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Entwicklungshilfe: warum - für wen - was bedeutet Entwicklung?
(Mein 1. öffentlicher Vortrag - als Mitglied in der kath. Studentengemeinde der EWH Landau - Pfalz)
Vortrag in der kath. Studentengemeinde der EWH Landau - Januar 1970; Wilhelm Knecht
Einleitung: Fragerunde, Vorurteile, Stand der Diskussion etc.
- Staatliche Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik
Vorurteile des Bürgers (Bildleser, Stimmungsmacher, Politiker, Medien insgesamt)
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Die wollen mit dem Geld nur Atombomben bauen
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Die sollen doch erst einmal ihre heiligen Kühe schlachten
- Die sind eben faul und dumm – selbst schuld – wir aber sind tüchtig
- In 3. Welt gibt es viele Reiche, zuerst sollen die doch helfen
- Geld dient der Aufrüstung, Waffengeschäfte
- Die haben zu viele Kinder, sollen sich eben beherrschen
Solche „Argumente“ beruhen meist auf Nichtwissen oder sie dienen als bewusste Verschleierung der wahren Interessen. Stattdessen, als 1 Beispiel: Westeuropa ist viel dichter besiedelt als z. B Lateinamerika, Afrika etc. Und es werden in der Tat viele Diktaturen von uns aufgerüstet - warum?
b) „Staatliche Aufklärung“ – Begründung der Hilfe
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Entwicklungshilfe muss sein
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damit unsere Absatzmärkte erhalten bleiben, bzw. neue geschaffen werden. Dies sichert und schafft auch neue Arbeitsplätze
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damit die 3. Welt in unser Wirtschaftssystem integriert wird und es noch besser zu unseren Gunsten funktioniert
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um ein Abdriften der armen Länder in den Kommunismus zu verhindern
Ziel: all dies ist notwendig, damit WIR unseren Wohlstand behalten und vermehren. E-Hilfe ist daher eine wirtschaftliche Notwendigkeit für uns und kommt uns letztlich wieder zugute. Sie ist eine notwendige Investition in die Zukunft der Freien Marktwirtschaft und damit in unsere Grundwerte.
c) Konkrete Beispiele für staatliche Entwicklungshilfe (Übersicht)
- Finanzpolitik – Kredite: dies verstärkt die Abhängigkeit der armen Länder, besonders der neu unabhängig gewordenen Länder in Afrika. Mit der Gewährung von Krediten werden Bedingungen verbunden, die tief in die Selbstbestimmung der Empfängerländer eingreifen: Steuerpolitik, öffnen für den Weltmarkt – Industrialisierung nach westlichem Vorbild, Freiheit für unsere Konzerne, etc.
- Landwirtschaft: Stauseen, Bewässerung für den Anbau von Exportgütern, Monopolkulturen (führt zu extremer Vernachlässigung der Selbstversorgung und Mangel an den lebensnotwendigen Grundnahrungsmitteln); Raubbau an Natur, Verwüstung. Beispiel die so genannte „Grüne Revolution“: Sie diente ausschließlich den reichen Großgrundbesitzern, dies aber auch nur kurzfristig, weil durch den langfristig erhöhten Bedarf an Pestiziden, Grundwasser usw. die Gewinne aufgezehrt werden. Sie führte zu einer Konzentration des Großgrundbesitzes und zur Vernichtung von Millionen kleinbäuerlicher Betriebe und Existenzen (vor allem in Indien), zudem zu einer noch größeren Abhängigkeit von außen. Während Großbauern in Indien - staatlich subventioniert - vermehrt Reis exportieren können, nimmt der Hunger in den Landgebieten Indiens stetig zu > Millionen Hungertote als Folge.
- Industrialisierung: Förderung von Ansiedlungen von Multis in armen Ländern, angeblich um Arbeitsplätze zu schaffen, dadurch eher Zerstörung der eh schon bescheidenen eigenen Industrie, des arbeitsintensiven Handwerks und einheimischer Traditionen. Technologische Abhängigkeit wird verstärkt.
Fazit: Wem kommt das zugute?
1) Wem kommt das zugute? Den Reichen Ländern und der einheimischen Oberschicht, die aufs Engste mit der unseren verbunden ist > gleiche Interessen. Das Volk geht leer aus. Es wird produziert, was den ausländischen Konzernen Gewinn bringt, nicht was die Menschen dort brauchen (wie auch schon in der Landwirtschaft). Durch Aufbau fremder Technologien, Wirtschaftsweise und Industrie werden das eigene Handwerk und eine nationale Industrie gezielt verhindert. Die einheimische Oberschicht (inklusive menschenverachtender Diktatoren als Marionetten) wird entgegen unserer Rede von Demokratie und Menschenrechten von uns gewaltsam an der Macht gehalten, demokratische Bewegungen (Beispiele u.a. Iran 1953, Guatemala und Brasilien 1964 usw.) werden unter der Führung der USA von den reichen Ländern gewaltsam bekämpft.
2) Unsere Regierungen (unser? Staat?) unterstützen die eigenen Konzerne und die Wirtschaftsinteressen einer Oberschicht – und weil bei uns auch der Rest der Bevölkerung davon profitiert (billige Bananen – sichere Arbeitsplätze bei uns, u.a. durch blühenden Export) besteht bei uns diesbezüglich ein Grundkonsens. Wegen „Schaffen neuer Arbeitsplätze“ (in Wirklichkeit: Zerstörung) in den armen Ländern werden die Konzerne auch noch steuerlich privilegiert und es fließen Subventionen, die als Entwicklungshilfe deklariert werden.
Unsere Politik unterstützt Terrorregime in der 3. Welt, weil sie uns zu Diensten sind (Exportlizenzen, Steuerfreiheit für Investitionen, freier Kapitalverkehr, Konzessionen zum Abbau der Bodenschätze etc.) Länder, die ausscheren wollen bzw. eine Regierung haben, die zuerst an das eigene Volk denkt bzw. von dessen Zustimmung getragen wird (Kuba, Peru, Chile, Kongo – weil u.a. Verstaatlichung der nationalen Ressourcen) wird jede Unterstützung entzogen, weil gegen unsere Interessen.
Staatliche Entwicklungshilfe ist daher zuerst Hilfe für uns selbst, sie ist politisch und wirtschaftlich begründet, moralisch aber pervers, weil Menschen verachtend. Arme werden dadurch noch ärmer gemacht, Reiche werden noch reicher. Unsere europäische Kirche (dazu später) trägt diese Politik mit und rechtfertigt sie.
2. Was ist Entwicklung?
a) rein ökonomisch betrachtet:
Wachstum des Bruttosozialprodukts. Wie es dem Menschen geht, bleibt dabei ohne Interesse, eben so wenig, wem dieses Wachstum in 1. Linie zugutekommt und wem nicht. Es ist fast immer eine Industrialisierung nach europäischem Muster gemeint, verbunden mit einem immer höheren Verbrauch von Trinkwasser, reiner Luft, Boden, kurz: von lebensnotwendiger Umwelt, nicht mehr erneuerbarer Ressourcen und von Energiereserven - nur damit eine Minderheit von Menschen, die eh schon hat, was sie braucht, noch mehr hat. So ist z.B. der Verbrauch von Trinkwasser, Energie etc. pro Tag eines US-Bürgers mehr als 100 Mal höher als der eines Afrikaners. Und dieses Wirtschafts -und Entwicklungsmodell wird allen restlichen Ländern der Erde als Vorbild aufgezwungen, es wird dabei auf unsere Erfolgsgeschichte verwiesen, aber verschwiegen, dass dieser „Erfolg“ auf Völkermord, Unterjochung und Versklavung der gesamten übrigen Welt besteht – angefangen mit Beginn der Neuzeit um 1500 und mit „christlichen“ Nationen als Anführern.
Folge: Nicht nur die Kluft zwischen reichen und armen Ländern wird immer größer, sondern auch die Kluft innerhalb der einzelnen Länder, sowohl in armen Ländern wie Brasilien oder Indien, aber auch in Deutschland und den USA. Heute verhungern mehr Menschen als je zuvor. Eine rein wirtschaftlich-technokratische Sicht des Menschen ist blanker Materialismus, Motto: mehr Menschsein durch mehr Besitz und mehr Glück durch immer mehr Wohlstand? Jedwede Moral wird hier nur lästig, der Mensch definiert sich im Kontrast, in Konkurrenz, im Gegenüber zum Mitmenschen. Dies zerstört auf Dauer jeden menschlichen Zusammenhalt, weil der Kitt, der eine humane Gesellschaft zusammenhalten kann, systematisch zerstört, weil als lästig für den individuellen Erfolg interpretiert. Weitere Folge: die ganze Welt wird bis in die letzten Winkel hinein von einem materialistisch-kapitalistischen Geist (bzw. Unwerten) durchsetzt. Dies wiederum führt zu einem Auseinanderbrechen alter Kulturen. Ein Symptom als Beispiel, die Verslumung der Welt: alle wollen in die Stadt, „Sitz der Kultur, der Macht, mit der Chance auf Aufstieg“, alle wollen auf den Gipfel, doch nur eine winzige Minderheit wird es schaffen. Es ist die Illusion des Turmbaus von Babel. Einige wenige werden oben stehen, nach oben gelangt auf Kosten des Mitmenschen oder gar über die Leichen anderer hinweg.
b) Eine andere Sicht von Entwicklung
Obwohl natürlich für jeden Menschen ein Mindestmaß an grundlegenden Voraussetzungen - gerade auch materiellen Bedürfnissen wie Nahrung - garantiert werden muss, quasi als eingeborenes Menschenrecht, bedeutet Entwicklung viel mehr als die nur materielle Entwicklung. Es geht um eine ganzheitliche Entwicklung aller menschlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. In der Menschheitsgeschichte haben alle Völker Kriterien oder gar Standards entwickelt, welche Werte in ihrer jeweiligen Gesellschaft gefördert werden sollen. Besonders Christen sind Kriterien vorgegeben (auch wenn sie nicht als solche erkannt werden), die zur Grundlage menschlichen Zusammenlebens dienen: das Leben in Gemeinschaft und meine Rolle in dieser Gemeinschaft; Solidarität, vorrangig mit den Schwächeren, Gerechtigkeit für alle, Gleichheit aller Menschen, weil alle in gleicher Weise Kinder Gottes, daher auch die unantastbare und einzigartige Würde jedes Menschen, das Recht, nicht nur auf Befriedigung der materiellen Bedürfnisse, sondern auf ein Leben in Fülle. Solche Werte gab und gibt es auch in vor- und nicht christlichen Kulturen und Religionen, meist sogar wesentlich ausgeprägter als im „christlichen“ Abendland. Diese Werte gilt es neu zu entdecken. Von daher ist es eine Schande, wenn ausgerechnet vom christlichen Abendland (mit der USA als dessen Produkt und Anführer) ein Geist und vor allem eine damit verbundene Praxis ausgeht, die genau diese Werte zerstört.
Aufgabe der Kirche wäre es nun:
- Diesen Geist (Götzendienst) als den zu entlarven, der er ist und stattdessen für eine gerechtere Welt zu kämpfen, in der die genannten Werte zur Grundlage des menschlichen Zusammenlebens werden. Dann gäbe es weniger Hunger auf der Welt und man würde eine Gesellschaft dann als zivilisiert bezeichnen, wenn sie diejenigen in ihre Mitte nimmt, die ansonsten ausgestoßen sind.
- Zu sagen: wirtschaftlicher Fortschritt allein führt nicht automatisch zu mehr Gerechtigkeit oder zu einem „Leben in Fülle“ – oft im Gegenteil, nämlich zu Ungerechtigkeit, Konkurrenz und dem Recht des Stärkeren, zu Neid und Hass. Letztlich zu einem Verkümmern der guten Seiten des Menschen (der Mensch wird immer auch böse Seiten haben, Gewalt und Unrecht wird es immer geben – aber es kommt darauf an, ob man diese Eigenschaften ächtet, oder ob man sie zur Grundlage eines Gesellschaftssystems macht).
- Zu sagen, worauf es wirklich ankommt, nämlich eine „Neue Erde und einen Neuen Himmel“ zu verkünden und vor allem: dies durch eine eigene Praxis als gangbare Alternative auch zu leben. Doch tut sie das?
3. Mission (kurzer Überblick)
a) in der Vergangenheit: Beispiel die Kolonialgeschichte, speziell die Missionierung Amerikas.
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oberstes Ziel (manchmal auch nur als Vorwand): die Bekehrung, die Taufe. Nur ein getaufter Mensch sei ein Mensch (Kind Gottes);
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Zerstören einheimischer Kulturen, weil Teufelszeug; Ausrottung ganzer Völker (besser tot, aber getauft, als zur ewigen Verdammnis verurteilt zu sein)
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Christentum als Religion des Weißen Mannes, Gott auf der Seite der Weißen, der Starken
Folge: es kam selten zu echten Bekehrungen, stattdessen zur Verteufelung fremder Religionen und Kulturen, Missachtung der kulturellen Eigenständigkeit, geschweige, dass man darin echt christliche Werte hätte entdecken können. Missionierung diente oft als Vorstufe (manchmal auch im Gefolge) der politischen und wirtschaftlichen Unterwerfung und Ausbeutung; Missionare oft als (vielleicht unbewusste) Handlanger der Händler und Krieger. Religion als Rechtfertigung für grausamste Kriegsverbrechen, Sklaverei und Völkermord. Religion als Opium für das Volk (Auflehnen als Sünde, Gehorsam der Sklaven als oberste Tugend, Vertrösten auf ein besseres Leben in Himmel, falls…).
