Klimawandel - auf wessen Kosten?

Wie der Klimawandel Armut und Hunger in Burkina Faso verschärft

Gletscher und Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen und Dürren nehmen zu. Ursache des menschengemachten Klimawandels sind gewaltige Mengen von Kohlendioxid (CO²), die bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in die Atmosphäre geblasen werden. Hinzu kommen weitere klimaschädliche Treibhausgase, etwa aus der Abholzung von Wäldern und der industriellen Landwirtschaft. In den letzten 150 Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur dadurch bereits um ein Grad Celsius gestiegen. Langfristig könnte die globale Erwärmung drei Grad oder mehr betragen, trotz des Pariser Klimaschutzabkommens. Wissenschaftler*innen warnen eindringlich, dass ein derart ungebremster Klimawandel die Welt ins Chaos stürzen und das Rad der menschlichen Entwicklung zurückdrehen könnte. Vor allem Menschen in armen Ländern leiden schon heute unter den verheerenden Folgen des Klimawandels.

Selbst ehrgeiziger Klimaschutz wird  den Klimawandel nur begrenzen und nicht mehr aufhalten. In stark betroffenen Ländern gilt es, an erster Stelle die in Armut lebende Bevölkerung bei der Anpassung an die Folgen zu unterstützen. Dazu gehört die Förderung agrar-ökologischer Anbaumethoden, die die Fruchtbarkeit des Bodens und seine Kapazität, Wasser zu speichern, erhöhen. Auch die Verwendung trocken- und dürreresistenter traditioneller Sorten und effiziente Bewässerungssysteme müssen gefördert werden. Präzisere Wettervorhersagen, Frühwarnsysteme und Notfallpläne für Unwetterkatastrophen, die auch entlegene Siedlungen erreichen, können die Menschen widerstandsfähiger machen. Dämme müssen gebaut, Häuser befestigt und Felder gegen Erosion gesichert werden. Anpassung an die klimatischen Veränderungen und die Sicherung gegen künftige Katastrophen müssen langfristig gedacht und mit den Betroffenen gemeinsam geplant werden: Diese kennen die Schwierigkeiten und Risiken vor Ort am besten und besitzen einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit ähnlichen Situationen. Für all das brauchen Länder wie Burkina Faso Unterstützung, sind aber natürlich auch selbst in der Verantwortung, mit der Unterstützung sorgsam umzugehen und sie zielgenau für die ärmsten und vom Klimawandel betroffenen Menschen einzusetzen (laut einer Studie von Oxfam).

Afrika südlich der Sahara ist reich an wertvollen Edelmetallen, an alternativen Energiequellen (Sonne, Wind, Wasser…), an Flüssen und fruchtbaren Böden und könnte laut Berechnungen der UN damit etwa vier Milliarden Menschen ausreichend und ausgewogen ernähren. Doch knapp die Hälfte seiner Bevölkerung ist unzureichend und mangelhaft ernährt. Warum das so ist und welche Möglichkeiten bestehen, dem entgegenzuwirken, ist das Thema der Fastenaktion von Misereor und soll am Beispiel von Burkina Faso veranschaulicht werden. Burkina Faso zählt mit einem mittleren Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 204 Euro pro Kopf und Jahr zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsschwelle. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der UN liegt Burkina Faso auf dem Platz 177 der 182 bewerteten Staaten.

80% der Bevölkerung von Burkina Faso leben (noch) auf dem Land und leben von Ackerbau und Viehzucht. Doch das wichtigste Exportgut des Landes ist Baumwolle. Baumwolle wird im großen Stil angebaut, verbraucht viel fruchtbares Land und sehr viel Wasser - und dies alles gehört nicht mehr den „kleinen Leuten“. Sie wurden vertrieben und ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Sie  müssen sich nun als Wanderarbeiter und Tagelöhner auf den großen Plantagen verdingen, zu Löhnen, die bei weitem nicht zum Leben reichen. Daher müssen auch ihre Kinder „mithelfen“ (Stichwort: Kindersklaven). Die wenigen verbliebenen noch selbstständigen Viehzüchter müssen bald aufgeben, weil der Anteil an importiertem Milchpulver (Nestle!) beim allgemeinen Milchverbrauch auf 95% angestiegen ist, weil es viel billiger ist, als die im Land produzierte Milch (vergleichbar gilt dies für nahezu alle lebensnotwendigen Produkte).

Vom 7. - 18. 11. 2016 fand in Marrakesch die 22. UN-Klimakonferenz statt. Doch die Afrikaner hatten wenig bis nichts zu sagen. Dabei liegen 60%  der am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder auf dem afrikanischen Kontinent, Afrika ist aber nur für 4%  des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Der Marrakesch vorgestellte Klimarisiko-Index zeigt: Der Kontinent wurde laut dem Bericht im Jahr 2015 am stärksten von Extremwetter gebeutelt. In den laufenden Verhandlungen drückten Diplomaten der „afrikanischen Gruppe“ zudem ihren Ärger darüber aus, dass die reichen Länder sie mit neuen Handelsverträgen oder einigen Almosen abspeisen wollten. Die Afrikaner konnten keine ihrer prioritären Forderungen durchsetzen. Ein afrikanischer Delegierter: „Wir sehen, wie gegen die Menschen im globalen Süden Klimapolitik gemacht wird - auf Kosten der Bevölkerung, als seien die Leben im Norden mehr wert als die der Menschen im Süden“. Begriffe wie „Umweltrassismus“ machten die Runde. Mali etwa erklärte, dass die Folgen des Klimawandels schon heute die Ernährungssicherheit vieler Länder bedrohten. Durch den Klimawandel drohen die globalen Ernten um 30 Prozent zurückgehen. Ein Delegierter aus Marokko: "Die Verfechter des Freihandels wollen uns glauben machen, dass dieser zu Wachstum und Wohlstand und damit automatisch zu mehr Gleichheit und besserer Bildung führt".

Die Folgen der Umweltzerstörung wird vor allem die Menschen in den armen Ländern treffen. Siebzig Prozent leben dort auf dem Lande. Und gerade dort trifft extremes Wetter vor allem die Bauern, die ausschließlich vom Ertrag ihres Landes leben. Trockenheit und Dürre haben unmittelbare Auswirkungen auf die Armen, den Unterernährung und Krankheit sind die Folge. Arme Bauern benötigen möglichst vorhersehbare Klimabedingungen. Sie sind den Klimaschwankungen hilflos ausgesetzt, weil sie kaum Alternativen zur jährlichen Ernte haben.

Schlaglichter: Der Ressourcenverbrauch eines  heute geborenes Kind in den USA beträgt im Vergleich zu einem Kind in Westafrika 100:1. Hätten alle Regionen der Welt denselben Lebensstandard wie Baden-Württemberg, eine der reichsten Regionen der Welt, bräuchte man 14 Erden. „Wie im Westen so auf Erden“?

Die Botschaft von Papst Franziskus in „Laudato Si“ ist eindeutig: Verursacht wird dies durch unsere Produktionsweisen, durch die Funktionsweisen von Wirtschaft und Politik und durch  konsumistische Lebensstile von immer mehr Menschen („Konsum“ wird 55mal in „Laudato Si“ erwähnt). Deswegen sei es Aufgabe der Kirche, wie der gesamten Menschheit, Armut und Umweltzerstörung als Zusammenhang zu begreifen und die Ursachen endlich entschiedener anzugehen. Überwindung der Armut in all ihren Formen und Schutz der Umwelt seien untrennbar. Würde die Armutsfrage ohne Rücksicht auf Umweltaspekte angegangen, so würden gemäß den breit akzeptierten Forschungsergebnissen irreversible Prozesse mit verheerenden Folgen für das Leben auf der Erde eintreten (Tipping Points). Und letztlich: Auch das Klima ist eines der Gemeingüter, wie alle Güter dieser Erde, die allen gehören und für die alle in gleicher Weise verantwortlich sind, zum Wohle aller Menschen und zukünftiger Generationen.

Der Papst weist auch immer wieder darauf hin, dass  die anstehenden Herausforderungen nicht zuerst - aber auch - technokratisch zu verstehen sind (Machbarkeitswahn). Erstrecht sind nicht eine stets steigende Produktion und noch mehr Konsum erforderlich (Wachstumswahn), wie dies immer noch fast alle unsere Politiker gebetsmühlenartig herunterleiern – im Gegenteil. Vielmehr ist ein grundlegender Wandel unserer Einstellungen, Werte und Grundhaltungen gefordert. Ist dies aber nicht auch die grundlegende Botschaft von Jesus dem Christus? Und wenn nicht wir als Kirche, wer denn so sonst könnte dies aufgrund unseres „Basisprogramms“ glaubhafter verkünden als die Kirche Jesu Christi – wenn sie denn auch nur ein wenig glaubwürdiger wäre?

Doch es gibt gute Ansätze: Nicht nur „von oben“ (Papst), sondern auch „von unten“: Unsere kirchlichen Hilfswerke, die Diözese mit ihren weltkirchlichen und caritativen Diensten, Kirchengemeinden, die sich nicht nur um die Instandsetzung ihres Kirchturms kümmern und jeder einzelne engagierte Christ können dazu beitragen, die Welt menschlicher und lebenswerter zu machen. Wir haben eine „Gute Nachricht“ für diese Welt – und wir dürfen daran glauben!

Viele gute und Mut machende Beispiele bei www.misereor.de/Fastenaktion und www.missio.de

Willi Knecht, Beitrag zur Fastenaktion von Misereor mit dem Schwerpunktland Burkina Fasol, in "Der geteilte Mantel" (2017), dem weltkirchlichen Magazin der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 

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