Menschheit retten...?

 

1. Ist die Menschheit noch zu retten?
Ein Veranstaltungsangebot zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“*   (von Willi Knecht)

Schon seit Jahren schlagen Wissenschaftler aus aller Welt und aus allen Fachrichtungen Alarm. Sie geben unserer Erde – wenn überhaupt – nur noch wenig Zeit zur Umkehr. Das von Menschen schon längst gestörte Gleichgewicht der Natur droht bald vollends zu kippen. Selbst Politiker beschwören in feierlichen Reden rasche Abhilfe.

Gleichzeitig wünschen wir uns fast alle stetiges Wirtschaftswachstum und steigenden Lebensstandard. Schon ein „Nullwachstum“ würde als Katastrophe empfunden – und wäre es auch, beruht doch unser gesamtes Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell auf permanentem Wachstum.

* Anmerkung Mai 2014: Anbei 2 Veranstaltungsreihen bzw. Ankündigungen aus dem Jahre 1991, während meiner Tätigkeit  als Bildungsreferent der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach meiner Mitarbeit bei ÖV 14, dem "Konziliaren Prozess"  2012, dem "Aufruf für eine prophetische Kirche" usw. - was hat sich getan, was ist neu, was hat sich verändert.....in Kirche, Gesellschaft, in uns?

Doch dies kann es auf unserer begrenzten Erde und abnehmenden Ressourcen nicht geben, die Katastrophe scheint vorprogrammiert. Zu dieser Situation kommt noch der große Nachholbedarf z.B. in den osteuropäischen Ländern. Von dem berechtigten Wunsch der arm gemachten und arm gehaltenen Völker nach einem höheren Lebensstandard erst gar nicht zu reden.

Und die Christen? Sind sie auf der Seite derer zu finden, denen die Vermehrung ihres Wohlstandes (Überflusses) am Herzen liegt, oder auf der Seite derer, die zur Umkehr bereit sind? Wann geht ein Aufschrei durch die Christenheit angesichts der anhaltenden Zerstörung der Schöpfung Gottes, der Lebensgrundlagen aller Menschen?

Eine Besinnung auf die biblischen Grundlagen unseres Glaubens wird uns in Erinnerung rufen, dass in der Anhäufung von materiellen Gütern, Vermehrung des Wohlstandes weit über die natürlichen Bedürfnisse hinaus und die Absicherung des eigenen Besitzstandes der Mensch letztlich nicht seine Erfüllung finden wird. Im Gegenteil – auch wenn dies den gegenwärtigen Tendenzen in Europa zu widersprechen scheint: was wir tun ist das, was in der Bibel Götzendienst heißt. Die Folge davon ist eine Kultur des Todes und nicht des Lebens. Sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse zum höchsten Maßstab zu machen bedeutet Gott zu verneinen und die Gemeinschaft mit ihm und aller Menschen untereinander zu verneinen. Konkret bedeutet dies, dass ein großer Teil der Menschheit nicht das zum Leben hat, was für ein Leben in Würde notwendig ist. Denn die Gier nach immer mehr wird die Zerstörung der Lebensgrundlagen aller Menschen zur Folge haben.

Ein brasilianischer Bischof sagte vor kurzem: „Die Zweite Welt (ehemaliger Ostblock) kann wirtschaftlich nur gesunden, wenn sie zum Festbankett der Ersten Welt zugelassen wird, auf dem die Dritte Welt verspeist wird“.

In Zusammenarbeit des Kath. und Ev. Bildungswerkes mit der KAB, wollen sich die katholische und evangelischen Kirchengemeinde in Ulm und Erbach diesen Grundfragen unseres Glaubens und unseres Weltverständnisses stellen. In einem ökumenischen Seminar im kath. Gemeindehaus Erbach werden drei Themenabende (14.–21.–28. Januar 1991) mit folgenden Themen angeboten:

   -   Schöpfungsauftrag und Schöpfungsverantwortung
   -   Die Gefährdungen der Schöpfung durch den Menschen
   -   Auswirkungen auf den Menschen – Auswege und Perspektiven

Wenn immer mehr Gemeinden die Kraft und den Mut finden, sich den wirklichen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen (die Zeichen der Zeit zu deuten) dann besteht tatsächlich Grund zur Hoffnung. Eine Gemeinde bleibt (wird) lebendig, wenn sie sich den Problemen der Gegenwart und der Zukunft stellt und die Bedürfnisse der Menschen, besonders derer in Not, ernst nimmt. Das Evangelium wird tatsächlich zu einer „Guten Nachricht“, wenn wir es als Angebot Gottes begreifen, umzukehren und Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt eine Chance geben.

Das Kath. Bildungswerk möchte allen Gruppen, Arbeitskreisen etc., deren „Herz brennt“, seine Mitarbeit anbieten und z.B. gemeinsam Themen, Seminare, Aktionen zu planen und durchzuführen.

Willi Knecht, Kath. Bildungswerk Ehingen-Ulm (Diözese Rottenburg – Stuttgart)


2. Amerika – 500 Jahre zwischen Kreuz und Auferstehung

Misereor stellt das Thema „500 Jahre Amerika“ ins Zentrum seiner Fastenaktion 1992 und 1993. Neben vielen wertvollen Materialien, Informationen und Arbeitshilfen steht der Misereor-Kreuzweg sowie (als 15. Station des Kreuzweges) das Misereorhungertuch, gemalt von A. P. Esquivel, dem Friedensnobelpreisträger von 1980, im Mittelpunkt.

Die diesjährige Misereor-Aktion kann dazu beitragen, die Augen und das Herz zu öffnen, d.h. offen zu werden für die Stärkung und Erneuerung des eigenen Glaubens, sowie für ein lebendiges Gemeindeleben und Gemeinschaftsbewusstsein.

1992 werden es 500 Jahre sein, dass die Europäer Amerika „entdeckten“. Das christliche Europa machte sich auf, die ganze Erde zu entdecken und zu missionieren – bis heute. Auch die deutsche Kirche ist darin verwickelt. Die Eroberung, die Unterwerfung und Besiedlung durch die Europäer haben über die einheimische Bevölkerung des Doppelkontinents ungeheures Leid gebracht. Zahlreiche indianische Völker wurden durch Krieg, Sklaverei und eingeschleppte Krankheiten dezimiert oder gar ausgerottet. Heute noch überlebende Indianer, Nachkommen der großen Kulturvölker der Azteken, der Mayas und der Inkas, aber vor allem die noch in Stammesorganisationen Lebenden, sind eine Minderheit auf dem eigenen Kontinent geworden und führen ein kümmerliches und auch heute noch bedrohtes Dasein am Rande der amerikanischen Gesellschaften in Nord und Süd. Vielfach werden Unterdrückung, Vertreibung vom angestammten Land, sogar das Morden an indianischen Völkern bis zum heutigen Tag fortgesetzt.

Die katholische Kirche und ihre Missionare sind von Anfang an in den leidvollen Prozess der amerikanischen und insbesondere der lateinamerikanischen Geschichte verstrickt gewesen. Denn mit den Entdeckern und Eroberern kamen auch die Missionare. Viele von ihnen gaben ein überzeugendes Beispiel selbstlosen Dienstes bis zur Hingabe des eigenen Lebens. Unter ihnen gab es eine ansehnliche Zahl von wahren Propheten. Dem Evangelium als einer befreienden Botschaft verpflichtet, traten sie für die Freiheit und die Menschenwürde der indianischen Völker und dann aller Unterdrückten ein. Machtpolitisch gesehen hatten sie aber wenig Erfolg. Die Kirche, in einer unheiligen Allianz mit den Kolonialherren und den späteren Großgrundbesitzern und Militärs, war bis in die Gegenwart ein Garant und ein Nutznießer dieser menschenverachtenden Ordnung.

Die Kirche in Lateinamerika hat aber in ihren Bischofsversammlungen in Medellín (1968) und in Puebla (1979) ihre historische Beteiligung und Schuld gegenüber der indianischen Bevölkerung und den Afro-Amerikanern öffentlich eingestanden und mit einer Entscheidung für eine vorrangige Option für die Armen beantwortet. Sie hat ihren Standort gewechselt. Viele Frauen und Männer, Ordensleute, Priester und Bischöfe haben sich diesen neuen Standort und diese Option zu eigen gemacht. Heute ist die katholische Kirche in vielen Ländern Lateinamerikas Hoffnungsträger der Menschen, die am meisten benachteiligt sind. Bleibt die Frage: welchen Standort hat die deutsche Kirche, wo ist sie verankert und wer sind ihre vorrangigen Ansprechpartner?

Der Deutsche Missionsrat hofft, dass 1992 nicht ein Jahr des Jubels, sondern der Trauer, aber auch der Dankbarkeit, der Besinnung, der Umkehr und des Aufbruchs werde. Die deutsche Kirche, aber auch jeder Einzelne, ist herausgefordert, sich zu entscheiden. Auf welcher Seite steht sie, welcher Prioritäten setzt sie, wie und für wen ist ihre Option, an was hängt ihr Herz und auf wen und was setzt sie ihre Hoffnung und ihr Vertrauen – auf sich selbst und ihre Strukturen, oder….?

Das Kath. Bildungswerk wird zu diesem Thema über das Jahr 1992 hinweg mehrere Veranstaltungen mit Kirchengemeinden und auch überregionale Veranstaltungen, Besinnungstage und Aktionen durchführen. Weitere Informationen, Beratung und Hilfestellung beim Kath. Bildungswerk des Dekanatsverbandes Ehingen-Ulm.

Willi Knecht, Kath. Bildungswerk Ehingen-Ulm (Diözese Rottenburg – Stuttgart)

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