Über diese Seiten

Was ist Theologie (will sie christlich sein)? 

„Die Armen zu verteidigen bedeutet nicht, Kommunist zu sein, sondern bedeutet, die zentrale Botschaft des Evangeliums zu verstehen“ (Papst Franziskus, Botschaft zum Palmsonntag, 05.04.20). Er erinnerte daran, dass die erste Frage Jesu im Gericht sein wird: „Wie hast du es mit den Armen gehalten? Hast du ihnen zu essen gegeben? Hast du sie im Gefängnis oder im Krankenhaus besucht? Hast du der Witwe und dem Waisenkind geholfen? Denn ich war es, dem du da begegnest bist.“

Eine einfache Wahrheit, mit einfachen Worten, genau wie auch Jesus in einfachen Worten zu den Menschen spricht, die ihn deshalb verstehen. Nur Schriftgelehrte hatten damals Probleme, ihn zu verstehen, denn sie hatten ja ihre eigenen Weisheiten. Ist dies heute anders? Franziskus gilt daher nicht als großer Theologe, sondern bestenfalls als warmherziger und mitfühlender Pastor. Aber was brauchen wir mehr? War Jesus ein großer Theologe oder gar Wissenschaftler? Wenn heute plötzlich alle theologischen Fakultäten geschlossen würden – wer würde dies überhaupt bemerken? Warum gibt es so viele theologische Bücher, Artikel und Veröffentlichungen, die kaum jemand liest? Vielleicht will man (oder muss man?) damit beweisen, wie wichtig man ist? Ich veröffentliche, also existiere ich! In gleicher Weise wird z.B. auch die Theologie der Befreiung – weil man so konditioniert ist – bestenfalls wohlwollend und man ist ja so tolerant - als eine bestimmte Sparte oder auch nur als Fußnote der „eigentlichen“ Theologie einsortiert und in eine fertige Schublade abgelegt.

Um die Worte Jesu und den Schrei der Gekreuzigten nach Brot und Gerechtigkeit zu hören und zu verstehen, bedarf es einer bestimmten Hermeneutik - Hermeneutik nicht zuerst als Methode, sondern eine innere Disposition bzw. Fähigkeit, diesen Anruf Gottes, des leidenden Nächsten, auch verstehen zu wollen. Diese Fähigkeit ist jedem Menschen gegeben. (Karl Rahner, Hörer des Wortes). Sie wird aber – vielleicht heute mehr als je zuvor – buchstäblich zugemüllt, verschüttet von dem steten Bestreben nach immer mehr Konsum und mehr Anerkennung, erschüttert von einem überbordenden Individualismus. Dieser Individualismus aber wird gefordert und befeuert von einem Wirtschaftssystem, das gerade darauf beruht, sich selbst und seine Bedürfnisse zum obersten oder gar absoluten Maßstab zu machen. Und wem dies gelingt, wird das Heil versprochen: Noch mehr Haben, mehr Macht und mehr Anerkennung. Diese Vorstellung von „Menschwerdung“ ist zum grundlegenden Dogma der Neuzeit geworden, das über Kolonialisierung und aktuellem Neokolonialismus inzwischen bis in die letzten Winkel unseres Planeten zum alternativlosen Paradigma geworden ist und falls notwendig auch mit Gewalt durchgesetzt wird. Die Botschaft dieser Religion lautet: Reichtum und Macht sind ein Zeichen der Gnade Gottes, Armut und Machtlosigkeit sind ein Zeichen von Versagen, eigener Schuld, ja von Sünde.

Und wir als Christen in den reichen Ländern? Wie konnte aus einer befreienden Botschaft für alle „Aussätzigen“ und „Müllmenschen“ (Papst Franziskus) dieser Welt eine Religion werden, die Kolonialisierung nicht nur rechtfertigte, sondern auch aktiv mitgestaltete? Sind daher nicht auch unsere „Seelen“ (unsere Identität, unsere Geisteshaltung, unsere Persönlichkeit) kolonisiert worden und wir spüren dies überhaupt nicht mehr? Ausgerechnet evangelikale Christen, im Bündnis bzw. als „nützliche Idioten“ mit den „Fürsten dieser Welt - sind oft die glühendsten Verfechter und Verkünder dieser Religion. Die auch bei uns noch vorherrschende Lehre, dass wir alle schon gerettet (erlöst) seien, weil Gott seinen Sohn für uns geopfert hat, führt dazu, dass wir uns zuerst um unsere eigene Seele und deren Heil zu kümmern brauchen: „Wenn die Welt auch noch so böse, die Menschheit wie Lemminge auf den Abgrund zurast – wir sind ja schon längst gerettet, wir sind in Gottes Hand!“ Ausgerechnet auch in der reichsten Kirche der Welt, deren Mitglieder als Mitverursacher und Nutznießer so vieler Katastrophen von dem Elend und der Verwüstung der Erde am meisten profitieren, ist diese Botschaft noch zuhören – Gott sei Dank nicht mehr als alternativlose.   

Ein solcher Glaube muss sich fragen lassen, ob dies auch nur annähernd etwas mit dem biblischen Glauben zu tun hat.

Die Botschaft Jesu, seine Worte und Taten, sprechen von einer ganz anderen „Menschwerdung“. Sie beginnt in einer armseligen Hütte, am Rande und mitten unter den Ausgestoßenen. Denn es waren die „Hirten auf dem Felde“, damals die am meisten verachteten Menschen, denen zuerst die Frohe Botschaft verkündet wurde („Fürchtet Euch nicht, denn ich verkünde Euch eine große Freude!“), die sie hörten, sich auf den Weg machten und den Weg zu Jesus dem Christus fanden. Jesus verkündigt dann diese Frohe Botschaft (bzw. er selbst verkörpert diese Botschaft) im ganzen Land und zuletzt in Jerusalem, dem Zentrum der Macht. Deswegen wurde er dort als Gotteslästerer verurteilt und ermordet. Und aus dem gleichen Grund werden auch heute noch Menschen ermordet, weil sie in der Nachfolge Jesu leben und sterben.

Hören und verstehen, die möglicherweise zugemüllten Fähigkeiten wiederentdecken, freischaufeln und neu verstehen! Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich selbst in Frage zu stellen - sowohl sich selbst, seine Lebensweise, sein Verhältnis zum Mitmenschen und zur Welt, als auch seinen Kontext, möglicherweise seine Gefangenschaft in einem System, dem es so unheimlich schwer ist zu entkommen. Vielleicht entdecken wir dann, dass wir in einem goldenen Käfig leben und die Welt nur durch die Gitterstäbe wahrnehmen können, eine verzerrte Wirklichkeit. Aber eine solche Entdeckung wäre schon der erste Schritt. Wie uns befreien? Man kann es einüben: Sich „leer“ machen – loslassen – offen werden, so der Dreischritt, um vergessene Fähigkeiten neu zu erlernen. Letztlich wäre dies auch eine Voraussetzung um lieben zu können, sich hingeben zu können und auch mitleiden zu können.

Erst wenn wir uns unseren eigenen Dämonen stellen, können wir sie auch austreiben und frei werden. Liebe und Hingabe – statt Ego und Gier – „retten“ uns. Dann kann ich auch nicht mehr ertragen und leide mit, wenn Menschen um ihr Leben gebracht werden, wenn ihnen Gewalt angetan wird, sie Hunger leiden und an heilbaren Krankheiten sterben. Und weil ich dies nicht länger ertragen kann oder gar als „von Gott gegeben“ verstehe, dann stehe ich auf, leiste Widerstand und weiß mich getragen und dabei in Gemeinschaft mit Jesus und allen Menschen, die sein Schicksal geteilt haben. In einer solchen Gemeinschaft leben und Solidarität praktizieren (als „Zeichen“: Brotteilen) wären dann das Kennzeichen einer erneuerten Kirche – die rettende Alternative!

Noch ein Nachwort zu „Theologie“: Menschen und Gemeinschaften zu begleiten und zu helfen, dies alles auch leben zu können wäre dann die edelste Aufgabe einer biblisch-christlichen Theologie. Unser Gerede von Gott ist authentisch und aufrichtig, wenn wir uns von dem Leiden der missbrauchten Kreatur und Natur herausfordern lassen. „Deshalb wird die Theologie, die benötigt wird, nicht in spekulativen Systemen durchgeführt, die schlüssige Argumente und Antworten auf jedes Problem bieten. Viel mehr brauchen wir eine Theologie, die viel mit Kunst und Poesie zu tun hat. Eine Theologie, die mit Einfühlungsvermögen und Einfühlungsvermögen die Geschichten des Lebens, der Viacrucis und der Auferstehung des gekreuzigten Volkes zu erzählen weiß und im Dienst des Glaubens des gekreuzigten Volkes steht“ (Martha Zechmeister). „Theologie ist für mich wie das Schreiben eines Liebesbriefes an Gott, an die Kirche und an die Menschen selbst" (Gustavo Gutiérrez).


Ein Beispiel aus meiner praktischen Arbeit im "Ehrenamt": 

Beitrag der Kirchen zur Entwicklungszusammenarbeit in BW – Strategietag der Kirchen (2 kath. Diözesen, 2 ev. Landeskirchen) in Baden-Württemberg 2014

  1. Geistlicher Impuls und Einstieg von Willi Knecht  (Auszüge)

Ich komme von den "äußersten Rändern" der Diözese - aus Ulm. Mein kirchlicher, spiritueller Kontext ist allerdings die lateinamerikanische Kirche, genauer: diejenige Kirche, die in der Folge des Konzils inmitten der Armen für eine gerechtere Welt kämpft. Was kann der spezifisch christliche Beitrag der Kirchen sein? Das, was das Wesen des Christentums ausmacht! Nicht mehr und nicht weniger. Doch was heißt das? Jesus als den Christus bekennen, der uns zur Nachfolge ruft, zu einem Leben in Fülle, das uns allen verheißen ist. Der aufsteht gegen „die Sünde der Welt“ (Götzendienst, sich selbst und seine Bedürfnisse zum absoluten Maßstab machen usw.) und der deswegen konsequenterweise von den „Fürsten der Welt“ gekreuzigt wird. Die eine Kirche Jesu Christi ist die Gemeinschaft all derer, die diesen Jesus als Christus bekennt und ihm nachfolgt.

„Während wir unsere Kräfte damit vergeuden, den äußeren Prunk für den Kult zu vermehren, leiden viele Kinder Gottes um uns herum an Hunger, Krankheiten und Elend. Der Prunk ist nicht vereinbar mit dem gleichzeitigen Elend des Volkes. Wir müssen verstehen, dass das Christentum den ganzen Menschen betrifft. Wir können das Leben der Frömmigkeit nicht trennen vom alltäglichen Leben. Jemand ist nicht dann ein guter Christ, wenn er zwar täglich die Sakramente empfängt, aber nicht für soziale Gerechtigkeit eintritt“. (1959) „Der Mensch als Kind Gottes steht über der Wirtschaft. Diejenigen, die wirtschaftliche Prinzipien über die Würde des Menschen stellen, hören auf, Christen zu sein“. (1961)

Solche Worte mögen uns heutzutage wieder etwas vertrauter erscheinen – Gott sei Dank! Aber es sind keine Worte von Papst Franziskus, sondern von Bischof Dammert, Peru, aus den 60-er Jahren. (Bischof José Dammert Bellido, Weibischof in Lima von 1958 - 1962 und Bischof von Cajamarca 1962 – 1992. Bischof Dammert war Erstunterzeichner des Katakombenpakts und danach der entscheidende Motor dieser Bewegung der „kleinen Bischöfe“, der sich weltweit etwa 600 Bischöfe per Unterschrift verpflichtet fühlten.) Dieser Bischof hat dies auch gelebt und darum hat man ihm geglaubt. Und aus einer Kirche auf der Seite der Mächtigen wurde eine Kirche der „Ohnmächtigen“ – und gerade so zu einem ernstzunehmenden Faktor zugunsten der Ausgegrenzten. Aus einer gotteslästerlich reichen Kirche wurde eine Kirche der Befreiung … !  

Ermutigende Zeichen bei uns:

  1. Spätestens seit Anfang der 80-er Jahre führte das Bewusstsein, dass das Überleben der Menschheit als Ganzes in Frage gestellt ist, europaweit zu einer ökumenischen Bewegung: „Kairos - Die Zeichen der Zeit erkennen“. Der Glaube lehrt uns, die Zeichen der Zeit zu erkennen, in ihnen spricht Gott zu uns. Die Zeichen der Zeit müssen im Lichte des Evangeliums gedeutet werden. In der Ausstellung „Kirche der Befreiung“ der Gemeinde St. Georg, Ulm aus dem Jahre 1983 heißt es: „Die bestehende Weltordnung basiert auf dem Recht des Stärkeren und der absoluten Vorherrschaft des Kapitals. Der wirtschaftliche Kreislauf wird allein von den Interessen der reichen Länder bestimmt und führt zu mehr Reichtum unsererseits und zu immer mehr Elend weltweit.“
  1. Wir scheinen vor einem Epochenwechsel globalen Ausmaßes zu stehen: Über Tausende von Jahren hinweg hat die Menschheit bestimmte Verhaltensregeln entwickelt, um die destruktiven Seiten des Menschen einigermaßen zu zähmen und die Gleichheit aller Menschen zu entwickeln (Religionen, Humanismus, Menschenwürde). Doch nun steht dies zur Disposition: „Immer mehr, jeder für sich und einer gegen alle, wer etwas hat, der hat Recht und wer nichts hat, hat bestenfalls Pech gehabt oder ist selbst schuld“, das wird zur Grundregel unseres Wirtschaftens und Zusammenlebens erklärt - ohne jede Alternative. Im Zuge der Kolonialisierung wurde dieser Irrweg globalisiert. Zurück in die Steinzeit im Namen des Fortschritts? Ihr Gott ist das Geld. Und die Gier nach immer mehr Besitz und Macht ist nun die weltweit herrschende Religion.
  1. Die Initiative „Prophetische Kirche“, hervorgegangen aus dem Deutschen Katholischen Missionsrat, veröffentlichte 2011 einen Aufruf, dem sich bundesweit viele Menschen anschlossen. „Wir erleben unsere Welt im krassen Widerspruch zu der Botschaft des Evangeliums: `Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben`. Wir erleben die Zerstörung unseres Planeten, wir sehen das Elend von einer Milliarde hungernder Menschen, die Hoffnungslosigkeit einer Jugend ohne Zukunftsperspektive. Dazu können wir als Christen/-innen und Kirchen nicht schweigen. Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Die Zeit ist reif für ein grundlegendes Umdenken: `Kehrt um!` Der Tanz um das goldene Kalb wird zum Totentanz für Mensch und Natur“. (Aus: „Leben in Fülle für alle! – Aufruf für eine prophetische Kirche“, Mitverfasser W. Knecht)
  1. Eine neue Initiative, in der auch das Ökumenische Netzwerk Württemberg (u.a.) stark vertreten ist, will den Kairos - Gedanken neu aufgreifen: Aus dem Aufruf: „Im ökumenisch-konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung haben die Kirchen die Überlebensfragen der Menschheit zu ihren eigenen gemacht. Die Überlebensfragen haben inzwischen deutlich an Dramatik zugenommen. Die Zeit ist reif, die Fragen des konziliaren Prozesses neu aufzugreifen.“ (Aus: Die Zukunft die wir meinen - Leben statt Zerstörung: Zur Notwendigkeit einer Ökumenischen Versammlung, Mitverfasser W. Knecht)

Mit Papst Franziskus werden diese zentralen Themen des Evangeliums wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Dies betrifft auch die Kirche selbst. Themen wie eine „Kirche der Armgemachten“ bzw. eine (materiell) arme Kirche sind eine prophetische Herausforderung gerade auch an unsere Diözesen und Landeskirchen - an uns alle. Eine jesuanische Spiritualität, die uns in ausgegrenzten und leidenden Menschen den gekreuzigten Christus entdecken lässt, wird zu einem radikalen Umdenken führen und Welt und Kirche erneuern.

Wir brauchen mehr Theologie/Spiritualität, um von daher die richtige Perspektive gewinnen zu können und seinen eigenen Standort zu überdenken (so auch einer der Erkenntnisse von Busan 2013, ÖRK). Denn Jesus der Christus identifiziert sich mit denen, die aus wirtschaftlichen Interessen um ihr Leben gebracht werden. Ihr Schrei nach Brot und nach Gerechtigkeit ist das Wort Gottes an uns heute.

  • Bedingungslose und existentielle Option um der Armen willen (opción por…) – gegen alles aufstehen, was den Menschen versklavt, bzw. ihn seiner Würde beraubt. Umkehr: „Kehrt um, denn nun beginnt eine neue Zeit“.
  • Prophetische Kirche: Anklage des Götzendienste - Missstände aufdecken – Verkündigung einer neuen Welt.
  • Wir sind nur glaubwürdig, wenn als arme Kirche der Armen, auf der Seite der Ohnmächtigen; nur wenn es uns als Kirche (Gemeinschaft) gelingt, aus unseren goldenen Käfig auszubrechen und selbst frei zu werden, werden wir als eine Kirche der Befreiung zu dem werden, zu dem uns Jesus der Christus berufen hat: zu Inseln des Lebens inmitten des Todes – zu einem Zeichen des Heils für alle Menschen.

„Wir können mit der Messe, mit den Sakramenten und der Liturgie den Atheismus predigen, wenn wir uns nicht für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Die uns im Gotteshaus versammelt sehen, sehen sie uns auch Hand anlegen beim Kampf um die Gerechtigkeit, damit alle unsere Geschwister in Würde leben können?“ (Bischof Fragoso, Brasilien, 1973). Bischof Fragoso wurde wie andere wegen diesem seinen Glauben eingesperrt und misshandelt – solche Frauen und Männer sie sind daher die wahren Zeugen des Todes und der Auferstehung Jesu Christi.

2. Schlusswort und abschließende Betrachtung (von Willi Knecht)

Dass es einen solchen Tag überhaupt gibt, ist sehr gut. Wir kamen zu Ergebnissen und Absprachen. Nicht jeder muss immer wieder alles neu erfinden. 

  • „Eigentlich“ wissen wir alles, will heißen, die Probleme sind bekannt.
  • „Eigentlich“ müssten wir vieles anders machen. Doch scheint eine große weltweite Lähmung alles zu überdecken. Was sind die Ursachen für diese Lähmung?
  • Wie können wir uns als Kirchen Gehör verschaffen (nicht um der Kirchen willen, sondern um der Menschen und deren Überleben willen)? Mit klaren Worten und einer eindeutigen Option – oder nur wie z.B. mit dem aktuellen Sozialwort der Kirchen, das niemanden beunruhigen wird? In welchem wirtschaftlich-gesellschaftlich-politischen Kontext leben und reden wir als Kirchen?
  • Sind wir als Kirchen denn von der Gesellschaft und ihren herrschenden Werten noch zu unterscheiden? (Oder sollten wir uns ausgerechnet und exklusiv in der Sexualmoral unterscheiden, obwohl davon nichts in der Bibel steht)? Und wenn nicht – wer braucht uns denn noch? Es gäbe stattdessen sehr viele grundlegende Bereiche, wo wir uns unterscheiden müssen, wollen wir glaubhaft die Kirche Jesu Christi sein (siehe Impuls von heute Morgen).
  • Das wäre z.B. eine radikale Abkehr von dem herrschenden Wachstumswahn. Stattdessen profitieren die Kirchen vor allem in Deutschland von dem Zwang, immer mehr auf Kosten von Mensch und Natur produzieren zu müssen.
  • Eine Kirche (und Theologie), die – de facto – Geld und Finanzen als ihre eigentliche Grundlage sieht, betreibt Götzendienst. Sie ist dem gleichen Wahn verfallen, der zum Untergang führt. Wie glaubwürdig sind wir also als Kirche? Und wieso glauben wir, dass es zu dieser weltweit herrschenden Ideologie keine Alternative gäbe?
  • Eine Kirche der Armen (wie ansatzweise in Teilen Lateinamerikas seit dem Konzil) hat gezeigt, dass durch eine konsequente Verkündigung der befreienden Botschaft und eine entsprechende Praxis die Kirche (die Gemeinschaft aller Menschen, die an Jesus den Christus, den Messias glauben) zu dem wird, zu dem sie berufen ist: zum Brot des Lebens für alle die hungern und dürsten, zum „Zeichen des Heils“ für alle Menschen.
  • Dafür müssen wir gemeinsam einstehen und handeln. Stattdessen herrschen immer noch parallele oder gar sich ausschließende Strukturen. Angesichts der großen Überlebensfragen der Menschheit und im Kampf für ein „Leben in Fülle“ für alle, interessiert es da noch, was denn nun typisch evangelisch oder typisch katholisch ist?
  • Die wahre Spaltung der Kirchen besteht darin, dass die einen Christen auf Kosten der anderen Christen leben oder auch, dass einige Gruppierungen Mammon als Gott anbeten (und folglich entsprechende wirtschaftlich-finanziell-politische Machtstrukturen geschaffen haben), während andere, die dagegen aufstehen, verfolgt werden.
  • Lassen wir uns diesen Tag als einen kleinen Schritt auf dem Weg betrachten, den uns Jesus gezeigt hat. Wir dürfen mit ihm gehen (ihm nachfolgen) in der Gewissheit, dass er uns nie im Stich lassen wird.

Copyright © 2016 - Willi Knecht
All Rights Reserved