Katholische Kirche (weltweit)

Zur Amazonassynode: Stimmen aus Lateinamerika

Die Bischöfe des Nordosten Brasiliens schreiben in einem gemeinsamen Hirtenwort: „Das Elend in Lateinamerika ist die direkte Folge des allein am Kapital und dessen Vermehrung bestehenden Herrschaftssystems. So sind auch die in Brasilien herrschenden Sozial- und Wirtschaftsstrukturen auf Unterdrückung und Ungerechtigkeit errichtet, die aus einer Situation des von den großen internationalen Marktzentren abhängigen Kapitalismus hervorgehen. Innerhalb unseres Landes bemühen sich kleine Minderheiten, Komplizen des internationalen Kapitalismus, mit allen möglichen Mitteln ihm zu dienen, um eine für sie günstige Position zu bewahren. So entstand ein unmenschlicher Zustand, der sicherlich nicht christlich ist“. Und die peruanischen Bischöfe schreiben: „Wir teilen mit den Nationen der Dritten Welt das Schicksal, Opfer von Systemen zu sein, die unsere wirtschaftlichen Reichtümer ausbeuten, unsere politischen Entscheidungen kontrollieren und uns die kulturelle Vorherrschaft ihrer Werte und ihre Konsumzivilisation aufdrängen. Diese von den lateinamerikanischen Bischöfen in Medellín angeprangerte Situation bleibt bestehen und festigt sich aufgrund der internen Struktur unserer Länder, einer Struktur der wachsenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ungleichheit und der politischen Perversion, die nicht dem Wohle aller, sondern einiger weniger dient“.

Dokument der Bischöfe Nordostbrasiliens, Mai 1973, in: Katholizismus in Lateinamerika, Wien, S. 27  

Erklärung des peruanischen Episkopats 1971; a.a.O., S. 30

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AmazonasSynode

Amazonien – Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie

Franziskus bittet den Heiligen Geist, den Teilnehmern der Synode die Gabe des Zuhörens zu geben. Denn im Schrei der „Wegwerfmenschen“ spricht Gott selbst zu uns. Er offenbart sich und identifiziert sich mit den Ausgestoßenen, Verfolgten, den Opfern der Geschichte. Schon bei seinem Besuch in Puerto Maldonado im Januar 2018 wollte er nicht als Erster sprechen, sondern er wollte hören, was ihm die indigenen Völker zu sagen hatten. Deshalb stand auch vor der Ausarbeitung des Vorbereitungsdokuments ein ausführliches Zuhören und eine Beratung durch die indigenen Völker.

Und was hören wir von den Ureinwohnern? Es ist ein vom Tod bedrohtes Volk, ein Volk, das durch die Konzessionen zum Abholzen der Wälder, durch Megaprojekte wie Wasserkraftwerke, Ölbohrungen, Bergbau, Drogenhandel, Landraub und Vertreibung, durch Kriminalisierung und Ermordung ihrer Anführer in ihrer Existenz als Volk bedroht ist. Noch nie waren die Amazonasvölker so bedroht wie heute.

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Medellín: Auf dem Weg zu einer katholischen Kirche…

Medellín: Auf dem Weg zu einer katholischen Kirche…

I. Rückblick auf das 2. Vat. Konzil

In Zentrum standen (noch) die Themen und Sorgen der westeuropäischen Länder. Bischöfe und Theologen aus Deutschland, Holland, Frankreich und Belgien bestimmten weitgehend Tagesordnung und Thematik. Selbst in „Gaudium et Spes“ dem wohl am meisten in die Zukunft weisenden Dokument, spielt die Situation in den „unterentwickelten“  Ländern keine oder kaum eine Rolle. Man öffnet sich zwar der Welt, doch man meint die Welt der höchst entwickelten Länder, die Welt der liberalen und modernen Gesellschaften. Die Kirche suchte auf dem Konzil mit diesen Gesellschaften „Frieden“ zu schließen, bzw. sich zu versöhnen. Die Autonomie des „Weltlichen“ und die Religionsfreiheit wurden anerkannt, der Dialog mit den Religionen begann. Als großes Problem wird der zunehmende Atheismus gesehen. Doch das Thema, das Papst Johannes XXIII. vor Eröffnung des Konzils angesprochen hatte, eine Kirche der Armen, war zwar nicht ganz vergessen, spielte aber eine eher marginale Rolle.

Siehe auch mein Vortrag In Medellín am am 13.04.18: "50 Jahre Medellín"

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