Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Solidarität - Grund des Glaubens

 

Bischof Oscar Romero: „Eine der wichtigsten Botschaften der Kirche heute ist, dass die Christen ihre vom Individualismus geprägte Mentalität aufgeben sollten. Wir sollten nicht mehr von „meiner“ Erlösung und „meinem“ Gott sprechen, sondern davon, wie Gott will, dass wir leben: Als sein Volk, als pilgerndes Volk, so wie Israel aus dem Auszug aus der Sklaverei, durch die Wüste in das Gelobte Land.“ (Predigt am 19.11.1978). 
 
Das Sprechen von „Solidarität“ galt lange Zeit, vor allem nach dem „finalen Sieg des Kapitalismus“ seit 1990, als überholt und aus der Zeit gefallen. Doch Solidarität - und nicht nur das Sprechen davon - ist heute nicht nur dringlicher denn je. Es ist die zentrale Botschaft unseres Glaubens: der Worte und Taten Jesu Christi. Sie ist gelebte und praktizierte Gottes- und Nächstenliebe. Jesus der Christus hat dies verkörpert und ist deswegen hingerichtet worden. Die lateinamerikanischen Bischöfe sagen 1968 in Medellín: „Wir müssen das Gewissen zur solidarischen Verpflichtung mit den Armen, zu der die Nächstenliebe uns führt, schärfen. Diese Solidarität bedeutet, dass wir uns ihre Probleme und Kämpfe zu eigen machen. Dies muss sich in der Anklage der Ungerechtigkeit und Unterdrückung konkretisieren, im christlichen Kampf gegen die unerträgliche Situation, die Arme häufig erleiden müssen. „Solidarität verlangt, dass man in die Situation derer eintritt, mit denen man solidarisch ist“. Solidarität mit dem Unterdrückten heißt nicht nur, dass man seine Welt annimmt, seine Kultur, seinen gesellschaftlichen Status, sondern auch, dass man sich seine Nöte und Kämpfe zu eigen macht.“ (nach G. Gutiérrez: Theologie der Befreiung).

 

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Anfänge einer befreienden Pastoral

Bereits seit 1963 zeichneten sich in der Diözese Cajamarca die Umrisse einer befreienden Pastoral ab, die zu einer Kirche der Befreiung führten - eine arme Kirche inmitten der Ausgestoßenen und aller, die unter die Räuber fallen. Eine solche Praxis der Befreiung führte dann u.a. zu den Beschlüssen von Medellín (1968) und dann zu einer neuen Theologie, die erstmals aus der Perspektive der Opfer die biblische Botschaft neu entdeckt und neu deutet. Es ist eine prophetische Kirche, die die herrschenden Missstände anklagt und die eine neue Zeit verkörpert, in der alle Menschen - weil Kinder Gottes mit einer unantastbaren Würde - das haben und sein werden, was sie für ein Leben in Würde und in Fülle brauchen. An dieser Entwicklung in Cajamarca waren auch Deutsche beteiligt. Dies soll hier exemplarisch am Beispiel von Pfr. Alois Eichenlaub aufgezeigt werden.

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Befreiende Pastoral, ausgehend vom Konzil

"...Diese Erneuerung betrifft sowohl das äußere Gewand der Kirche wie Strukturen, Organisationsformen und Kirchenrecht, als auch die Art der Evangelisierung, das Entdecken der eigentlichen Botschaft Jesu und deren Relevanz für die Situation, in der die heutigen Menschen leben. Erst muss sich die Kirche selbst erneuern, um nach außen, in die Gesellschaft hinein, ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Die Erneuerung der Kirche ist möglich, wenn sie die Anforderungen von außen wahrnimmt und sie als konstruktive Herausforderung begreift. Kommt es erst einmal zu einem Dialog zwischen außen und innen, dann verändert sich auch die Kirche. Die Kirche kann nur Veränderungen anstoßen, wenn sie sich selbst verändert...

.....Die neue Evangelisierung bestand darin, die Botschaft Jesu in den Mittelpunkt zu stellen und sie zu leben. Es kann gezeigt werden, wie es trotz der Hindernisse zu einem Aufbruch kommen konnte und die fest gefügte Ordnung aus den Fugen zu geraten schien. Auf dem geschilderten religiösen und gesellschaftlichen Hintergrund erscheint dieser Aufbruch als ein Wunder, vergleichbar mit dem Auszug aus Ägypten oder der Brotvermehrung. ...Es wird zudem eine Alternative zur herrschenden Globalisierung sichtbar: die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Weltkirche, die von den Armen her die herrschenden Götzen entlarvt und zeichenhaft einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ durch ihre Praxis als Gemeinschaft der Jünger Jesu verkündet."

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Theologie

 

Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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