Montag dieser Woche bombardierten saudische Kampfjets u.a. ein Zivilfahrzeug im Nordjemen und töteten alle 13 Insassen, darunter vier Kinder. Seit über fünf Jahren stehen derartige Massaker auf der Tagesordnung – und Deutschland gehört mit seinen fortgesetzten Waffenlieferungen in diesem Angriffskrieg zu den größten Komplizen dieser Verbrechen. Aus dem am 19. Juni erschienenen Rüstungsexportbericht 2019 geht hervor, dass die Bundesregierung im vergangenen Jahr mit Rüstungsgütern im Wert von über 8 Milliarden an 131 Länder so viel genehmigte wie seit 25 Jahren nicht mehr. Über 1,2 Milliarden gingen allein an die acht Länder der Anti-Jemen-Koalition. Dazu passt, dass ebenfalls in diesen Tagen diskutiert wurde, ob wir uns noch mehr als bisher - zu unserer eigenen Sicherheit - an einer atomaren Kriegsführung aktiv beteiligen sollten.

Fazit: Die von uns zu unserem Vorteil errichtete Weltordnung (Kolonialismus, Rassismus, Kapitalismus) muss verteidigt werden. Im Namen solcher Werte wie Freiheit, Menschenrechte und Demokratie wird die Kluft (global und lokal) zwischen Reichen und Armen immer größer. Das Römische Reich beutete seine Kolonien (u.a. Palästina) gnadenlos aus - gestützt auf eine effektive Finanzwirtschaft, ein Rechtssystem, das Privateigentum für unantastbar erklärt und einen überlegenen Militärapparat. Der Unterschied zu heute besteht darin, dass diese Verhältnisse im Laufe der letzten 500 Jahren ausgehend von Europa globalisiert werden konnten. Und es gibt einen weiteren Unterschied: Im röm. Reich wurden zwar z.B. riesige Wälder abgeholzt, aber die Menschheit stand nicht unmittelbar vor ihrem Ende. Heute haben wir aber keine 2000 Jahre mehr Zeit, vielmehr geht die Verwüstung beschleunigt weiter. Unsere imperiale Lebensweise erschwert/verhindert möglicherweise das wahre Hören, verhindert zu verstehen und braucht daher die Rechtfertigung einer imperialen Theologie, deren Basis das Konstrukt einer dualistisch-griechischen Philosophie ist, nicht aber die Botschaft Jesu im Kontext seiner Zeit ist.

Wir haben uns als Menschheit in eine Lage manövriert, in der uns nur noch eines bleibt: Umkehr, radikale Veränderung oder wir werden nicht mehr sein. Aber es besteht eine Chance: Erstmals ist weltweit ein neues, eine gemeinsames Narrativ möglich, weil notwendig. Denn es geht um das Überleben der Menschheit als Spezies. Dies wird nur möglich sein mit einer gemeinsamen Basis und einem gemeinsamen Ziel: Ein Leben in Würde für alle (christlich) vorrangig der „Aussätzigen“, im Rahmen der planetarischen Grenzen. Wir als Christen sollten dabei vorangehen, denn uns ist eine befreiende Botschaft geschenkt.

Das Schwerpunktthema von „nachhaltig predigen“ für das Kirchenjahr 20/21 lautet „abgebrannt…“. Und ja, der Menschheit ist es gelungen, viele für das permanente Wachstum lebensnotwendige Ressourcen buchstäblich zu verbrennen, der Treibstoff für die rasante Entwicklung der letzten 200 Jahre geht zu Ende, vor allem aber haben wir damit unseren Planeten derart „ins Schwitzen“  gebracht“, dass die Menschen und viele Tierarten dies nicht mehr ertragen können. Abgebrannt aber auch im übertragenen Sinn: Unser vorwiegend westlich geprägtes Lebensmodell, die Kosmovision weißer Menschen mit ihrem Wachstumswahn und ihrem extrem übersteigerten Individualismus, ist an seine Grenzen gestoßen bzw. hat sie schon überschritten. Die Verheißungen der Propheten und die Botschaft Jesu können uns die Kraft und den Mut geben, umzukehren. Die Beispiele vieler Menschen in der Nachfolge Jesu lehren uns, dass wir das schaffen können.

2. Vom Dienen und bedient werden

Wie gesagt, fast alle Gleichnisse Jesu handelten von diesen Ungerechtigkeiten. Seine Botschaft lautet: Dies wird ein Ende haben und wir stehen am Beginn einer neuen Zeit (siehe u.a. Lk 4,16-30), die mit Jesus dem Christus beginnt. Jesus nennt dafür auch immer wieder eine Voraussetzung: Hören – radikal umkehren – nachfolgen in Gemeinschaft. Das gilt auch für die Kirche als Organismus. Er spricht von einer neuen „Sitzordnung“, d.h. Werteordnung – die Letzten (nach den Werten dieser Welt) werden die Ersten sein, siehe auch das Beispiel von Lazarus, u.v.a. Welche Menschen werden im „neuen Reich“ die Ersten sein, die Vorbilder, die uns möglicherweise vorangehen? Die Antwort Jesu ist eindeutig: Wer bereit ist, seinen Weg mitzugehen, ihm nachzufolgen, bereit ist „Diener aller zu sein“ (um der Armen willen) und bereit ist, mitzuleiden und persönliches Leid zu riskieren.

Waren die Jünger*innen Jesu denn Priester? Ihr Auftrag von Jesus (wenn man schon zu Recht die 12 Apostel als Symbol für die 12 Stämme Israels verstehen will) lautet: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ und geht hinaus in alle Welt. Damit ist das gesamte Volk Gottes gemeint, alle Getauften. Das ist ihr Auftrag: zu dienen, mitzuleiden, dem Nächsten die Füße zu waschen, sein Leben riskieren. In der Nachfolge Jesu haben Menschen ihr Leben riskiert. Nicht nur Bischöfe wie Oscar Romero wurden zu Märtyrern. In diesen Tagen und mehr als zuvor werden (am häufigsten in Kolumbien und Brasilien) engagierte Jünger*innen ermordet, die sich in beispielhafter Weise für ihre mitleidenden Nächsten, ihre christliche Basisgemeinde und für eine intakte Umwelt einsetzen. Sie werden ermordet, weil sie Gerechtigkeit fordern und ein Leben in Würde.

Ein persönliches Beispiel, nicht ich selbst, damit kann ich leider nicht dienen, sondern zu Valíco, einem indigenen Katecheten. Valíco, ein junger Katechet und Gesundheitshelfer, von der Gemeinde ausgebildet und vom Bischof beauftragt, hat mich oft auf den langen Wegen begleitet. Eines Tages wurde er verhaftet (wie des Öfteren andere Aktive der Campesino-Gemeinde auch), man fesselte ihn ans Kreuz, mit dem Kopf nach unten und brach ihm Arme und Beine. Nach 6 Monaten wurde Valíco entlassen, schwer gezeichnet. Wir rieten ihm, sich vorerst nun etwas zurückzuhalten. Doch entrüstet lehnte er ab. „Wie könnte ich in dieser Situation meine Brüder und Schwestern im Stich lassen? Gott hat mich berufen. Ich kann nicht anders, als meinen Weg mit meiner Gemeinschaft weiterzugehen. Es gibt keine Alternative zu dem Einsatz für eine gerechtere Welt“. Und er machte weiter und mit ihm viele andere Menschen…

In der 1. Lesung von heute spricht der Prophet Jesaja vom Gottesknecht (Jesaja 53, 10-11) der bereit ist, sein Leben in den Dienst des Nächsten zu stellen und mit den Ausgegrenzten ihr Leid und ihr Schicksal zu teilen. Er teilt mit ihnen aber auch die Hoffnung, ja die Gewissheit auf eine bessere Welt, damit der Plan des Herrn durch ihn gelinge. Dadurch wird er selbst zur Hoffnung und zum Licht in der Finsternis für alle, die sich nach Befreiung sehnen. „Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis“.

Brauchen wir denn einen Klerikerstand? Jesus hat keine Menschen zu Priestern geweiht und die ersten christlichen Gemeinschaften hatten keine "Geweihten". Das Wort „Klerus" taucht im Neuen Testament nicht auf. Dieser Begriff wurde wahrscheinlich im 3. Jahrhundert von einigen christlichen Schriftstellern eingeführt. Unter „Klerus" wurde eine Gruppe von „privilegierten" Menschen verstanden, privilegiert, weil sie von Steuerlasten und anderen Verpflichtungen befreit waren, die der Kirche gewährt wurden - insbesondere ab dem Jahr 313, anlässlich der angeblichen Bekehrung von Kaiser Konstantin. Diese „Privilegierten" verstanden sich nun als die Führer der Kirche. Kurz gesagt, der Klerus hob sich damit wie selbstverständlich vom gemeinen Volk ab. So ist und bleibt es seit dem 4. Jh. Wenn es jedoch eine Sache gibt, die in den Evangelien klar ist, dann ist es dies, dass Jesus in seiner Gemeinschaft der „Anhänger" und Jünger*innen weder Privilegierte noch Privilegien wollte, siehe das Beispiel von Jakobus und Johannes. Und vor allem gab Jesus seinen Aposteln beim Abschiedsessen das Beispiel des Lebens, das sie führen sollten: Die Füße anderer waschen (Joh 13,12-15). Das bedeutete, dass sie ihr Leben nicht als abgehobene Kaste, als „Privilegierte“, sondern als „Sklaven“ im Dienst des Nächsten führen sollten.

Die Fußwaschung war in den Gemeinden des NT ein Frauendienst. Es ist also das Beispiel der Frauen, das Jesus als Leitbild für seine Nachfolge wählt. Die Männer des Evangeliums stehen dagegen in seltsamen Kontrast zu diesen Frauen. Es sind ausschließlich Männer, die geheilt werden müssen oder die Jesus nicht verstehen. Sie sind es, die der Heilung bedürfen. Sie sind blind und lahm, sterben fast oder sind schon tot. Außerdem: Sie hören das Wort Gottes (die Frohe Botschaft), verstehen es aber nicht und das Entscheidende: Jesus ist auferstanden, er lebt, er ist mitten unter uns, aber sie sind taub und blind. Es ist eine Frau, die voller Liebe ist und die deswegen versteht, dass Jesus lebt und die dann seinen männlichen Jüngern die Augen öffnet. Wenn also doch von den „Ersten im Reich Gottes“ die Rede sein sollte, dann von Menschen wie Maria Magdalena (Maria von Bethanien?) oder wie Valíco, dem Campesino-Katecheten - statt Männern in römischen Gewändern (und wohl auch römischer Gesinnung) und gar mit einem Mitra auf dem Kopf, dem Hoheitszeichen der Pharaonen, der Sklavenhalter. „Wenn wir alle diese Aspekte berücksichtigen, so ist der/die Evangelistin (Ev. nach Johannes) daran interessiert, Maria von Bethanien als die wahre Jüngerin und Amtsträgerin zu schildern. Maria nimmt Jesu Gebot, als Zeichen der Agape-Praxis wahrer Nachfolge einander die Füße zu waschen, vorweg“. (Fiorenza Schüssler)

Dr. theol. Willi Knecht, Diözese Rottenburg-Stuttgart (www.williknecht.de)

Beitrag zu: www.nachhaltig-predigen.de, eine ökumenische Initiative der ev. Landeskirchen und kath. Bistümer.

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