Theologie der Befreiung

Theologie der Befreiung ist eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt statt von abstrakten Begriffen einer altgriechischen Philisophie) ist eine solche Theologie?

Theologie der Befreiung als neue Theologie?

Im SS 1972 hat sich in Frankfurt, St. Georgen, der erste „Studienkreis Theologie der Befreiung“ in Deutschland gebildet, noch vor Erscheinen des Buches „Theologie der Befreiung“ von Gustavo Gutiérrez in deutsch. Hier ein Referat WS 73/74.: "Die wahre Kirche, die Kirche Jesu Christi, wird in erster Linie von denen repräsentiert, die in dem Erlösungswerk, im Befreiungsgeschehen Christi in der ersten Reihe stehen und dadurch wie er selbst Verfolgung, Ausgrenzung und sogar den Tod erleiden. Verbürgerlichte Christen und Kirchenführer, Stützen und Rechtfertiger eines unmenschlichen Wirtschaftssystems, stehen in ihrer Praxis im Widerspruch zur Botschaft und zum Leben Jesu. Eine solch reiche und angepasste Kirche, ist ein Widerspruch in sich. Sie hat jedes Recht und jede Autorität verloren, sich Kirche Jesu Christi zu nennen. Sie ist in Wahrheit eine „römische Kirche“, die die weltweit herrschende „Pax Romana“ („Amerikana“) rechtfertigt."

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Für eine "Barbarische Theologie"

Von einer Praxis der Herrschaft zu einer Praxis der Befreiung  -  Eine barbarische Theologie, die von den "Barbaren" ausgeht

„Das Nein zum Anderen ist die einzig mögliche Sünde; es ist die `Sünde der Welt`, die Ursünde. (…) Geschichtlich und real gesehen nimmt die Sünde seit dem 15. Jh. die konkrete Gestalt des Neins des nordatlantischen Zentrums zum Indio, Afrikaner, Asiaten, zum Landarbeiter, zum Außenseiter an. Der Europäer erobert die ganze Welt und sieht dies als legitime Ausfaltung seines Ich, seiner Welt und seiner Kultur an. Er leugnet damit die anthropologische Andersheit (z.B. den Indio) und die absolute Andersheit (Gott). Er bestätigt dadurch sich selbst und seine abendländische Zivilisation als „Gott“. Er erklärt seine Welt zur Welt schlechthin und erhebt die Herrschaft des Menschen über den Menschen zur „natürlichen Ordnung“ (Aristoteles).

Von einer Praxis der Herrschaft zu einer Praxis der Befreiung - von Willi Knecht, Frankfurt, St. Georgen im WS 73/74 (Seminar Theologie der Befreiung)

PS: Im SS 1972 hatte sich in St. Georgen der erste "Studienkreis Theologie der Befreiung" in Deutschland gebildet, noch vor Erscheinen der deutschen Ausgabe des Buches "Theologie der Befreiung" von Gustavo Gutiérrez. Er wurde von lateinamerikanischen Mitstudenten (Doktoranden, mit konkreten Erfahrungen aus LA) initiiert und getragen. Einzige deutsche Mitarbeiter waren Christian Herwartz (heute Obdachlosenpriester in Berlin) und ich. Pater Semmelroth und Pater Grillmeier waren kritische Begleiter. 

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Anfänge einer befreienden Pastoral

Bereits seit 1963 zeichneten sich in der Diözese Cajamarca die Umrisse einer befreienden Pastoral ab, die zu einer Kirche der Befreiung führten - eine arme Kirche inmitten der Ausgestoßenen und aller, die unter die Räuber fallen. Eine solche Praxis der Befreiung führte dann u.a. zu den Beschlüssen von Medellín (1968) und dann zu einer neuen Theologie, die erstmals aus der Perspektive der Opfer die biblische Botschaft neu entdeckt und neu deutet. Es ist eine prophetische Kirche, die die herrschenden Missstände anklagt und die eine neue Zeit verkörpert, in der alle Menschen - weil Kinder Gottes mit einer unantastbaren Würde - das haben und sein werden, was sie für ein Leben in Würde und in Fülle brauchen. An dieser Entwicklung in Cajamarca waren auch Deutsche beteiligt. Dies soll hier exemplarisch am Beispiel von Pfr. Alois Eichenlaub aufgezeigt werden.

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Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen.

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