Katholische Kirche (weltweit)

50 Jahre Medellín

50 Jahre Medellín (Vortrag am 13. April in Medellín)

Seit den Vierzigerjahren gab es Priester und Laien, die sich mit den unterdrückten Volksmassen vertraut machten, das schreckliche Unrecht anprangerten, deren Opfer diese Menschen waren, und im Sinne ihrer gesellschaftlichen Emanzipation arbeiteten. Von diesen Priestern wurden einige Bischöfe. Zu jener Zeit begegnete man Priestern, die sich für gesellschaftliche Fragen engagierten, noch nicht mit Misstrauen: Sie konnten sogar Bischöfe werden, selbst wenn sie dieses Amt in keiner Weise herbeisehnten. So bildete sich eine Gruppe von Bischöfen heraus, die inmitten der Armen lebten und eine erneuerte christliche Botschaft für Lateinamerika verwirklichten. Dank der Gründung des CELAM (lateinamerikanischer Bischofsrat) im Jahr 1955 hatten diese Bischöfe die Gelegenheit, einander kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Und darüber hinaus hatte jeder einzelne von ihnen Gruppen von Priestern, Ordensleuten und Laien zur Seite. Das Haupt und Bindeglied der Gruppe war Manuel Larraín, der Bischof von Talca in Chile, der zusammen mit Dom Hélder Câmara den CELAM gründete. Er wurde nur deshalb nicht Erzbischof von Santiago, weil die gesamte chilenische Aristokratie dagegen opponierte. Doch er war der Vordenker der Bischofskonferenz. Er traf sich mit Dom Hélder Câmara, in dem er sofort eine außergewöhnliche Persönlichkeit erkannte. Zusammen schufen sie den CELAM, spielten eine wichtige Rolle auf dem Konzil, vor allem auf dessen Fluren und innerhalb des lateinamerikanischen Episkopates. Sie beide bereiteten die Zweite Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe in Medellín vor.

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Solidarisch in der Einen Welt

Misereor – inhaltliche Schwerpunkte

  • Kirchliche „Entwicklungshilfe“ bedeutet heute eher, auf der Seite der von ihrem Land Vertriebenen, der Rechtlosen und „Müllmenschen“ (Papst Franziskus) gegen die Allmacht der Weltkonzerne und ihrer Marionettenregierungen zu stehen und Widerstand zu leisten. (Gelegentlich geht es auch „nur“ darum, die schlimmsten Folgen der staatlichen Entwicklungspolitik (BMZ, GIZ, KfW) zu mildern.
  • Aus der Perspektive derer, die unter die weltweit agierenden Räuber gefallen sind Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu analysieren, im Lichte der Bibel zu deuten und aktiv zu werden - hier bei uns. Ihr Schrei nach „Brot“ und Gerechtigkeit ist der Ruf Gottes an uns.
  • „Wie im Westen so auf Erden?“ Statt unsere imperiale Lebensweise (früher: "american way of life“) zu globalisieren, geht es um ein Leben in Würde, wie es Papst Franziskus z.B. im ersten Welttreffen der Volksbewegungen nannte: „Land“ (Landbesitz, Ernährungssouveränität), „Wohnraum“ (Elendsviertel, Vertreibung) und „Arbeit“ (informelle Beschäftigungen, etc.) - und dies im Rahmen der planetarischen Grenzen.

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Gemeinsam Kirche werden

Gemeinsam Kirche werden…..   (mein Vortrag beim FD-Treffen in Lima, Februar 2002)

2. Wenn sich deutsche Gemeinden mit einer armen Gemeinde auf der anderen Seite des Globus einlassen, werden sie auf eine noch grundsätzlichere Weise herausgefordert, ökonomisch und theologisch. Die Campesinos von Cajamarca möchten mit den ihren Partnergruppen in Deutschland ihren Glauben teilen und umgekehrt. Doch die Partner leben in getrennten Welten, besser gesagt: in völlig entgegen gesetzten Wirklichkeiten innerhalb der zur einem einzigen Marktplatz gewordenen Einen Welt. Die deutschen Christen, die einzelnen Gemeindemitglieder wie die Kirche als Ganzes mit ihren Organisationen, sind mehr oder weniger gut funktionierende Bestandteile dieser Gesellschaft. Die beiden Konfessionen sind als Kirchen auf regionaler und nationaler Ebene eng mit Staat und Gesellschaft verflochten. Dies zeigt sich nicht nur in der Kirchensteuer, die bekanntlich umso höher ausfällt, je höhere Gewinne die Wirtschaft erzielt, sondern auch in der Zustimmung zu den herrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Gemeinde und Kirche sind nicht nur Stützen dieser Gesellschaft, sie sind diese Gesellschaft. Als Gemeinde und Teil dieser Gesellschaft sind sie Teil des dazugehörenden Wirtschaftssystems und sie haben ein existentielles Interesse an dem Erhalt und der Funktionstüchtigkeit dieses Systems, das auch ein globales System ist. Aus diesem Interesse heraus entsteht de facto eine entsprechende Option. Die Campesinos gehören hingegen nur insofern zu diesem System, als dass sie sich als vom System Ausgegrenzte erfahren. Mit anderen Worten: sie sind die Opfer eines Systems, das eine Mehrheit der Christen in den reichen Ländern als alternativlos betrachtet und mit dem man sich eben arrangieren oder das man unterstützen muss. Während peruanische Partnergemeinden ihre Situation im Lichte des Glaubens z.B. als Folge der bestehenden sündhaften Strukturen und als unvereinbar mit dem Willen Gottes verstehen und begreifen, steht den deutschen Gemeinden dieser Erkenntnisprozess hinsichtlich ihrer eigenen Situation noch bevor.

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