Medellín 1968 - Grundaussagen

Medellín 1968: Botschaft an die Völker Lateinamerikas

Kap. 1: Gerechtigkeit …. Wir haben gesehen, dass unsere dringendste Verpflichtung darin besteht, uns, das heißt alle Mitglieder und Institutionen der katholischen Kirche, im Geiste des Evangeliums zu läutern. Die Trennung von Glaube und Leben muss ein Ende haben, weil das Einzige, was in Jesus Christus zählt, „der Glaube ist, der durch die Liebe wirksam ist“. Diese Verpflichtung fordert von uns, eine wahrhaft biblische Armut zu leben, die sich in echten Bekundungen und klaren Zeichen für unsere Völker ausdrücken soll. Nur eine solche Armut wird Christus, den Erlöser der Menschen, transparent machen und Christus, den Herrn der Geschichte, offenbaren. Über die Situation des lateinamerikanischen Menschen gibt es viele Studien. In allen wird das Elend beschrieben, das große Menschengruppen in die Randzonen des Gemeinschaftslebens drängt. Dieses Elend als Massenerscheinung ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit.

Die lateinamerikanische Kirche hat eine Botschaft für alle Menschen, die in diesem Kontinent „Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit“ haben. Derselbe Gott, der den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis schafft, hat die „Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen aller Menschen und Völker bestimmt; darum müssen diese geschaffenen Güter in einem billigen Verhältnis allen zustattenkommen“. Er gibt dem Menschen Macht, die Welt mitverantwortlich umzugestalten und zu vervollkommnen. Es ist derselbe Gott, der in der Fülle der Zeit seinen Sohn sandte, der Mensch wurde, um alle Menschen aus aller Knechtschaft zu befreien, in der sie die Sünde, die Unwissenheit, der Hunger, das Elend und die Unterdrückung, mit einem Wort, die Ungerechtigkeit und der Hass gefangen halten, die ihren Ursprung im menschlichen Egoismus haben.

Darum brauchen wir Menschen alle für unsere wirkliche Befreiung eine grundlegende Bekehrung mit dem Ziel, dass das „Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“ zu uns kommt. Der Ursprung aller Verachtung des Menschen, aller Ungerechtigkeit, muss im inneren Ungleichgewicht der menschlichen Freiheit, die in der Geschichte eines fortwährenden Bemühens um Verbesserung bedarf, gesucht werden. Die Originalität der christlichen Botschaft besteht nicht direkt darin, die Notwendigkeit eines Strukturwandels zu bejahen, sondern darin, auf die Bekehrung des Menschen zu drängen, die hernach diesen Wandel fordern wird. Wir werden keinen neuen Kontinent haben ohne neue und erneuerte Strukturen; es wird vor allem keinen neuen Kontinent geben ohne neue Menschen, die im Lichte des Evangeliums wirklich frei und verantwortlich zu sein wissen.

Nur im Lichte Christi erhellt sich wahrhaft das Geheimnis des Menschen. In der Heilsgeschichte ist das Werk Gottes eine Handlung der ganzheitlichen Befrei¬ung und Förderung des Menschen in seiner vollen Dimension, die als einzigen Beweggrund die Liebe hat. Der Mensch ist „geschaffen in Christus Jesus“, in ihm „neues Geschöpf“ geworden. Durch den Glauben und die Taufe umgewandelt, ist der Mensch von den Gaben des Geistes mit einer neuen Dynamik erfüllt, nicht des Egoismus, sondern der Liebe, die ihn antreibt, eine neue, tiefere Beziehung zu Gott, zu den Menschen, seinen Brüdern und zu den Dingen zu suchen. Die Liebe, das „Grundgesetz der menschlichen Vervollkommnung und deshalb auch der Umwandlung der Welt“, ist nicht nur das erste Gebot des Herrn, sie ist auch die Dynamik, die die Christen bewegen soll, auf dem Fundament der Wahrheit und im Zeichen der Freiheit, die Gerechtigkeit in der Welt zu verwirklichen.

Das liberal-kapitalistische System und die Versuchung durch das marxistische System schienen in unserem Kontinent die Möglichkeiten auszuschöpfen, die wirtschaftlichen Strukturen zu wandeln. Beide Systeme verstoßen gegen die Würde der menschlichen Person. Das erste System hat als Voraussetzung den Primat des Kapitals, seine Macht und seinen willkürlichen Gebrauch im Dienste des Gewinns. Das andere System, obwohl es ideologisch einen Humanismus verteidigt, sieht den Menschen mehr als Kollektivwesen und verwandelt sich in der Praxis in eine totalitäre Machtkonzentration des Staates. Wenn wir von einer Situation der Ungerechtigkeit sprechen, beziehen wir uns auf jene Realitäten, die einen Zustand der Sünde ausdrücken. Dabei soll nicht verkannt werden, dass das Elend in unseren Ländern manchmal natürliche Ursachen haben kann, die schwer zu überwinden sind.

Internationale Spannungen und externer Neokolonialismus

Wir beziehen uns hier besonders auf die Konsequenzen, die für unsere Länder eine Abhängigkeit von einem wirtschaftlichen Machtzentrum in sich bergen, um das sie sich gruppieren. Daraus ergibt sich, dass unsere Länder häufig weder Eigentümer ihrer Güter, noch Herren ihrer wirtschaftlichen Entscheidungen sind. Es liegt auf der Hand, dass das nicht ohne Auswirkungen auf das Politische bleibt, im Hinblick auf die wechselseitige Abhängigkeit, die zwischen beiden Bereichen besteht. Wir möchten auf folgende Phänomene besonders hinweisen:

  • Wachsende Verzerrung des internationalen Handels.
  • Flucht von wirtschaftlichem und menschlichem Kapital.
  • Steuerflucht und Entziehung der Gewinne und Dividenden.
  • Progressive Verschuldung.
  • Internationale Monopole und internationaler Geldimperialismus.

Wir möchten unterstreichen, dass die Hauptschuldigen der wirtschaftlichen Abhängigkeit unserer Länder jene Kräfte sind, die, angetrieben von einem hemmungslosen Gewinnstreben, zu einer wirtschaftlichen Diktatur und zum „internationalen Geldimperialismus“ führen, den Pius XI. in „Quadragesimo anno“ und Paul VI. in „Populorum progressio“ verurteilten.
Wir klagen hier den Imperialismus jedweder ideologischer Prägung an, der in Lateinamerika in indirekter Form bis hin zu direkten Interventionen ausgeübt wird.

Kap. 2: Frieden: Christliche Sicht des Friedens

Die beschriebene Realität stellt eine Verneinung des Friedens dar, wie ihn die christliche Tradition versteht. Drei Merkmale kennzeichnen das christliche Verständnis vom Frieden:

a) Der Frieden ist vor allem Werk der Gerechtigkeit. Er setzt voraus und erfordert die Errichtung einer gerechten Ordnung, in der sich die Menschen als Menschen verwirklichen können, in der ihre Würde geachtet wird, ihre legitimen Erwartungen befriedigt werden, ihr Zugang zur Wahrheit anerkannt und ihre persönliche Freiheit garantiert wird. Eine Ordnung, in der die Menschen nicht Objekte, sondern Träger ihrer eigenen Geschichte sein sollen. Dort also, wo es ungerechte Ungleichheiten zwischen Menschen und Nationen gibt, wird gegen den Frieden verstoßen.
Darum ist der Frieden in Lateinamerika nicht das einfache Ausbleiben von Gewalttaten und Blutvergießen. Die von den Machtgruppen ausgeübte Unter¬drückung kann den Eindruck vermitteln, Frieden und Ordnung zu erhalten, ist aber in Wirklichkeit „der dauernde und unvermeidliche Keim der Rebellionen und Kriege“. Den Frieden erlangt man nur, indem man eine neue Ordnung schafft, die „eine vollkommenere Gerechtigkeit unter den Menschen herbeiführt“.

In diesem Sinne ist die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, der Schritt von weniger menschlichen zu menschlicheren Lebensbedingungen der neue Name für Frieden.

b) Der Frieden ist an zweiter Stelle eine dauernde Aufgabe. Die menschliche Gemeinschaft verwirklicht sich in der Zeit und ist einer Bewegung unterworfen, die ständig Strukturwandel, Umwandlung der Haltungen und Bekehrung der Herzen einschließt.
Die „Ruhe der Ordnung“ nach der augustinischen Definition des Friedens ist darum weder Passivität noch Konformismus. Er ist auch nicht etwas, das man ein für alle Mal erwirbt; er ist das Resultat eines ständigen Bemühens um Anpassung an die neuen Umstände, an die Ansprüche und Herausforderungen einer sich wandelnden Geschichte. Einen statischen und scheinbaren Frieden kann man durch den Gebrauch von Gewalt erlangen; ein echter Friede schließt Kampf, schöpferische Fähigkeit und ständige Eroberung ein.
Den Frieden findet man nicht, man errichtet ihn. Der Christ ist ein Baumeister des Friedens. Diese Aufgabe hat in unserem Kontinent auf dem Hintergrund der vorher beschriebenen Situation einen speziellen Charakter. Deshalb muss das Volk Gottes in Lateinamerika, dem Beispiel Christi folgend, mit Kühnheit und Mut dem Egoismus und der persönlichen und kollektiven Ungerechtigkeit die Stirn bieten.

c) Der Friede ist letztlich Frucht der Liebe, Ausdruck einer wirklichen Brüder¬lichkeit unter den Menschen: einer Brüderlichkeit, die Christus, der Friedens¬fürst, einbrachte, als er alle Menschen mit dem Vater aussöhnte. Die menschli¬che Solidarität kann sich nur in Christus wahrhaft verwirklichen, der den Frieden gibt, den die Welt nicht geben kann. Die Liebe ist die Seele der Gerechtigkeit. Der Christ, der für soziale Gerechtigkeit arbeitet, muss immer den Frieden und die Liebe in seinem Herzen pflegen.
Der Friede mit Gott ist das tiefste Fundament des inneren Friedens und des sozialen Friedens. Darum wird überall dort, wo dieser soziale Friede nicht existiert, überall dort, wo man ungerechte soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Ungleichheiten findet, die Friedensgabe des Herrn, mehr noch, der Herr selbst zurückgewiesen.

Kap. 14: Die Armut der Kirche

Der lateinamerikanische Episkopat darf angesichts der ungeheuren sozialen Ungerechtigkeiten in Lateinamerika nicht gleichgültig bleiben; Ungerechtigkeiten, die die Mehrheit unserer Völker in einer schmerzhaften Armut halten, die in sehr vielen Fällen an unmenschliches Elend grenzt. Es erhebt sich ein stummer Schrei von Millionen von Menschen, die von ihren Hirten eine Befreiung erbitten, die ihnen von keiner Seite gewährt wird. „Ihr hört uns jetzt schweigend zu, aber wir hören den Schrei, der aus euren Leiden emporsteigt“, sagte Papst Paul VI. den Landarbeitern in Kolumbien. In der Situation der Armut und sogar des Elends, in der der größte Teil des lateinamerikanischen Volkes lebt, haben wir Bischöfe, Priester und Ordensleute das Nötige zum Leben und eine gewisse Sicherheit, während den Armen das Notwendigste fehlt und sie in Angst und Unsicherheit leben. Es gibt genügend Fälle, in denen die Armen fühlen, dass ihre Bischöfe oder ihre Pfarrer und Ordensleute sich nicht wirklich mit ihnen, mit ihren Problemen und Ängsten, identifizieren und dass sie nicht immer diejenigen unterstützen, die mit den Armen arbeiten oder sich für sie einsetzen.

Begründung aus der Lehre der Kirche

Wir müssen unterscheiden:
a) Die Armut als Mangel an den Gütern dieser Welt ist als solche ein Übel. Die Propheten klagen sie als gegen den Willen des Herrn gerichtet und in den meisten Fällen als Frucht der Ungerechtigkeit und der Sünde der Menschen an.
b) Die geistige Armut ist das Thema der Armen Jahwes und die Haltung der Öffnung zu Gott, die Bereitschaft dessen, der alles vom Herrn erwartet. Obwohl er die Güter dieser Welt wertet, hängt er nicht an ihnen und erkennt den höheren Wert der Güter des Reiches Gottes an .
c) Die Armut als Engagement, das die Bedingungen der Armen dieser Welt freiwillig und aus Liebe annimmt, um Zeugnis zu geben von dem Übel, das sie darstellt und von der geistigen Freiheit gegenüber den Gütern, folgt damit dem Beispiel Christi, der alle Konsequenzen der Sünde der Menschen auf sich nahm und der, da er reich war, sich arm machte, um uns zu retten.

In diesem Zusammenhang nimmt eine arme Kirche folgende Haltung ein:

  • Sie klagt den ungerechten Mangel der Güter dieser Welt und die Sünde an, die ihn hervorbringt.
  • Sie predigt und lebt die geistige Armut als Haltung der geistigen Kindschaft und Öffnung zu Gott.
  • Sie verpflichtet sich selbst zur materiellen Armut. Die Armut der Kirche ist eine unveränderliche Größe in der Heilsgeschichte.

Alle Mitglieder der Kirche sind aufgerufen, die biblische Armut zu leben, aber nicht alle auf dieselbe Weise, weil es verschiedene Berufungen dazu gibt, die verschiedene Lebensstile und Handlungsweisen mit sich bringen. Selbst unter den Ordensleuten, die dieses Zeugnis innerhalb der Kirche mit besonderer Sendung leben, wird es je nach den eigenen Charismen Unterschiede geben. Nachdem wir dies alles gesagt haben, muss mit Nachdruck betont werden, dass das Beispiel und die Lehre Christi, die beängstigende Lage von Millionen Armen in Lateinamerika und die dringenden Ermahnungen des Papstes und des Konzils die lateinamerikanische Kirche vor eine Herausforderung und eine Aufgabe stellen, denen sie nicht ausweichen kann und auf die sie mit Sorgfalt und Kühn¬heit – der Dringlichkeit der Zeit angemessen – Antwort geben muss.

Christus, unser Erlöser, liebt nicht nur die Armen, sondern „er, der reich war, machte sich arm“, lebte in Armut, konzentrierte seine Sendung darauf, dass er den Armen ihre Befreiung verkündete und gründete seine Kirche als Zeichen dieser Armut unter den Menschen. Die Kirche in Lateinamerika spürt angesichts der Bedingungen der Armut und der Unterentwicklung des Kontinents die Dringlichkeit, diesen Geist der Armut in Gesten, Haltung und Normen auszudrücken, die sie zu einem leuchtenderen und echteren Zeichen ihres Herrn macht. Die Armut so vieler Brüder und Schwestern schreit nach Gerechtigkeit, Solidarität, Zeugnis, Engagement, Anstrengung und Überwindung für die volle Erfüllung des von Christus anvertrauten Heilsauftrages.

Die gegenwärtige Situation fordert somit von den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien den Geist der Armut, der „die Fesseln des egoistischen Besitzes der irdischen Güter sprengend, den Christen ermuntert, die Wirtschaft und die Macht in organischer Weise in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen“. Die Armut der Kirche und ihrer Mitglieder in Lateinamerika muss Zeichen und Verpflichtung sein, Zeichen des unschätzbaren Wertes des Armen in den Augen Gottes, und Verpflichtung zur Solidarität mit denen, die leiden.

Pastorale Leitlinien

Deshalb wollen wir, dass die Kirche Lateinamerikas den Armen die Frohe Botschaft verkündet und mit ihnen solidarisch ist. Der besondere Auftrag des Herrn, „den Armen die Frohe Botschaft zu verkünden“, muss uns zu einer Verteilung der Kräfte und des apostolischen Personals führen, die den ärmeren und bedürftigeren und aus irgendwelchem Grunde ausgeschlossenen Sektoren wirklichen Vorrang gibt, indem man die Initiativen und Studien, die mit diesem Ziel bereits unternommen werden, ermu¬tigt und beschleunigt. Wir Bischöfe wollen uns in Einfachheit und aufrichtiger Brüderlichkeit immer mehr den Armen nähern, indem wir ihnen Zugang zu uns ermöglichen und leicht machen.
Wir müssen das Gewissen zur solidarischen Verpflichtung mit den Armen, zu der die Nächstenliebe uns führt, schärfen. Diese Solidarität bedeutet, dass wir uns ihre Probleme und Kämpfe zu eigen machen und für sie zu sprechen wissen. Dies muss sich in der Anklage der Ungerechtigkeit und Unterdrückung konkretisieren, im christlichen Kampf gegen die unerträgliche Situation, die der Arme häufig erleiden muss, in der Bereitschaft zum Dialog mit den für diese Lage verantwortlichen Gruppen, um ihnen ihre Pflichten begreiflich zu machen.

Wir möchten, dass unser Wohnstil und Lebensstil bescheiden sind, unsere Kleidung einfach, unsere Werke und Institutionen funktionsgerecht, ohne Pomp und Prunksucht. Wir richten an die Priester und Gläubigen die Bitte, uns eine Behandlung zukommen zu lassen, die unserer Sendung als Väter und Hirten entspricht, denn wir möchten auf die Ehrentitel verzichten, die einer früheren Zeit angehören. … Die Verwaltung der diözesanen oder pfarrlichen Güter soll mit kompetenten Laien besetzt sein und zum besten Nutzen zum Wohle der ganzen Gemeinschaft geleitet werden. Wir ermahnen die Priester, Zeugnis von der Armut und dem Verzicht auf die materiellen Güter zu geben, wie es viele, besonders in den ländlichen Gegenden und in den armen Stadtvierteln tun. Wir erwarten auch, dass sie immer mehr die anderen an ihren Gütern teilnehmen lassen werden, insbesondere die Bedürftigsten, indem sie mit ihnen nicht nur den Überfluss teilen, sondern das Notwendige, und bereit sind, die Gebäude und Mittel ihrer Werke in den Dienst der menschlichen Gemeinschaft zu stellen.

Die Kirche wird von keinem irdischen Ehrgeiz angetrieben, sondern sie will bescheidene Dienerin aller Menschen sein. Wir möchten, dass unsere lateinamerikanische Kirche frei wird von irdischen Fesseln, von geheimen Abmachungen und zweideutigem Prestige; dass ihre Dienstaufgabe „frei im Geiste in Bezug auf die Bande des Reichtums“, durch¬sichtiger und stärker sei. Sie soll im Leben und in den zeitlichen Aufgaben gegenwärtig sein, wobei sie das Licht Christi widerspiegelt, der im Aufbau der Welt gegenwärtig ist. Wir möchten den ganzen Wert und die legitime Autonomie der zeitlichen Aufga¬ben anerkennen. Indem wir sie verwalten, wollen wir sie weder entkräften, noch von ihren Zwecken abbringen. Wir möchten aufrichtig alle Menschen respektie¬ren und sie anhören, um ihnen in ihren Problemen und Ängsten zu dienen. So wird die Kirche, die das Werk Christi fortsetzt, „der um unsertwillen arm wurde, da er reich war, damit wir durch seine Armut reich würden“, vor der Welt klares und unmissverständliches Zeichen der Armut ihres Herrn sein.

Kap. 15: Pastoral de conjunto: Christliche Basisgemeinschaften

Die Kirche muss dieser Situation mit geeigneten pastoralen Strukturen begegnen. Das Leben der Gemeinschaft, zu dem der Christ aufgerufen wurde, muss er in seiner „Basisgemeinschaft“ finden; das heißt, in einer Gemeinschaft am Ort oder in der Umgebung, die der Wirklichkeit einer homogenen Gruppe entspricht und eine solche Dimension hat, dass sie die persönliche brüderliche Begegnung unter ihren Mitgliedern erlaubt. Daher soll die pastorale Bemühung der Kirche auf die Umwandlung dieser Gemeinschaften in eine „Familie Gottes“ ausgerichtet sein, indem sie beginnt, in ihnen als Sauerteig durch einen Kern – wenn er auch klein ist – wirksam zu sein; einen Kern, der eine Glaubensgemeinschaft, eine Gemein¬schaft der Hoffnung und der Nächstenliebe bilden soll.

Die christliche Basisgemeinschaft ist so der erste und fundamental kirchliche Kern, der sich in seinem eigenen Bereich für den Reichtum und die Ausbreitung des Glaubens, wie auch für die des Kults, der sein Ausdruck ist, verantwortlich machen muss. So ist sie Kernzelle kirchlicher Strukturierung, Quelle der Evangelisierung und gegenwärtig der Hauptfaktor der menschlichen Förderung und Entwicklung. Wichtigstes Element für die Existenz von christlichen Basisgemeinschaften sind ihre Leiter und Führungskräfte. Diese können Priester, Diakone, Ordensleute oder Laien sein. Es ist zu wünschen, dass sie der von ihnen angeregten Gemeinschaft angehören. Leiter zu finden und zu bilden, muss vordringlichstes Ziel der Sorge der Pfarrer und Bischöfe sein, die sich immer vergegenwärtigen sollen, dass die geistige und moralische Reife zum großen Teil von der Übernahme der Verantwortungen in einem Klima der Selbstbestimmung abhängt.

Die Mitglieder dieser Gemeinschaften, „würdig der Berufung, die sie empfangen haben, sollen die Ämter, die Gott ihnen anvertraut hat, ausüben: Das priesterliche, das prophetische und das königliche Amt“, und auf diese Weise ihre Gemeinschaft „zum Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt“ machen.

Anmerkung - Red.: Zitate bzw. Fußnoten werden hier nicht aufgeführt.            Willi Knecht

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