Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Anfänge einer Theologie der Befreiung

Ausgangspunkt der Theologie der Befreiung ist das Evangelium, die gute und befreiende Botschaft für alle Menschen, besonders aber für die 2/3 der Menschheit, die das Opfer der Gewalt, das Opfer der Reichen und Mächtigen dieser Erde sind. Das Evangelium ist die Grundlage unseres Glaubens an Jesus den Christus. Jesus Christus und sein Leben, sein Leiden, Tod und Auferstehung, sind der Ausgangspunkt jeder christlichen Theologie. Das ist eigentlich selbstverständlich, muss aber dennoch gelegentlich betont werden. Ist aber das Evangelium zuerst eine frohe Botschaft zuerst für die Armen und Unterdrückten dieser Erde, und wenn es stimmt, dass das Evangelium den Menschen auch für das diesseitige Leben etwas zu sagen hat, so muss jede Art von Theologie und Verkündigung von der Situation ausgehen, in der diese 2/3 der Menschheit leben. "Wenn die historische Situation der Abhängigkeit und Beherrschung von 2/3 der Menschheit mit ihren 30 Millionen Toten, die jährlich an Hunger und Unterernährung sterben, nicht zum Ausgangspunkt jedweder christlichen Theologie von heute wird, so wird die Theologie ihre fundamentalen Themen nicht in die Geschichte einbringen und konkretisieren können. Ihre Fragen werden keine wirklichen Fragen sein. Sie werden am wirklichen Menschen vorbei gehen“. Alle mir bekannten Vertreter der Theologie der Befreiung stimmen der Aussagen von Assmann zu: „Es gibt fast eine Einstimmigkeit in den bisher veröffentlichten Texten: der Ausgangspunkt der Theologie der Befreiung ist die historische Situation der Abhängigkeit und Beherrschung, in der sich die Völker der Dritten Welt befinden“.[2]

Auszug aus meiner Seminararbeit im WS 73/74 in Frankfurt- St. Georgen, SJ): Von einer Praxis der Herrschaft zu einer Praxis der Befreiung - eine "barbarische Theologie" (ausgehend von den "Barbaren").

PS: Im SS 1972 hatte sich in St. Georgen der erste "Studienkreis Theologie der Befreiung" in Deutschland gebildet, noch vor Erscheinen der deutschen Ausgabe des Buches "Theologie der Befreiung" von Gustavo Gutiérrez. Er wurde von lateinamerikanischen Mitstudenten (Doktoranden, mit konkreten Erfahrungen aus LA) initiiert und getragen. Einzige deutsche Mitarbeiter waren Christian Herwartz (heute Obdachlosenpriester in Berlin) und ich. Pater Semmelroth und Pater Grillmeier waren kritische Begleiter.

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Globalisierung - aus biblischer Perspektive

"Als Christen in Deutschland befinden wir uns eher in der Situation des Priesters oder Leviten, die gewohnheitsmäßig ihren Weg zum Gottesdienst im Tempel in Jerusalem gehen. Sie können gar nicht sehen, dass der unter die Räuber Gefallene etwas mit ihnen zu tun haben könnte und erstrecht nicht mit ihrem eigenen Glauben an Gott. Der Mensch im Straßengraben wird nicht als Mensch und nicht als Opfer erkannt. Es zählt nur das Opfer im Tempel. Jesus aber stellt diese religiöse Ordnung auf den Kopf. Es gibt nichts Wichtigeres als der Mensch im Straßengraben. Er ist das „Sakrament Gottes“ (G. Gutiérrez). .....
... Im Bezug auf die massenhaft Ausgeschlossenen - weltweit - sind wir es, die nicht unmittelbar betroffen sind. Wir hier gehören alle zu einer mehr oder weniger bürgerlichen Mittelschicht, wir sind nicht die unmittelbaren Opfer. Dennoch gilt auch für uns das Beispiel des Samariters, oder z.B. die Stelle in MT 25 vom Weltgericht (mit Hungernden das Brot teilen, und viele andere Beispiele Jesu). Wie also wirklich das Brot teilen mit denen, denen man es wegnimmt? 
 
Globalisierung - aus der Sicht der Opfer                                                                           Vortrag auf der Studienklausur der Kath. Fakultät Mainz aus Anlass des 60. Geburtstages von Prof. Johannes Meier! (2008)

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DIE Sünde der Welt (Röm)

Die Sünde der Welt – das Leben aus dem Fleisch (Röm 8, 4-17; Joh 1-13)
 
Es geht hier nicht um eine neuerliche Exegese einer Textstelle, sondern anhand dieses Abschnitts soll das Grundanliegen von Paulus herausgestellt werden. Dies geschieht aus der Perspektive der Ausgegrenzten und Verachteten dieser Welt - d.h. aus einer nichteuropäischen, nämlich aus einer biblischen Perspektive.  Für sie sind die bestehenden Verhältnisse (die Welt, so wie sie ist) eine Aktualisierung der Zustände zur Zeit Jesu Christi, der zum Tod verurteilt wurde, weil er den herrschenden Götzendienst als solchen verurteilte. Vor allem Paulus und Johannes stellen diesen Glauben Jesu in den Mittelpunkt ihrer Verkündigung. 

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Theologie

 

Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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