Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Andine Kosmovision - buen vivir

Der Glaube und die Kultur der Menschen in den Anden (Cosmovisión andina)

In seinem Beitrag über den Glauben und die Kultur der Menschen in den Anden (Peru, Bolivien, Ekuador) wirft Willi Knecht u.a. die Frage auf, inwieweit die spirituellen Grundlagen der andinen Kultur Auswege aus der Sackgasse aufweisen könnten, in die uns die "Kosmovision"(Philosophie, Theologie, Wirtschaft) des christlichen Abendlands weltweit geführt hat. In der kommenden Ausgabe von "imprimatur" (1/2018) wird der Autor über die nachkonziliare Entwicklung der andinen Kirche berichten. Ausgerechnet in den Anden, exemplarisch u.a. in der Diözese Cajamarca, Peru, entstand seit 1962 eine „neue Kirche“, ausgehend von der befreienden Botschaft, dass Jesus der Christus inmitten der Indios „zur Welt kam“ und sich mit ihnen auf den Weg macht - hin zu einem Leben in Fülle, in Gemeinschaft mit Gott und der Menschen untereinander und in dem die Güter von Mutter Erde allen zugutekommt. Wie konnte dies geschehen? (Veröffentlicht in der Zeitschrift "imprimatur", 3/2017) Siehe auch den umfassenderen Abschnitt aus meiner Dissertation: Glaube und Kultur der Menschen in den Anden (exemplarisch: Diözese Cajamarca)

Vorbemerkungen

Die andine Kosmovisionwurde zuletzt in Europa eher unter dem Begriff „Buen Vivir“ („Gutes Leben“) bekannt. „Buen Vivir“ wird zunehmend als mögliche Alternative für das von Europa ausgehende Wirtschaftsmodell (Kapitalismus, alias Neoliberalismus) diskutiert. Leider werden in der aktuellen Diskussion um „buen vivir“ die tieferen Zusammenhänge (kulturell, phil.- theol.) kaum verstanden oder willkürlich benutzt und instrumentalisiert. Die spirituellen Grundlagen der andinen Weltsicht wie auch anderer Jahrtausende alter Kulturen könnten aber Auswege aus der Sackgasse aufzeigen, in die uns die "Kosmovision" (Philosophie, Theologie, Wirtschaft) des christlichen Abendlands weltweit geführt hat. 

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Capitalismo

Kapitalismus – die Bestie der Apokalypse

- Aus der Perspektive der Campesinos von Bambamarca -

Die aktuelle Apokalypse - Gemälde und Text von José Espíritu, Katechet und Maler aus Bambamarca, Diözese Cajamarca, Peru

(Übersetzung der Texttafel und der Slogans im Bild, von Willi Knecht, 1999)

Johannes interpretiert in der Offenbarung (Apokalypse) auf symbolische Weise die so schwierige Situation seiner Zeit: eine politische und religiöse Diktatur. Johannes klagt die herrschsüchtige Klasse an, die sich anbeten lässt, als wäre sie Gott. Johannes spricht zu diesen „Chefs“ jener vergangenen und gegenwärtigen Zeit, unter denen wir leiden müssen. Er charakterisiert sie uns in seiner Offenbarung  als die erste und die zweite Bestie.

Heute, in unserer Zeit, leiden auch wir unter der gleichen traurigen Realität, einer extreme Armut; wir leben in einem Abgrund ohne Ausweg. Wir befinden uns in den Klauen einer dritten, sehr mächtigen Bestie, die das gesamte Universum beherrscht und die sich für den einzigen Herren der Schöpfung Gottes hält. Das Monster, Urheber des Bösen, hat diese Bestie mit einer Krone aus Gold gekrönt und sie hat viele Helfer, die sie beschützen und verteidigen.

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Cosmovisión andina - buen vivir

„Buen Vivir“ wird zunehmend als mögliche Alternative für das von Europa ausgehende Wirtschaftsmodell (Kapitalismus) diskutiert. Leider werden in der aktuellen Diskussion um „buen vivir“ die tieferen Zusammenhänge (kulturell, phil.- theol.) kaum verstanden oder willkürlich benutzt. Die spirituellen Grundlagen der andinen Weltsicht (wie auch anderer Jahrtausende alter Kulturen) können Auswege aus der Sackgasse aufzeigen, in die uns die "Kosmovision" (Philosophie, Theologie, Wirtschaft) des christlichen Abendlands weltweit geführt hat. (Aus meiner Workshop - Ankündigung auf der Konziliaren Versammlung, Frankfurt 2012)).

Der Glaube und die Kultur der Menschen in den Anden (Cosmovisión andina)

Jede Kultur ist das Produkt verschiedener Einflüsse. Wenn hier auf wesentliche Unterschiede zur europäischen Kultur und Religion hingewiesen wird, dann nicht im Sinne einer Abgrenzung. Vielmehr soll angesichts der Übermacht eines universellen Anspruchs der abendländischen Tradition die Andersartigkeit der andinen Tradition als eine Wirklichkeit dargestellt werden, die das Leben der Menschen noch heute - oft verfremdet und rudimentär - bestimmt. Puebla: „Mit Kultur wird die Art und Weise bezeichnet, wie die Menschen eines Volkes ihre Beziehung untereinander, mit der Natur und mit Gott pflegen, um ein wahrhaft menschenwürdiges Leben führen zu können“. (Siehe auch den umfassenderen Abschnitt aus meiner Dissertation: Glaube und Kultur der Menschen in den Anden)

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Theologie

 

Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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