Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Entstehungsgeschichte einer Kirche der Armen

Auf dem Weg zu einer „Kirche Jesu Christi“ – eine Kirche der Befreiung

In dem Artikel geht es um die Entstehung einer befreienden Praxis - ausgehend von den Erfahrungen der Campesinos und angestoßen von dem Aufbruch infolge des Konzils. Auf die aktuelle theologische Diskussion bezogen geht es um eine den Armen gerecht werdende Interpretation des Konzils. Die peruanische Kirche, hier vor allem die Diözese Cajamarca, steht hier exemplarisch (nicht exklusiv) für den Aufbruch der Kirche in Lateinamerika infolge des Konzils. So gilt Peru als ein Ursprungsland der Theologie der Befreiung (Gustavo Gutiérrez, u.a.). Und hier war es besonders die Diözese Cajamarca, die in der Praxis (!) bereits seit 1963 das realisierte, was danach dann als Theologie bei uns bekannt wurde. Gustavo Gutiérrez hätte nach eigenen Aussagen seine „Theologie der Befreiung“ - zumindest so - nicht schreiben können, ohne die Erfahrungen aus Cajamarca, das er bereits in den 60-er Jahren und danach häufig besuchte. (Veröffentlicht in gekürzter Fassung in "imprimatur", 4/2017.) Siehe in 3/2017 Teil 1 : Glaube und Kultur der Menschen in den Anden. Darin wird geschildert, welche verheerenden Folgen die Eroberung (Missionierung?) für die indigenen Völker Amerikas hatte und hat, exemplarisch aufgezeigt an der andinen Kultur. Der 1. Teil endete mit: "Aber ausgerechnet in den Anden, exemplarisch u.a. in der Diözese Cajamarca, Peru, entstand seit 1962 eine „neue Kirche“, ausgehend von der befreienden Botschaft, dass Jesus der Christus inmitten der Indios „zur Welt kam“ und sich mit ihnen auf den Weg macht - hin zu einem Leben in Fülle, in Gemeinschaft mit Gott und der Menschen untereinander und in dem die Güter von Mutter Erde allen zugutekommen. Wie konnte dies geschehen?"

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DFG-Projekt "Eine Kirche der Befreiung"

Abschlussbericht an die DFG

 
Forschungsstand, Anwendungsperspektiven und denkbare Folgeuntersuchungen
 
Im Blick auf die deutschen Partnergruppen können hinsichtlich deren Motivation, Problematik und Zielsetzungen Schlussfolgerungen gezogen werden, die im weiteren Sinne z.B. mit der Studie von Gabriel/Nuscheler übereinstimmen. Während jedoch deren Studie „Handeln in der Weltgesellschaft: Christliche Dritte-Welt-Gruppen“ (1995) eher in „die Breite“ ging, zielt die vorliegende Studie auf eine kleine Gruppe von (16) Pfarreien, in der dann allerdings alle denkbaren Dimensionen von Partnerschaft untersucht werden. Vor allem die Nachprüfung der Wirkung bei den Adressaten (sowohl was die materielle Hilfe als auch die damit verbundene Zielsetzungen oder Ideologien betrifft) ist in dieser intensiven Form noch nicht wissenschaftlich behandelt worden. Entscheidend zum Verständnis von Partnerschaft (auch Entwicklungszusammenarbeit) ist die Einbeziehung des weltwirtschaftlichen und jeweiligen nationalen politischen Kontextes.

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Camilo Torres - 50. Todestag

Zum 50. Todestag von Camilo Torres

Sein Anliegen

Am 15. Februar 1966 wurde der kath. Priester Camilo Torres von Einheiten der kolumbianischen Armee erschossen. Kurz zuvor, mit dem „Aufruf an das kolumbianische Volk“ vom 7. Januar 1965, hatte er sich der ELN (Ejército de la Liberación Nacional – Nationale Befreiungsarmee) angeschlossen, einer Guerillaorganisation, die bis heute noch aktiv ist.

Eine kurze Zusammenfassung seines Glaubens (im Stil von Camilo Torres):  Wenn das Wesen des christlichen Apostolats die Nächstenliebe ist, dann hat ein Christ in einem Land wie Kolumbien, in dem jede Viertelstunde ein Kind stirbt, die Pflicht, sich dafür einzusetzen, die Hungrigen zu speisen, die Durstigen zu tränken, die Obdachlosen zu beherbergen, die Nachbarn zu kleiden (Mt 25,31-46). Und wenn dieser Christ nun alles – aber auch wirklich alles – versucht hat, dieses oberste Gebot der Nächstenliebe mit legalen Reformen zu erfüllen und an der hartnäckigen Reformfeindlichkeit der herrschenden Oberschicht gescheitert ist, dann hat er die Pflicht, die Herrschaft dieser Oligarchie zu brechen um der Mehrheit des Volkes das geben zu können, was es zum Leben braucht.

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Unterkategorien

Theologie

 

Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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