Kirche der Armen

Die Kirche der Armen ist zwar nicht identisch mit der "Einen Kirche Jesu Christi", aber in der Kirche der Armen wird sichtbar, was "Kirche Jesu Christi" bedeutet. Denn sie geht von den weltweit Ausgegrenzten aus, von denen, die unter die Räuber gefallen sind. Sie stellt die Menschen in den Mittelpunkt, mit denen sich Jesus vorrangig solidarisierte. Deshalb werden die Armen uns, den Reichen, zum Heil, weil sie schon doch ihre bloße Existenz die bestehende Ungerechtigkeit aufdecken und zur Umkehr auffordern. Sie können uns deshalb den Weg zeigen (und sie wollen dies auch), weil Gott mitten unter ihnen Mensch wurde, mit ihnen feierte, trauerte, konsequenterweise getötet und deshalb von Gott auferweckt wurde. Sie sind daher die authentischen Zeugen der Gegenwart Gottes unter den Menschen, seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung. Sie sind die Offenbarung Gottes heute, ihr Schrei nach Gerechtigkeit ist der Ruf Gottes an uns. Die Kirche der Armen umfasst so alle Menschen, sie wird zum Zeichen des Heils für diese Welt.

Studie: Eine Kirche der Befreiung

Abschlussbericht an die DFG
 
Forschungsstand, Anwendungsperspektiven und denkbare Folgeuntersuchungen
 
Im Blick auf die deutschen Partnergruppen können hinsichtlich deren Motivation, Problematik und Zielsetzungen Schlussfolgerungen gezogen werden, die im weiteren Sinne z.B. mit der Studie von Gabriel/Nuscheler übereinstimmen. Während jedoch deren Studie „Handeln in der Weltgesellschaft: Christliche Dritte-Welt-Gruppen“ (1995) eher in „die Breite“ ging, zielt die vorliegende Studie auf eine kleine Gruppe von (15) Pfarreien, in der dann allerdings alle denkbaren Dimensionen von Partnerschaft untersucht werden. Vor allem die Nachprüfung der Wirkung bei den Adressaten (sowohl was die materielle Hilfe als auch die damit verbundene Zielsetzungen oder Ideologien betrifft) ist in dieser intensiven Form noch nicht wissenschaftlich behandelt worden.
 
Entscheidend zum Verständnis von Partnerschaft (auch Entwicklungsarbeit) ist die Einbeziehung des weltwirtschaftlichen und jeweiligen nationalen politischen Kontextes. Bei Partnerschaften zwischen Kirchengemeinden spielt zudem der kirchenpolitische Rahmen eine entscheidende Rolle. Diesen gilt es unbedingt zu berücksichtigen, geschieht aber bisher kaum. Es geht um entscheidende strukturelle Fragen: wer und was ist Kirche (bzw. Gemeinde), wer repräsentiert die Gemeinde, wer sind die Ansprechpartner und wer kommuniziert mit wem und mit welchem Interesse? Konkret: wenn ein Bischof (oder Pfarrer) in massiver Weise Spendengelder unterschlägt oder veruntreut, muss dies als kriminelle Handlung auch so benannt werden. 
 
Wenn stattdessen deutsche Hilfswerke und Vertreter der Amtskirche meinen, sich aus „strukturellen“ Gründen (und nicht, weil sie dies gut finden) mit kriminellen Handlungen identifizieren zu müssen, dann ist die Frage nach den Strukturen zu stellen. Hier stößt die Wissenschaft (als Theologie) an ihre (ebenfalls strukturbedingten) Grenzen.
 
Dennoch würden sich denkbare (und notwendige) Folgeuntersuchungen anbieten. In Peru selbst ist zur Zeit eine wissenschaftliche (und publizistische) Arbeit, die sich z.B. mit den Aufbrüchen der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil befasst, für peruanische Theologen nicht möglich (konkrete Beispiele und Aussagen dafür liegen vor). Gerade solche Arbeiten aber könnten den christlichen Gemeinden landesweit Impulse geben. Wichtige zeitgeschichtliche Dokumente und Archive drohen verloren zu gehen. Konkrete Aufgabe: Erarbeiten einer Biographie (Leben und Werk) von Bischof Dammert und dem verstorbenen Kardinal Landázuri (Lima).

Weiterlesen: Studie: Eine Kirche der Befreiung

Bischöfe einer Kirche der Armen

Bischöfe Medellíns  

Raúl Silva Henríquez;  Enrique Angelelli;  Luis Vallejos;  José Dammert;  Leonidas Proaño;  Alberto Luna; Helder Camara;  Antonio Fragoso; Pedro Casaldáliga;  Adriano Hypolito;  Paolo Evaristo Arns;  Juan Gerardi;  Sergio Méndez Arceo;  Samuel Ruíz;

José Dammert Bellido, Cajamarca   -  “Eine Kirche mit Poncho und Sombrero”

Es sagt einiges über sein “Programm”: Zu seinem Abschied als Bischof von Cajamarca bereiteten am 10. Dezember 1992 die Campesinos José Dammert Bellido ein Fest - und auf dem Altar lagen beim Gottesdienst sein (Stroh-) Hut, seine Schultertasche, sein Stock und sein Poncho. Damit war “Don Pepe”, wie sie ihn gerne nannten, unterwegs im Bistum – wie eben auch Campesinos unterwegs sind. Diese Gegenstände des Campesino - Alltags sind für ihn gleichzeitig von symbolisch-pragmatischer Bedeutung: Eine Kirche mit “Poncho und Sombrero” (statt einer mit Mitra und Stab) ist eine Vorstellung nämlich, in der Bischof Dammert einiges von dem ausdrückt, worum ihm es geht: eine andin inkulturierte Kirche, eine Campesino - Kirche, eine Kirche, die nicht klerikalistisch-triumphalistisch ist, die nicht eine entfremdet “weiße” oder Oberschicht-Kirche ist. Poncho und Sombrero als Symbole der Alltagsnähe und der Option für die Armen, innerkirchlich als Zeichen eines Bischofs auf dem Weg mit dem Volk Gottes.

So soll im folgenden zunächst eher indirekt von der Person Dammerts die Rede sein und direkt von Menschen in seinem Bistum, um die es ihm schließlich ging, und von den Entwicklungen, die er anstieß, inspirierte und förderte. Diese pastoralen Entwicklungen gingen großenteils der berühmten CELAM-Konferenz von Medellín 1968 voraus und waren zum einen sein Erfahrungshintergrund bei den Diskussionen in Medellín, zum anderen wurden sie von dort gestützt und bestätigt. Bischof Dammerts Pastoral hat sich eher intuitiv und ganz praktisch entwickelt, wurde nicht aus irgendeiner “einwandfreien” Theologie abgeleitet, sondern aus der Begegnung mit den Menschen in Cajamarca und der Auseinandersetzung mit ihrer Lebenssituation.

(In: Meier, Johannes (Hrsg.): „Die Armen zuerst! - Zwölf Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe. Mainz, 1999.

I.  Zum Beispiel Barbarita: Ein Campesino - Mädchen wird Katechetin und Gemeindeleiterin

Weiterlesen: Bischöfe einer Kirche der Armen

Die Geburt Jesu

Die Geburt Jesu

„Diejenigen, die am meisten verachtet werden, die Hirten von Bethlehem und von den Anden, sind die Ersten, die die Botschaft von einem Neuen Himmel und einer Neuen Erde hören. In der finsteren Nacht einer langen Geschichte öffnet sich ihnen der Himmel und steigt zur Erde hinab. Das Licht dringt in die Herzen der Menschen ein und zeigt ihnen den Weg. Sie folgen dem Stern und sie gelangen zu einer Hütte. Dort entdecken sie in einer Krippe ihren Retter und Befreier - während die Weisen von Jerusalem und die Mächtigen von Rom und deren Statthalter weder diese Botschaft hören noch den Stern sehen können, weil sie sich selbst für das Licht halten“.  (Willi Knecht., 1999)

Zeichnung aus „Vamos Caminando“, Bambamarca 1976

 

In einer Notunterkunft geboren,

bald schon auf der Flucht

wie so viele andere Palästinenser;

von seiner "Kirche" gebannt,

von Schriftgelehrten und Hohen Priestern verachtet,

am Ende verfolgt, gefoltert und getötet.

Soll  der  die Welt retten?

Gerade überquert er das Mittelmeer in einer Nussschale –

doch bei uns sei das Boot schon voll;

und gefährlich ist er, religiös und daher subversiv,

ein Unruhestifter - genauso wie damals!

(Ieicht variierter Weihnachtsgruß aus Bolivien)

 

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