Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Wider die Habgier - Lk 12,13-21

Wider die Habgier – Die Geschichte vom reichen Kornbauer (Lk 12, 13-21)

Wenn man die vorliegende Geschichte, wie alle Gleichnisse Jesu, nicht wie gewohnt individualistisch verstehen und deuten will, sondern als Erzählung über die Welt, so wie sie von Menschen gemacht worden ist, dann steht der reiche Kornbauer für ein bestimmtes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Eigentlich eine ganz einfache Geschichte, oder doch nicht? Jesus warnt, wie so oft, vor der Habgier. Denn sie versperrt den Weg zu Gott und den Mitmenschen. „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier“ (Vers 15). 

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Zum 90. Geburtstag von G. Gutierrez und J.B. Metz

Zum 90. Geburtstag von Gustavo Gutiérrez

- unter Berücksichtigung einiger Aspekte, die in „offiziellen“ Würdigungen oft zu kurz kommen.

"Theologie ist für mich wie das Schreiben eines Liebesbriefes an Gott, an die Kirche und an die Menschen selbst".

1. Der Mensch Gustavo Gutiérrez und sein Glaube

Gustavo Gutiérrez, geboren am 8. Juli 1928 im Zentrum von Lima, stammt aus einer Familie indigener Herkunft. Seit seiner Kindheit litt er unter einer schweren Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis), die ihn über sechs Jahre lang an einen Rollstuhl fesselte. Auch nachdem das Schlimmste überstanden war, litt er Zeit seines Lebens unter dieser Krankheit und deren Folgen. Trotz seiner Krankheit und der prekären Situation seiner Eltern (untere Mittelschicht) durfte er das Gymnasium besuchen. Wie er selbst sagte, hatte ihn seine Krankheit - oft große Schmerzen und wochenlang ans Bett gefesselt - schneller reifen lassen. Bereits als Schüler widmete er sich der Poesie und der Mystik. Besondere Aufmerksamkeit weckten in ihm die Schriften von Blaise Pascal und von dem Schriftsteller und Ethnologen José María Arguedas (Peru).

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Das Nein zu Abel als Geschäftsmodell

Die bestehende Situation als geschichtliche Ausfaltung dieser Ursünde

„Das Nein zum Anderen ist die einzig mögliche Sünde; es ist die `Sünde der Welt`, die Ursünde. (…) Geschichtlich und real gesehen nimmt die Sünde seit dem 15. Jh. die konkrete Gestalt des Neins des nordatlantischen Zentrums zum Indio, Afrikaner, Asiaten, zum Landarbeiter, zum Außenseiter an“.[29] Der Europäer erobert die ganze Welt und sieht dies als legitime Ausfaltung seines Ich, seiner Welt und seiner Kultur an (siehe europäische Philosophie). Er leugnet damit die anthropologische Andersheit (z.B. den Indio) und die absolute Andersheit (Gott). Er bestätigt dadurch sich selbst und seine abendländische Zivilisation als „Gott“. Er erklärt seine Welt zur Welt schlechthin und erhebt die Herrschaft des Menschen über den Menschen zur „natürlichen Ordnung“ (Aristoteles). Das führt zu einer Spaltung der Welt in Herrscher und Beherrschte – in solche, die die Zivilisation und die Kultur besitzen und solche, denen man dies erst alles beibringen muss (bestenfalls). Die Anderen, andere Kulturen, andere Rassen, die „Barbaren“, schlägt man entweder tot oder man versucht sie mit Gewalt in die eigene, nämlich die europäisch christliche Welt zu integrieren. Im Namen Gottes, der in Wirklichkeit der von den „Fürsten dieser Welt“ geschaffene Gott war, in dem sie sich selbst anbeten konnten, zogen sie aus, die “Wilden“ zu zivilisieren und zu missionieren. Und weil dies im Namen Gottes geschah, im Namen der einzigen, der christlichen Zivilisation, fühlten sie sich nicht schuldig, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als „Heilsbringer“. Falls sich der Heide nicht missionieren lassen wollte, durfte man ihm den Krieg erklären und zur Hölle schicken.

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Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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