Wasser fürs Leben?

Wasser fürs Leben?
Soziale Folgen des Staudamms Gallito Ciego                                            von Hans Meister

In Herzogenaurach wie in Tembladera überlegten sich im Herbst 1980 einige Menschen, ob sie es wagen sollten, miteinander eine partnerschaftliche Beziehung auf Pfarrebene einzugehen. Das Wenige, was sie voneinander wussten, sprach nicht dafür. Dann begann unvorhergesehen eine heftige freundschaftliche Zusammenarbeit. Im Frühjahr 1981 fuhren schwere Baumaschinen deutscher Firmen in das Tal des Jequetepeque ein, um auf dem Boden der Pfarrei Tembladera den Stausee Gallito Ciego zu errichten. Die ansässigen  Reisbauern waren ahnungslos und unvorbereitet. In einem  zähen gemeinsamen Kampf bis 1988 gelang es beiden Partnerpfarreien, zumindest für die Besitzenden eine angemessene Entschädigung für ihre Dörfer und Felder zu erstreiten. Die Probleme der Landlosen wurden bis heute nicht gelöst.

1. Die Herzogenauracher Szene

Mitte der sechziger Jahre wirkte in Herzogenaurach eine vielseitig interessierte Gruppe junger Erwachsener, die das Innenleben der katholischen Pfarrgemeinde über Jahre hinweg bewegte. Traditionelles Herzogenauracher Urgestein verband sich mit Zugezogenen. Alle kamen aus der katholischen Jugendbewegung und waren engagierte Mitglieder des BDKJ. Die meisten hatten jahrelange Erfahrungen als Gruppenleiter auf Pfarr-, Dekanats- oder Diözesanebene und waren sensibilisiert für pastorale Aufgaben. Gemeinsam studierten sie die Bibel, bildeten sich theologisch fort, lasen Publik,  nahmen die Liturgiereform und eine zeitgemäße Sakramentenvorbereitung in die Hand.Sie trugen Verantwortung in der kirchlichen, manche auch in der politischen Gemeinde. Mit großen Erwartungen verfolgten sie das Zweite Vatikanische Konzil, studierten die Dokumente und  versuchten, sie auf ihre Praxis zu übertragen. Zwei gleichgesinnte junge Kapläne wirkten bis 1971 in der Pfarrei und fühlten sich der Gruppe eng verbunden. In gewisser Weise erinnern das Zusammenleben und die Ausstrahlung dieses Kreises an die Lebens- und Arbeitsformen von Basisgruppen.

Während des Biafrakrieges (1968/69) führte die gleiche Gruppe zuerst in Herzogenaurach und anschließend in der gesamten Diözese Bamberg eine aufsehenerregende Hilfsaktion durch, die den Deutschen Caritasverband (DCV) aufhorchen ließ.  Eine Frau aus der  Herzogenauracher Gruppe flog für den DCV in den Kriegskessel Biafra ein, um vor Ort Hilfe zu leisten und zu organisieren. Ein Jahr später vermittelte der DCV ein  Ehepaar aus dieser Gruppe für einen dreijährigen Einsatz als Entwicklungshelfer nach Cajamarca. 1972  entstand in Bamberg der Diözesansachausschuss „Mission - Entwicklung - Frieden“ (MEF). Die Vorsitzende und ein weiteres aktives Mitglied kamen ebenfalls aus diesem Herzogenauracher Kreis. Bis 1990 gestalteten sie auf vielfältige Weise die Diözesantreffen, Misereor-, Adveniat- und Missioaktionen des Diözesan-Sachausschusses mit. In Herzogenaurach selbst gab die Gruppe wesentliche Impulse für die Friedensinitiative, was ihr in derPfarrgemeinde langfristig gesehen den Boden unter den Füßen nahm. Die lokalen parteipolitischen Mehrheitsverhältnisse ließen nicht zu, dass die Geistlichen, Laien in Kirchenämtern oder ein Großteil der Kirchengemeinde mit den Gegnern des Nato  - Doppelbeschlusses  kooperierten. Die Herzogenauracher Friedensinitiative organisierte  vor der  HerzoBase am Stadtrand große Demonstrationen und nahm an Ostermärschen teil.

Die Stadt Herzogenaurach entschied sich 1972 zu einer Patenschaft mit der etwa gleich großen Stadt Kaya im damaligen Obervolta (heute Burkina Faso) im Sahel. Bis 1981 entwickelte die Stadtverwaltung keine Vorstellungen zur Gestaltung dieser Patenschaft und unternahm weder  Besuche  noch  andere  Aktivitäten. So gründete sich 1974 ein „Arbeitskreis Entwicklungshilfe“, der Kontakte zu Kaya aufnahm, entwicklungspolitische und landeskundliche Informationen sammelte und an die Öffentlichkeit weitergab. Dieser Arbeitskreis Entwicklungshilfe  ging 1976 über in den „Arbeitskreis Kaya“, der sich als Arbeitsgemeinschaft in der städtischen Volkshochschule  ansiedelte und bis heute vielseitige Informationsund Kulturarbeit zu Westafrika leistet.

1976 beschloss der Pfarrgemeinderat die Gründung eines Sachausschusses „Mission - Entwicklung - Frieden“. Es  lag nahe, dass die alte Seilschaft, die sich seit dem  Biafrakrieg durchgehend mit weltkirchlichen und entwicklungsbezogenen Fragen auseinander setzte,  in diesen Sachausschuss berufen wurde und ihre langjährigen Erfahrungen und Verbindungen zur Diözese wie zu den kirchlichen Hilfswerken einbrachte. Was bei der Berufung nicht bedacht  wurde und bald zu großen innerpfarrlichen Spannungen führte, war die aktive Teilnahme fast aller Ausschussmitglieder an der örtlichen Friedensinitiative. Bald  waren  diese Leute „entlarvt“ als Gegner der bayerischen Mehrheitspartei und für den Großteil der Kirchgänger, vor allem der kirchlichen Amtsträger suspekt geworden.

Als sich Nicaragua von Diktator Somoza befreite und die Herzogenauracher kirchliche Dritte-Welt-Szene ein Nicaraguafest feierte, zu dem Gruppen aus vielen Teilen der Diözese kamen, beschuldigten führende Katholiken den Sachausschuss MEF und die anderen „Dritte-Welt-Fanatiker“ der direkten Unterstützung terroristischer Guerillagruppen in Mittelamerika. Unbeirrt von diesen harten, oft sehr emotional ausgetragenen  Meinungsverschiedenheiten pflegte der Pfarrausschuss MEF seine guten Außenkontakte zu  kirchlichen wie nichtkirchlichen Dritte-Welt-Initiativen. Die inhaltliche Arbeit stand im Vordergrund: Die Dokumente von Medellín und Puebla, Verlautbarungen der Peruanischen Bischofskonferenz, das Glaubensbuch „Vamos Caminando“ und andere Publikationen aus Cajamarca. Diese Impulse gingen über Vorträge, Aktionen, Meditationen und „praxisnahe“ Gottesdienste in die Gemeinde ein und weckten bei immer mehr Menschen Interesse, Widerspruch oder Sympathie.

Die Arbeit des Herzogenauracher  Sachausschusses fand in der Diözese  Bamberg  Anerkennung. Aufgrund der besonderen Beziehung zu Peru fand 1987 der Diözesan-Misereortag zu Peru-Bolivien in Herzogenaurach statt. Nach mehreren Besuchen  von  Bischof  Dammert und Alois Eichenlaub im Sachausschuss MEF wuchs ab 1978 der Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung zu einer Gruppe oder einer Pfarrei in der Diözese Cajamarca. Durch die zehnjährige Beschäftigung mit Fragen der „Dritten Welt“ und die kritischen Überlegungen zur beschlossenen aber nicht praktizierten Städtepatenschaft mit Kaya entwickelte sich eine differenzierte Vorstellung von Partnerschaft mit einer Gemeinde im Süden. Ein großes Bedürfnis entstand, die Lebenssituation dieser Menschen kennen zu lernen und durch den Erfahrungsaustausch für die eigene Praxis zu lernen.

1980 übergab Bischof Dammert auf die Frage nach einem möglichen Partner einen Brief von Padre Pedro aus Tembladera. Die ersten Kontakte zeigten, dass der Pfarrer von Tembladera Geld brauchte und das Pastoralverständnis Dammerts und seiner Mitarbeiter ablehnte. Beide Seiten wurden sich bewusst, dass sie wohl nicht so recht zueinander passten. Als 1981 in der Pfarrei  Tembladera mit dem Bau des Staudamms Gallito Ciego  begonnen wurde, entstand eine bis 1990 anhaltende intensive Zusammenarbeit mit Padre Pedro und dem Verteidigungskomitee (Codealje) der enteigneten Bauern.

In Herzogenaurach nahmen die Spannungen zwischen dem an der Theologie der Befreiung orientierten Sachausschuss  MEF und den offiziellen Vertretern der Pfarrei so zu, dass im Rahmen des Pfarrgemeinderates eine sinnvolle  Zusammenarbeit mit den Partnern in Peru nicht mehr möglich schien, zumal es darum ging, Position zu beziehen gegen das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und große deutsche Firmen. Um unabhängiger arbeiten zu können, gründeten die Mitglieder des Sachausschusses MEF 1983  eine neue Gruppe, den „Freundeskreis Cajamarca“, der sich 1998 in den „Partnerschaftskreis Tembladera“ wandelte.

Aufgrund der Suche nach einer geeigneten Form der Zusammenarbeit ähnlich orientierter Herzogenauracher Gruppen entstand 1984 der „Verein für Ökologie, Friedenpädagogik und Dritte-Welt-Fragen“, der seit seinem Bestehen den „Allerwelts-Laden“ als Plattform für seine Anliegen unterhielt. Hier koordinierten Arbeitskreis Kaya, Freundeskreis Cajamarca, die Friedensinitiative, der Arbeitskreis Dritte Welt des Gymnasiums, der Bund Naturschutz und andere interessierte Gruppen ihre Aktivitäten. 1991 entstand in Herzogenaurach eine  weitere Gruppe, der Förderkreis Cajamarca, dessen Mitglieder aus dem Großraum  Nürnberg kommen und weder konfessionell noch lokalpolitisch gebunden sein möchten. Sie stehen in partnerschaftlicher Verbindung mit der Frauenbewegung der Landzone Bambamarcas.

Rückblickend kann die Solidaritätsarbeit des Sachausschusses MEF und des Freundeskreises Cajamarca seit 1980 fast schematisch in vier Fünfjahreszyklen gesehen werden: von 1980 bis 1985 stand die Gruppe ohne besonderen Rückhalt durch die Pfarrleitung im Abseits der Gemeinde, konnte aber durch ihre Fachkompetenz und Energie die Grundlage schaffen für spätere Erfolge im Kampf um eine gerechtere Umsiedlung der vom Stausee vertriebenen Bauern. Nach einem Besuch des Pfarrers 1985 in Tembladera wuchs das Vertrauen zum Freundeskreis und ermöglichte eine fruchtbare Phase der Zusammenarbeit  bis 1990. Während des zweiten Besuchs mit einer sechsköpfigen Delegation anlässlich der Einweihung der neuen Kirche in Tembladera  (1990) brach aufgrund der Fehlinformationen durch Padre Pedro in Herzogenaurach erneut tiefes Misstrauen auf, das bei einigen bis heute nicht überwunden ist und das zu Austritten aus dem Freundeskreis führte. Seit 1995 gibt es ein zunehmendes Bemühen um größere Sachlichkeit und Toleranz. Die Ziele wurden neu formuliert. In Tembladera entstand unter dem neuen Pfarrer Victorino ein „Partnerschaftskomitee Herzogenaurach“, dem Vertreter der dort aktiven Gruppen angehören.

2. Der Staudamm Gallito Ciego

Bereits in den 30er Jahren spekulierten peruanische Agrarexperten und Politiker über den Bau eines Stausees im unteren Flusstal des Rio Jequetepeque. Die Großgrundbesitzer im Küstenbereich bemühten sich seit 1940 um die Verwirklichung dieses Projektes.1963 gründeten sie zu diesem Zweck das „Comité Especial del Valle Jequetepeque“ und ließen ihr Vorhaben durch das Gesetz 15133 legitimieren. Unter der Militärjunta Juan Velascos (1968-1975) wurden die Großbetriebe an der Küste und im unteren Jequetepequetal im Rahmen der „Reforma Agraria“ ab 1969 in staatlich gelenkte Genossenschaften umgewandelt. Salzgitter führte 1968 die Präfeasibility-Studie und 1970 die Feasibility-Studie durch. Im Ausstellungskatalog „Herrscher und Untertan“ (1) erschien  bereits  1973 in der Bundesrepublik eine detaillierte Karte des Staudammprojektes. Die betroffenen Reisbauern, deren Felder eingeflutet  werden sollten, erfuhren erst Ende 1980 von den Vermessungsingenieuren, was mit ihren Äckern und Dörfern geschehen sollte. Weder die zukünftigen Nutznießer, also die inzwischen entstandenen Kooperativen und Privatbetriebe des unteren Tales noch die Regierung Perus hatten es für nötig gefunden, mit den betroffenen Kleinbauern, deren Lebensgrundlage sie zerstörten, Kontakte aufzunehmen und deren Zukunft in die Planungen einzubeziehen.

Das Bewässerungsprojekt Jequetepeque - Zana dient  in seiner ersten Ausbaustufe vor allem der Flussregulierung. Wie alle Flüsse des regenlosen pazifischen Küstengebietes führt der Rio Jequetepeque während der Regenzeit im Gebirge (Januar bis  April) etwa 75% seiner jährlichen Abflussmenge, die zum  Teil  ungenutzt  ins Meer fließen. Während der Trockenzeit im Gebirge (Juni bis September) führt der Fluss nur 7,5% der Jahresmenge. Messungen  des  Jahresabflusses  von  1918  bis  1967  zeigen  außerdem  große  Schwankungen zwischen ca. 300 Mio m³ (1937) und 2200 Mio m³ (1953). Besonders gravierend sind die Jah-re, in denen das Klimaphänomen „El Nino“ auftritt (z.B. 1998). Die Speicherung des unregelmäßig fließenden Wassers soll eine zeitgerechte Verteilung und dadurch eine geplante Landwirtschaft auf den 36.000 ha Ackerland im unteren Flusstal auch in Trockenzeiten ermöglichen.

Das Gesamtprojekt umfasst drei Ausbaustufen:

  1. Stufe: Staudamm, Nebenanlagen, Verlegung der Durchgangsstraße, Kanäle, Drainagen, landwirtschaftliche Maßnahmen (171,6 Mio US $) Der 105 m hohe Erddamm „Gallito Ciego“ (deutsch: „Blinder Hahn“ ist an seiner Basis 472 m breit und soll auf einer Fläche von 15 km² 400 Mio m³ Wasser speichern.
  2. Stufe: Umleitung der Flüsse Cajamarca und Namora, transandine Stollen, Kanäle, Drainagen (60,8 Mio US $) Ziel: Zusätzliche Bewässerung von 13600 ha Erweiterungsland im Küstengebiet.
  3. Stufe: Stausee Polloc (150 Mio m³), Wasserkraftwerke San Juan (60 MW) und Gallito Ciego (26 MW) ( 66,4 Mio US $) Ziel: Stromgewinnung und Flussregulierung.

Die Kostenschätzung wurde 1982 vom peruanischen Projektträger DEJEZA veröffentlicht und musste später nach oben korrigiert werden. Die verantwortlichen Auftraggeber waren das Peruanische Landwirtschaftsministerium und das Comité Especial del Valle Rio Jequetepeque-Zana. Planung, Bau- und Finanzkontrolle lagen bei der deutschen Salzgitter-Consult GmbH (SCG). Sie gab die Bestimmungen zur Ausführung weiter an den Projektträger DEJEZA (Dirección Ejecutiva del Proyecto Especial Irrigacion Jequetepeque-Zana). Die Arbeiten wurden ausgeführt vom Bauunternehmerkonsortium AGC (Züblin AG und Wayss und Freitag) sowie von drei kleineren peruanischen Partnerfirmen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) übernahm für das Bundesministerium für Wirtschaftliche  Zusammenarbeit (BMZ) die Technische Beratung, Finanzierung und somit wichtigste Verantwortung auf deutscher Seite.

Der Stausee überflutet

  • die Dörfer Montegrande (1500 E.) und Chungal (500 E.) ganz und den tiefer gelegenen Ortsteil von Tembladera (4000 Einwohner) bis zur Höhenlinie 412 m
  • die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche (1200 ha) mit Obstplantagen, mehr als 850 ha Reisland mit zwei Ernten pro Jahr und das vorhandene komplizierte Bewässerungssystem
  • etwa hundert archäologische Stätten aus vorinkaischer Zeit, die größtenteils nicht mehr erforscht werden konnten
  • ein Sozialgefüge, kulturelle Heimat für über 6000 Menschen.

Die Kosten für eine günstigere Wassernutzung tragen nicht die Landwirte, deren Felder bewässert werden sollen, sondern zuerst die Kleinbauern, die Land und Häuser sowie die landlosen Hilfsarbeiter, die ihre Arbeit verloren haben. Zur Rentabilität dieses Unternehmens gehen die Meinungen weit auseinander. Laut Prüfungsbericht der KfW vom 17.11.1975 und Fortschrittskontrollbericht der KfW vom 29.3.1979 wurde nach eingehender Wirtschaftlichkeitsprüfung das Projekt empfohlen. Die Rentabilitätsstudien basierten auf den beiden wichtigsten Anbaukulturen des Tals: Reis und Mais. Mais und Bohnen wurden seit vier Jahrtausenden erfolgreich in den Küstentälern angebaut. Sogar in Dürreperioden gab es ausreichende Ernten.

Durch staatliche Subventionen begann Anfang unseres Jahrhunderts der Reisanbau, der zwar den Bauern höhere Gewinne bringt, jedoch eine riskante Wasserverschwendung in einem ariden Küstental darstellt und durch den Anstieg des Grundwasserspiegels die Versalzung der Böden beschleunigt. Schon 1986, während der Bauzeit des Damms, hinterfragten Vertreter der KfW den Sinn des Reisanbaus im Bewässerungsperimeter. Das Nationale Planungsinstitut in Lima (INP) stellte am 12.8.1986 fest: „Wegen  des  Wassermangels an der Küste ist zukünftig kein Reisanbau vorgesehen. Soweit es die Regierung für nötig hält, kann Zuckerrohr und Baumwolle produziert werden“. In der Rentabilitätsstudie sind keine Kosten vorgesehen für dieVersalzung, Umsiedlung, Aufforstung u.a. ökologische Langzeitfolgen. Vorsichtig heißt es in der vom BMZ 1983 in Auftrag gegebenen Studie von Lauterjung/ Wolkewitz: „Solange es unterlassen wird, monetär nicht quantifizierbare ökologische Belange (auch ideeller Werte) gleichrangig mit der ökonomischen Bewertung in die Entscheidung einzubeziehen, sind „Fehlentwicklungen“ nicht zu vermeiden.“ (2)

Die Verschlammung des Staubeckens wurde von den Planern mit 86 Mio m³ in 50 Jahren angegeben. Im Bericht vom 17.5.1999 des Ortspfarrers Victorino Guerra von Tembladera heißt es: „Derzeit betragen die Ablagerungen laut Aussagen der Spezialisten (Vermessungen mit Echolot durch die Technische Universität Cajamarca) 100 Mio. m³. Vor dem Klimaphänomen El Nino 1998 waren es 10 Mio m³. Die Fachleute prognostizieren, dass ein folgender ähnlich starker Nino den Stausee Gallito Ciego außer Betrieb setzen wird. Sollten die nächsten Regenzeiten normal verlaufen, dann wird die Lebensdauer der Speicheranlage auf weitere 20 Jahre  geschätzt“. Aus den Kreisen der Geologen,  die den Speicher 1998/99 vermaßen, drang inoffiziell die Behauptung, 80 % des Nutzraumes des Stausees seien bereits verschlammt. Der Stausee wurde 1988  geflutet. Den  Erbauern war die extreme Abholzung in früheren Zeiten an den Hängen des Flussoberlaufes und die daraus folgende starke Erosion bekannt. Zahlreiche Agrarexperten hatten auf dieses Problem hingewiesen und zu einer großangelegten Aufforstung im Wassereinzugsgebiet als erste Maßnahme vor dem Bau des Damms dringend geraten.

3. Reaktionen in Peru

In der Hauptstadt Lima formierte sich 1978 ein Komitee aus früheren Bewohnern des Jequetepequetals, um auf die Gefahren durch den Bau des Staudamms hinzuweisen. Starken Rückhalt bekam diese Gruppe durch die Publikationen des peruanischen Agrarwissenschaftlers und Soziologen José Sabogal Wiesse, der sich seit 1979 bis zu seinem Tod 1984 entschieden gegen den Bau dieses Großprojektes aus ökologischen, sozialen und  wirtschaftlichen Gründen aussprach (3). Er verwies auf die progressive Unfruchtbarkeit der Küstentäler durch die erheblichen Eingriffe der modernen Landwirtschaft, die besonders sichtbar werden an der Erosion, der Abholzung, dem  Wassermangel, der Versalzung und Verarmung der Böden durch einseitigen Anbau sowie der modernen Produktions- und Vermarktungsmethoden. Als Alternative zum Stausee empfahl er das Studium der Bewässerungsanlagen  des Chimu-Volkes, das vom 14. bis 16. Jahrhundert im gleichen Perimeter eine mindestens um 50 % größere landwirtschaftliche Nutzfläche ausreichend versorgte. Kombiniert mit kleinen Rückhaltebecken, die von der ansässigen Bevölkerung selbst gebaut und gewartet werden könnten, wäre ein solches Kanalsystem unvergleichlich billiger, ökologisch sinnvoll und würde der Arbeitslosigkeit und Landfluchtentgegenwirken. Die Auslandsverschuldung Perus würde dadurch nicht erhöht werden. Seine Argumente wurden von den Verantwortlichen als „nicht zu berücksichtigende Gesichtspunkte eher nostalgischen Charakters“ bezeichnet (4).

Nach der Unterzeichnung und Veröffentlichung des Finanzabkommens zwischen den Regierungen der Bundesrepublik und Perus über die erste Ausbaustufe des Projekts vom 21.1.1980 erreichten die Gerüchte vom bevorstehenden Bau des Stausees auch die betroffenen Dörfer. Daraufhin schlossen sich 1980 die Reisbauern des Tals zum Verteidungungskomitee Codealje (Comité de Defensa del Alto Jequetepeque) zusammen, um ihre Ansprüche bei den Vertretern der Regierung und dem Bauträger vorzubringen. Die Führung Codealjes lag zumindest in den ersten Jahren in der Hand reicher Landwirte und wurde auch von Interessen großer Privatbetriebe im unteren Tal (spätere Nutznießer) beeinflusst. Die Interessenkonflikte wurden hart ausgetragen. Während der Bauträger DEJEZA 1981 von 200  betroffenen Familien  ausging, nannte Codealje 1.000. Später wurden 18 Familien entschädigt, 587 umgesiedelt und eine noch größere Zahl landloser Bauern nicht berücksichtigt. Ähnliche Poker gab es um das Ackerland. Codealje brachte 1.600 ha ins Spiel, DEJEZA anfangs 400. Nach Festlegung des Flutungsbereichs (Februar 1981) bis zum Höhenmeter 406 (die Dammkrone ist 413 m!) ergaben sich 1500 ha, davon 850 ha Ackerland mit zwei Reisernten pro Jahr.

Im Jahr 1981 überschlugen sich die Ereignisse. Per Dekret 016-81-AG vom 29.1.1981 wurde der Bau des Stausees Gallito Ciego zur Sache öffentlichen Interesses zum Nutzen des Landes erklärt und damit die Grundlage für die Enteignung privater wie kommunaler Grundstücke gegeben. Die Baufirmen begannen mit der Verlegung der Staatsstraße nach Cajamarca auf das um 110 m höhere Niveau. Die beiden Dörfer Montegrande und Chungal lagen jetzt nicht mehr an dieser Straße, was ihnen spürbaren wirtschaftlichen Nachteil brachte.

Die Bevölkerung reagierte gereizt mit friedlichen Protesten und forderte Aufklärung, die versagt wurde. Am 29.4.1981 wandte sich Codealje an den Landwirtschaftsminister Perus und am 5.5.1981 an Staatspräsident Belaúnde mit einem ausführlichen Forderungskatalog zur  Umsiedlung. Sie beriefen sich auf Artikel 125 der peruanischen Verfassung, der eine gerechte Entschädigung von Privateigentum garantiert und dem Enteigneten das Recht zuspricht, den neuen Wohnort frei zu wählen. Für die über 500 Familien aus den Dörfern Montegrande, Chungal, Pay-Pay und dem unteren Teil von Tembladera, deren Häuser durch das Projekt zerstört wurden, forderten sie die Umsiedlung in eine geschlossene Ortschaft mit entsprechender Infrastruktur in der Nähe ihrer zukünftigen Felder. Diese Felder sollten nicht nach der bisherigen Größe, sondern nach der Produktivität bewertet werden und ebenfalls an das Bewässerungssystem des Tales angeschlossen sein. Auch die 3.000 Familienangehörigen der landlosen Bauern sollten berücksichtigt werden, indem sie während der Bauzeit als Arbeiter im Projekt eingestellt werden. Danach sollten sie im neu zu erschließenden Erweiterungsland der Küstenebene bevorzugt werden bei der Vergabe minimaler landwirtschaftlicher  Familieneinheiten (ca. 3,5 ha).

Der zuständige Bischof von Cajamarca, José Dammert B., schrieb am 12.6.1981 ebenfalls an den Präsidenten Belaúnde. Er machte auf die Auswirkungen der nicht erfolgten Information der Bewohner über den Verlust ihrer Lebensgrundlage aufmerksam und bat um sofortige Klärung des Anbauverbotes im zukünftigen Baubereich. Weder die kleinen Reisbauern noch ihre Tagelöhner  könnten ohne die nächste  Ernte überleben. Er sprach  die Befürchtung aus, dass angesichts der tiefen Verunsicherung der Bevölkerung Gewalt ausbrechen könnte. In einem weiteren Brief des Bischofs vom 12.6.1981 an den Landwirtschaftsminister Perus heißt es: „Es  ist meine Verpflichtung, Ihnen mitzuteilen,  dass  nach  kirchlicher Lehre - wiederholt bestätigt durch Papst Johannes Paul II - die Volkswirtschaft im Dienst des Menschen  steht  und  nicht  umgekehrt.“

Er zeigte detailliert die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Projektes für die  Bewohner der Dörfer Pay-Pay, Montegrande, Chungal und Tembladera auf und forderte eine offene Informationspolitik, Entschädigung durch Land, nicht durch Geld und eine rasche Umsiedlung in geschlossener Form. „Eine schnelle Lösung ist dringend erforderlich, da bei einem Anbauverbot die Bewohner ihren Unterhalt nicht bestreiten können, da sie keine  Kapitalreserven besitzen. Wenn sie hungern, kann man die Folgen nicht absehen. Hunger ist ein schlechter Ratgeber. Aus der zugespitzten Situation entstehen Herde der Gewalt, die ein Blutvergießen nicht ausschließen. Das würde allen schaden.“

Die Vorstandschaft Codealjes sprach in den folgenden Wochen zweimal in Lima beim Staatspräsidenten und zweimal beim Landwirtschaftsminister und der  Landwirtschaftskommission des Nationalparlaments vor, mobilisierte die Abgeordneten aus  der  Region, verhandelte mit dem Präfekten des Departments in Cajamarca und mit anderen Autoritäten sowie mit der Leitung des Bauträgers DEJEZA. Außer vagen Absichtserklärungen gab es keine Antworten. Es folgten friedliche Demonstrationen,  Straßenblockaden, zweimal wurde die Brücke zur Baustelle gesprengt. Den Bauern verbot man, auf ihren Feldern Reis anzubauen, da die Erdarbeiten beginnen sollten. Die  angespannte Lage veranlasste die Baufirmen, die Arbeiten einzustellen, was täglich einen  Verlust von ca. 160.000 DM bedeutete. Daraufhin stationierte der peruanische Staat  polizeiliche Sondereinheiten mit Panzerwagen und Wasserwerfern zum Schutz des Baucamps.

Schließlich kam am 3. September eine vorläufige Übereinkunft zwischen DEJEZA (Bauträger) und Codealje (Verteidigungskomitee) unter dem Titel "Mutuo Acuerdo" zustande, die als Grundlage für das spätere Umsiedlungsgesetz (Nr. 23328) diente. Darin wurden die Interessen der kleineren Bauern klarer definiert und die der Großgrundbesitzer beschnitten. Auf Grund des Anbauverbotes wurde den Reisbauern eine Ernteausfallentschädigung ab dem 13.8.1981 bis zur Übergabe ihrer zukünftigen Felder zugesagt. Dieser „Lucro cesante“ berechnete sich auf der Basis des staatlich festgelegten Reispreises und einem Ertrag von 3.350 kg pro Hektar. Damit war vorerst für die Landbesitzer eine Lebensgrundlage geschaffen. Die landlosen Bauern, wie überall die Ärmsten der Gesellschaft, verloren ihre Arbeit und somit  alles, da sie aufgrund der  niedrigen Löhne keine Rücklagen bilden  konnten. DEJEZA vertröstete sie mit dem bevorzugten Verkaufsrecht eventueller neu zu gewinnender Felder im Erweiterungsland nach Beendigung der Ausbaustufen II und III des Gesamtprojektes. Es zeigte sich jedoch, dass dieses Gebiet Gemeindeland des Ortes Chepén war und bereits von mehreren  Besitzern beansprucht wurde. Bis 1999 fand sich noch kein Kreditgeber für die  Finanzierung der Ausbaustufen II und III.

Da Codealje nicht bereit war, für die Landlosen mehr zu fordern als nur eine „bevorzugte Option bei der zukünftigen Verteilung des Erweiterungslandes“, bildete sich eine eigene Interessenvertretung der Landlosen: „Asociación de Campesinos Sin Tierras“. DEJEZA und alle anderen offiziellen Stellen erkannten als Gesprächspartner jedoch nur Codealje an, zumal Codealje sich als einziger Repräsentant der Betroffenen auswies. Somit war von Anfang an mit einer Entschädigung der Bevölkerungsmehrheit, also der besitzlosen landwirtschaftlichen Arbeiter, die teils seit Generationen die Felder der Besitzenden bestellten, nicht zu rechnen. Am 26.11.1981 verabschiedete die  peruanische  Regierung das Gesetz Nr. 23328, das dem Landwirtschaftsministerium erlaubt, die Besitzverhältnisse im Projektbereich neu zu regeln, um das Bewässerungsvorhaben ausführen zu können. In den Ausführungsbestimmungen vom 14.12.1981 wurde DEJEZA ermächtigt, den Bauern das Land abzukaufen oder sie umzusiedeln. Wer beides verweigerte, dem drohte die Enteignung. Codealje informierte am 1.12.1981 u.a. per Flugblatt die  Öffentlichkeit im Tal über die gewaltsame Enteignung der Felder am 30.11.1981 durch DEJEZA mit Unterstützung des Landrichters aus der Nachbarstadt Pacasmayo und einer Spezialeinheit (USE) der Polizei von über 100 Bewaffneten.

4. Resonanz aus Deutschland

Das in Lima 1978 entstandene Komitee nahm im Februar 1981 Kontakt auf mit Entwicklungsminister R. Offergeld, mit der Deutschen Botschaft in Lima, mit verschiedenen deutschen Universitäten, Lateinamerikainstituten, Zeitungen, Politikern u.a. einflussreichen Persönlichkeiten, sowie mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Die Regionalgruppe Bremen der GfbV und das Bremer Peru-Komitee sammelten Informationen und gaben sie über Rundbriefe und entwicklungsbezogene Zeitschriften an Dritte-Welt-Gruppen in ganz Deutschland weiter. Im März 1981 eröffneten sie den Briefwechsel mit dem BMZ über die Staudämme Gallito Ciego und Rio Ene in Peru mit dem Ziel, den Bau dieser Dämme zu verhindern. Die GfbV forderte ihre Mitglieder und Regionalgruppen auf, sich an der vorbereiteten Protestbrief-Aktion gegen den Bau des Gallito Ciego zu beteiligen. Das BMZ zog seine Beteiligung am Staudamm Rio Ene „wegen der damit verbundenen Bedrohung des Lebensraums der Campa-Indianer“ zurück (5).

Als Argumente für den Bau des Gallito Ciego nannte das BMZ die ganzjährige Bewässerung von 60.000 ha (!) Land, eine substantielle Erhöhung der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln und die Schaffung einer wesentlichen Zahl von Arbeitsplätzen. Zur Umsiedlung heißt es: „Es ist vorgesehen, die betroffene Bevölkerung zu entschädigen bzw. bevorzugt auf eine Erweiterungsfläche unterhalb des Stausees wieder anzusiedeln.“ (5).

In den Jahren 1979/80/81 wurde das BMZ mit einer Flut von Protestbriefen gegen große Staudämme in aller Welt bedacht. Filme, Bücher und zahlreiche Zeitschriften hinterfragten den Sinn von Dämmen wie  Assuan, Itaipú, Sobradinho, Mazaruni, Cerro Colorado und Majes (Peru) und berichteten von den negativen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen. Auch zum Projekt Gallito Ciego kamen verschiedene Anfragen an das BMZ: zur Information und Mitbestimmung der Betroffenen, zur Priorität der Sicherstellung von Grundbedürfnissen (siehe: „Entwicklungspolitische Grundlinien der Bundesregierung“), zu den fehlenden Besitztiteln der Bauern und Pächter, zur Zerstörung ihrer traditionellen Lebensformen, zur späteren Nutzung der bewässerten Flächen, zur Produktion  für Exportzwecke, zur Auslandsverschuldung Perus u.a..

Die GfbV informierte das BMZ und die KfW über die verzweifelte Lage und die Resignation der Menschen im Jequetepequetal aufgrund der Verunsicherung durch DEJEZA und durch staatliche Institutionen: die im Gesetz 23328 getroffenen Vereinbarungen werden nicht eingehalten (z.B. Auszahlung der Ernteausfallentschädigung), bereits umgesiedelte Bauern müssen ihr zugeteiltes Land wieder verlassen, da es nicht kultivierbar ist. Das BMZ wurde  aufgefordert, die bisherigen Entschädigungsmaßnahmen genau zu überprüfen, sich die zukünftigen Felder der Bauern zeigen zu lassen (jeder wusste, dass es sie nicht gab) und im Einklang mit bundesdeutschen Entwicklungshilfeprinzipien zu seiner Verpflichtung zu stehen, als Geldgeber auch darauf zu achten, dass es zum Wohle unterer Bevölkerungsgruppen verwendet wird. Die GfbV empfahl, ein deutsch-peruanisches Soziologenteam in das Gebiet zu entsenden, um die Umsiedlung vorzubereiten und zu begleiten.

In der Antwort des BMZ heißt es: „Wir müssen auf der Tatsache beharren, dass dies ein Projekt der peruanischen Regierung, für das sie die volle Verantwortung trägt, ist und zu dem wir auf ausdrücklichen peruanischen Wunsch einen Beitrag leisten. Wir haben bei den deutsch-peruanischen Regierungsverhandlungen 1982 in Lima trotzdem sehr eindringlich die Frage der Umsiedlung der Bevölkerung  des Jequetepequetals angesprochen und auch in das Verhandlungsergebnis aufgenommen. Dabei sind wir an die Grenzen des politisch Möglichen gekommen. Der nachdrückliche Hinweis auf Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit hat uns als Begründung dafür gedient. Insofern sind auch Ihre Bemühungen und die vieler anderer Gruppen, die uns geschrieben haben, hilfreich gewesen.“ (7)

Der Bundestagsabgeordnete Walter Schwenninger und die Fraktion der Grünen stellten am 12.12.1984 im Bundestag eine Kleine Anfrage zum Bewässerungsprojekt Jequetepeque - Zana,die am 31.1.1985 beantwortet wurde. Das Fazit aus den 16 Fragen zu den Kosten, ökologischen Folgen (Versalzung), zur Sedimentation, Sicherheit des Damms, Agrarproduktion für den Binnenmarkt, zur Entschädigung und den sozialen Auswirkungen war seitens der Bundesregierung durchgehend positiv. Negative soziale Folgen wurden nicht gesehen und das Projekt trage „wesentlich zur Erhöhung der peruanischen Erzeugung von Grundnahrungsmitteln und damit zur Eigenversorgung der  ständig wachsenden Gesamtbevölkerung Perus bei“. Die Frage der landlosen Bevölkerungsmehrheit wurde nicht berührt.

5. Herzogenaurach fordert Umsiedlung


Der Pfarrer von Tembladera (Padre Pedro) suchte in seinem Brief vom 7.9.80 eine deutsche Pfarrei, die ihn bei seinen kirchlichen Vorhaben finanziell unterstützen sollte. Anfang November 1980 besuchte Bischof Dammert Herzogenaurach und berichtete als erster von der Situation in Tembladera, die sich durch das Projekt des Staudamms ergab. Der Sachausschuss MEF bekundete in seinem ersten Brief vom 18.11.80 an Padre Pedro Interesse an den Folgen des Dammbaus für Tembladera. Padre Pedro erwähnte in seinem Antwortschreiben vom 23.1.81, dass die Arbeiten am Straßenbau laufen, deutsche Archäologen vorinkaische Zitadellen erforschen, die Kleinbauern wohl keinerlei Entschädigung erhalten würden, die Latifundisten der Küste  jedoch  zukünftig  das  Wasser  bekämen. „Einigen Bauern hat man gesagt, sie sollte nicht mehr ansäen. Sie  schweigen über ihr Schicksal. Was werden sie tun, wenn sie weder Wasser noch Felder haben? Weiß Gott - vielleicht hat die von Euch befürchtete Ungerechtigkeit schon begonnen.“ Da ihm die Einflutung der Kirche und des Pfarrhauses ein großes Problem war, sandteHerzogenaurach das Geld für den Kauf eines neuen Grundstücks.

Mitte August 1981 besuchten drei Mitglieder der Pfarrei Herzogenaurach Tembladera. Schon bei der Anfahrt warteten sie stundenlang auf der von den Bauern mit großen Steinen blockierten Straße und erlebten hautnah die angespannte Atmosphäre im Tal. In Versammlungen der Bauern von Montegrande, wo die ersten Felder enteignet waren und in den anderen betroffenen  Dörfern hörten sie von den diskriminierenden Methoden wie der Bauträger DEJEZA und andere peruanische Institutionen mit den Betroffenen umgingen. Sie sammelten sowohl in Tembladera wie in staatlichen Institutionen der Hauptstadt Lima alle zugänglichen Unterlagen über das Projekt und werteten sie nach ihrer Rückkehr zusammen mit anderen Interessierten in  Deutschland  aus. Ein reger Austausch von  Dokumenten, Briefen und Informationen begann. Besonders mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Sowohl den Partnern in Tembladera wie in Herzogenaurach war bewusst, dass der Damm gebaut wird. Sie konzentrierten daher ihre Anstrengungen ausschließlich auf die Entschädigung und die Umsiedlung. Angeregt durch einen alarmierenden Brief vom 18.11.1981, in dem Padre Pedro sehr anschaulich die Konfrontationen mit der Polizei, den Richtern, Politikern und Technikern beschrieb, wandte sich der Sachausschuss MEF Herzogenaurach am 20.12.1981 an den Bundesminister R. Offergeld (BMZ). „Uns ist das Problem der Landenteignungen und der ständigen Drohungen an die Bewohner der Gemeinden Montegrande, Chungal, Tembladera sehr gut bekannt .Die Angst der Kleinbauern ist berechtigt und wir befürworten  den Widerstand dieser Menschen gegen die Willkür der zuständigen peruanischen Regierungsstellen. Bis heute wurden außer unerfüllten Versprechungen keine konkreten Vorschläge für die Umsiedlung gemacht.“ Der Minister wurde gebeten, seinen Einfluss bei der Regierung Perus geltend zu machen für eine gerechte Umsiedlung.

Am 16.1.1982 sammelte der Sachausschuss MEF  800 Unterschriften, um erneut dem BMZ die Brisanz der Lage darzulegen. Der Diözesansachausschuss MEF übernahm dieses Anliegen und schrieb ebenfalls an das BMZ. Es begann eine öffentlichkeitswirksame Informations- und Protestkampagne in Presse, Radio und bei diözesanen Treffen, die das BMZ bewegen sollte, sich intensiver für die Umsiedlung zu verwenden. Im Juni 1983  weilte Padre Pedro auf Einladung des Sachausschusses MEF in Herzogenaurach. In seinen  Vorträgen auch in Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Bremen informierte er über die Lage im Jequetepequetal. Er lud den Pfarrer von Herzogenaurach zu einem Gegenbesuch nach Tembladera ein.

Die Gründung des Freundeskreises Cajamarca (14.7.1983) ermöglichte in Herzogenaurach eine breitere Operationsbasis. In gewohnt moderater Sprache wandte sich  die neue Partnerschaftsgruppe an Regierungsstellen in Deutschland wie in Peru, um Informationen zu erbitten und auf die offene Umsiedlungsfrage aufmerksam zu machen. Dabei wurden seltsame Fehlinformationen offenkundig. Der Bischof von Cajamarca  bemerkte in seinem Brief vom 18.1.1984 an den Freundeskreis: „Der Deutsche Botschafter in Lima sagte mit im Juni 1984, die peruanische Regierung hätte schon alle Betroffenen umgesiedelt. Er war sehr verwundert, als ich ihm antwortete, das sei eine große Lüge seitens der Regierung.“ In Wahrheit wurden einige wenige Familien auf Felder umgesiedelt, die im Hochwassergebiet des Flusses lagen. Diese Bauernverloren so ihre erste  Ernte und wussten nicht, wie sie den aufgenommenen Kredit für Saatgut zurückzahlen sollten. Andere bekamen unfruchtbares oder nicht bewässerbares  Land oder wurden von den eigentlichen Besitzern dieser Felder wieder vertrieben. Ernsthaft war die Umsiedlung der Betroffenen nicht angegangen worden. Das bestätigten auch die vom BMZ in Auftrag gegebenen Studien zu ökologischen und sozialen Fragen des Projekts. (2 und 8)

Im Brief vom 3.10.1984 berichtete Padre Pedro von den unrealistischen Versprechungen des Staatspräsidenten anlässlich der Besichtigung des Projekts und gleichzeitig über die Hoffnungslosigkeit, von den zuständigen peruanischen Behörden ernst genommen zu werden. Er bat die Herzogenauracher, sich an deutsche und peruanische Stellen zu wenden. Am 12.12.1984 schrieb der Sachausschuss MEF erneut an den Bundesminister des BMZ mit der Bitte um Einwirkung auf die Regierung Perus im Interesse einer gerechten Umsiedlung. Eine bundesweite  Unterschriftenaktion unterstützte  diesen Brief an Minister J. Warnke. Allein in der Diözese Bamberg beteiligten sich 60 Pfarreien. Die am 15.1.1985 erfolgte Antwort des BMZ an die Katholische Pfarrei Herzogenaurach beklagte, dass „aus kirchlichen Kreisen Perus über verschiedene  Kanäle immer wieder Behauptungen über eine nicht sachgemäße  Behandlung bei Entschädigungen aufgestellt werden“.

Die erste Umsiedlung von 51  Bauern, die auf überwiegend ungeeignetes Land erfolgte, das die großen Genossenschaften nicht bebauten, weil es hochwassergefährdet, unzureichend bewässerbar oder von schlechter Bodenqualität war, wurde vom BMZ als Beweis dafür genommen, dass Peru seinen Entschädigungsverpflichtungen nachkommt. Noch im gleichen Jahr wies die o.g. Studie von Schaefer-Kehnert (8) nach, dass 16 der 51 umgesiedelten Bauern erneut entschädigt werden müssen. Padre Pedro nahm in einem Brief vom 21.2.1985 an Bundesminister Warnke, BMZ, detailliert Stellung zur Umsiedlung. Auch das Bürgermeisteramt der Dörfer Montegrande und Chungal wandte sich am  22. 2. 1985 in einem Brief mit  212 Unterschriften an Minister Warnke. Es wurde u.a. darauf aufmerksam gemacht,

  • dass in zwei Jahren der Stausee geflutet werden soll und für die beiden Dörfer, die darin ganz versinken werden, weder Wohn- noch Ackerflächen in Aussicht stünden
  • dass in beiden Dörfern etwa 1.000 Familien arbeitsloser Landloser seit dem Anbauverbot nicht wissen, wovon sie leben sollen
  • dass auf den Feldern der bereits umgesiedelten Bauern die Bewässerung fehle
  • dass die Auszahlungen der Ernteentschädigung um Wochen zu spät eintreffen und wegen der hohen Inflation bedeutende Verluste bringen.

Diese Briefe lösten neue Aktivitäten des BMZ, der KfW, der Deutschen Botschaft in Lima und auch peruanischer Stellen aus. Der Pfarrer von Herzogenaurach besuchte im August 1985 erstmals die Partnergemeinde Tembladera und war tief beeindruckt von der depressiven Situation vor allem in Montegrande und Chungal. Nach seiner Rückkehr teilte er dem Bundesminister  Warnke seine Eindrücke mit. Er erwähnte die Vertreibung umgesiedelter Bauern durch Landrichter und Polizei, die unregelmäßigen Zahlungen der Ernteausfallentschädigung, die prekäre Lage der Landlosen und bat im Namen des gesamten Pfarrgemeinderates alles zu tun, um eine baldige Umsiedlung der Betroffenen durchzusetzen. Seinem Schreiben legte er den Brief des Präsidenten Codealjes, Samuel Gleiser, an die DEJEZA bei, aus dem u.a. hervorgeht, dass den Bauern im Jahr 1983 kein Ernteausfall bezahlt wurde, dass man für die Umgesiedelten keine Besitztitel ausstellte, dass Funktionäre der DEJEZA den Bewohnern Montegrandes und Chungals die Häuser (zu einem Spottpreis von 120 DM) abkaufen, um sie nicht umsiedeln zu müssen.

Im Oktober 1985 bekam Padre Pedro innerhalb weniger Tage hohen Besuch: Die Direktoren der Lateinamerikaabteilungen der KfW und des BMZ, Professor W. Schaefer (8) und Vertreter der neugewählten Regierung Perus sahen ab jetzt im Pfarrer von Tembladera den einzigen Garanten für Ruhe im Tal. Sie versprachen ihm, die Gelder für die Umsiedlung bereitzustellen und für eine zügige Durchführung zu sorgen. Außerdem stellten sie ihm in Aussicht, beim Bau seiner neuen Kirche behilflich zu sein. Von der KfW wurden ihm bis 1993 insgesamt 120.000  DM für das neue Pfarrzentrum zur Verfügung gestellt. Minister Warnke versprach der Pfarrei Herzogenaurach (9), dass die Einzelheiten der Umsiedlung während der Ende Oktober in Lima stattfindenden deutsch-peruanischen  Regierungsverhandlungen erörtert und festgelegt werden sollten.

Nach Abschluss der Gespräche berichtete der Leiter der deutschen Delegation, Ministerialrat Schweiger aus dem BMZ, der Herzogenauracher Pfarrei von den Ergebnissen der o.g. achten deutsch-peruanischen Regierungsverhandlungen (10). Er legte sogar das offizielle Ergebnisprotokoll bei und sandte es auch an die betroffenen Bauern nach Tembladera. Das BMZ erklärte sich bereit, sich an den Kosten der Umsiedlung zu beteiligen und hatte  dafür die Gewähr, unmittelbar Einfluss zu nehmen auf den Neubau des Dorfes und die Beschaffung von Ersatzland. Es wurde zugesagt, den Stausee nicht zu fluten, bevor nicht eine angemessene Entschädigung verwirklicht wäre. Im  Dezember 1985 veröffentlichte die DEJEZA ein  Kommuniqué für die Bewohner von Montegrande, Chungal und den unteren Ortsteil von Tembladera, in dem die sozioökonomische Befragung für den 27. bis 30.12.85 angekündigt wird. Diese Erhebung war die neue Grundlage für die Planung und Ausschreibung des Umsiedlungsdorfes. Mit dem Bau sollte im Oktober 1986 begonnen werden. Die ersten Umsiedler sollten ab August 1987 einziehen.

Laut Erhebung waren betroffen: In Montegrande 1065 Bewohner, 297 Häuser, 400  ha Reisfelder; in Chungal 530 Bewohner, 107 Häuser, 150 ha Reisfelder; in Tembladera 950 Bewohner, 34 Häuser, 250 ha Reisfelder, Erstmals wurden die landlosen Feldarbeiter (hier: Landlose) erfasst, jedoch nur die Erwerbstätigen, ohne ihre Familienangehörigen. Es waren in Montegrande 680, in Chungal 350, in Tembladera 600, also insgesamt 1.630. Mit Familien wird wohl die von Codetalje geschätzte Zahl von 3000 nicht ausreichen. Da die Reisbauern das Vertrauen zu ihren peruanischen Behörden verloren hatten, fragten sie in Herzogenaurach mehrmals nach, ob es nicht möglich wäre, einen Entwicklungshelfer als Vertrauensmann für die  Umsiedlung zu schicken. Dieses Unternehmen hätte ohne offizielle Einbindung in die KfW keinen Sinn gebracht. Die effizientere Lösung bot die KfW selbst, indem sie vom Juli 1986 bis April 1988 einen deutschen Planungsexperten der GITEC Consult beauftragte, die anstehenden Umsiedlungsprobleme gemeinsam mit DEJEZA zu lösen.

Bischof Dammert erläuterte während eines Besuchs im Februar 1986 in Herzogenaurach die aussichtslose  Lage der Landlosen. Seiner Meinung nach war das Wichtigste die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, denn die Landlosen könnten nicht damit rechnen, im Küstengebiet, in dem es damals 28.00 besitzlose landwirtschaftliche Hilfskräfte gab, wieder eine dauerhafte Anstellung zu finden. Als Sofortmaßnahme empfahl er handwerkliche Ausbildungskurse und Kleinkredite zur Förderung der Handwerker, die beim Bau des neuen Dorfes eingesetzt werden sollten. Längerfristig wäre die Verbesserung der Landwirtschaft im Jequetepequetal und in den Seitentälern beschäftigungsfördernd und gleichzeitig ökologisch und wirtschaftlich  sinnvoll, also der Bau kleiner Rückhaltebecken und neuer Kanalsysteme zur Ausweitung der Anbaufläche sowie die Einführung besserer Anbaumethoden.

Nach Absprache mit der Pfarrei Herzogenaurach schrieb Bischof Dammert am 14.4.1986 an den Deutschen  Caritasverband (DCV): „Die peruanische Organisation Codealje bestätigte, dass 80% der Geschädigten ohne Abfindung ausgehen, da sie kein eigenes Land besitzen. Das sind die Lohnarbeiter, Gelegenheitsarbeiter für den Ernteeinsatz (Golondrinos, dt: Zugvögel), die kleinen Händler und Handwerker. Seit fünf Jahren wird am Stausee gebaut. In dieser Zeit ohne Arbeit wanderten viele als Arbeitssuchende ab oder kehrten in die Bergdörfer zurück, aus denen sie gekommen waren. Dort bleiben sie arbeitslos.“ Er bat den DCV, eine Studie zu  finanzieren, die Vorschläge erarbeitet, wie diesem sozialen Problem zu begegnen wäre.

Der DCV sagte zu und sandte im Herbst 1986 einen Experten, den Herzogenaurach empfohlen hatte. Die Umsiedlung der Grundstückseigner und der Pächter in das neue Dorf „Ciudad de Dios“ an der Abzweigung der Staatsstraße nach Cajamarca von der Panamericana (Küstenstraße Perus) war gesichert durch das bilaterale Abkommen vom Oktober 1985 und durch den überzeugenden Einsatz der KfW, des BMZ und des Planungsexperten der GITEC. Im Auftrag des  Bundesministers  Warnke reiste der Lateinamerikabeauftragte des BMZ  im April 1986 nach Herzogenaurach, um die Ergebnisse der Regierungsgespräche selbst  darzulegen. Offen und vertrauensvoll machten Tembladera und Herzogenaurach in den beiden folgenden Jahren das BMZ und die KfW auf alle erkennbaren Schwierigkeiten der Umsiedlung aufmerksam. Die zufällige Begegnung zwischen Minister Warnke und einem Gemeindemitglied aus Herzogenaurach im Projekt trug sicher auch dazu bei, die Zusammenarbeit mit dem BMZ zu vertiefen. Es ist bemerkenswert, dass Minister Warnke auf die  Bitte des Herzogenaurachers gegen das vom Präsidialminister Perus vorbereitete Besuchsprogramm verstieß und statt der Besichtigung der Staudammtechnik ein langes nicht vorgesehenes Gespräch mit Vertretern der betroffenen Bauern führte und anschließend die untergehenden Felder und Dörfer besuchte.

Sehr zäh gestalteten sich die Verhandlungen mit den Genossenschaften und Privateigentümern des unteres Tals über den Ankauf bewässerbaren Landes. Nachdem bis  Juli 1987 nur 848 ha erworben werden konnten, musste das Dekret D.S. 011-87-MIPRE erlassen werden, um die ausstehenden Flächen enteignen zu können. Von November 1987 bis Februar 1988 wurden die neuen Felder an ihre 186 Besitzer übergeben. Die meisten Bauern hatten anfangs Schwierigkeiten, mit dem neuen (nicht mehr kostenlosen) Bewässerungssystem umzugehen, sind aber inzwischen gut eingearbeitet und wirtschaften inzwischen ähnlich rentabel wie vorher. Sehr  schleppend verlief die Eintragung in die Grundbücher und die Ausstellung der Besitztitel, die erst im Juli 1990 erteilt wurden. Diese Titel sind Voraussetzung für die Zuteilung von mittelfristigen Agrarkrediten (z.B. für den Bau von Kanälen, Brunnen, Drainagen, Häusern). Der Bau des neuen Dorfes verzögerte sich vor allem in der Planungs- und Genehmigungsphase.

Da der Stausee im Februar 1988 geflutet werden sollte, die Bauarbeiten im  März  1987 noch nicht begonnen hatten, drängte die Zeit. Die ausführenden Firmen waren nicht mehr bereit, die Umsiedler am Bau des Dorfes zu beteiligen. So blieben die meisten arbeitslos. Ende Januar 1988, als der Damm geschlossen war und sich der Stausee bedrohlich dem Dorf Montegrande näherte, wurden die 276 Familien mit Hab und Gut in das 50 km entlegene neue Dorf umgesiedelt. Die 260 Familien aus Chungal und Tembladera folgten im März 1988. Die Infrastruktur des Dorfes wurde langsam fertiggestellt. Es gab noch mehrere Jahre gravierende Probleme mit der Wasser- und Stromversorgung. So wurden die Bewohner bis September 1991 vor allem aus Tankwagen mit Trinkwasser versorgt. Die Besitztitel für die Häuser erteilte die DEJEZA erst im März 1997. Doch wurde die Gestaltung des neuen Dorfes großzügig und überwiegend zur Zufriedenheit seiner Bewohner ausgeführt. Während seines Besuchs im August 1990 stellte der Herzogenauracher Pfarrer fest, dass die Reismühle der Familie Encomendero noch nicht entschädigt war. Er wandte sich an BMZ und KfW und bat eindringlich um den Wiederaufbau der Anlage. Diese Maßnahme wurde anerkannt und für 650.000 DM durchgeführt.

6. Rechtlose Landlose

Das Gesetz 23328 regelte die Ansprüche für Landbesitzer und  Landpächter mit bzw. ohne Hausbesitz oder für Hausbesitzer ohne Land aus dem Einflutungsgebiet. „Für Landarbeiter ohne Landbesitz sieht das Gesetz in Artikel 21 eine Zuweisung von Land auf dem  Erweiterungssektor  des Bewässerungsprojektes in einer  späteren Ausbauphase vor. Das Gesetz sagt jedoch nichts aus über Lage, Feldgröße, Besitztitel und Zeitplan der Zuweisung. Auch ist nichts über einen gesicherten Anspruch auf Wasserentnahme gesagt. Nimmt man das Gesetz wörtlich, so steht den betroffenen Landarbeitern nur die Priorität bei der Zuteilung von Land zu. Nach einer Studie des Unteren Jequetepequetals (CESDER 1986) gibt es in der engeren Region ca. 28.000 Landarbeiter ohne Land.“ (11, S. 4). Nach der von der KfW in Auftrag gegebenen CIDAP-Studie (12) sind von den Landarbeitern des betroffenen Gebietes 10 % permanent beschäftigt, 90 % nicht permanent beschäftigt. Je nach Interessenlage der einzelnen Institutionen wurden die Landlosen sehr unterschiedlich definiert und gezählt. Codealje gab 1981 etwa 3.000 Familienangehörige Landloser an. Das Bürgermeisteramt Montegrande/Chungal nannte im Februar 1985 für beide Dörfer 1.000 Familien arbeitsloser Landloser. Laut Erhebung der DEJEZA vom Dezember 1985 wurden in Montegrande 680, in Chungal 350, in Tembladera 600 landlose Feldarbeiter erfasst, insgesamt also 1.630 Arbeitskräfte ohne ihre Familienangehörigen. DEJEZA und KfW gingen von 357 Familien Landloser aus, denen bei einem weiteren Ausbau des Bewässerungsprojektes eine bevorzugte Rechtslage zum Erwerb von Feldern eingeräumt wurde. 194 Familien wurde bis 1998 die Priorität für den Landerwerb im Erweiterungsland versprochen. DEJEZA erkannte folgende Gruppen von Landlosen nicht an:

  • Saisonarbeiter (Golondrinos), die besonders zu den Auspflanzungs- und Erntezeiten von Reis ohne soziale  Absicherung zu  Niedrigstlöhnen von  ca. zwei  DM pro  Tag angestellt wurden. Sie übernachteten meistens auf Strohlagern in den Feldern oder bei Verwandten.
  • Junge Familien, die nach dem Baubeginn (1981) formell heirateten. (Die meisten Paare leben ohne Trauschein zusammen.).
  • Ledige Mütter und verlassene Frauen mit ihren Kindern.
  • Jugendliche, die nach der Erhebung von 1985 erst volljährig (18 Jahre) wurden, inzwischen arbeitslos und zur Abwanderung gezwungen waren.
  • Bauern ohne Land und ohne Haus („sin-sin“), die bei Verwandten oder Arbeitgebern zur Untermiete wohnten.
  • Unter den ansässigen Landarbeitern (Peones) hatten nur sehr wenige (2-3 %) das Glück, „als Dauerarbeitskräfte zu einem Ecklohn von 3,80 DM pro Tag angestellt zu sein. Insgesamt sind nur 40 Dauerarbeitskräfte als Vorarbeite  oder Traktorfahrer bei den sechs größeren Landbesitzern der zona afectada (betroffenes Gebiet) angestellt.“ (11, S. 7)

Generell werden Landarbeiter tageweise verdingt und verlieren somit sozialen Schutz und Vergütungen für Feiertage. Da es im Jequetepequetal keine industriellen Arbeitsplätze gibt, ist die Feldarbeit für diese Menschen die einzige Einkommensquelle. Arbeitslosenunterstützung gibt es nicht. Es verwundert nicht, dass in den beiden Jahren 1986/87, also unmittelbar vor der Flutung des Gebietes,  viele  Arbeitslose in die großen  Küstenstädte  abwanderten. Manche ließen Frau und Kinder in der Hoffnung zurück, sie eines Tages nachholen zu können. Bis 1986 gab es keine ernstzunehmende Unterstützung der Landlosen, obwohl sie die größte Bevölkerungsgruppe darstellten. Auf die Bitte von Bischof Dammert und der Pfarrei Herzogenaurach sandte der DCV (Dt. Caritasverband) im November/Dezember 1986 den Experten für ländliche Entwicklung Volkmar Schubert, um die Probleme der Landlosen zu untersuchen. Gemeinsam mit Soziologen der Entwicklungsorganisation CESDER (Centro de Estudios Sociales y Desarrollo Rural) aus der benachbarten Stadt Chepén zählte er im November 1986 in der überfluteten Zone (Montegrande, Chungal, Tembladera Baja):

       129 landlose Bauern mit Haus,
       114 landlose Bauern ohne Haus,
           5 ohne Beruf ohne Haus,
       119 männliche volljährige Jugendliche,
         66 weibliche volljährige Jugendliche.

In der nicht überfluteten Zone von Tembladera Alta wurden 150 Landarbeiterfamilien gezählt, die durch die Einflutung der Felder ebenfalls ihre Arbeit verloren. Von den 393 erfassten Familien Landloser (ohne Saisonarbeiter) baten 269 um Zuteilung eines Hausgrundstückes im neuen Dorf. 129 hatten Anspruch auf ein Grundstück mit Haus, weil sie vorher Hausbesitzer im Überflutungsbereich waren. Da die Haltung von Kleintieren  (Geflügel, Kaninchen, Meerschweinchen, Schafen, Ziegen) im Hinterhof ein wichtiger  Beitrag  zur  Subsistenzwirtschaft ist und die hohen Lebenshaltungskosten reduziert, wünschten 90 % aller Landlosen, im neuen Dorf wieder Kleintiere halten zu können. Angeregt durch die Beratung von Herrn Schubert, schlossen sich folgende Gruppen zusammen: Alle Landarbeiter ohne Landbesitz oder Pachtland und die sonstigen Kleinverdiener ohne Ersatzanspruch, die seit mindestens fünf Jahren in einem der Dörfer  Montegrande, Chungal, Tembladera lebten. Sie erarbeiteten ein Gesuch an die Umsiedlungsbehörde, fügten die Erfassungsliste mit über 400 Familien bei und hoben hervor, dass sie:

  • als Nicht-Landbesitzer keinen Lohnausfall (siehe Ernteausfall für Landbesitzer) erhalten,
  • zukünftig aus der vormals homogenen Dorfgemeinschaft ausgeschlossen sein werden und die Zuteilung der nach Artikel 21 vorgesehenen Felder des  Projekterweiterungslandes wohl kaum mehr erleben werden. Sie stellten den Antrag auf baldige Zuweisung von Ackerflächen
  • Zuteilung eines  geeigneten Baugrundstückes noch vor Baubeginn  des neuen Dorfes, um sich am Dorfbau beteiligen zu können. Mindestgröße 250 m² wegen der Kleintierhaltung
  • Anschlussmöglichkeit von Wasser, Abwasser und Strom
  • technische Beratung beim Selbstbau ihrer Häuser
  • Basismaterial: Dachbalken, Eindeckung, Zement für Fußböden, Holz für Türen und Fenster.

Da sie nicht freiwillig ihr bisheriges Dorfgefüge verließen und bereit waren, ihre Häuser im neuen  Dorf  durch  gegenseitige  Nachbarschaftshilfe  selbst  zu  errichten,  hielten  sie  diese Minimalforderungen für einen „sozialen Wohnungsbau“ für berechtigt. Außerdem regten sie die Veränderung der Prioritäten des Zeitpunktes der Landzuteilung vor:

  1. Landeigentümer (propietarios); Landpächter (poseedores), Bauern ohne Land (peones)
  2. Landeigentümer, die das Land nicht selbst bewirtschaften (propietarios no conductores)
  3. Erweiterungsland nach Artikel 21: Bauern ohne Land aus dem unteren Tal, die der Stausee nicht schädigte.

Bei dieser sicher sozialeren Lösung hätten die Genossenschaften letztlich gezwungen werden müssen, Land in Dorfnähe abzugeben. Der Antrag vom November 1986 von DEJEZA wurde nicht beantwortet. Er wurde um einige Jahre zu spät gestellt. Durch ihre Geduld und ihre unbedeutende soziale Stellung unterlagen die Landlosen schon immer den „Zorros“ (Füchsen), den Mächtigeren im politischen Spiel. „Das Angebot, den Landlosen zu helfen, erstreckte sich seitens der mit der Umsiedlung beschäftigten Organisationen auf das Versprechen „noch etwas zu versuchen“ und auf das Angebot zum Abtransport mit LKW am 26.12.1987 an einen Ort ihrer Wahl. (Generalversammlung von Codealje 6.12.1987 in Montegrande)“. (13, S. 8) In einer erschlossenen Erweiterungszone des Umsiedlungsdorfes wurden bis 1997 rund 160 neue Häuser in Selbstbauweise  errichtet, die Landlosen gehören. In permanenten Versammlungen mit den Landlosen wurden neben diesem Antrag an DEJEZA noch drei weitere Projektvorschläge entwickelt, die von Hilfsorganisationen finanziert und von CESDER betreut werden sollten:

  1. Ausbildungskurse für Jugendliche in Wasser-, Elektroinstallation und anderen Bautechniken - 1987 vom DCV übernommen.
  2. Orientierungszentrum im neuen Dorf für Sozial-, Finanz- und Rechtsberatung, für berufliche, medizinische, hauswirtschaftliche Fortbildung sowie als Speisesaal einer Volksküche und als Frauenbegegnungsstätte (Mütterclubs) - 1987 vom DCV übernommen.
  3. Siedlungsvorhaben  „Chérrepe“:  Existenzgründung  für  ca.  40  besitzlose  Landarbeiterfamilien auf 150 ha unbewirtschaftetem Trockenland am Rio Chamán - 1987 von Misereor übernommen. (11, S. 11-27)

In einem bewundernswerten dreijährigen Kraftakt bauten die Siedler von Chérrepe ihr kleines Dorf, bohrten Brunnen, gruben Kanäle, errichteten ein 30 m langes Flusswehr, nivellierten die neuen Felder. Doch die fachlich unzureichende  landwirtschaftliche  Beratung brachte sie in Schwierigkeiten. Als der Rio Chamán zum Vorfluter der Entwässerungsdrainagen großer Gebiete wurde, führte er so stark salzhaltiges  Wasser, dass er zur Bewässerung kaum mehr genutzt werden konnte. 1995 lebten nur noch 10 der 40 angesiedelten Familien in Chérrepe, 30 Familien mussten abwandern. Während  des  Besuchs einer sechsköpfigen Delegation 1994 aus Herzogenaurach in Tembladera  übergab das „Comité  de  Campesinos sin Tierras“, dem damals 211 Landlose  angehörten, einen Brief an die KfW. Es bat um Unterstützung bei der noch nicht erfolgten Zuteilung von Feldern. Aus einem späteren Telefonat mit der KfW wurde erkennbar, dass Landtitel aus  dem Erweiterungsgebiet  bei Cerro Colorado und Pampas las Sandias längst vergeben waren an Veteranen aus dem Krieg gegen Ecuador und an Funktionäre der Agrarreform.

Der neu installierte Pfarrer Herzogenaurachs besuchte 1998 die Partnerpfarrei Tembladera. Auch er wurde vom Comité der Landlosen um Hilfe gebeten. In ihrer Bittschrift vom 23.8.1998 heißt es: DEJEZA erkannte am 24.8.1989 laut Artikel 21 des Umsiedlungsgesetzes 147 Landlosen aus dem Distrikt Yonán-Tembladera eine Priorität für den Erwerb von Erweiterungsland an. 1994 sprach DEJEZA 89 Landlosen im Gebiet Pampas de Tolón jeweils 4 ha zu. Diese 356 ha Ödland  sind  ohne  Bewässerung. Die zukünftigen Besitzer bitten um Unterstützung beim Bau eines 7 km langen Bewässerungskanals. Aus dem beigefügten Dokument „Vorläufige Übergabe“ geht hervor, dass die Bewerber die übertragenen Felder selbst vor Besetzung durch andere schützen müssen, sie nicht weiterverkaufen dürfen und selbst bebauen sollen. Die künstliche Bewässerung soll über Brunnen und Pumpen erfolgen. Wasser aus dem Kanalsystem des Gallito Ciego könnte nur sehr ausnahmsweise zu Zeiten großen Überschusses zugeteilt werden. Nach Fertigstellung  des  Bewässerungssystems können die Besitztitel beantragt werden. Zur Ausführung der Arbeiten wird ein Zeitraum von zwei Jahren eingeräumt.

Am 17.5.1999 schrieb Padre Victorino, der Pfarrer von Tembladera, „Das Projekt hinterließ 800 Angehörige der Landlosen. Von ihnen wurden 86 umgesiedelt. Doch bis heute können sie nichts aussäen, da es keine Bewässerung gibt. In den letzten Tagen versprach man ihnen ihre Besitztitel, doch nur gegen Kauf des Landes. Wie schon in früheren Jahren versuchten einige Bewohner von Tembladera am oberen Rand des Stausees, der seit einiger Zeit nicht mehr überflutet wird, etwas anzupflanzen. Sie taten es aus existentieller Not. Der Direktor von DEJEZA klagte 26 Personen vor Gericht der widerrechtlichen Aneignung von Land an. Acht wurden bereits verurteilt. Sie erhoben beim Gericht Cajamarca Einspruch. Ich halte das für  Amtsmissbrauch und für Mangel an  Menschlichkeit. Ich will mit dem Direktor der DEJEZA sprechen. Das Projekt zerriss unsere Dorfgemeinschaften soziokulturell. Es brachte Tembladera größere Armut durch den Anstieg der Arbeitslosigkeit.“

7. Lernchancen

Der Freundeskreis Herzogenaurach hat durch seinen Einsatz, seine vielfältigen Außenbeziehungen und durch ernsthafte Verhandlungen mit BMZ und KfW einen beachtlichen Beitrag an der Umsiedlung in der Partnerpfarrei Tembladera geleistet. Günstig wirkte sich dabei die in den achtziger Jahren heftig geführte Diskussion um Staudämme und ihre sozialen und ökologischen Folgen aus. Die eigentliche Arbeit leisteten jedoch die  betroffenen Reisbauern des oberen Jequetepequetals. Das zehnjährige Ringen mit so mächtigen Gegnern hinterließ in beiden  Partnerpfarreien nachhaltige  Spuren. Es war ein  ungewöhnliches Lernangebot. 

Die in Herzogenaurach handelnde Gruppe (Sachausschuss  MEF, Freundeskreis Cajamarca) bestand aus Menschen ohne  besonderen wirtschaftlichen oder  gesellschaftlichen Einfluss. Sie erregte Ärgernis  bei den Entscheidungsträgern, weil sie öffentlich die Ungerechtigkeiten bei der Umsiedlung anklagte. Als ab 1985 die Wirklichkeit  von Tembladera in Herzogenaurach angenommen werden konnte, beteiligten sich auch Bürger mit größerer lokaler Bedeutung an diesem Prozess. Es kam zeitweise zu erstaunlichen politischen Grenzüberschreitungen.

Nach kurzer Interessenbekundung aufgrund des erkämpften Erfolges verloren sich die  etablierten, einflussreichen Leute wieder aus der Partnerschaftsarbeit mit Peru. Die Beschäftigung mit den sozialen Problemen im entfernten Peru löste in der Gruppe Lernprozesse aus, die sich auf ganz nahe, eigene Probleme bezogen. Die Betroffenheit über die zu erwartende Vertreibung und Obdachlosigkeit dort weckte Solidarität mit sozial schwachen Familien in der eigenen Stadt, deren Notunterkünfte einer neuen Siedlung weichen mussten. Mehrere Mitglieder des Freundeskreises Cajamarca setzten sich erfolgreich für eine „gerechtere Umsiedlung“ sozial Schwacher in Herzogenaurach bei den Behörden ein.

Die Frage um die Option für die Armen wurde für beide Partner zur Zerreißprobe. In Peru wie in Herzogenaurach entzündete  sie sich an den Landlosen. Bischof  Dammert,  Misereor, der DCV und der größere Teil des Freundeskreises Cajamarca gaben dem Problem der Landlosen Priorität. Padre Pedro, Codealje (Verteidigungskomitee der Besitzenden) und der kleinere Teil des Freundeskreises sah diese Priorität nicht, da sie dem Satz vertrauten: „Nach der Umsiedlung können die (Landlosen) wieder auf unseren Feldern arbeiten.“

Nach dem Besuch in Tembladera 1990 hatte der Freundeskreis aufgrund der unüberwindbaren Spaltung seiner Mitglieder kaum mehr die Kraft, sich dem komplexen Vorhaben der Integration der Landlosen zu stellen. Der Pfarrer setzte sich vehement beim BMZ für die Entschädigung einer Reismühle von Frau Encomendero ein. Gemäß dem Umsiedlungsgesetz wurde die Mühle für 650.000 DM neu errichtet. Padre Pedros Wunsch nach finanzieller Unterstützung von zwei Mitarbeitern in der Pfarrei wurde erfüllt und löste hier wie dort jahrelange Differenzen aus.

Das Angebot des BMZ, ausgesprochen von Ministerialrat Schweiger während seines Besuchs im April 1986 in Herzogenaurach, den Landlosen durch ein geeignetes Projekt zu helfen („ein Paar Millionen wären da schon drin“), wurde nie aufgenommen. In einer Rückbesinnung (1999) auf die Zeit des Einsatzes für die Bauern von Tembladera nennen damalige Herzogenauracher Akteure einige wichtige Aspekte:

  • Gut überlegter Einsatz lohnt sich.
  • Vor dem Handeln liegt eine intensive Phase der Information und des Abwägens.
  • Öffnung nach außen und Austausch auch mit  Andersdenkenden relativiert die eigenen Probleme und lässt das Wesentliche oft leichter erkennen.
  • Gegenseitige Besuche der Partner implizieren die Chance, die Wirklichkeit des anderen weitaus klarer wahrzunehmen und fordern zu einer nachhaltigen Stellungnahme heraus.
  • „Dritte Welt“ ist nicht nur eine geografische Region, sondern ein Zustand, der auch bei uns  vorkommt.
  • Misstrauen kann die stärkste Gruppe zerstören.
  • Klare Positionen bei gleichzeitiger Toleranz des Gegners fördern die Konfliktbewältigung
  • Konflikte haben Vorrang, sie müssen fair und offen ausgetragen werden.
  • Es  ist anzustreben, in beiden Partnerpfarreien nicht nur über einen Vermittler zu  kommunizieren, sondern jeweils eine Gruppe von verantwortlichen  Ansprechpartnern zu haben.

Hans Meister, Herzogenaurach im Juni 1999
________________________________________________________________________

Quellennachweis

1.   Museum für Völkerkunde, Frankfurt a. M., Herrscher und Untertanen, 1973, S. 91-95
2.   E. Lauterjung/ H. Wolkewitz, Ökologische Auswirkungen von Staudammvorhaben, 1983
3.  J.R. Sabogal Wiesse, Advertencia, Meditemos sobre la Irrigación Jequetepeque-Zana, Lima 9/1979, J.R. Sabogal Wiesse, Informationen zur Bewässerung des Jequetepeque-Zana-Tales, Lima11/1980. J.R Sabogal Wiesse, Jequetepeque, Reservorio de Espejismos  in Peru Agrario Nr. 16, Lima April 1980, S. 59-64
4.  Dipl. Ing. Karl Sichra, Salzgitter, im Schreiben an Dr. R. Huhle vom 8.2.1984
5.  Brief von Dr. Linhart, BMZ an GfbV Bremen vom 12.5.1981
6.  Briefe der GfbV an das BMZ vom 10.10.1982 und 12.12.1982
7.  Brief des BMZ vom 12.11.1982 an GfbV
8.  W.  Schaefer- Kehnert, Bewässerungsprojekt Jequetepeque, Entschädigung  verdrängter Bauern, 1985
9.   Brief des BMZ vom 28.10.1985 an das Kath. Pfarramt Herzogenaurach
10. Brief des BMZ an das Kath. Pfarramt Herzogenaurach vom 12.11.1985
11. V. Schubert, Probleme besitzloser Landarbeiter und Bevölkerungsgruppen mit schwachem, Einkommen, angesiedelt im zukünftigen Überflutungsbereich des  Staudamms  „Gallito Ciego“, Freiburg 1986 (DCV)
12. CIDAP, Estudio  para la Reubicación de los Poblados de Chungal, Tembladera y Montegrande, Lima 1986
13. V. Schubert, Untersuchung der Maßnahmen zur Lösung von sozialen und ökonomischen Problemen der sozialschwachen Bevölkerung aus den evakuierten Dörfern des Stausees „Gallito Ciego“, Aachen 1987 (Misereor)

Copyright © 2016 - Willi Knecht
All Rights Reserved