Ein "Gott der Weißen"...

Von einem „Gott der Weißen“ zu einem „Gott mit uns“
- Umbruch und Neubeginn -

Bevor von der zweiten Evangelisierung gesprochen werden kann, soll noch einmal an die Rahmenbedingungen und Folgen der ersten Evangelisierung erinnert werden. Die zweite Evangelisierung seit 1962 ist auf dem Hintergrund der über vierhundertjährigen Geschichte der ersten Evangelisierung zu sehen. Nur von daher kann die Dimension des Umbruchs in Bambamarca angemessen beurteilt werden. Es gab während dieser Geschichte immer wieder herausragende Beispiele von Missionaren, die bereit waren, das Leben der Indios zu teilen und es gab kirchliche Dokumente, die sich gegen die Ausbeutung der Indios wandten. Doch in den Erinnerungen der Indios lebten vor allem die unerklärlichen Grausamkeiten der Eroberer weiter. Und im Bewusstsein der Indios war das Christentum, das im Gefolge der Eroberer kam, die Religion der Sieger und die Kirche der Ort, in dem diese Religion verkündet und zelebriert wurde.

„Das Evangelium präsentierte sich auf der Seite der Eroberer, Kreuz und Schwert gehörten zusammen und das Reich Gottes schien durch das Königreich Kastiliens repräsentiert zu sein. Der Name Gottes diente oft dazu, die schrecklichsten Grausamkeiten und Massaker zu zudecken oder gar zu rechtfertigen. Dieselbe Kirche, die Respekt und Nächstenliebe predigte, missachtete die fundamentalsten Rechte der Indios. Die Freiheit der Kinder Gottes wurde auf Kosten der eigenen Freiheit erkauft“ (1).

Die Opfer dieser Geschichte haben in der Folge ihre Unterwerfung verinnerlicht. Ihres Glaubens und Identität beraubt, fühlten sie sich minderwertig und gaben sich selbst die Schuld an ihrem Schicksal. Das folgende Beispiel zeigt die Konsequenz dieser Entwicklung. Es wird zudem deutlich, wie Evangelisierung in Bambamarca zu verstehen ist (aus der Sicht der Campesinos): von einem Gott der Weißen, der versklavt, zu einem „Gott mit uns“, der befreit.

Auf dem Weg von Bambamarca (Stadt) in eine abgelegene Comunidad traf ich auf einen Campesino, mit dem ich ins Gespräch kam. Er hatte einen Radiorekorder geschultert, den er gerade in der Stadt gekauft hatte. Damit dies auch alle bemerkten, war die Lautstärke entsprechend hoch eingestellt. Voller Stolz erzählte er mir, welche Opfer er für diesen Kauf gebracht hatte und wie er nun in seiner Comunidad deswegen geachtet werden wird. Er lud mich spontan in seine Hütte ein, um mitzuerleben, wie sich seine Familie und Nachbarn freuen werden ob der neuen Erwerbung.

Er hatte sieben Kinder, alle waren barfuss, ebenso seine Ehefrau. Um den Radiorekorder kaufen zu können, hatte er seine einzige Kuh verkauft, ohne seine Ehefrau zu fragen. Die Familie freute sich tatsächlich, den Vater wieder zu sehen. Der Mann erklärte mir auf meine Fragen, warum dieser Radiorekorder so wichtig für ihn war: er wollte endlich auch als Mensch geachtet und anerkannt sein. Und er glaubte, wenn er etwas kaufen kann, was ansonsten nur die Weißen in der Stadt haben, wäre er bald auch wie einer von ihnen und er hätte allen bewiesen, dass er ein rechtschaffener Mensch sei und dass er Gott dafür dankbar sei, dass dieser ihn nun erhört habe.

Es handelt sich hier nicht um einen Einzelfall. Viele Untersuchungen und auch persönliche Erlebnisse mit den Campesinos bestätigen dies. Aus der Sicht vieler Campesinos beruht die Vorrangstellung der Weißen auf deren Allianz mit Gott. Der Gott der Weißen erwies und erweist sich stärker. Wie sollte es sonst möglich gewesen sein, dass die eigenen Götter gestürzt wurden, dass die Weißen so mächtig sind, dass sie scheinbar alles können und wissen und dass sie mit unendlichen Reichtümern und Fähigkeiten gesegnet sind? Sie selbst dagegen sind die Verlierer, die Götter haben sich von ihnen abgewandt und der Gott der Weißen ist nicht auf ihrer Seite.

Um den Zorn des allmächtigen weißen Gottes zu besänftigen, muss man ihm viele Opfer bringen. Inzwischen haben viele Campesinos dies so verinnerlicht, dass sie sogar daran zweifeln, ob sie in gleicher Weise Mensch seien wie die Weißen. Denn Gott schenkt den Weißen alles, ihnen selbst aber wird alles genommen - so ihre alltägliche Erfahrung. Sie haben aus irgendeinem Grunde, den sie sich nicht erklären können, Schuld auf sich geladen und sind nun zu Armut und Knechtschaft verdammt - Gott wird schon wissen warum.

Sie erfahren sich als Sünder und als unwürdig, als zu nichts würdig und zu nichts fähig. Nur wenn sie ihr Schicksal demütig ertragen, haben sie die Chance, vielleicht doch noch das Wohlgefallen Gottes zu verdienen. Wenn nun aber ein Campesino bereits in diesem Leben es so weit gebracht hat, dass er etwas haben kann, was sonst den Weißen in der Stadt vorbehalten ist, so kann dies ein Zeichen dafür sein, dass er nun das Wohlgefallen Gottes gewonnen hat.

Wenn ein Campesino etwas Bestimmtes kaufen kann, wenn er sogar in der Stadt wohnen kann, dann hat er Anteil am Leben der Weißen, d.h. er hat dann Anteil am eigentlichen Menschsein, an der Fülle des Lebens, die ihm als Indio, als Ausgestoßener des Systems, sonst vorenthalten bleibt. „Je mehr Dinge ich kaufen kann, desto mehr Mensch bin ich.“

Bei Volksgruppen, denen über Jahrhunderte das Menschsein de facto abgesprochen wurde, ist die Verheißung, durch den Gebrauch bestimmter Güter und Werte Mensch zu werden, d.h. zu der großen Familie der Erfolgreichen zu gehören, sehr attraktiv. Diese „Menschwerdung“ geschieht z.B. durch das gemeinsame Sehen weltweit ausgestrahlter Telenovelas, dem Konsum weltweiter Markenartikel etc. (2). Selbstverständlich steht diese Menschwerdung im unvereinbaren Gegensatz zu der christlichen Botschaft von der Menschwerdung.

Die Menschwerdung Gottes, wie sie bei den Campesinos verstanden und gelebt wird, spielt daher in dieser Arbeit eine zentrale Rolle. Die Menschwerdung Gottes als Indio unter den „Indios dieser Welt“ ist die befreiende Alternative und eine Einladung an die reichen Christen, ihren Standort und ihren Glauben neu zu entdecken. Für den Campesino mit Radiorekorder bedeutet der ersehnte Weg in die Stadt noch mehr Elend und Abhängigkeit - ohne Perspektive und mit einer Hoffnung, die sich als Illusion erwiesen hat. In Bambamarca haben dagegen viele Campesinos entdeckt und erfahren, dass der Weg Jesu ihnen neue Perspektiven eröffnete (3).

Es gibt zahlreiche Erzählungen und Berichte von Zeitzeugen über die Jahre des Umbruchs in Bambamarca. Dieser Umbruch, der alle Dimensionen des menschlichen Daseins und dessen Bedeutung und Sinngebung berührte, wird aus der Sicht der Betroffenen geschildert und gedeutet. Dies ist auch ein vorrangiges Anliegen der Betroffenen selbst. Sie sammeln in ihren Comunidades alte Geschichten (4) und Augenzeugenberichte, damit nicht vergessen wird, wie alles angefangen, wie und warum sich so vieles geändert hat und vor allem, um der heutigen und nächsten Generation von ihren befreienden Erfahrungen zu erzählen und sie weiter zu geben.

So entstand auch die Gruppe „Quiliche“, benannt nach Martín Quiliche, der im 16. Jahrhundert in Bambamarca versucht hatte, die Werte der eigenen Kultur gegen die Eroberer zu verteidigen. Die Mitglieder der Gruppe waren in ihrer Mehrheit ehemalige Mitarbeiter von „El Despertar“. In der Einleitung zu ihrem Buch schreiben sie: „Ziel der Gruppe Quiliche ist es, die Geschichte derer zu veröffentlichen, die stets unterdrückt wurden und die Geschichte von der Warte der Campesinos aus zu betrachten. Denn die offizielle Geschichte schreibt alle Verdienste allein den Mächtigen zu und sie erwähnt nur wenig die Campesinos. Aber mit diesem Werk wollen wir deutlich machen, dass wir, die Armen auf dem Land, auch Geschichte machen und schreiben“ (5).

Auch die Frauengruppen der Pfarrei Bambamarca entschlossen sich, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Sie begannen 1997 Dokumente zu sammeln und Umfragen in ihren Gruppen zu organisieren. Über den Beginn ihrer Arbeit schreiben sie: „Heute haben wir den ersten Schritt getan, unsere Geschichte aufzuschreiben um unsere Identität, unserer Kultur und unsere Organisation nicht zu verlieren und um den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen“ (6).

Vom theologischen Standpunkt aus betrachtet, handelt es sich um die Entdeckung einer neuen Religion bzw. um eine Revolution: aus einer Religion, die Gewalt, Rassismus und Unterdrückung rechtfertigte, wurde eine Religion, die genau diese Mechanismen der Herrschaft aufdeckte und die bisher verkündeten Götter als Götzen entlarvte, die den Menschen den Tod bringen. Im Mittelpunkt der „neuen“ Religion steht das Volk Gottes, mit dem Gott einen Bund geschlossen hat. Dieses Volk konstituiert sich von den Menschen am Rande her. Denn diese werden von Jesus in den Mittelpunkt seiner Verheißungen gestellt.

Das Kreuz von Chala (7)

Bis 1962 war es üblich, dass der Eigentümer der Hazienda Chala, wenn er aus Lima kam und seine Hazienda besuchte, von seinen Campesinos in einer Sänfte von der Stadt nach Chala getragen werden musste. Eine Campesina kann sich 40 Jahre danach noch genau daran erinnern, wie 1958 ihr älterer Bruder fürchterlich verprügelt wurde, weil er beim Tragen der Sänfte stolperte und der Großgrundbesitzer beinahe von der Sänfte gefallen wäre. Die Campesinos waren vollkommen vom Großgrundbesitzer und von den Märkten der Stadt abhängig. Für ihre Produkte bekamen sie einen lächerlichen Preis und um in die Stadt kommen zu dürfen, mussten sie eine Extrasteuer bezahlen, mit polizeilicher Kontrolle am Stadteingang, ebenso für das Recht, auf dem Markt verkaufen zu dürfen.

Auf der Hazienda Chala mussten Tagelöhner für die Pacht eines winzigen Stückchens Land als Gegenleistung 19 Tage im Monat kostenlos das Land der Hazienda bearbeiten, 12 - 16 Stunden am Tag. Kinder ab 8 Jahren mussten ebenso mitarbeiten (Ställe ausmisten, Korn auslesen, Wasser tragen usw.), ebenso die Frauen. Mangelnder Arbeitseifer wurde mit brutaler Gewalt bestraft. Besonders die Kinder mussten leiden: „Kaum waren wir Kinder fünf Jahre alt, hatte uns der Patron schon auf seiner Liste. Und wehe uns, wenn sich einmal ein Schwein oder Schaf losgerissen hatte!

Mit Schlägen brachten sie uns zum Weinen und mit Schlägen brachten sie uns zum Schweigen. Und wenn wir fliehen wollten, wohin hätten wir fliehen sollen! Unser kleines Stückchen Land hatten sie uns längst genommen… Auch unsere Töchter mussten schon mit fünf Jahren anfangen, die Tiere des Patrons zu hüten: Schafe, Ziegen, Hühner, Truthähne, alles, was der Patron hatte. Und oft bekamen sie nicht einmal etwas zu essen“.8 Die Campesinos wurden nicht nur zu Arbeiten auf der Hazienda gezwungen, weil sie ja praktisch Privateigentum des Patrons waren, sie wurden auch für kommunale Arbeiten zwangsweise rekrutiert.

Aufgabe der Religion war es, die Campesinos derart zu erziehen, dass sowohl Großgrundbesitzer als auch Vertreter des Staates - was in einem feudalen Staat nahezu identisch ist - problemlos auf die Arbeitskraft des Indios zurückgreifen konnten. „Eines Tages haben sie alle Bewohner von Chala zur Arbeit am Straßenbau verpflichtet, die Monate andauerte. Bereits vor Sonnenaufgang mussten wir uns auf den Weg machen. Die Frauen mussten bereits um vier Uhr aufstehen, um uns das Essen mitzugeben. Während der Arbeit hatten wir oft keine Zeit, um zu essen und die Aufseher ließen uns keine Ruhe..."

Auch die Religion war vorgeschrieben. Sie zwangen uns die Jungfrau anzubeten. Denn wenn wir sie nicht anbeten würden, würde sie uns für alle unsere Schlechtigkeiten bestrafen. So haben sie uns gedemütigt. Wir hatten Angst vor der Jungfrau und sie sagten uns, wir müssen ihr Almosen geben und immer sehr gehorsam sein... Alle Sonntage gingen wir den Patron loben und verherrlichen. Wir sangen ihm Lobgesänge in seinem Salon, im Schlafzimmer, vor den Türen der Hauskapelle und wir beteten den Rosenkranz. Den Patron nannten wir ‚amito’. Wenn der Patron in Lima war, machten wir dasselbe mit seinen Verwaltern. So groß war früher unsere Demut“ (9). Göttliche und weltliche Macht - so die leidvolle Erfahrung der Campesinos - sind identisch.

Entsprechend war auch die Situation in der Pfarrei. Pfarrer Daniel Zárate, Onkel des Besitzers von Chala, war eine Autorität in der Stadt. Er hielt mehrere Messen am Tag, deren Preis von der bestellten Länge und davon abhängig war, ob mit viel Blumen oder Kerzen, mit oder ohne Chor und Musik zelebriert wurde. Zwei Hauptereignisse prägten das Kirchenjahr: Corpus Christi im Juni mit einer prächtigen Prozession und das Patronatsfest, das Fest der hl. Carmen (Virgen del Carmen) am 17. Juli, auf das sich die Stadt lange vorbereite und das dann über 18 Tage - Novene vor und nach dem Fest - prunkvoll gefeiert wurde.

Die Campesinos waren von den Messen und Festen in der Stadt ausgeschlossen. Ihr wichtigster Kontakt mit der Kirche bestand darin, dass sie die neugeborenen Kinder so schnell als möglich zur Taufe in die Stadt brachten. Die Taufe wurde als eine Art Tributzahlung verstanden, durch die man sich des Schutzes des weltlichen und religiösen Patrons zu vergewissern glaubte. Selten kam es einmal vor, dass Pfr. Zárate aufs Land ging und wenn, dann nur gegen hohes Wegegeld. Bei einer solchen Gelegenheit hatten sie dann auch die Möglichkeit, einem Gottesdienst beizuwohnen.

Oft bestand der Großgrundbesitzer darauf, dass seine Campesinos an der Messe teilnehmen oder er verpflichtete den Pfarrer gar, wieder einmal eine Messe für die Campesinos zu veranstalten. Der Patron versprach sich davon eine heilsame Wirkung. In der Erinnerung der Betroffenen heißt es: „Die Leute hatten Angst vorm Pfarrer; man musste den Hut abnehmen und ihm die Hand küssen. Die Messe war in Latein und wir verstanden nichts. Zu den Taufen mussten die Leute zur Stadt gehen, voll beladen mit Kindern und manchmal zwei bis drei Tagesmärsche von der Stadt entfernt. Der Pfarrer verlangte viel Geld für die Taufen, die Fürbitten und die Feste auf dem Land. Allerdings ging er nur selten aufs Land“ (10).

Der erste Pastoralkurs in Chala (11)

Im Januar 1963 fand in Cajamarca eine erste Pastoralwoche statt, an der auch einige junge Priester, Seminaristen, Ordensleute, Laien und Padre Bartolini teilnahmen. Dieser Kurs wurde sehr gut aufgenommen und es stellte sich die Notwendigkeit eines gemeinsamen seelsorgerlichen Vorgehens. Padre Bartolini wurde zum Motor der beginnenden Entwicklung in Bambamarca. Er ging nach der Pastoralwoche mit zwei anderen peruanischen Priestern (Mundaca und Fernández) nach Bambamarca, wo sie sofort damit anfingen, erste Kurse und dann eine Pastoralwoche vorzubereiten. Bartolini über das Zustandekommen des Kurses und seine Zielsetzungen:

„Im März 1963 hatte ich das erste Treffen mit den Rosarieros. Ich erinnere mich genau, dass bei diesem ersten Treffen die Idee entstand, regelmäßige Treffen mit ihnen zu haben, ihre Arbeit besser zu organisieren und mit ihnen einen Kurs für eine ganze Woche zu planen. Dieser Kurs fand dann in der Pfingstwoche statt. Vorher war viel Arbeit zu leisten, denn wir hatten kein Modell, keine Erfahrungen mit solchen Kursen und mit solchen Leuten wie den Rosarieros. Wir hatten nur unsere Begeisterung, uns versammeln zu wollen, um gemeinsam etwas Neues zu probieren. Wir machten eine kleine Umfrage unter den Rosarieros, um zu erfahren, was sie außer dem religiösen Aspekt noch wissen wollten und die Antwort war überraschend: sie wollten etwas rechnen lernen und etwas von Geschichte und Erdkunde erfahren und Mathematik, um nicht mehr betrogen zu werden.Geschichte und Erdkunde wollten sie, um etwas von der Welt und ihrer eigenen Vergangenheit zu erfahren.

In diesem Sinne gab es eine sehr große kulturelle Neugier, man wollte einfach mehr wissen, aber die Basis von allem war das Religiöse. Hier war es vor allem die Bibel. Von Anfang an interessierten sie sich sehr für die Bibel, denn sie wollten in der Tat das Wort Gottes kennen lernen. Und seit geraumer Zeit gab es eine Spaltung innerhalb der Comunidades, weil die Protestanten und Sekten die Bibel benutzten, die Katholiken aber nicht. Als sie nun aber die Gegenwart des Priesters unter ihnen spüren, kommt in ihnen der übermächtige Wunsch auf, die Bibel kennen zu lernen. Deshalb war das Kennen lernen des Wortes Gottes die Grundlage für die ersten Kurse. Unsere Aufgabe war es, den religiösen Enthusiasmus bei den Leuten zu entdecken, zu kanalisieren und ihm eine Form zu geben.

Denn die religiöse Sehnsucht war schon vorher da, fand aber keinen Weg ans Licht. Deswegen nahmen dann auch so viele Campesinos an den Kursen teil und es bildeten sich die Aufgaben für die Katecheten heraus: die Leute in ihrer Comunidad zu vereinen, zu sammeln, miteinander die Bibel zu lesen und zu deuten. Auf dieser Basis konnte ich dann in die Comunidades kommen, um die Messe feiern. Ich blieb meist einige Tage und half ihnen bei ihrer Arbeit und durch meine Anwesenheit und sichtbare Gemeinschaft mit den Katecheten, wurden viele Leute überzeugt“ (12).

Die Pastoralwoche fand vom 26. 5. - 2. 6. 1963 auf der Hazienda Chala statt. Der Besitzer der Hazienda begrüßte den Kurs, weil er dachte, dass dadurch die Campesinos noch gelehriger und fügsamer würden. Die Hazienda Chala stellte nicht nur Unterkunft und Versammlungsräume, sondern auch die Verpflegung; u.a. wurden zwei Rinder und etliche Schafe geschlachtet, so dass einige Campesinos zum ersten Mal im Leben Rindfleisch bzw. Hammelfleisch zu essen bekamen. Eine zweite neu gebildete Priestergruppe, die sich inzwischen in Baños del Inca niedergelassen hatte, Alois Eichenlaub und Alfonso Castañeda, nahm daran ebenso teil wie einige junge, neu gewonnene Mitarbeiterinnen aus Cajamarca.

Den drei neuen Priestern in Bambamarca war es gelungen, innerhalb weniger Wochen über zwanzig Comunidades auf dem Land zu besuchen und das Vertrauen von Campesinos zu gewinnen. Ausgehend von den Beschlüssen der ersten Pastoralwoche in Cajamarca, sollten die Campesinos im Mittelpunkt stehen. Über die Pastoralwoche selbst liegen keine schriftlichen Dokumente mehr vor. Alois Eichenlaub, der den Kurs inhaltlich vorbereitete, legte Wert darauf, dass Jesus Christus im Mittelpunkt stehen sollte, sein Leben, sein Leiden und seine Auferstehung - und dies im Kontext der aktuellen Leidensgeschichte der Campesinos (13). Das Leiden Jesu wurde nachgespielt und mit dem Leben der Campesinos verglichen.

Es waren vor allem die Rosarieros eingeladen worden, die sowohl lesen und schreiben als auch etwas beten konnten. Dadurch wurde die Arbeit im Kurs sehr erleichtert. Diese Gebete und Gesänge wurden in Latein mündlich von Generation zu Generation innerhalb der Familie überliefert und galten als eine Art magische Beschwörungsformel. Die Rosarieros verstanden sich oft auf Heilkünste und hatten in abgelegenen Dörfern die Rolle von Priestern eingenommen. In ihrer jeweiligen Comunidad wurden sie respektiert und sie besaßen Autorität. 43 Rosarieros nahmen an dem Kurs teil. Ein beeindruckendes Erlebnis nach dem Zeugnis der Teilnehmer war, dass sie die Bibel erstmals in die Hand nehmen und selbstständig darin lesen durften. Und so erfuhren sie zum ersten Mal etwas vom Leben und Sterben Jesu.

Alois Eichenlaub: „Sie machten alle eifrig mit, schliefen alle auf dem Boden. Ich hatte vier verschiedene Dia-Vorträge, auch auf dem Marktplatz, in der Kirche, es kamen immer mehr Leute, am Ende waren es über 1.000“ (14). In der Lokalpresse wird am 10. Juni 1963 über eine „Tagung für ländliche Rosarieros“ in Bambamarca berichtet: „Über 40 Campesinos, Bewahrer der fernen Tradition der Kolonialepoche, als die Spanier für jede Gruppe von Eingeborenen aus deren eigenen Reihen einen bestimmten, damit er die Abwesenheit des Priesters ersetze, trafen sich zu einem Kurs. Wie sehr sie noch den Geist der Kindschaft und der Anhänglichkeit bewahren, zeigte sich deutlich darin, wie sie denen, die sie einluden, sich in der malerischen Hazienda von Chala in der Pfarrei Bambamarca zu versammeln, so eifrig Folge leisteten, um so künftig ihre apostolische Tätigkeit besser anpacken zu können.

Die Rosarieros kamen aus ganz verstreuten Orten und doch herrschte innerhalb der Gruppe eine sichtbare Einheit, schon weil alle die gleichen Wünsche und Sorgen mit brachten: Christus besser kennen zu lernen. Für mich war die Verehrung dieser Campesinos für das Wort Gottes, die Bibel, erbauend und auch, mit welcher Leichtigkeit sie mit den Versen umgingen. Ebenso erwähnenswert ist ihre aktive Teilnahme an der Hl. Messe, die im Mittelpunkt ihres Interesses stand und wo sie sich mit größter Freude und Befriedigung Tag für Tag abwechselten in der Lesung - auch des Evangeliums - von Gebeten und Fürbitten. Befriedigend war das frohe Milieu, wenn sie mit ihren eigenen Musikinstrumenten, eigenhändig aus Rohr oder Holz gefertigt, die typischen einheimischen Melodien anstimmten. Sie haben selbst ein zehn Meter hohes Kreuz aus frisch geschnittenem Eukalyptusholz mit großer Hingabe, unter ziemlichen Strapazen auf den höchsten Gipfel ihres Berges aufgepflanzt, das nach ihrem eigenen Wunsch alle ihre Siedlungen beherrschen soll.

Noch auffallender war ihr großer Eifer, mit dem sie konkrete Pläne fassten, um nach dieser Studienwoche immer an ihre Pfarrei gebunden zu bleiben. So einigten sie sich darauf, sich jeden Monat zu treffen, um so in ständiger Verbindung mit ihren Priestern zu bleiben. Man konnte ihnen den Eifer von ihren Augen ablesen, der ihnen im Herzen brannte, um unter den Ihren die Leben spendende Lehre Christi zu säen. Der Eifer der neuen Priesterequipe von Bambamarca, unterstützt von der katechetischen Kommission der Diözese und ermutigt durch die Fähigkeiten und das Verständnis ihres Bischofs, hatten dieses große Werk möglich gemacht. Gebe Gott, dass dies zum Richtplan werde, in vielen Teilen unserer Diözese das große Werk der Eroberung von ländlichen Aposteln für die Evangelisierung des Landes zu Ende zu führen. Der Herr, der die Welt mit zwölf einfachen Fischern hat erheben wollen, möge das Herz dieser einfachen apostolischen Männer entflammen und aus dem heiteren Bezirk von Bambamarca eine Oase seiner Gnade und seiner Liebe machen“ (15).

Dieser Bericht ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Er erregte Aufsehen in der Stadt, sowohl positiv als auch negativ: positiv, weil einige Städter (wie auch der Verfasser, der als Beobachter beim Kurs dabei sein durfte) in der Erneuerung der Pfarrei eine Chance sahen, das Christentum im Sinne eines notwendigen Stabilitätsfaktor zu modernisieren. Die Hoffnungen auf das Zweite Vatikanische Konzil und die Gefahren durch den Kommunismus und ungehorsame Campesinos bildeten einen Nährboden, auf dem notwendige Reformen in Kirche und Gesellschaft durchgeführt werden konnten und mussten - mit dem Ziel freilich, die bestehende gesellschaftliche und kirchliche Ordnung zu stabilisieren, indem man sie der Zeit anpasste. Wie wenig zukunftsorientiert diese Erwartungen waren, zeigt sich in der Beschreibung der Campesinos, die weiterhin als Objekte betrachtet werden, deren beste Tugend der Gehorsam ist, den es zu pflegen gilt.

Erst recht wird nicht das bestehende System der Hazienda und die damit verbundene Ausbeutung in Frage gestellt. Bei der Mehrheit der Städter stieß der Bericht aber auf Ablehnung. Sowohl der Umstand, dass so wohlwollend über den Kurs und den neuen Kurs der Pfarrei überhaupt berichtet wurde, als auch die Inhalte, dass man z.B. mit den Campesinos die Bibel las und diese die Bibel selbst in die Hand nehmen durften, wurden kritisiert.

In einer weiteren Pastoralwoche in Bambamarca, im Herbst 1963, an der noch mehr Campesinos teilnahmen, wurde auch erstmals die Geburt Jesu nachgespielt und die Campesinos verstanden, dass dieser Jesus wie sie selbst in einer Lehmhütte auf die Welt kam, dass es Hirten waren, denen zuerst der Beginn einer neuen Zeit verkündet wurde und die daher zuerst den Weg zu Jesus fanden. Weitere Kurse in den nächsten Jahren konnten nicht mehr auf der Hazienda Chala stattfinden, denn dessen Besitzer wusste nicht wie die Hirten den Stern am Himmel zu deuten, und deshalb fand er nicht den Weg zur Krippe im Stall, sondern er empfand die Verkündigung der Geburt und der Auferstehung Jesu Christi als Bedrohung.

Bei allen befragten Campesinos werden diese beiden Pastoralkurse in Bambamarca als der Beginn einer neuen Epoche gewertet. Er war die Initialzündung für die nun folgende Arbeit. Auf Anregung von Alois Eichenlaub endete der erste Kurs nicht mit der Geschichte vom Tod Jesu. Weil Gott und der Mensch gekreuzigt werden, wenn der Mensch sich dem Menschen als Unmensch erweist, muss es entweder zu einer Versöhnung kommen oder das Elend geht weiter. So kam es auf dem Kurs zu einer großen Versöhnungsfeier, die bald umschlug in das Fest der Auferstehung - Auferstehung in Chala! Zum ersten Mal erlebten die Campesinos, dass die Hoffnung die Trauer überwindet, dass das Elend überwunden werden kann und dass Gott selbst Garant dieser Hoffnung ist. Als äußeres Zeichen dieser Hoffnung wurde ein überdimensionales Kreuz gezimmert und auf dem höchsten Berg in Chala aufgerichtet. Das Zeichen der Erlösung steht seither weit sichtbar bis heute über Bambamarca (16).


(1) Rolfes, Hanni: La nueva Evangelización. In: La nueva Evangelización. Lima: CEP, 1992. S. 23.

(2) So erscheint Publik-Forum Nr. 25 vom 25. 10. 2002 mit dem Titelbild und der Titelgeschichte: „Weltreligion Coca-Cola“. Im November 1998 fand in Lima ein Seminar zu dem Thema „Kultur und Globalisierung” statt, veranstaltet u.a. von der Kath. Universität Lima. In den veröffentlichten ausgewählten Beiträgen geht es um die skizzierte Thematik, so z.B. in Hopenhayn, Martín: La aldea global entre la utopía transcultural y el ratio mercantil: paradojas de la globalización cultural. In: Degregori, Carlos und Portocarrero, Gustavo (Hrsg.): Cultura y globalización. Lima: PUC, 1999, S.21: „Die Globalisierung erzeugt den sonderbaren Effekt einer kollektiven Identifizierung in unseren Gesellschaften und bei der Jugend - nicht durch ‚Dekaloge’ oder göttliche Gebote, sondern durch eine Ästhetik des Zappings oder des Shoppings, in der junge Reiche und junge Arme das ‚heilige Mahl’ empfangen, eine ‚Kultur der Software’ und der Diskurse ad hoc. In Brasilien zeichnet sich ein neues Paradigma ab: Das Land mit der schlimmsten Ungleichheit der Einkommen in Lateinamerika besitzt eine der weltweit größten Medienkonzerne (O Globo) und eine solche Dichte von Fernsehgeräten, die es ermöglicht, dass Reiche und Arme für eine Stunde am Tag gemeinsam die ‚Kommunion’ empfangen, indem sie dieselben Teledramen konsumieren“.

(3) Radio Vatikan, 7. 1. 2000. Verantwortlich: P. Eberhard v. Gemmingen SJ: Die Ansprache des Papstes beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Corps im Vatikan: „Die wirtschaftliche Globalisierung hat dazu geführt, dass viele Menschen auf der Strecke geblieben sind. Deshalb scheine es ihm, dass das neue Jahrhundert ein Jahrhundert der Solidarität sein müsse: ‚Niemals werden wir ohne einander glücklich und im Frieden leben. Und gegen einander noch viel weniger’. Im neuen Jahrhundert müssten die modernen Götzen fallen, forderte Johannes Paul II - diese seien etwa das persönliche Glück um jeden Preis und die Wissenschaft als einziger Weg zur Wahrheit. Nur einer dürfe den ersten Platz im Leben des Menschen einnehmen - nämlich Gott“. Die Campesinos könnten am besten erklären, was die Worte des Papstes bedeuten, würde man sie konkret auffassen wollen.

(4) Diese Geschichten und Erzählungen haben für die Campesinos eine höhere Bedeutung und einen höheren Wahrheitsgehalt als z.B. soziologische Studien. In diesen Geschichten konzentrieren sich ihre eigenen Erfahrungen. Sie sind wie ein Spiegel, in dem sie ihr eigenes Leben betrachten können. Sie geben im Bewusstsein der Campesinos die Realität exakt und authentisch wieder. Selbst falls einzelne Details nicht genau so stattgefunden haben bzw. im Rückblick in einen Zusammenhang gestellt werden, der von Anfang an nicht so gegeben oder als solcher erkannt worden war, so sind sie dennoch wahrer, weil sie Teil einer übergeordneten Wahrheit bzw. erlebten Erfahrung sind, die als solche maßgebend ist - so die Erklärung der Befragten.

(5) Grupo Cultural Quiliche: Los macizos de Pencaspampa, Einführung S. 11. Dieses bereits fertig gestellte Werk ist nicht zu verwechseln mit der schon erwähnten Absicht der alten Katecheten, die Geschichte der Pastoral von Bambamarca zu schreiben. Die Absicht der Frauengruppen, auch ihre Geschichte schreiben zu wollen, wird von den Katecheten aufgegriffen und es wird zu einer gemeinsamen Veröffentlichung kommen.

(6)  Dok. 2, V: Aufzeichnungen der Frauengruppen von Bambamarca, Einführung in die Textsammlung.

(7) Das - nun christliche - Kreuz wird hier so verstanden, dass es sowohl für das Leiden der Campesinos als auch für den folgenden Neubeginn steht. Es wird zum Zeichen der Hoffnung. So verstehen es auch die Katecheten.

(8) Grupo cultural Quiliche: Los macisos de Pencaspampa. S. 86.

(9) Ebd. S. 90, 91.

(10) Rolando Estela, Clara Trabert, Jerónimo de Roubaix: El camino se hace andar - Experiencia pastoral y trabajo de salud en Bambanmarca. CEP:Lima, 1992, S. 20.

(11) Voraussetzung und Vorbild für diese Pastoralwoche in Bambamarca (Chala) war die erste Pastoralwoche im Januar 1963 in Cajamarca, vgl. Einzelheiten, Begründungen und Zielsetzungen dazu in Kap. IV, 4.

(12) Bartolini, Befragungen des IBC, 1997. Über sich selbst sagt er in derselben Befragung: „Am 7. April 1957 wurde ich zum Priester geweiht. Zuerst arbeitete ich in Cajamarca, dann in San Miguel. Mein Wunsch war schon damals, in einer Priesterequipe zu arbeiten. 1961 ging ich nach Rom, um ein Zusatzstudium zu machen und dort traf ich Bischof Dammert. Er hat mich zur Rückkehr nach Peru animiert und mich dazu begeistert, mit zwei anderen Priestern nach Bambamarca zu gehen, um dort einen Neuanfang zu wagen“.

(13) Schriftliche Unterlagen zu diesem Kurs und viele andere Dokumente aus der Anfangszeit, wurden in Sonoviso gelagert, die dann bei der vonj Bischof Simon angeordneten Zwangsräumung von Sonoviso 1996 "verloren" gingen (vgl. Kap. I, 3b; Stichwort: Archive).

(14) Dok. 8, IV: Alois Eichenlaub, 2. Rundbrief nach Deutschland, Februar 1963. Archiv St. Martin, Dortmund. In seinem dritten Rundbrief vom 6. 12. 1963 nimmt er im Zusammenhang mit seiner Arbeit in der Umgebung von Cajamarca noch einmal Bezug auf die 1. Pastoralwoche in Bambamarca. Dok. 3, V: „In religiöser Hinsicht hatte die ganze Betreuung darin bestanden, dass einmal im Jahr am Festtag des Dorfpatrons ein Padrecito ein unverständliches lateinisches Hochamt zelebriert hatte. In die vielen Dörfer, in denen keine Kapelle stand, kam überhaupt niemand. Die Leute können kaum das Kreuzzeichen machen. Was tun? Mit einem Batterielautsprecher durch die Dörfer ziehen und predigen?

Die Ergebnisse der Pastoralwoche von Bambamarca geben andere Hinweise: vor allem Laien ausbilden! In Bambamarca führten wir eine Schulungswoche für die anerkanntesten Männer der Dörfer durch. Sie nannten sich von der Kolonialzeit her Rosarieros. Sie mussten sich seit Urzeiten um das Rosenkranzgebet und die Gesänge bei Beerdigungen kümmern. Gleichzeitig waren sie auch die einzigen, die sich etwas auf die Naturheilkunde verstanden. Bei uns in der Umgebung von Cajamarca fanden wir in den Comunidades etwas Ähnliches vor, so genannte ‚rezanderos‘, außerdem die Verantwortlichen für die Kapelle, die ‚síndicos‘, die Verantwortlichen für die Feste, die ‚procuradores‘. Wir führten für sie und andere geeigneten Männer einen Kurs von einer Woche durch, um sie in den religiösen Grundbegriffen zu unterrichten und für eine verantwortliche Aufgabe vorzubereiten. Der Beginn gelang. Allmonatlich kommen sie danach zusammen, bringen ständig mehr Männer mit. Langsam wirken sie auch auf die Nachbargemeinden ein und wir hoffen, auf diese Weise bald überall eine Gruppe verantwortlicher Männer zu besitzen“. Archiv St. Martin,Dortmund.

(15)  Dok. 4, V. (nur zur Hälfte und lückenhaft erhalten als Abschrift von Alois Eichenlaub, der den Zeitungsartikel übersetzt hatte, im Archiv von Sonoviso).

(16) Vgl. Knecht, W: „Die Wehklagen derer, die leiden, lassen mich nicht ruhen“. In: Meier, Johannes (Hrsg.): „Die Armen zuerst! - Zwölf Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe“. Mainz 1999.

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