Bischof José Dammert Bellido - seine Leben und seine Bedeutung
José Dammert Bellido war einer bedeutendsten lateinamerikanischen Bischöfe des 20. Jahrhunderts – ein Konzilsvater, ein Wegbereiter der Befreiungstheologie und ein pastoraler Erneuerer, der Cajamarca zu einem internationalen Referenzpunkt für eine Kirche der Armen machte. Seine Lebensgeschichte verbindet akademische Exzellenz, kirchenpolitische Verantwortung und eine radikal evangeliumsgemäße Nähe zu den Ausgegrenzten.
📌 Herkunft und Ausbildung
- Geboren: 20. August 1917 in Lima
- Gestorben: 10. September 2008 in Lima
- Großvater deutscher Herkunft; frühe internationale Prägung.
- Studium der Rechtswissenschaften und des Kirchenrechts in Pavia und Rom, Promotion im Zivilrecht.
- Ab 1938: Generalsekretär der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru; später Professor für Römisches Recht, Kirchenrecht und Kirchengeschichte.
- Parallel dazu Theologiestudium; Priesterweihe 1946.
📌 Aufstieg in der Kirche
- 1958: Ernennung zum Weihbischof von Lima und Titularbischof von Amathus in Palaestina.
- 1957–1962: Erster Generalsekretär der peruanischen Bischofskonferenz.
- 1962: Ernennung zum Bischof von Cajamarca durch Papst Johannes XXIII.
- Teilnahme an allen vier Sitzungsperioden des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965).
- 1992: Rücktritt aus Altersgründen.
🌱 Bedeutung und Wirken
🌎 1. Ein Wegbereiter der lateinamerikanischen Kirchen-Erneuerung
Dammert Bellido war eine Schlüsselfigur des kirchlichen Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Er prägte maßgeblich die Arbeit der CELAM (Lateinamerikanische Bischofskonferenz) und stand in engem Austausch mit Persönlichkeiten wie Hélder Câmara und Leonidas Proaño.
🤲 2. Eine Kirche der Armen – Cajamarca als Modell
Unter seiner Leitung wurde das Bistum Cajamarca zu einem international anerkannten Laboratorium für Basisgemeinden, indigene Pastoral und soziale Gerechtigkeit.
- Arbeit in den Elendsvierteln einer Region, die zugleich eines der größten Goldvorkommen Amerikas besitzt.
- Einsatz für die Rechte der Armen und Indigenen – oft gegen wirtschaftliche und politische Interessen.
- Ablehnung von Insignien bischöflicher Macht; Orientierung am Geist von Charles de Foucauld.
📚 3. Wissenschaftliche Beiträge
Er veröffentlichte Studien zur Religiosität und Geschichte der Region Cajamarca, u. a. über Prozesse wegen „Aberglauben“ im 17. und 18. Jahrhundert.
🕊️ 4. Spirituelle Haltung
- Freundschaftliche Beziehung zu Papst Paul VI.
- Betonung einer einfachen, armen Kirche.
- Erster „Indiokatechet“ der Welt – ein Titel, der seine Nähe zu indigenen Gemeinden ausdrückt.
📌 Warum er bis heute wichtig ist
🔹 Für die Kirche Lateinamerikas:
Er gehört zu jener Generation von Bischöfen, die das Zweite Vatikanische Konzil inkulturiert und in konkrete soziale und pastorale Praxis übersetzt haben.
🔹 Für die Befreiungstheologie:
Er war kein akademischer Theologe im engeren Sinn, aber ein pastoraler Architekt der Befreiungstheologie – ein Bischof, der die „Option für die Armen“ lebte, bevor sie zum offiziellen Programm wurde.
🔹 Für Cajamarca:
Seine Amtszeit machte die Diözese zu einem Modell für synodale, partizipative und volksnahe Kirche – ein Erbe, das bis heute wirkt.
Antonio Dammert Bellido (* 20. August 1917 in Lima, Peru; † 10. September 2008 ebenda) war Bischof der peruanischen Diözese Cajamarca. Er galt als erster „Indiokatechet“ der Welt.[1]
Leben
José Antonio Dammert Bellido, dessen Großvater aus Hamburg ausgewandert war,[2] studierte in Pavia und Rom Rechtswissenschaften und Kanonisches Recht. An der Universität Pavia wurde er in Zivilrecht promoviert.[3] 1934 besuchte er erstmals Deutschland. 1938 wurde er Generalsekretär an der Pontificia Universidad Católica del Perú in Lima und Professor für Römisches Recht, später auch noch für Kirchenrecht und Kirchengeschichte.[4] Zudem war er Präsident der „Katholischen Jugend“ der Erzdiözese Lima. Parallel studierte er von 1941 bis 1946 Theologie am Seminar Santo Toribio in Lima und empfing die Priesterweihe am 21. Dezember 1946. Von 1952 bis 1958 war er Vizerektor der Universität.
Papst Pius XII. ernannte ihn 1958 zum Titularbischof von Amathus in Palaestina und bestellte ihn zum Weihbischof im Erzbistum Lima. Die Bischofsweihe spendete ihm am 15. Mai 1958 der Erzbischof von Lima und spätere Kardinal Juan Landázuri Ricketts OFM; Mitkonsekratoren waren Carlos Alberto Arce Masías, Bischof von Piura in Peru, und Fidel Mario Tubino Mongilardi, Weihbischof in Lima. Von 1957 bis 1962 war er erster Generalsekretär der peruanischen Bischofskonferenz.
Johannes XXIII. ernannte ihn 1962 zum Bischof des Bistums Cajamarca. Auf dem Vaticanum II von 1962 bis 1965 war er Teilnehmer aller vier Sitzungsperioden.
Seinem altersbedingten Rücktrittsgesuch wurde 1992 durch Johannes Paul II. stattgegeben.
Wirken
„Don Pepe“ war maßgebend für den kirchlichen Aufbruch in Lateinamerika nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, vor allem mit seinem wesentlichen Engagement in der CELAM. Von 1990 bis 1992 war er Präsident der peruanischen Bischofskonferenz.
Das von ihm geführte Bistum Cajamarca besaß internationales Ansehen und war Wegweiser für die einheimischen Kirchen. Dammert Bellido wurde wegen der Arbeit mit den Ärmsten in den Elendsvierteln von Cajamarca, einem Ort mit den größten Goldvorkommen Amerikas und den profitabelsten der Welt, auf eine Stufe mit Hélder Câmara und Leonidas Proaño gestellt. Er lehnte Insignien bischöflicher Macht und Wappen ab und fühlte sich dem Geist von Charles de Foucauld verpflichtet. Mit Papst Paul VI. war Bischof Dammert freundschaftlich verbunden.[1]
Seine Mutter war die Gründerin der Acción Católica für Frauen in Peru.
Schriften (Auswahl)
- Procesos por supersticiones en la provincia de Cajamarca en la segunda mitad del siglo XVII. In: Allpanchis. Revista del Instituto de Pastoral Andina, Bd. 6 (1974), S. 179–200.
- Procesos por supersticiones en la provincia de Cajamarca en la segunda mitad del siglo XVIII. In: Allpanchis. Revista del Instituto de Pastoral Andina, Bd. 20 (1984), S. 177–184.
- Pastoral rural Cajamarca – Celebraciones de la vida cristiana. Publicaciones del Obispado, Cajamarca 1980.
- Veinticinco años al servicio de la iglesia. Centro de Estudios y Publicaciones (CEP), Lima 1983.
- Cajamarca durante la guerra del Pacífico. Publicaciones del Obispado, Cajamarca 1983.
- Reflexiones de Semana Santa. Centro de Estudios y Publicaciones (CEP), Lima 1987.
- Evangelização nos concílios limenses. In: Revista Eclesiástica Brasileira, Jg. 47 (1987), Heft 185, S. 75–82.
- Arzobispos limenses evangelizadores(= Colección Quinto Centenario, Bd. 12). Consejo Episcopal Latinoamericano (CELAM), Bogotá 1987.
- Primera evangelización y pastoral hoy(= Colección Quinto Centenario, Bd. 22). Consejo Episcopal Latinoamericano (CELAM), Bogotá 1988.
- Camino de pastoral en el Perú(= Colección Quinto Centenario, Bd. 34). Consejo Episcopal Latinoamericano (CELAM), Bogotá 1989.
- Crónica de Medellín. In: Medellín. Teología y pastoral para América Latina, ISSN0121-4977, Jg. 15 (1989), Heft 58/59, S. 18–20.
- El clero diocesano en el siglo XVI. In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 2: Primera evangelización del Perú (1992), S. 211–232.
- Clero diocesano y población andina. In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 3 (1993), S. 11–27.
- Los obispos y la iglesia del Sur Andino. Comentario a „La senal de cada momento: documentos de los obispos del Sur Andino, 1969–1994“. In: Allpanchis. Revista del Instituto de Pastoral Andina, Bd. 43/44 (1994), S. 561–567.
- Don Feliciano de Vega (1580–1639), criollo jurista, maestro y prelado. In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 4 (1995), S. 21–53.
- Diócesis peruanas en el siglo XIX. In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 5 (1996), S. 9–32.
- Circunscripciones eclesiásticas. In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 6 (1998), S. 9–32.
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
- Willi Knecht: „Die Wehklagen derer, die leiden, lassen mich nicht ruhen“ – José Dammert Bellido, Bischof von Cajamarca, Peru.In: Johannes Meier(Hrsg.): Die Armen zuerst: 12 Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999, ISBN 3-7867-2133-5, S. 90–115.
- Willi Knecht: Freiburg, Ulm und Cajamarca – Was man von den Christen in Peru lernen kann.In: imprimaturISSN 0946-3178 2001, Hefte 4 5+6
- Willi Knecht, Elmar Klinger, Ottmar Fuchs (Hrsg.): Die globale Verantwortung: Partnerschaften zwischen Pfarreien in Deutschland und Peru.Echter, Würzburg 2001, ISBN 3-429-02391-2.
- Willi Knecht: Die Kirche von Cajamarca: die Herausforderung einer Option für die Armen in Peru.Lit, Münster 2005, ISBN 3-8258-8900-9.
- Willi Knecht: Eine Kirche der Armen. In: Thomas Franz, Hanjo Sauer (Hrsg.): Glaube in der Welt von heute – Theologie und Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Echter, Würzburg 2006, ISBN 978-3-429-02804-6.
- Elmar Klinger: Bischof José Dammert Bellido von Cajamarca. Eine europäische Würdigung. In: Orientierung, Jg. 73 (2009), Nr. 2, S. 20–24.
- José Antonio Benito: Monseñor José Antonio Dammert Bellido (1917–2008). In: Revista peruana de historia eclesiástica, Bd. 12 (2010), S. 73–85
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- Einzelnachweise
- Willi Knecht: José Dammert Bellido – ein Bischof mit Poncho und Sombrero(PDF; 44 kB), 7. Februar 2007.
- Willi Knecht: „Die Wehklagen derer, die leiden, lassen mich nicht ruhen“ – José Dammert Bellido, Bischof von Cajamarca, Peru. In: Johannes Meier (Hrsg.): Die Armen zuerst: 12 Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999, S. 90–115, hier S. 93.
- Rafael Sánchez-Concha Barrios: Historias generales de la Iglesia en el Perú: Estado de la cuestión, 1953–2014. In: Anuario de Historia de la Iglesia, ISSN1133-0104, Jg. 24 (2015), S. 117–139, hier S. 135.
- Willi Knecht: „Die Wehklagen derer, die leiden, lassen mich nicht ruhen“ - José Dammert Bellido, Bischof von Cajamarca, Peru. In: Johannes Meier (Hrsg.): Die Armen zuerst: 12 Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1999, S. 90–115, hier S. 94.
Weblinks
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