Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Die Theologie der Befreiung als neue Theologie?

Die Theologie der Befreiung als neue Theologie?  Grundlagen einer Theologie der Befreiung (Frankfurt St. Georgen WS 1973/74)

Die Theologie der Befreiung (TbB) versteht sich von ihrem Selbstverständnis her als eine neue Art Theologie zu betreiben. Ihr Ausgangspunkt ist die Botschaft Jesu Christi von der Erlösung / Befreiung des Menschen. Im Folgenden soll dies in Stichpunkten verdeutlicht werden (hier ohne explizit bibl. Exegese). Dieser Ansatz und der Begriff als solcher ist übrigens nicht zu verwechseln mit der akademisch - europäischen "Politischen Theologie", weil sie von einem ganz anderen Standort aus argumentiert.

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Zur "Theologie der Befreiung"

Zur "Theologie der Befreiung" (TdB)

Der Begriff "Theologie der Befreiung" stammt von Gustavo Gutiérrez - zuerst 1969 auf einem Kongress in Chimbote, Peru, dann als Titel seines Buches "Teología de la liberación" (1972). Wie er aber selbst immer wieder sagte, wäre er nicht zu dieser Theologie gekommen, wenn er nicht selbst bereits in einer befreienden Praxis gelebt und mitgewirkt hätte. Das heißt: er hat am eigenen Leib erfahren, was die Menschwerdung Gottes inmitten der Ausgestoßenen für diese bedeutet, ebenso ihre Passion, ihren gewaltsamen Tod (weil man sie um ihr das von Gott verheißene Leben bringt) und ihre Auferstehung als Mensch inmitten einer von Jesus dem Christus inspirierten Gemeinschaft, die um ihre Rechte und um die Würde jedes Einzelnen kämpft. Und diese vom Geist Jesu und seiner Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes geprägte befreiende Praxis hat er nicht nur in den Elendsvierteln Lima erfahren, sondern vor allem inmitten der Campesinos von Cajamarca. Denn dort war seit 1963 eine völlig neue Praxis der Kirche im Entstehen (siehe u.a. Cajamarca als Beispiel einer erneuerten Kirche und Eine Kirche der Armen auf www.cajamarca.de ).

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Steht auf, wenn ihr Christen seid!

Steht auf, wenn ihr Christen seid! (als Pfingstbrief 2012 "Wir sind Kirche")

"Weil wir Teil derselben Weltwirtschaftsordnung sind, tragen wir eine große Mitverantwortung für den täglichen Hunger und die tägliche Gewalt. Doch deutsche Christen, die einzelnen Gemeindemitglieder wie die Kirche als Ganzes mit all ihren Organisationen, sind mehr oder weniger gut funktionierende Bestandteile dieser Gesellschaft. Gemeinde und Kirche sind nicht nur Stützen dieser Gesellschaft, sie sind diese Gesellschaft. Als Gemeinde sind sie Teil des dazugehörenden Wirtschaftssystems und haben ein existentielles Interesse an dem Erhalt und der Funktionstüchtigkeit dieses Systems, das auch ein globales System ist. Aus diesem Interesse heraus entsteht de facto eine entsprechende Option...."

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Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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