Goldfasten

„aktion hoffnung“ - Aufruf zur Umkehr und Erneuerung

"........Wir teilen aber nicht wirklich das Brot und den Wein, wenn wir nicht alle Güter dieser Erde mit allen teilen. Aber um des Goldes (als Symbol des Mammon, der Gier) wegen werden unsere Partner von ihrem Land vertrieben, ihre Umwelt wird zerstört und sie werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Wie können wir dann gleichzeitig mit goldenen Gefäßen Eucharistie feiern? Am Gold klebt das Blut derer, mit denen Jesus sich identifiziert.

Wir rufen daher alle katholischen Gemeinden auf, während der Karwoche auf goldene Kelche und goldene Gefäße zu verzichten. Es ist keine Schande, das Abendmahl so zu feiern, wie es Jesus mit seinen engsten Vertrauten gefeiert hat, mit Gefäßen aus Holz und gebrannter Erde. Dies wäre ein echtes Zeichen der Umkehr und einer echten Erneuerung. Jesus nämlich erzählt von frommen Männern, die auf dem Weg zum Tempel in Jerusalem (Rom) am Menschen, der unter die Räuber gefallen ist, vorbeigehen, weil sie mit „wichtigeren“ Dingen beschäftigt sind - mit sich, ihrem Kult und mit der Sorge, um ihr eigenes Heil.

Von der „aktion hoffnung“ werden die entwicklungspolitischen Projekte der katholischen Organisationen und Verbände der Diözese Rottenburg - Stuttgart (ako) unterstützt. Finanzielles Fundament der „aktion hoffnung“ sind die Altkleider- und Schuhsammlungen (Container, Straßensammlungen). Als tragendes Mitglied der bundesweiten „Fairwertung“ wird garantiert, dass die Spenden im Sinn der Partner verwendet werden. Indem wir Kleidung und Schuhe, die hier weggeworfen werden, einsammeln und verwerten, schaffen wir uns die Grundlage, unseren Partnern wirkliche Partner, Bruder und Schwester sein zu können.

So ist bei unseren Partnern in den ausgeplünderten Ländern zunehmend von „solidarischem Wirtschaften“ die Rede. Kleine Gemeinschaften, christliche Basisgemeinden, Frauen- und Nachbarschaftsgruppen u.a. einigen sich z.B. auf die gemeinsame Produktion von Waren und Nahrungsmitteln, erwerben gemeinsam Land und säen und ernten gemeinsam. Zuerst für den eigenen Bedarf und wenn etwas übrig bleibt, wird es verkauft oder getauscht, um andere notwendige Dinge des täglichen Gebrauchs erwerben zu können. Dies bedeutet eine Besinnung auf die eigenen, bewährten Traditionen, manchmal auch ein bewusstes Leben in Gemeinschaft im Geiste Jesu Christi. Die von Europa (und dann USA) ausgehende Form des Wirtschaftens wird dagegen als gescheitert, ja als Tod bringend angesehen und oft ja auch so erlebt. Denn sie macht die Gier und die Sucht nach immer mehr Haben wollen zum Grundprinzip des Daseins. So jedenfalls sehen dies viele unserer Partner. Sie haben erkannt und am eigenen Leib erfahren, dass diese Gier nach Profit und der ständige Kampf jeder gegen jeden zur Zerstörung der menschlichen
Gemeinschaft und der gesamten Erde führen.

Die „aktion hoffnung“ wird verstärkt Projekte unterstützen und eine Bildungsarbeit machen, die in die Richtung weisen, die notwendig ist, wenn wir als „zivilisierte Menschheit“ überleben wollen. Dank einer solider werdenden finanziellen Basis und größerer personeller Ressourcen ist dies nun auch möglich. Es gilt, bestimmte Zusammenhänge zu begreifen und Wege zum Handeln zu finden. Es gab noch nie so viel Wissen über globale Zusammenhänge, aber es fehlt uns die Weisheit, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und sie umzusetzen - denn Bildung ist nicht zuerst Wissen, vielmehr Erkenntnis und Weisheit. Die deutsche Kirche ist die reichste Kirche weltweit. Gott ist aber unter den Armen und Ausgestoßenen Mensch geworden. Jesus identifiziert sich mit den Menschen, die an den Rand gedrängt und denen das Recht, in Würde als Kind Gottes zu leben, geraubt wird. Als reiche Kirche können wir auf einem gemeinsamen Weg mit den Armen zur notwendigen Umkehr und zu unserem eigentlichen Auftrag finden: eine Kirche der Armen zu werden, die von ihrem Standort aus die herrschenden Götzen entlarvt und zeichenhaft einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ durch ihre Praxis als Gemeinschaft der Jüngerinnen Jesu Christi verkündet.

Sakrament dieser Verheißung ist die Eucharistie (Abendmahl). Wir teilen aber nicht wirklich das Brot und den Wein, wenn wir nicht alle Güter dieser Erde mit allen teilen. Aber um des Goldes (als Symbol des Mammon, der Gier) wegen werden unsere Partner von ihrem Land vertrieben, ihre Umwelt wird zerstört und sie werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Wie können wir dann gleichzeitig mit goldenen Gefäßen Eucharistie feiern? Am Gold klebt das Blut derer, mit denen Jesus sich identifiziert. Die „aktion hoffnung“ ruft daher alle katholischen Gemeinden auf, während der Karwoche auf goldene Kelche und goldene Gefäße zu verzichten. Es ist keine Schande, das Abendmahl so zu feiern, wie es Jesus mit seinen engsten Vertrauten gefeiert hat, mit Gefäßen aus Holz und gebrannter Erde. Dies wäre ein echtes Zeichen der Umkehr und einer echten Erneuerung. Jesus nämlich erzählt von frommen Männern, die auf dem Weg zum Tempel in Jerusalem (Rom) am Menschen, der unter die Räuber gefallen ist, vorbeigehen, weil sie mit „wichtigeren“ Dingen beschäftigt sind - mit sich, ihrem Kult und mit der Sorge, um ihr eigenes Heil. Hintergründe und Infos zum „Goldfasten“, zum Goldabbau in Peru etc. im Anhang und auf www.cajamarca.de

Dr. theol. Willi Knecht, Vorsitzender der „aktion hoffnung“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.

Das letzte Abendmahl (1. Station des „Kreuzweg von Bambamarca“, von José Espíritu)

Kommentar der Campesinos von Bambamarca (Peru): „Auf den ersten Blick gibt es einen Unterschied zwischen dem Mahl Jesu mit seinen Freunden und unserem Festmahl. Auf dem Land haben wir keinen Tisch zum Essen. Der Tisch ist der Boden. Wenn die Menschen sich versammeln, wird ein Poncho oder je nach der Anzahl der Leute (bis zu 80 - 100 Menschen) mehrere Tücher auf den Boden gelegt, darauf werden die mitgebrachten Gaben ausgebreitet und die Leute setzen sich darum herum. Jesus trägt einen Sombrero und einen Poncho, denn Jesus ist mit den erniedrigten und den einfachen Menschen, er wird mit ihnen identifiziert. Denn Gott ist Mensch geworden inmitten der Ärmsten. Er benutzt als Kelch einen einfachen Krug aus Erde, aus der Erde, aus der wir alle stammen. In der Kirche der Weißen und der Reichen benutzt man einen Kelch aus Gold. Die Schale für das Essen ist ebenfalls aus unserem Alltag, sehr verschieden zum Hostienteller in der traditionellen Kirche. Denn Jesus ist Teil unseres Alltages, er lebt mit und unter uns, den Armen. Er ist einer von uns. Er macht sich zum Campesino. Er wählt die Ärmsten und Kleinsten aus. Wenn wir alle unsere Kraft und unsere Opfer in eine gemeinsame Arbeit einbringen, dann folgen wir Jesus, der sein Leben für uns gegeben hat. Dieses Beispiel schweißt uns zusammen. In der gemeinsamen Arbeit und diesem Festmahl in Gemeinschaft hat die Arbeit und hat das Essen keinen Preis, hier geschieht alles aus der Liebe, die uns vereint. Bei uns auf dem Land widmen wir alle unsere Kraft und Anstrengung unseren Nachbarn. Das gemeinsame Essen repräsentiert diese Liebe, die unter uns herrscht.

Auf dem Bild sehen wir auch die aufgehende Sonne. Das symbolisiert das Licht, das uns Jesus im Beispiel des Letzten Abendmahles gegeben hat. Dieses Licht ist unter uns bis heute und wir verbreiten es weiter“. Text auf dem Bild: „In der ersten Station sehen wir, wie Jesus von Nazareth, der Anwalt der Armen, einen Tag vor seinem Tod mit seinen zwölf engsten Freunden das Letzte Abendmahl einnimmt. Jesus fühlt eine unvergleichliche Liebe zu seinen Freunden. Er selbst gibt sich in Gestalt von Brot und Wein als Nahrung hin. Mit dem Zeichen der Fußwaschung lehrt Jesus, dass niemand sich als der Wichtigste fühlen darf, sondern dass wir uns alle als Gleiche fühlen, dass wir uns gegenseitig lieben und wir uns gegenseitig dienen, der eine dem anderen.

Heute noch lebt diese Liebe in uns, dieses Beispiel des Miteinanderteilens, dieses Beispiel der Hingabe aus Liebe an die anderen. Hier in den ländlichen Gebieten von Bambamarca lebt diese Liebe unter uns weiter - trotz unserer traurigen Wirklichkeit, in der wir leben. Bei vielen Gelegenheiten feiern wir noch dieses traditionelle Abendmahl, das uns immer eint, das Kraft gibt und das uns immer ermutigt, uns gegenseitig bei den dringendsten Arbeiten zu helfen. Dieses traditionelle Abendmahl realisiert sich in der gemeinsamen Fertigstellung eines Hauses, in einer Trauerfeier, einem Heiligenfest und bei anderen Versammlungen. In diesem Abendmahl gibt es keine Diskriminierung von Kindern, Jugendlichen, alten Menschen und Behinderten; es gibt auch keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, Eingeladenen und Nichteingeladenen“. „Gebt allen etwas vom Essen, von der Chicha und dem Brot. Sorgt dafür, dass niemand ohne Essen bleibt“. Hintergründe, Kontext, Infos (alle Dokumente auf www.cajamarca.de)

Wie in einem Brennglas zeigen sich an diesem einen Ort Probleme und Chancen der „Einen Welt“. Die Region Cajamarca ist nicht nur eine der ärmsten Zonen Lateinamerikas, sondern sie war auch Schauplatz der ersten Konfrontation zwischen Europa und Südamerika, zwischen Christentum und andiner Kultur. Hier kam es zu dem ersten gewaltsamen Zusammenstoß zweier Kulturen, die zur Zerstörung der einen und zum Sieg der anderen Kulturund Religion führte. Die Europäer kamen des Goldes wegen nach Cajamarca und „das Gold von Cajamarca“ bestimmt heute wieder auf tragische Weise das Schicksal der Menschen von Cajamarca.

Wegen Bischof José Dammert (1962 - 1992) eignet sich die Diözese Cajamarca in hervorragender Weise für eine exemplarische Darstellung des kirchlichen Aufbruchs in Lateinamerika in der Folge des 2. Vatikanischen Konzils. Die Campesinos haben sich als „Kinder des einen Vaters“ (wie sie es ausdrücken) mit einer einzigartigen Würde und unveräußerlichen Rechten entdeckt. Dies wurde auch in Deutschland bekannt, z.B. durch das Glaubensbuch „Vamos Caminando“ (1976). Die Kirche von Cajamarca gilt zusammen mit der in Recife (Helder Camara) und Riobamba (Leonidas Proaño) als Modell einer einheimischen Kirche auf der Seite der Armen. Kirchenhistoriker bezeichnen die pastorale Arbeit in der Diözese Cajamarca als das beste Beispiel für die Umsetzung der Beschlüsse und vor allem des Geistes des Zweiten Vatikanischen Konzils. > http://cajamarca.de/theol/caja-exempel.pdf

Die Gemeinde Bambamarca (etwa 100.000 Katholiken, 95% Campesinos) war das Pilotprojekt der Diözese und wurde über Peru hinaus zum Vorbild einer befreienden Kirche und Pastoral. Sie gilt als die „Wiege der Theologie der Befreiung“ (G. Gutiérrez ging dort „in die Lehre“). Bereits 1969 übertrug Bischof Dammert in Absprache mit Paul VI. den ersten Campesinos u.a. die Vollmacht zu taufen und die Gemeinden zu leiten. Der erste „Indiokatechet“ der Welt war Candelario Cruzado, der zusammen mit José Espíritu, dem Maler und Katecheten, die Kommentare zum Kreuzweg sprach (Audioaufnahme). Zeitweise waren über 200 Katecheten (Männer und Frauen) in der Gesamtgemeinde tätig, alle ehrenamtlich. In ihrer Kleingemeinde waren sie „für alles“ zuständig und beauftragt, von der eigenen Gemeinde ausgewählt und vom Bischof nach intensiver Vorbereitung bestätigt. Vor allem in den 70/80er Jahren wurden viele Katecheten verhaftet, eingesperrt, einige gefoltert, so z.B. 1978 als fast der gesamte Kirchengemeinderat (Rat der Vertreter aller Landzonen) eingesperrt war. Ihr Glaube, dass Gott mitten unter ihnen Mensch geworden ist und mit ihnen lebt, leidet und aufersteht, gibt ihnen die Kraft, den Weg weiter zugehen. Sie sind die authentischen Zeugen und Verkünder des Leidens und der Auferstehung Jesu Christi.

Als Nachfolger von Bischof Dammert wurde Bischof Simon 1993 mit dem Auftrag nach Cajamarca geschickt, „den Saustall aufzuräumen“ (wörtlich). In Cajamarca werden zudem seit 1993 die größten Goldvorkommen Amerikas und die profitabelsten der Welt abgebaut, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Betroffen sind besonders die Campesinos. Sie werden von ihrem Land vertrieben, man gräbt ihnen buchstäblich das Wasser ab. Im engen Bündnis mit dem neuen Bischof werden die Organisationen der Campesinos bekämpft. Bereits mehrere Campesinoführer wurden ermordet. Gewaltlosen Widerstand leisten vor allem die „versprengten Reste der Kirche des Konzils“.

Ihre Leitfigur ist P. Marco Arana, mit dem ich seit dessen Seminartagen ab 1978 eng befreundet bin. Er ist ein Schüler Dammerts. Er bekam 2006 den peruanischen Preis für Menschenrechte, 2010 den Aachener Friedenspreis und am 14.22.2011 wurde der Film „The devil operation“ auf der Berlinale mit dem 1. Preis in der Kategorie Menschenrechte ausgezeichnet. Einige seiner Mitarbeiter wurden getötet, andere und er selbst massiv bedroht. Ihr Widerstand (Glaube) bleibt aber ungebrochen. Um noch mehr Wirkung zu erzielen, gründeten sie eine (Umwelt-) Partei, die landesweit immer mehr Anhänger gewinnt. Marco wurde vom Priesteramt suspendiert.

Zum Kreuzweg von Bambamarca, Gold und zu Bischof Dammert > mehr auf diesen Seiten.

Dr. theol. Willi Knecht, von 1976 - 1980 als Laientheologe in Bambamarca, von 1997 - 2004 wiss. Arbeit über die Aufbrüche der Kirche in Peru, mit jährlichen Besuchen u.a. in Bambamarca (Befragungen, Archive etc.).

 

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