Anspruch und Wirklichkeit von Gemeindepartnerschaften

Deutsche Kirchengemeinde haben die Campesinos auf ihrem Weg begleitet. Es gab bis 1997 in der Diözese Cajamarca fünfzehn Gemeinden, die mit deutschen Gemeinden das Wagnis einer Partnerschaft eingegangen waren. Die deutschen Gemeinden wurden im Dezember 1992 von der Nachricht überrascht, dass Bischof Dammert als Bischof von Cajamarca und Präsident der peruanischen Bischofskonferenz überraschend schnell nach Vollendung seines 75. Lebensjahres zurücktreten musste. Als sich darauf immer deutlicher herausstellte, dass sein Nachfolger ein anderes Verständnis von Partnerschaft, Kirche und Rolle der Laien hatte, entstand das Bedürfnis, aus Treue zu dem bisher zurückgelegten Weg, den Aufbruch der Kirche in Cajamarca und den gemeinsamen Weg seit 1962 zu dokumentieren und Perspektiven für eine Kirche des Volkes Gottes auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Dokumente von Medellín, Puebla und den Erfahrungen der Campesinos von Cajamarca aufzuzeigen....

Anspruch und Wirklichkeit - Partnerschaft mit Kirchengemeinden in Cajamarca
  
Einleitung

a) Cajamarca ist eine Diözese in den Anden Perus, in der die Campesinos auch heute noch die Mehrheit bilden. Lebten 1962 noch 95% der Menschen auf dem Land, so waren es 1997 noch über 70%.[1] Diesen Campesinos wurde nach der Eroberung durch die Europäer der christliche Glaube aufgezwungen. Sie erlebten diesen neuen Glauben als eine Religion, die den Weißen eine unbegreifliche Macht zuwies, ihnen selbst aber ein Leben in Sklaverei, Angst und Unterwerfung unter den „Gott der Weißen“. Das Evangelium lernten sie - wenn überhaupt - als eine Botschaft kennen, in deren Mittelpunkt die Angst vor der Hölle stand und zu der jeder Mensch verdammt war, der sein Elend und seine Unterwerfung nicht akzeptieren wollte. Campesino - Sein bedeutet bis heute (wenn auch in veränderter oder abgeschwächter Form), ein Dasein außerhalb jeder Kultur, Zivilisation und den „Segnungen des Fortschritts“. Die Campesinos sind nicht nur vom politischen und wirtschaftlichen Leben ausgegrenzt,[2] auch innerhalb der Kirche waren sie, bis auf wenige Ausnahmen, bestenfalls Objekte.

Als sie nach über 400 Jahren „Christianisierung“ erstmals „die Bibel selbst in die Hand nahmen“, entdeckten sie in der Bibel einen Gott, den sie nicht zu fürchten brauchten, sondern der auf ihrer Seite und mitten unter ihnen „Wege in ein neues Land“ eröffnete. Es begann eine Zeit der Hoffnung mit konkreten Schritten aus dem Sklavenhaus in das Land, in dem alle Menschen das haben, was sie zum Leben brauchen: Brot, Gemeinschaft, Identität, Würde, Anerkennung und die Gewissheit der Gegenwart Gottes unter ihnen.[3]

Deutsche Kirchengemeinde haben die Campesinos auf ihrem Weg begleitet. Es gab bis 1997 in der Diözese Cajamarca fünfzehn Gemeinden, die mit deutschen Gemeinden das Wagnis einer Partnerschaft eingegangen waren. Die deutschen Gemeinden wurden im Dezember 1992 von der Nachricht überrascht, dass Bischof Dammert als Bischof von Cajamarca und Präsident der peruanischen Bischofskonferenz überraschend schnell nach Vollendung seines 75. Lebensjahres zurücktreten musste.[4] Als sich darauf immer deutlicher herausstellte, dass sein Nachfolger ein anderes Verständnis von Partnerschaft, Kirche und Rolle der Laien hatte, entstand das Bedürfnis, aus Treue zu dem bisher zurückgelegten Weg, den Aufbruch der Kirche in Cajamarca und den gemeinsamen Weg seit 1962 zu dokumentieren und Perspektiven für eine Kirche des Volkes Gottes auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Dokumente von Medellín, Puebla und den Erfahrungen der Campesinos von Cajamarca aufzuzeigen.

b) Den beteiligten Partnergemeinden in Deutschland und in Peru wurde auf diesem Weg deutlich und mitunter sehr heftig vor Augen geführt, dass sich ihre Partnerschaften in einem starken Spannungsfeld bewegen: dem zwischen Institution und Person. Partnerschaft hat immer einen hohen personalen Anspruch. Eine Partnerschaft zwischen katholischen Kirchengemeinden lebt von konkret handelnden Personen, sie hat es aber notwendigerweise mit einer institutionellen Wirklichkeit zu tun, die den Rahmen der in der Folge beschriebenen Partnerschaften bildet. Treibender Motor der Gemeindepartnerschaften sind zudem einzelne Personen, die an Institutionen gebunden sind und sich auch von ihrem Selbstverständnis her als in die Kirche eingebundene Personen verstehen (sowohl Laien als auch Priester). Umgekehrt sind die Partnerschaften von der Institution her nicht nur geprägt, sondern ohne diese Institution hätte es diese Partnerschaften nicht gegeben. Kirche als weltweite Institution und Gemeinschaft aller Gläubigen ist nicht nur der Rahmen, sondern sie ist die notwendige Voraussetzung von Gemeindepartnerschaft. In diesem Spannungsfeld zwischen Institution und Person (und auch Partnerschaftsgruppe) geschieht Partnerschaft. Wie geht man mit dieser Spannung um und wird sie überhaupt richtig wahrgenommen? Sind die Gemeinden auf solche Spannungen vorbereitet?

Hinzu kommt der Umstand, dass die in Peru und Deutschland handelnden Personen sich im Kontext eines jeweils anderen historischen und sozialen (und auch kirchlichen) Umfeldes bewegen. Von diesem verschiedenen Hintergrund ausgehend, der eventuell zu nur schwer mit einander zu vereinbarenden Interessen und Optionen führen kann, steht die Frage nach der Möglichkeit einer katholischen Kirche, die aufgrund eines gemeinsamen Fundamentes und eines gemeinsamen Zieles die so unterschiedlichen Partner an einen Tisch bringen kann (oder auch nicht) im Mittelpunkt.

Diese Frage wird verschärft, wenn man die Campesinos, wie dies in den Partnergruppen und von den Campesinos selbst verstanden wird, stellvertretend für alle Ausgegrenzten sieht. In der Tradition der Verkündigung Jesu[5] setzt sich Jesus nicht nur mit den Ausgegrenzten an einen Tisch, vielmehr will er gerade mit ihnen das Reich Gottes zeichenhaft errichten. In der Kirche als sakramentales Zeichen des Reiches Gottes wird diese Gemeinschaft mit den Ausgegrenzten sichtbar und der Welt als Alternative verkündet. Jesu Verkündigung vom Reich Gottes ist Ursprung und Ziel von Kirche und von Gemeindepartnerschaften.

Sind aber die kirchlichen Strukturen (sei es, dass es jeweils verschiedene Traditionen von Kirche gibt, sei es die Kirche in ihrer real existierenden Verfasstheit als Ganzes) so geschaffen, dass sie diese Verkündigung auch tatsächlich leisten können? Konkret auf die so verschiedenen Partner bezogen: Können arme und reiche Gemeinden wirklich zu Partnern werden - vor allem dann, wenn man auch noch die historisch gewachsenen Ursachen der Armut bzw. des Reichtums im Kontext des System der gegenwärtigen Weltwirtschaft in Betracht zieht?

Neben dem Unterschied zwischen arm und reich und den jeweils damit verbundenen Interessen und Optionen gibt es noch eine andere Schwierigkeit: Wie kann der Arme, als der „Andere zu dieser Gesellschaft“, der Ausgegrenzte, der eigentlich gar nicht wahrgenommen werden kann, wenn man nicht „Grenzen überschreitet“, überhaupt als solcher wahrgenommen werden? Zumal ein Wahrnehmen des Anderen als Subjekt stets auch impliziert, die Ursachen der Ausgrenzung zu bekämpfen (und damit eventuell auch die materiellen und ideologischen Grundlagen der eigenen Gesellschaft zumindest radikal zu hinterfragen). Wären aber Partnerschaften unter solch verschiedenen Voraussetzungen nicht möglich, wäre auch die „Eine Katholische Kirche“ nicht möglich. Diese Frage nach der „Existenzberechtigung“ der Kirche, die Bilanz der Möglichkeit einer Partnerschaft über den „Abgrund“ hinweg und das Agieren bzw. Re - Agieren der Partnergruppen vor diesem Hintergrund, stehen im Mittelpunkt dieses Artikels. Dabei steht Cajamarca (wie die Campesinos von Cajamarca) exemplarisch für den Teil der Welt, der „unter die Räuber gefallen ist.“[6]

Ein weiteres Spannungsfeld ist die selbstverständliche Kluft zwischen der Praxis der Partnerschaft und der Idee bzw. dem Ziel der Partnerschaft. Der Partnerschaftsbegriff wird von den Gruppenmitgliedern überwiegend praktisch und pragmatisch verstanden. In diesem Artikel wird auf das Ziel von Partnerschaft besonderen Wert gelegt. Partnerschaft ist heute in aller Munde, es wird aber selten gesagt (und theologisch begründet) um was es geht und was es bedeutet.

Noch ein anderer bemerkenswerter Unterschiede ist zwischen den deutschen und peruanischen Partnergemeinden festzustellen: Die Idee der Partnerschaft hat in den deutschen Gemeinden ihr Fundament im Zweiten Vatikanischen Konzil und den damit verbundenen Aufbrüchen (auch wenn der konkrete Anlass für eine Partnerschaft oft eine persönliche Begegnung war). In Cajamarca entstanden Partnerschaften meist als „Reaktion” auf Impulse von außen, sowie wegen Bischof Dammert und seinem eingeschlagenen Kurs (der auch in Deutschland Eindruck gemacht und Interesse geweckt hat, was wiederum zu dem Wunsch führte, mit einer Gemeinde seiner Diözese in Kontakt zu treten). Als Folge davon kann man die deutschen Partnerschaftsgruppen als „Laienbewegung” betrachten, in der der jeweilige Gemeindepfarrer nicht die entscheidende Rolle spielt. In den peruanischen Partnergemeinden stand hingegen zu Beginn fast jeder Partnerschaft der peruanische Pfarrer (oder der Bischof) im Mittelpunkt - und dies ist in den meisten Fällen bis heute so geblieben.

c) Im ersten Teil werden exemplarisch peruanische und deutsche Partnergemeinden vorgestellt und kommen zu Wort. Die Stimme der peruanischen Partnergruppen ist von entscheidender Bedeutung. Ihre Bedürfnisse haben Priorität. Institution Kirche und Wissenschaft (Theologie) haben von daher entweder eine dienende Funktion oder sie sind entbehrlich. Eine Option für die Armen rückt die Armen in das Zentrum (d.h. andere Optionen und Interessen sind sekundär) und sie ist Ausgangspunkt für weitere Überlegungen.[7] Die Vorstellung der Gemeinden (der Basis) ist die Plattform (Basis) für die beiden folgenden Teile. Sie ist die Interpretationsfolie sowohl für die Praxis der Partnergemeinden und deren Deutung als auch für die daraus abgeleiteten Lösungsvorschläge.

Im zweiten Teil steht die gelebte Praxis der Partnerschaften im Mittelpunkt. In ausgewählten Schwerpunkten wird auf strukturelle Defizite im Selbstverständnis und in der Praxis deutscher Gemeinden hingewiesen, so wie sie sich aus der Befragung der Gemeinden ergeben haben. Die Schwerpunkte wurden deshalb ausgewählt, weil in ihnen grundlegende Themen von Christsein und Kirchesein sichtbar werden und dies insbesondere im Vergleich mit peruanischen Partnergemeinden (vor allem in ihren jeweiligen Basisgruppen). Grundlage für die entsprechenden Vergleiche und Feststellungen bilden die Antworten aus den Fragebogen, die von allen Partnergruppen bearbeitet wurden.

Im dritten Teil wird die Partnerschaft schließlich als Lernfeld präsentiert - als ein Ort, in dem das eingeübt werden kann, was deutschen Gemeinden offensichtlich so schwer fällt: Einheit von Sozial und Pastoral; Gemeindeverständnis und Kirchesein; Option für Arme; Partnerschaft als ganzheitlicher Vorgang. In der Begegnung mit peruanischen Partnergemeinden können deutsche Gemeinden eine Orientierung für ihren Weg finden. Auf diesem Weg wird Gott sich ihnen zu erkennen geben als der, der bereits mit ihnen auf dem Weg ist.

I. Teil: Die Partnergemeinden - eine Brücke über den Abgrund?

In vielen (entwicklungspolitischen, theologischen u.a.) Untersuchungen und Stellungnahmen wird auf die wachsende Kluft zwischen reichen und armen Ländern hingewiesen. So hat Papst Johannes Paul II. bereits 1984 auf seiner Reise nach Kanada in Edmonton darauf hingewiesen, dass (sinngemäß) die armen Ländern eines Tages über die reichen Länder zu Gericht sitzen werden, weil die reichen Länder den Menschen in den armen Ländern alles rauben bzw. vorenthalten, was diese zu einem menschenwürdigen Leben brauchen. Ist auf diesem Hintergrund eine Partnerschaft zwischen einer reichen und armen Gemeinde möglich, wie kann dies funktionieren und kann eine solche Partnerschaft eine Brücke sein, die beide auseinanderbrechenden Welten zusammenzuhalten vermag? Trotz aller Schwierigkeiten wird hier die These vertreten, dass Partnerschaften nicht nur eine Brücke, sondern dass sie eine notwendige Voraussetzung sind, um überhaupt von katholischer Kirche reden zu können.[8]

Die peruanische Partnergemeinden werden im Kontext der pastoralen und sozialen Entwicklung der Diözese Cajamarca vorgestellt.[9] Die wichtigsten Partnergruppen wurden eigens befragt. Ausgangspunkt für die Befragungen in Peru war der Wunsch der peruanischen Gruppen, gehört zu werden und ihre Sicht der Dinge darzulegen. Sie wollen einfach nicht vergessen werden. Sie wollen Rechenschaft abgeben von ihrem Glauben, von ihrem Leiden und ihrer Hoffnung. Für sie bedeutete es eine Art von „Menschwerdung“, als sie sich erstmals als Subjekte erfuhren. Ein Campesino: „Wir sind nicht nichts, wir sind auch wer“. Da sie sich von der eigenen Diözesanleitung (und in einigen Pfarreien vom eigenen Pfarrer) als ausgegrenzt erfahren, ist es für diese Gruppen daher ein großes Bedürfnis, über ihre Erfahrungen und ihren Glauben zu sprechen, Ansprechpartner zu haben und „bestätigt zu bekommen, dass wir auch noch Kirche sind“, wie es die Präsidentin einer Frauengruppe ausdrückte.[10] Ausgehend von diesen Bedürfnissen stehen im Zentrum der Befragung ihr Selbstverständnis als Volk Gottes, wie sie eine befreiende Pastoral erlebt haben und wie sie sich Kirche vorstellen. Sie möchten ihren Partnern in Deutschland damit sagen, dass sie ihren Weg weiter gehen möchten, aber Angst haben, dabei allein gelassen zu werden.

Die befragten Gruppen repräsentieren gleichzeitig die seit 1962 von Bischof Dammert begonnene Öffnung der Kirche im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie sie zuerst in Bambamarca praktiziert wurde. In Bambamarca begann Anfang 1963 eine Entwicklung, die von Bischof Dammert angestoßen wurde. Mit seinen Visionen und seinem Vertrauen in das „einfache“ Volk setzte er Kräfte frei, die vorher niemand vermutet hätte. Diese Entwicklung zeigte, dass der Glaube an Jesus, der den Beginn eines „neuen Himmels und einer neuen Erde“ verkündete, menschenfeindliche und mit Gewalt aufrecht erhaltene Strukturen aufbrechen kann. So wie die Armen Jahwes aus der Sklaverei in Ägypten aufgebrochen sind und sich auf den Weg in das Gelobte Land gemacht haben, so haben die verachteten Indios der Anden Perus die Erfahrung gemacht, dass Gott einer von ihnen geworden ist und mit ihnen auf dem Weg ist. Candelario Cruzado, der als erster Campesino und Katechet Lateinamerikas 1969 die Erlaubnis zum Taufen erhielt, fasst diese Erfahrungen stellvertretend für alle zusammen: „Die Kirche hat mich in der Person Bischof Dammerts gelehrt, dass wir Personen sind, Kinder Gottes, Peruaner und dass wir alle unsere Rechte haben als Kinder Gottes“. Bambamarca war das Pilotprojekt von Bischof Dammert und wurde zu einem über die Grenzen Perus hinaus bekannten Modell. In Bambamarca wurde bereits in den sechziger Jahren praktiziert, was später in den Dokumenten von Medellín und dann in den Schriften der Theologie der Befreiung seinen Niederschlag fand.[11]

1 a) Die peruanischen Gemeinden[12]


a) Drei peruanische Partnergemeinden sind in der Stadt Cajamarca zu Hause (San Pedro, Guadalupe, Mollepampa), sind aber dennoch keine typischen städtischen Gemeinden, denn sie legen den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Randzonen der Stadt (Armenviertel), die hauptsächlich von zugezogenen Campesinos „bewohnt“ werden. Zudem haben diese Gemeinden ein weites Hinterland mit ländlichen Zonen.

Die Partnerschaft der Pfarrei „San Pedro“, Cajamarca mit St. Georg, Ulm, wird in einem eigenen Artikel vorgestellt.

Die beiden Pfarrer der Pfarrei „Nuestra Señora de Guadalupe“ (Partnerschaft mit St. Pankratius, Ostrach) Segundo Alarcón und Francisco (Panchito) Centurión, waren in der Amtszeit Bischof Dammerts Pfarrer in der Kathedrale. Segundo Alarcón ist Afro - Peruaner, Francisco Centurión ist behindert. Nach dem Bischofswechsel wurden sie 1994 nach Guadalupe versetzt. Sie erhalten weder finanzielle noch organisatorische Unterstützung von der Diözese. Aufgrund ihres Charismas sind sie die beliebtesten Priester der Stadt und Umgebung (laut einer von TV Cajamarca veranstalteten Umfrage 1998). Auch viele wohlhabendere Bürger der Stadt wollen, dass z.B. ihre Kinder in Guadalupe auf die Erste Kommunion vorbereitet werden, weil dies die einzige Stadtgemeinde ist, in der Eltern (Frauen!) bei der Kommunionvorbereitung noch aktiv mitmachen dürfen (in Mollepampa ist dies entgegen den Weisungen des Bischofs inzwischen ebenfalls eingeführt worden).

Die Pfarrei „Espírito Santo“ in Mollepampa hat eine Partnerschaft mit „Hl. Kreuz“, Castrop-Rauxel. Pfarrer Rolando Estela[13] schreibt in seinem Vorstellungsbrief vom 9. 11. 98 an die Partnergemeinde „Hl. Kreuz“: „Noch habe ich keine zwei Jahre mit dieser Aufgabe verbracht. Die Menschen hier machen gerne mit. Fast alle sind Migranten (im Stadtrandgebiet). Im ländlichen Teil sind es achtzehn Dorfgemeinschaften, extrem verarmt. Ich habe große Freude daran, dort zu arbeiten, denn ich bin auf dem Land geboren und wünsche, meiner Campesinowelt weiterhin nahe zu bleiben. Die fortschreitende Verarmung hat eine massive Landflucht zur Stadt hin hervorgerufen, vor allem seitens der Jugend. Sie ist sehr darauf bedacht, Arbeit oder irgendeine Möglichkeit für eine Ausbildung zu finden. Auf diese Weise ist die Einwohnerzahl von Cajamarca in einem Zeitraum von dreißig Jahren von 30.000 auf 130.000 gestiegen. Von diesen wohnen 18.000 im Umfeld meiner im Aufbau befindlichen Gemeinde, mit der Aussicht, dass sich diese Zahl in absehbarer Zeit verdreifacht“.

Aus einem Brief 1999: „Wir haben uns entschieden, so schnell wie möglich mit der Aus- und Weiterbildung der Katecheten, die wir schon haben, zu beginnen. Durch die Arbeit der Katecheten möchten wir erreichen, dass die Kirche auch in Gebieten präsent wird, wo es jetzt noch keine Pastoralarbeit gibt. Wir wollen diese Arbeit auch so schnell als möglich auf die ländlichen Gebiete ausweiten; denn diese sind in unserer erst kürzlich gegründeten Pfarrei die am meisten vernachlässigten und verarmten Gebiete.“

b) Die drei größten Pfarreien der Diözese sind die Pfarreien in Bambamarca, Celendín und Cajabamba, bezogen sowohl auf die Ausdehnung als auch auf die Bevölkerungszahl (jeweils ca. 100.000 E., davon über 90% Campesinos). Die drei genannten Orte sind je etwa 110 - 120 km von Cajamarca entfernt (im Norden, Osten, Süden) und bilden für die jeweilige ländliche Region das städtische Zentrum mit einem ländlichen Hinterland von der Größe der Pfalz (etwa 100 km Durchmesser).

In der Pfarrei „San Carlos“, Bambamarca (Partnerschaft mit St. Martin, Dortmund) begann Anfang 1963 das, was später die Diözese Cajamarca landesweit bekannt machen sollte: eine befreiende Pastoral auf der Basis einer Option für die verachtete Landbevölkerung und der Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seit 1963 bis heute hat eine deutsche Gemeinde diesen Prozess begleitet. In Bambamarca gab es die ersten Campesino-Katecheten Perus, es entstanden Genossenschaften der Pfarrei, die Campesino-Zeitung „El Despertar“,[14] und das Glaubensbuch „Vamos Caminando“, die Rondas in ihrer spezifischen Eigenart und die Campesinoschule „Alcides Vásquez“.

Die Pfarrei „Inmaculada Concepción“, Celendín hat eine Partnerschaft mit St. Michael, Grenzach-Wyhlen. Doch die Gruppen der Pfarrei Celendín hatten zu keiner Zeit partnerschaftliche Direktkontakte mit den Partnern in Deutschland bzw. ihnen war die Partnerschaft nicht bekannt.
Auch die Partnerschaft der Pfarrei „San Nicolás de Tolentino“ inCajabamba mit „Maria Frieden“ in Hannover hat keine Wurzeln in den jeweiligen Gemeinden fassen können.

c) Die sechs Partnergemeinden San Miguel (am unzugänglichsten), Namora und San Marcos (an der Straße und halbe Wegstrecke nach Cajabamba), Magdalena und San Pablo (auf der Straße an die Küste) und La Encañada (auf der Straße und halbem Weg nach Celendín) sind von der Struktur her mit den drei größten Pfarreien vergleichbar. Im Zusammenhang mit der Vorstellung ihrer deutschen Partnergemeinden wird dort etwas näher auf diese Gemeinden eingegangen.

Die Partnerschaft zwischen San Pablo und Pfarrer Michael Hergl, Neuhofen, stellt eine Ausnahme dar, weil es hier der deutsche Pfarrer ist, der versucht, Bedingungen für den Beginn einer Partnerschaft herzustellen. Diese Bemühungen scheitern aber an dem Gemeindepfarrer und den Ordensschwestern, die von Bischof Simón nach Angaben der Schwestern vor der Aufnahme einer Partnerschaft gewarnt wurden (und auch entsprechend indoktriniert, Michael Hergl ist ein Neffe von Alois Eichenlaub). Der jetzt dort von Bischof Simon angesiedelte Frauenorden beschränkt sich auf Schule und Sakramente. In einem Interview mit Schwester Leandra Silva nennt sie als pastorale Schwerpunkte: Die Bekehrung der Herzen - das Beispiel Marias - die Verehrung des Allerheiligsten - das Gebet. [15]

Auch die Partnerschaft zwischen der Pfarrei San Pedro in La Encañada mit St. Josef in Herzogenrath hat eine Besonderheit: Stütze der Partnerschaft (aber nicht Initiator) ist ein Peruaner, Jorge Trigoso[16] aus Cajamarca. In einem Bericht anlässlich eines längeren Aufenthaltes in der Partnergemeinde schreibt er: „Die Schwierigkeiten in unserer Partnergemeinde gehen vom Pfarrer aus, nicht von den Gemeinschaften. Der Pfarrer lebt und propagiert einen absoluten Klerikalismus.[17] Er allein ist das Zentrum. Deshalb liegt auch alles, was mit der Partnerschaft zu tun hat, allein in seinen Händen. Dies wurde zu Beginn der Partnerschaft noch nicht als Problem gesehen, ist aber in den letzten Jahren zu einem unüberwindlichen Problem geworden. Für die Mitglieder der Pfarrei in Herzogenrath macht eine Partnerschaft ohne Beteiligung der Laien keinen Sinn. Andererseits hat der Pfarrer von La Encañada praktisch seine Pfarrei verlassen. Auch wegen der Aufträge, die er vom Bischof von Cajamarca erhält, lebt er mehr in Cajamarca als in seiner Pfarrei. Wegen dieser Umstände wurde die Partnerschaft mit dem Pfarrer von La Encañada aufgehoben. Jetzt werden neue Wege gesucht, um mit den Gruppen der Partnergemeinde einen Neuanfang zu beginnen. Erste Kontakt zu Frauengruppen wurden bereits geknüpft.“

d) Eine Sonderrolle nehmen die Pfarreien Tembladera und Porcón ein.[18] Tembladera unterscheidet sich darin von den übrigen Gemeinden, dass die gesamte Region mehr auf die Küste hin orientiert ist als nach Cajamarca, was sich z.B. neben unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen auch in der unterschiedlichen Mentalität und Religiosität der Landbevölkerung bemerkbar macht (im Unterschied zu den Campesinos des Hochlandes). Porcón ist die einzige „reine“ Campesinogemeinde, will heißen, dass es in Porcón kein dörflich/städtisches Zentrum gibt. Porcón gehörte bis 1991 zur Gemeinde San Pedro, Cajamarca und wurde stets von der Stadt aus betreut. Porcón war bis in die sechziger Jahre eine Hazienda. Eine Besonderheit besteht auch darin, dass in Porcón Quetschua gesprochen wird und aufgrund der Herkunft - von den Inkas zwangsumgesiedelte Menschen aus dem heutigen Ecuador - noch eigenständige Traditionen und Gebräuche überlebt haben (wie sonst nur noch in Chetilla).

1b) Die Stimme von Campesinos aus den Partnergemeinden


Die Aussagen der Campesinos sind die Grundlagen für weitere theologische Reflexionen und eventuelle Vergleiche mit dem Selbstverständnis und der Praxis deutscher Gemeinden. Sie bilden die „Folie“, von der her Partnerschaft mit deutschen Gemeinden zu verstehen ist.

In den drei Pfarreien Celendín, Bambamarca und San Pedro wurden alle Basisgruppen befragt.[19] Sie spielten in der Zeit von 1962 bis 1992 eine entscheidende Rolle im Pastoralkonzept von Bischof Dammert. Voraussetzung für die Beantwortung der Fragen war ein hohes Maß an Vertrauen, denn „mit Außenstehenden spricht man nicht über interne Probleme“ und auch die Besucher aus den Partnergemeinden will man aus Höflichkeit nicht unnötig mit Problemen belasten. Allen befragten Gruppen war aber bekannt, dass ihre Aussagen veröffentlicht werden (evtl. auch in Cajamarca selbst). Hauptthema der Befragung - auf dem Hintergrund einer veränderten Situation nach dem Bischofswechsel - war die Frage nach der Kirche und nach dem Selbstverständnis der Gruppen.[20]

Wenn die Gruppen über „Kirche“ sprechen, wird Kirche einerseits als die eigene Gemeinschaft, andererseits als ein Gegenüber angesehen. „Die Kirche der Autoritäten kennen wir nicht, weder den Bischof noch den Pfarrer. Wir kennen nur zwei: Panchito und Segundo aus der Nachbargemeinde Guadalupe...“ „Wir hingegen als Kirche lesen das Wort Gottes in unseren Gruppen; wir sind auch Kirche, wenn wir uns gut verhalten zu den Müttern, wenn wir ihnen ein gutes Beispiel geben, sie korrigieren und die Dinge des Lebens untereinander teilen“. „Die Repräsentanten der Kirche sind nicht in unseren Comunidades; sie besuchen uns nicht, vielmehr lassen sie sich bitten; sie wollen Bequemlichkeiten, dass man sie gut bezahle, dass man ihnen zu essen gebe“. Sie sprechen von sich selbst als Kirche, wenn der eigene Glaube und die religiöse Praxis in der eigenen Gemeinschaft gemeint sind. „Wir versammeln uns und wir sprechen über das Wort Gottes, denn dies ist die Quelle unseres spirituellen Lebens. Und so bilden wir Kirche“. Die Kirche der Autoritäten („iglesia de las autoridades“) bilden die Amtsträger, die außerhalb der Gemeinschaft stehen. Die Defizite der Amtsträger werden deutlich genannt, man leidet darunter und erwartet immer noch viel von ihnen. „Sie optieren mehr für die persönlichen Vorteile anstelle des Gemeinwohls“. „Sie wissen nicht, dass es auf dem Lande ein großes Bedürfnis gibt, das Wort Gottes zu hören“. Die eigene Praxis wird als eigentliche kirchliche Praxis verstanden („wir hingegen als Kirche..“). In der Antwort aus Bambamarca wird deutlich, dass sich die Katecheten als „institutionelle“ Kirche (weil von Bischof Dammert beauftragt, aber im Dienste des Volkes) fühlen, die von den Laien unterstützt wird und die deshalb selbstverständlich unter den Campesinos präsent ist, weil sie von Campesinos repräsentiert wird. „Die Kirche ist in unserer Comunidad präsent, denn wir werden unterstützt durch die Laien“. Die eigene Praxis wird als mangelhaft erlebt bzw. es wird zuerst an sich selbst appelliert, das Evangelium auch wirklich zu leben. „Die Präsenz der Kirche in unserer Gemeinschaft ist nicht vollständig, denn es sind nur bestimmte Gruppen, die an unseren Versammlungen teilnehmen und so Kirche bilden; die Mehrheit nimmt nicht teil“. Die aktiven Gruppen erfahren sich als engagierte Minderheit innerhalb der (politischen) Kommune. Der Anteil der „aktiven Gläubigen“ innerhalb der jeweiligen Kommune ist sehr unterschiedlich. So lag ihr Anteil z.B. in Bambamarcas „Glanzzeiten“ zwischen 1/3 bis 2/3 der jeweiligen Comunidad. „Aktiv gläubig“ meint mehr als „praktizierender Katholik“, die Orthopraxis spielt eine wesentlich größere Rolle.

Die Gruppen fühlen sich von der „Kirche der „Autoritäten“ verlassen. „Anstatt uns zu helfen, spalten sie. Sie entziehen den Laien die Verantwortung und führen so die Laien zur Passivität und nicht zur Teilnahme“.[21] „Die Offiziellen der Kirche wollen ihre privilegierten Machtpositionen auf Kosten der Armen erhalten. Wir fühlen uns verraten, weil wir nicht mehr die Rückendeckung der offiziellen Kirche spüren“. „Sie haben kein Interesse, sie vergessen uns. Die Pfarrer wollen, dass wir sie für einen Dienst bezahlen und um Kranke zu betreuen, müssen wir ebenfalls bezahlen. Sie erfüllen nicht Gottes Gebote, denn sie helfen uns nicht; sie denken nur an Geld“. Da sich die Gruppen einerseits selbst als Kirche fühlen („Wir versammeln uns und wir sprechen über das Wort Gottes, denn dies ist die Quelle unseres spirituellen Lebens. Und so bilden wir Kirche“), empfinden sie das Verhalten des Bischofs als Spaltung der Kirche, die von oben ausgeht. Die Hierarchie schließt sich selbst vom Volk Gottes aus (ex-comunio). Weil deren Verhalten in den Augen der Betroffenen nicht vereinbar ist mit ihrer eigenen Glaubenspraxis und ihrem Verständnis von der Botschaft Jesu, sehen sie in dem Verhalten einiger Amtsträger einen Abfall vom Glauben, ja sogar einen Verrat. „Wir denken auch, dass es nicht notwendig ist, von dieser[22] Kirche unterstützt zu werden um in Würde als Kinder Gottes zu leben, denn wir lesen die Bibel und praktizieren sie in unseren Gemeinschaften und besonders in unseren Gruppen“. Kirche über die eigene Comunidad hinaus erfahren sie im Kontakt mit anderen Basisgruppen und auch in der Beziehung zur Partnergemeinde. „Wir danken unseren Geschwistern aus Ulm, Deutschland, weil sie sich um uns kümmern; ebenso danken wir den Padrecitos Panchito und Segundo, dass sie uns an der HL. Messe teilnehmen lassen und dafür, dass sie uns in der Pfarrei Guadalupe aufnehmen. Gott segne sie“! „Die Priester unterstützen uns nicht und am wenigsten der Bischof, den wir nicht kennen, vielmehr unterstützen uns unsere Brüder und Schwestern in Deutschland, die so weit entfernt leben. Sie kümmern sich um unsere Bedürfnisse und sie lieben uns“. Die Frauen von San Pedro erleben die Partnergemeinde als Kirche auf ihrer Seite, als Kirche mit ihnen.

Gefragt nach positiven Beispielen kirchlicher Arbeit auf dem Land werden dann Beispiele aus der Vergangenheit genannt, wenn sie sich auf die Kirche als geschlossene Einheit beziehen (eine Kirche des Volkes in Begleitung ihrer Hirten). So sagen die Gruppen in Bambamarca: „Noch vor zwei Jahren war die Arbeit der Kirche auf dem Land sehr in unserer Realität verwurzelt, in Übereinstimmung mit unseren Sitten und Traditionen“. Es wird vor allem die Persönlichkeit von Bischof Dammert genannt, wenn nach dem Beispiel eines persönlichen Zeugnisses gefragt wird. „In den Zeiten Bischof Dammerts hatten wir Bibelkurse auf dem Land, es gab diözesane Versammlungen und wir hatten materielle Unterstützung für unsere Comunidades“. Auf die Gegenwart bezogen wird zuerst das eigene Beispiel genannt. „Ein positives Beispiel der kirchlichen Arbeit auf dem Land, ja: indem wir uns einander lieben wie Geschwister“. Daneben ist es wieder die Erfahrung der Gruppen von San Pedro, die in der Zusammenarbeit mit den Pfarrern der Nachbarpfarrei Guadalupe und der Gemeinde in Ulm eine Kirche auf ihrer Seite erfahren, d.h. eine Kirche, in der ihre eigene Glaubenserfahrungen (als Kirche) übereinstimmen mit der Praxis einer „institutionellen Kirche“ und die so eine Einheit bilden. „Wir kennen kein positives Beispiel der Arbeit der Kirche auf dem Land, denn das Land ist verlassen; Ausnahme ist die Pfarrei ‚Nuestra Señora de Guadalupe’ mit ihren Pfarrern Segundo Alarcón und Francisco (Panchito) Centurión“.

„Wir haben keinerlei Unterstützung seitens des Pfarrers und des Bischofs von Cajamarca. Die Kirche von Ulm hilft uns. Dank ihrer Hilfe lernen wir wichtige Dinge des Wortes Gottes kennen, wir erhalten spirituelle und materielle Hilfe“. Allen Gruppen gemeinsam ist, dass als positives Beispiel das Kennen lernen der Bibel an erster Stelle steht. Daraus ergibt sich konsequenterweise alles weitere. „Wir haben es (das Wort Gottes - Red.) erhalten und nun teilen wir das, was wir erhalten haben, mit anderen. Und so sind wir Kirche, indem wir das Erlernte nun anderen weitergeben“. Die Katecheten von San Pedro erfahren Kirche auf dem Land in der Solidarität untereinander. Christliche Solidarität bedeutet für sie, das Wort Gottes und die täglichen Sorgen und Freuden miteinander zu teilen.

Auf die Rückfrage, wer den Anstoß für das positive Beispiel von Kirche gab, wird wieder Bischof Dammert genannt. In Bambamarca reicht die Erinnerung am weitesten zurück. „Es begann um das Jahr 1962 mit einem Team von jungen Priestern, die von Bischof Dammert geschickt wurden. Damals wurde mit der sozialen Lehre der Kirche im Licht des Evangeliums begonnen“. Etwas unbeholfener antworten die Gruppen von Celendín und San Pedro: „Das haben wir von Bischof José Dammert Bellido erhalten, zu Zeiten, als er noch existierte“ (will heißen: als er noch unser Bischof war - Red.) bzw.: „Es geschah durch Herrn Bischof Dammert Bellido, der die Campesinos liebte“. Bei einigen Frauengruppen von San Pedro, die erst später entstanden sind, heißt es: „Das gute Beispiel bestand im Wort Gottes, das wir in den Versammlungen hörten“. Eine Frauengruppe erlebte 1997 gar zum ersten Mal eine Eucharistiefeier in ihrer Comunidad. „Als wir in Alto Hualanga mit der Ausstellung unserer Arbeiten an der Reihe waren, machte Padre Panchito einen so weiten Weg, um mit uns die Messe zu feiern und das Wort Gottes zu verkünden. Es war (eine Messe - Red.) das erste Mal an diesem Ort“. Die Tatsache, dass ein Priester zu Fuß und unentgeltlich drei Stunden unterwegs ist, um mit einer Frauengruppe hoch oben in den Bergen unter aktiver Beteiligung aller die Eucharistie zu feiern, ist ein dauerhaft prägendes und Glauben bildendes Erlebnis (Zeugnis). Dabei steht nicht so sehr das dogmatische Verständnis von Eucharistie im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Erlebnis als Volk Gottes in Einheit mit den „Pastoren“. Von ähnlichen Erlebnissen wird immer wieder auch in anderen Gruppen berichtet. Das Volk Gottes „schreit“ nach Priestern, die mit ihnen den Weg gehen und mit ihnen das Brot teilen. Dennoch geht die Mehrheit der aktuellen Priester einschließlich des Bischofs unter den genannten „Bedingungen“ nicht aufs Land und zu den Menschen.

Die Veränderungen in der Leitung der Diözese und der damit einhergehende Richtungswechsel einiger Pfarrer wird von den Gruppen als drastischer Einschnitt erlebt. Einige ältere Gruppen (in Bambamarca und Celendín) fühlen sich wieder in die Zeiten vor 1962 zurückversetzt. „Die Kirche ist zurückgefallen in die alten Zeiten, wo man die Realität nicht wahrgenommen hat, eine Realität der so großen sozialen Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft. Die Kirche sollte soziales Gewissen sein, Zeuge der Wahrheit und der Gerechtigkeit“. „In der Pastoralarbeit der letzten Jahre haben wir einen Wechsel erlebt. Anstatt uns noch mehr zu einen, wollen sie uns spalten. Sie bilden neue exklusive (andere ausschließende) Gruppen und wollen uns isolieren. Immer mehr werden wir zu Objekten der Erniedrigung, weil wir uns der aktuellen Situation nicht anpassen wollen. Sie fordern unsere Unterwerfung“. In Bambamarca wird die Machtfrage offen angesprochen, es geht um Unterwerfung bzw. um die Machterhaltung einer autoritären Gruppe innerhalb der Kirche. Diese Frage wird in der Diskussion in Deutschland meist theologisch überspielt[23] bzw. sie wird nicht von den unmittelbaren Konsequenzen für die Armen her diskutiert.

„Es gibt keinerlei Hilfe unseres Bischofs in Cajamarca. Er hat uns, die Campesinos vergessen“. „Wir erhalten in den letzten Jahren keine Unterstützung mehr von der Pfarrei“. Die Konsequenzen aus der Sicht der Armen beziehen sich auch auf den religiösen Bereich und die Kirche selbst. „Die Kirche erfüllt nicht mehr ihre Aufgabe und die Konsequenz wird sein, dass die Kirche verlassen sein wird, ohne Unterstützung durch niemanden. Und sie werden Christus vergessen haben, unseren Erlöser, der sich um die Armen kümmerte, der ihnen vergab und sie einte“. Damit untrennbar verbunden ist der moralisch-soziale Bereich. „Wenn auch wir unsere Aufgabe nicht erfüllen würden, wären die Konsequenzen, dass wir Gott und unsere Geschwister vergessen würden und dass so auch das Verbrechen sich ausbreiten würde“. „Wenn wir unsere Aufgabe nicht erfüllen, gäbe es Unordnung, wir würden vor nichts Respekt haben und wir würden in der Unwissenheit verbleiben“. Der Glaube an Gott ist demnach die Grundlage menschlichen Zusammenlebens und der Ausgangspunkt für jede menschliche Entwicklung. Die Verantwortung für die moralisch und sittlichen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens wird nun nicht einfach auf die Amtsträger geschoben, es ist vielmehr umgekehrt: je mehr diese ihre Aufgabe nicht erfüllen, desto mehr fühlen sich die Gruppen selbst gefordert. Es liegt an ihnen, ob ein Zusammenleben im Geiste Jesu möglich ist.

Noch ein weiterer Aspekt wird von allen Gruppen angesprochen: durch die Einstellung der Landpastoral und der pastoralen Arbeit mit und unter den Armen seitens der Diözesanleitung, wird das Vordringen der Sekten erheblich begünstigt. „Wenn die Kirche uns weiterhin nicht unterstützt, werden die Leute das Vertrauen und den Glauben an die Kirche verlieren und sie werden zu den Sekten gehen, denn diese besuchen die Leute auf dem Land“ (zu Sekten, s. u.).

Als zentrale Aufgabe der Kirche sehen es die Gruppen, die integrale Entwicklung des Menschen zu fördern, damit alle als Kinder Gottes das allen Menschen verheißene „Leben in Fülle“ auch schon in diesem Leben und auf dieser Erde verspüren können. Dies ist nur in Gemeinschaft und im Dienst an der Gemeinschaft und deren Einheit möglich. „Unsere Aufgabe ist eine ständige integrale Weiterbildung, Arbeitsgruppen zu bilden und die Befreiung anzustreben, damit dies uns zu einem immer tieferen sozialen und befreienden Engagement führt. Zu dieser integralen Entwicklung gehört die Zusammenarbeit mit Priestern, die im Volk verwurzelt sind und das Eintreten für eine offene und demokratische Kirche“. Diese Entwicklung wird nicht als Emanzipation von der Amtskirche verstanden, sondern als ein Miteinandergehen auf einem Weg, dessen Ziel das gemeinsame Festmahl ist. Der Gedanke der Einheit innerhalb der Gemeinschaft und deren Funktionsträgern ist für die Campesinos elementar. Einheit bedeutet bei den Campesinos, dass sich die (Amts-) Kirche zu den Armen bekehrt, sie zumindest nicht ausgrenzt und ansonsten ihren selbstverständlichen Pflichten nachkommt: das Wort Gottes zu verkünden und entsprechend zu leben. So sind auch die wiederholten, aber vergeblichen Einladungen an den Bischof zu verstehen. Um so tragischer ist es für sie, wenn sie sich unter den gegenwärtigen Bedingungen ausgegrenzt fühlen bzw. wenn diese Einheit von Amtsträgern nicht gewünscht, sondern zerstört wird. „Die wichtigste Aufgabe der Kirche: Wir wollen mehr Verantwortung, mehr Anerkennung, mehr Einheit“. Wenn die Campesinos von Einheit sprechen, meinen sie ansonsten zuerst die Einheit untereinander, in der Gemeinschaft. Denn sie haben durch die Verkündigung des Wortes gelernt, dass sie nur gemeinsam die Ursachen der Armut bekämpfen können und dass sie nur in der Gemeinschaft und in der gemeinschaftlichen Arbeit die Gegenwart Gottes erfahren.

Voraussetzung, um die zentralen Aufgaben der Kirche gemeinsam anpacken zu können, ist die Verkündigung des Wortes Gottes. „Die wichtigste Aufgabe in unserer Kirche ist das Lesen des Wortes Gottes innerhalb unserer Organisation, die wir aufgebaut haben“. „Die wichtigste Aufgabe als Kirche ist, dass wir die Bibel lesen, die uns Gott geschickt hat“. Für alle Gruppen steht die Verkündigung des Evangeliums an erster Stelle. „Die wichtigste Aufgabe der Kirche wäre, mit der Evangelisierung weiterzumachen“. Dass die Campesinos zuerst das (freilich durch das persönliche Beispiel authentisch bezeugte) Wort Gottes hören wollen, wird von Amtsträgern ignoriert oder nicht geglaubt. „Sie (die Priester - Red.) sollten uns die Lesungen der Bibel erklären, unsere Gemeinschaften besuchen, aber ohne Interesse (ohne persönliche Vorteile - Red.), sich unseren Gemeinschaften nähern, um das Wort Gottes zu säen, denn wir haben das Bedürfnis, es zu hören“. Mit der Verkündigung des Wortes Gottes ist automatisch die Vorstellung verbunden, dass sich dadurch das eigene Leben und das der Gemeinschaft ändert, dass es mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Würde und Anerkennung gibt und dass das gemeinschaftliche Leben vom Beispiel Jesu inspiriert ist (besonders das Teilen). „Unsere Aufgabe: Einen guten Weg im Leben zu gehen, dass wir als Kirche mit den Bedürftigsten teilen, dass wir mit unserer Organisation weitermachen um die Ursachen der Armut zu verstehen“.

Eine wichtige Rolle spielt die Organisation in Gruppen als Folge des Evangeliums (Kirchenbildung im ursprünglichen Sinne). „Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist, dem Wort Gottes zu folgen, indem wir Gruppen bilden in unseren Comunidades und unseren Glauben feiern (celebraciones)“. Es wird deutlich, dass das Materielle und Spirituelle, das Soziale und Pastorale, eine untrennbare Einheit bilden. Ohne das Wort Gottes (und Kirche) wäre jede Entwicklung zum Scheitern verurteilt, weil sie eindimensional bliebe. Die Kirche steht im Dienste einer integralen Befreiung, die als Menschwerdung verstanden wird - oder sie ist nicht Kirche, sondern eine beliebige Institution, die zum Vorteil einiger Privilegierter Macht ausübt, wie andere weltliche Institutionen auch. Über die Einheit von Sozial und Pastoral überhaupt zu diskutieren, ist von diesem Verständnis her völlig abwegig und eine diesbezügliche Frage an die Campesinos würde auf Unverständnis stoßen.[24] Wenn sich die Gruppen der Aufgabe, Kirche zu werden, stellen, kommen sie zu folgenden Ergebnissen: „Wir haben Veränderungen gesehen in der Organisation, der Einheit, der Arbeit in den Gruppen, der Geschwisterlichkeit mit den anderen Schwestern und in der Verantwortlichkeit, z.B. die Kredite, die wir aus der Gemeinschaftskasse erhalten, zu bezahlen“. „Kirche ist, uns zu versammeln, alle, ohne Unterschied von Klassen, wie eine einzige Familie im Haus Gottes“.

Erfüllt die Kirche (die Hierarchie und die Gruppen) diese Aufgabe nicht, würde nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft auseinanderbrechen. Wiederum ist die enge Verknüpfung von Evangelium, Kirche und sozialer Ordnung, Moral und Gerechtigkeit auffallend. Wenn auch das Bewusstsein vorhanden ist, dass es an ihnen selbst liegt, diese Aufgaben anzupacken, so fühlen sie sich dennoch verunsichert und fürchten die Kraft zu verlieren, wenn sie auf Dauer von der offiziellen Kirche nicht unterstützt werden. „Wenn sie ihre Aufgabe nicht erfüllen würde, käme es zur totalen Destruktion“. „Es kommt zu einem Zusammenbruch der Pastoralarbeit, die Armut würde verstärkt zurückkehren, ebenso die Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung“. „Wir würden uns vereinzelnen (verstreuen) und wir würden zurückfallen in unserer Entwicklung“.

In Bambamarca wird der Zusammenhang zwischen Vereinzelung und gleichzeitig zunehmender Klerikalisierung (im Weltlichen: Schaffen neuer Autoritäten) gesehen. Der Einzelne, der nicht mehr getragen ist von einer Gemeinschaft, ist anfälliger für „Autoritäten.“ „In der Gegenwart erfüllt die Kirche nicht ihre Aufgabe. Wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllt, wird es immer mehr Individualismus und Zersplitterung geben. Man wird um so deutlicher die Hierarchie der kirchlichen Autoritäten spüren.“Noch deutlicher ausgeprägt ist die Furcht vor einer Ausbreitung von Sekten, die mehrfach genannt und als Gefahr betrachtet wird. „Die Kirche erfüllt nicht ihre Aufgabe. Die Konsequenz ist, dass sie ihre Mitglieder verliert und so Raum gibt für den Vormarsch der Sekten.“ „Falls wir unsere Aufgabe nicht erfüllen, überfluten uns protestantische Sekten“. Unter Sekten verstehen die Campesinos Gruppierungen, die die irdische Wirklichkeit ausblenden, die an das baldige Ende der Welt glauben, die sich auf die eigene und exklusive Errettung vorbereiten, die nicht an die Heiligen und die Jungfrau Maria glauben und die daher keine Feste feiern. Ein Vordringen der Sekten wird mit Spaltung der Gemeinschaft und Abkehr von gemeinschaftlichen und sozialen Aufgaben gleichgesetzt. Auch die Hierarchie wird als Sekte angesehen, falls sie sich von den Freuden und Leiden des Volkes Gottes absondert.

Wenn die Gruppen einen Wunsch an die Kirche (und an sich selbst) haben, dann den Wunsch, dass Priester und Bischöfe sie auf ihrem Weg begleiten mögen. „Wir bitten die Kirche, dass uns die Priester unterstützen mit dem Wort Gottes in den Comunidades“. „Dass sie Jemanden in unsere Gemeinschaften schickt, uns zu lehren, echte Katholiken zu sein“. „Dass sie hinausgehen zu uns, um uns vorzubereiten, um uns klar vom Evangelium zu sprechen, dass sie uns anhören, dass sie uns betreuen und mit uns sind“. Aber sie wünschen sich nicht - so wie in vergangenen Zeiten - einen Priester für die Comunidad, der qua Amt kultische Handlungen an Objekten vollzieht, sondern sie wünschen sich einen Menschen, der mit ihnen lebt, der sie versteht und der mit ihnen das Brot teilt. Die Gruppen haben eine klare Auffassung von dem, was ein Priester eigentlich tun müsste. Ihr Kriterium, um dies beurteilen zu können, ist die Bibel als ganzes und das Beispiel Jesu im besonderen. „Wir bitten darum, dass die Ausbildung und Auswahl der Priester sich an ihrer Berufung zum Dienst an ihrem Volk gemäss dem Projekt Gottes ausrichte und nicht daran, sich des Volkes zu bedienen“. Der Wunsch nach Begleitung durch Priester widerspricht nicht dem Wunsch, als Mensch und getaufter Christ ernst genommen zu werden, vielmehr ergänzt sich beides. So wird auch gewünscht, „dass der Laie das Recht erhalte, als wahrhafter Verkünder des Evangeliums tätig sein zu dürfen, um so die sozialen Probleme zu entdecken, die den Armen unterdrücken“.

Von der Kirche als Institution erwarten sie auch, dass ihnen die Kirche eine Infrastruktur zur Verfügung stellt, den materiellen Rahmen. Das Materielle steht aber nicht an erster Stelle, sondern der „geistige Beistand“ und die religiöse Unterweisung. „Wir wünschen mehr Unterstützung und mehr Koordination um das Beispiel einer wahrhaften Kirche geben zu können“. „Wir brauchen viel Beistand im Geistigen (Spirituellen) und Materiellen“. „Wir würden die Kirche um mehr geistigen Beistand bitten, um so Christus immer näher zu werden. „Wir bitten die Kirche um ein Vorwärtskommen in unserer Arbeit, sei es im Materiellen als auch in der Bibelarbeit, für jede unserer Comunidades“.

Doch die Realität sieht anders aus. Am allgemeinsten drücken es die Gruppen aus Bambamarca aus: „Wir empfehlen, dass die Religion nicht zum Opium des Volkes werde, die einzig dazu dient, das Volk ‚einzuschläfern‘ und uns glauben machen will, dass wir hier auf dieser Erde nichts zu sagen haben und dass wir im Himmel für unser Stillhalten belohnt werden. Wir empfehlen auch, dass die Kirche aus dem Volk heraus wächst, dass sie den Ärmsten dient, dass sie das Bewusstsein entwickelt, eine materielle und spirituelle Arbeit nur in Einheit zu sehen und zu realisieren“. Die Realität sieht aber so aus: „Wir haben Hirten, die sich nur für sich selbst vorbereiten (sorgen) und für uns bleibt nichts“. „Für einige Priester ist es ein Geschäft aufs Land zu gehen, sie verlangen dafür sehr hohe Geldsummen. Die Länge der Messe hängt davon ab, wie viel wir bezahlt haben“. „Sie lassen uns nicht an der Messe teilnehmen, denn sie sagen, wir seien Campesinos“. „Wir bitten, dass dies nicht mehr geschehe. Denn Jesus war immer mit den Bedürftigsten, den Ärmsten. Wir bitten, dass es mehr Kommunikation mit den Landzonen gäbe, dass sie sich der Armen erinnern, der Alten, der verlassenen Kindern, der Kranken und derer, die das Wort Gottes in die Praxis umsetzen“. Die gegenwärtige Kirche (in Cajamarca) von oben wird als eine Macht erfahren, die Kirche im Geiste Jesu verhindert. Die Kirche sollte soziales Gewissen und Zeuge der Wahrheit und Gerechtigkeit sein; sie sollte teilhaben am Schicksal der Armen, diese sollten die Mitte der Kirche sein bzw. aus ihrer Mitte heraus soll Kirche wachsen.

Die Frauengruppen von San Pedro fassen dies in einem Satz zusammen: „Die stärkste Kritik an der Kirche ist, dass der Bischof nicht mit den Armen ist“.

Mit diesem Beispiel praktischer Theologie und real existierender Kirche endet die Vorstellung peruanischer Gruppen. Wie reagieren deutsche Partnergemeinden (auch Theologie und Amtskirche) auf solche Vorgänge bzw. können und wollen sie diese überhaupt erfahren? Welches Gewicht hat die Stimme der Armen in der (römischen bzw. katholischen) Kirche?

2. Die deutschen Gruppen

In der Präsentation der deutschen Gruppen werden ihre Entstehungsgeschichte, ihre Schwerpunkte und bestehende Probleme benannt.[25] Die Partnerschaft deutscher Partnergruppen mit peruanischen Gemeinden ist auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils und auf dem Hintergrund der Entwicklung in Cajamarca zu sehen - nicht nur weil das Zweite Vatikanische Konzil noch nicht durch ein neues Konzil überholt ist und es deswegen den Rahmen für Gruppen hier und dort abgibt, sondern weil es zum Selbstverständnis aller Gruppen gehört, mit den Ärmsten in Kontakt treten zu wollen und vorrangig ihnen zu helfen oder gar Partner zu werden. Die Partnerschaftsarbeit der Gruppen ist von diesem Maßstab und Ziel her zu deuten.

Alle deutschen Gemeinden (repräsentiert von den für die Partnerschaft verantwortlichen Gruppen) nahmen an der Befragung teil. Der besseren Übersicht wegen werden die fünfzehn Gruppen in drei Themengruppen eingeteilt:

a) Die Gruppe der Pfarreien, die mit eigenen Beiträgen in dieser Studie zu Wort kommen.

b) Die Gruppe der Freiburger Pfarreien, die im Zusammenhang der Freiburger
    Diözesanpartnerschaft mit der Peruanische Bischofskonferenz zu sehen sind.

c) Die sonstigen Pfarreien.

Im Kontext der Frage nach den Zielvorstellungen von Partnerschaft weisen die Antworten der Gruppen auf entsprechende Probleme hin. Die Präsentation der Gemeinden wird aus der Kenntnis der Gemeinden und ihrer Partnergemeinden heraus ergänzt und es wird auf spezielle Probleme eigens hingewiesen, falls diese sich aus den Antworten der Gruppen nicht eindeutig ergeben. Eine detailliertere Darstellung der Probleme und deren Interpretation durch einen „Außenstehenden“ ist problematisch, falls die jeweilige Gruppe dies nicht von sich aus wünscht, bestimmte Vorgänge und Verhaltensweisen nicht als Problem sieht bzw. anders bewertet oder nicht ausreichend von den Partnern informiert wird.

a) Gruppe der Pfarreien, die mit eigenen Beiträgen in dieser Studie zu Wort kommen.

Die Pfarrei St. Josef in Herzogenrath - Straß: „Auslöser für die Entstehung der Gruppe war der Besuch des vorherigen Pfarrers Konrad Mohr im Jahre 1983 in Peru, der damals acht Monate in Cajamarca blieb. Der Kontakt zur Gemeinde San Pedro entwickelte sich aus dem Wunsch des AK Peru, eine konkrete Partnerschaft anzustreben, um über eine persönliche und strukturelle Verankerung der Arbeit exemplarisch zu lernen. Bischof Dammert empfahl uns die Gemeinde San Pedro und den Kontakt zu Padre Efraín, da sich hier gemeindliche wie auch spezifische Pastoralelemente (Sozialarbeit, Menschenrechtsarbeit usw.) über die pfarrliche wie auch die persönliche Schiene des Gemeindeleiters bündeln ließen. Der Weggang von Pfarrer Konrad Mohr veränderte den gemeindlichen Kontext der Arbeit des AK Peru, auch wenn der neue Pfarrer die Arbeit nicht behindert. Identitätsstiftend wirkte sich die Beteiligung von Jorge Trigoso auf den AK aus, da er als Cajamarquino eine wichtige Integrationsfigur wurde, der sowohl qua Person und seiner Authentizität, wie auch durch das Verwurzeltsein in zwei Kulturen eine Brückenkopffunktion übernahm. Projekte werden hauptsächlich von den PartnerInnen eingebracht. So ging es bei den Spenden wesentlich um den Auf- und Ausbau eines Gemeindehauses, Geld für die juristische Unterstützung von Entrechteten und zu Unrecht Verhafteten in Sachen Goldmine, Unterstützung zum Aufbau einer Druckerei, usw. .. Im Schnitt haben wir in den zurückliegenden Jahren 5.000 - 7.000 DM jährlich an Spenden transferiert“. Hauptprobleme dieser Partnerschaft: die veränderte Lage nach dem Bischofswechsel, die Unzuverlässigkeit des Pfarrers der Partnergemeinde bzw. der ausschließliche Kontakt mit ihm und der damit fehlende Kontakt zu den Gruppen der Partnergemeinde, die ihrerseits von ihrem Pfarrer ignoriert wurden.[26]

Die Pfarrei St. Gallus in Tettnang: „Der Arbeitskreis Peru ging aus dem KGR - Ausschuss ‚Mission, Entwicklung, Frieden‘ (MEF) hervor. Er wurde 1992 gegründet. Wir haben derzeit zwanzig Mitglieder, zehn Frauen, zehn Männer. Die Gemeinde hier wurde von Anfang an mit einbezogen, beim ersten ‚Perusonntag‘ wurden Mitglieder für den zu gründenden AK Peru gesucht, dem erweiterten Ausschuss MEF. Der KGR stimmte der Partnerschaft zu und teilte ihm eine von der Diözese für weltkirchliche Aufgaben zur Verfügung gestellte Geldsumme zu. Schwierig wurde die Situation in unserer Partnerschaft, als 1994 der erste, 1995 auch der zweite Pfarrer von Porcón vom 1993 neu eingesetzten Bischof zu weiterführenden Studien nach Rom geschickt wurden. Der einzige treue Ansprechpartner blieb nun der Direktor des pfarreigenen Colegios. Die spirituelle Ebene der Partnerschaft wurde stark vernachlässigt, zumindest gab es keine Kommunikation darüber. In unserer Gruppe gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie ‚politisch‘ unsere Arbeit sein soll/muss/darf - z.B. bei der Produktinformationen für ‚Dritte-Welt-Waren‘, dann bei Solidaritätsaktionen für die Geschädigten der Goldminen in Porcón, Unterschriftenaktionen zur Entschuldungskampagne, Seminar- und Vortragsangebote zu Themen wie ‚Geld und Zinsen‘, ‚Jugendarbeitslosigkeit‘ u.a..“.

Die Projekte werden hauptsächlich von der Partnergemeinde eingebracht. Sie bestehen im wesentlichen in der Hilfe beim Bau und Ausbau des pfarreigenen Colegios und der Übernahme der laufenden Kosten wie z.B. Lehrergehälter. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Gesundheitsförderung, ein Gesundheitsfond für anfallende Krankenhauskosten und Solarenergie für das Colegio. Die gegenwärtigen Probleme bestehen in der mangelnden Kommunikation, von der Gruppe werden direktere Kontakte mit den Betroffenen gewünscht; es herrscht Unklarheit über die Linie in der Pastoralarbeit.[27] Die Campesinos der Pfarrei Porcón sind besonders stark von den Auswirkungen der Goldminen betroffen, doch ist unklar, ob die Pfarrei die Frage der Menschenrechte weiterverfolgt, wie und ob mit den Campesinos gearbeitet wird etc. Diese Unklarheiten sind auch der Grund, warum in dem Artikel der Gruppe über die Goldminen nicht näher auf den kirchlichen Rahmen eingegangen wird.[28]

In Herzogenaurach gibt es zwei Gruppen, die mit der Diözese Cajamarca in Verbindung stehen: der Freundeskreis Cajamarca, Pfarrei St. Magdalena und der Förderkreis Cajamarca e.V.
a) „Der Freundeskreis Cajamarca wurde 1983 als nicht eingetragener Verein gegründet und ist hervorgegangen aus dem Sachausschuss MEF. Die Begrenzung im Sachausschuss war zu eng, ein weiterer Grund war der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit. Im Sachausschuss wurde schon lange über die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke diskutiert. Wichtigstes Thema war der kirchliche Aufbruch in der Dritten Welt. Nun sollte eine konkrete Partnerschaft mit einer Gemeinde der Diözese Cajamarca gesucht werden. Bischof Dammert wurde um Vermittlung gebeten, der dann während eines Besuches 1980 einen Bettelbrief des neu ernannten Pfarrers von Tembladera aus der Tasche zog. Die Anbindung an die Kirchengemeinde war von Anfang an gewünscht und gegeben. Wir haben immer die Öffentlichkeit (Zeitungsberichte, Pfarrbrief, Briefe an BMZ u.a.) einbezogen“. Hauptprobleme der Partnerschaftsarbeit sind: die Spaltung der Gruppe, die Stellung der Gruppe zur Pfarrei, die Frage nach den Ansprechpartnern in der Partnergemeinde, die Rolle des Bischofs und des ehemaligen Pfarrers in Tembladera.
b) Der Förderkreis Cajamarca e.V. - Perugruppe Herzogenaurach (ohne feste Partnerschaft mit einer bestimmten Gemeinde): „Der Arbeitskreis wurde im August 1990 gegründet und ist hervorgegangen aus einem persönlichem Bekanntenkreis. Eine feste Partnergruppe in Peru gab es anfangs nicht. Seit 1994 konzentriert sich die Beziehung auf die Frauengruppen der Region Bambamarca“.

Die Entstehungsgeschichte dieses Kreises ist nicht zu verstehen ohne die Person von Hans Meister und dessen Engagement in der „Herzogenauracher Szene“ seit Ende der sechziger Jahre. Sein Austritt aus dem Freundeskreis Cajamarca war eine logische Konsequenz nicht mehr überbrückbarer Spannungen innerhalb der Gruppe. Diese Spannungen wurden u.a. hervorgerufen durch die unterschiedliche Bewertung der Rolle des Pfarrers Pedro Cáceda aus der Partnergemeinde Tembladera und die damit verbundene unterschiedliche Betrachtungsweise entwicklungspolitischer, sozialer, kirchlicher und pastoraler Fragestellungen, sei es in der Partnergemeinde, sei es in Herzogenaurach selbst. Zusammen mit einigen Weggefährten gründete er den Förderkreis, der unabhängig von kirchenpolitischen Rahmenbedingungen hier und in Cajamarca mit Basisgruppen in direktem Kontakt steht.

Pfarrei St. Georg, Ulm: Die Gemeinde St. Georg stellt ihre Partnerschaft mit allen ihren Problemen und Perspektiven in einem Beitrag selbst vor.

b) die Gruppe der Freiburger Pfarreien (die im Zusammenhang   der Freiburger Diözesanpartnerschaft mit der peruanischen Kirche zu sehen sind)[29].

Die folgenden Pfarreien haben außer ihrer Zugehörigkeit zur Diözese Freiburg gemeinsam, dass sie keine sehr engen Beziehungen zu Bischof Dammert und seiner Arbeit aufbauen konnten, weil ihre partnerschaftlichen Beziehungen erst in der „Endphase“ der Ära Dammert entstanden sind. Ihre Erfahrungen mit der Diözese Cajamarca beruhen somit zum überwiegenden Teil auf der Zeit nach dem Bischofswechsel Ende 1992. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass ihre Partnerschaft über die Diözese Freiburg angeregt bzw. vermittelt wurde. Damit verbunden ist auch eine entsprechende Vorgabe.

Die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Freiburg: „Bischof Dammert war mehrmals in der Pfarrei zu Gast und hat großes Interesse geweckt. Aus dieser Zeit ist das Ringen um Basisgemeinden bei uns zu nennen. Dabei war der Kontakt mit Bischof Dammert und mit der Befreiungstheologie ein wichtiger Teil der Motivation. Anne Sumser aus unserer Gemeinde war seit 1987 zusammen mit Rudi Eichenlaub in der Pfarrei San Marcos tätig. Nach einem Besuch von Johannes Kramer[30] und dem damaligen Gemeindepfarrer Paul Sumser, dem Bruder von Anne Sumser, in San Marcos, wurde die Partnerschaft der Pfarrei vorgeschlagen und vom Pfarrgemeinderat beschlossen. Die äußere finanzielle Hilfe kann sich bis heute mit etwa 1.000 Dollar im Monat halten, weil sie in direkter Hilfe zur Selbsthilfe begründet und gut verwaltet ist. Projekte wie die Nähschule, Strick- und Webwerkstatt, Zucht von Kleintieren und Gartenbau zur Unterstützung der Mittagtische für Arme usw. werden vor Ort von dem Komitee seit Jahren weitergeführt“.

Problemlage: Die Partnerschaft besteht in der direkten Unterstützung einer Partnergruppe unter Umgehung der Parrer. Die Gruppe in Peru wird von einem gewählten Komitee geleitet. Bischof Simón versuchte 1998 dieser Gruppe das Gelände und die Räumlichkeiten zu nehmen, da es sich um Besitz der Pfarrei handelt. Die Gruppe in Freiburg hatte das Gelände und die Räumlichkeiten in den achtziger Jahren zu dem oben genannten Zweck gekauft und setzte sich nun zur Wehr. Bischof Simón bot darauf dem Leiter der Gruppe in San Marcos eine gut dotierte Stelle am entgegengesetzten Ende der Diözese an, die dieser auch annahm. Außer dem genannten „Zwischenfall“ findet mit der pastoralen und theologischen Linie des Bischofs und der Pfarrer keine inhaltliche Auseinandersetzung statt. Die Partnerschaftsgruppe (hier und dort) stößt sich z.B. nicht an der Absetzung der alten Katecheten, weil beide Gruppen in der Pastoral nicht ihren Schwerpunkt sehen, sondern sich auf soziale Projekte beschränken. Weil Kirche sich nicht in reine Sozialarbeit einmischt und die Freiburger Gruppe mit Pastoralarbeit und kirchenpolitischen Fragen wenig zu haben will, kommt man sich auch nicht in die Quere.

Die Pfarrei St. Pankratius in Ostrach: „1989 erste Kontaktaufnahme mit Freiburg mit der Bitte um Vermittlung einer Partnerschaft. Am 15. 12. 1991 schlägt uns das Ordinariat die Pfarrei ‚Nuestra Señora de Guadalupe’ in Cajamarca als Partnergemeinde vor. Im Februar 1992 stimmt der Pfarrgemeinderat diesem Vorschlag zu. Am 26. 2. - 6. 3. 1994 findet das erste Partnerschaftswochenende statt. Am 19. 3. 1995 tritt Pfarrer Perales in den Ruhestand. Seine Nachfolger sind: Segundo Alarcón als Pfarrer und Francisco Centurión als Vikar“. Der Gruppe und Gemeinde sind die Verhältnisse in der Partnergemeinde und der Diözese Cajamarca nicht bekannt. Die Mitglieder der Gruppe sind überrascht, als sie von Ulm erfahren, dass niemand in der Pfarrei Guadalupe etwas von der Partnerschaft weiß. Nun wird versucht, mit der Pfarrei Guadalupe und den beiden Pfarrern Kontakt aufzunehmen. Durch Vermittlung von Ulm (Gespräche mit Pfarrer Perales, den beiden Pfarrern und den Gruppen von Guadalupe) gelingt ein neuer Anfang.[31] Auch Pfarrer Perales wünscht nun, dass anstelle des Waisenhauses die Pfarrei Guadalupe unterstützt werden soll.

Pfarrei St. Maria Magdalena in Tiefenbronn: Alleinige Ansprechpartnerin war zuerst eine von Bischof Dammert als Gemeindeleiterin eingesetzte Ordensschwester. Sie wurde vom neuen Bischof abgesetzt und verließ die Pfarrei, die Kommunikation brach ab. Ein Besuch des Vorsitzenden des Freundeskreises in Cajamarca Ende 1998 führte zu einem Neubeginn mit dem inzwischen von Bischof Simón ernannten Pfarrer. Dieser wurde zwischenzeitlich vom Bischof zum Studium der Theologie des Neokatechumenats nach Lima geschickt. Bischof Simón bezeichnet diese Partnerschaft als die am besten gelungene Partnerschaft der Diözese und verspricht die Förderung dieser Partnerschaft. Die Projekte (z.B. Aufforstung) können nun intensiviert werden. Der größere Teil der Landzonen von Magdalena gehörte bis 1987 zur Pfarrei San Pedro. Die Katecheten dieser Landzonen orientieren sich nach San Pedro und besuchen dort Kurse etc. Sie haben keinen Kontakt zur Pfarrei Magdalena und umgekehrt.[32]

In den Pfarreien St. Johannes in Emmendingen („Zur Zeit besteht Sendepause, verursacht durch den Umbruch in der Partnergemeinde und Wechsel des Pfarrteams“) und St. Johann in Freiburg ist die Situation ähnlich wie in Magdalena. St. Johann, Freiburg: „Im März 1996 wird Américo Becerra, ein junger Priester, zum Pfarrer ernannt. Beim Besuch unserer Delegation im Herbst 1996 konnten wir ihn kennen lernen. Die Partnerschaft wird sich mit ihm weiterentwickeln. Leider haben zum Jahresende 1996 die Schwestern die Pfarrei wegen Unstimmigkeiten mit dem Bischof verlassen“. Américo Becerra wurde 1998 von Bischof Simón zum diözesanen Koordinator für die Partnerschaft mit den sechs Freiburger Gemeinden ernannt. Die Nähgruppe (u.a.) löste sich inzwischen auf. Eine kontinuierliche Arbeit mit Gruppen kann nicht geleistet werden.[33]

Pfarrei St. Michael in Grenzach-Wyhlen: 1998 stellte sich die Situation in Celendín folgendermaßen dar (aus der Sicht der Pfarrer und Katecheten von Celendín): Die beiden Pfarrer fühlen sich einer befreienden Landpastoral verpflichtet. Sie haben das volle Vertrauen der Landkatecheten. Seit 1994 versuchen sie ohne Unterstützung von außen und seitens der Diözese eine entsprechende Pastoral aufzubauen. Für die Durchführung von Kursen fehlen die elementarsten Mittel. Die Gemeinde in Deutschland unterhält keinen Kontakt zu den derzeitigen Pfarrern und Katecheten.[34] Spanische Schwestern, mit denen seit 1992 Kontakte bestehen, erhalten neben der Unterstützung von Grenzach noch Hilfe aus Spanien und werden vom Bischof massiv unterstützt (u.a. mit 85.000 Dollar für den Kauf eines Schwesternhauses). Der Bischof besucht die Schwestern regelmäßig, während er auf verschiedene Einladungen der Katecheten nicht reagiert hat. Eine Stütze der Partnerschaft mit Grenzach war neben den Schwestern Pfarrer Manuel Àlvarez. Er wird seit 1992 von Grenzach unterstützt, zuerst für ein Studium in Spanien, dann als Pfarrer von Celendín. Ein Mitglied der Gruppe in Grenzach war 1994 im Rahmen des Freiburger Voluntario - Programms für ein Jahr in Celendín und hatte sich mit Manuel Àlvarez und den Schwestern angefreundet. Manuel Àlvarez musste 1994 auf massivsten Druck der Gläubigen die Pfarrei verlassen (nähere Umstände sind schriftlich bezeugt, stehen hier aber nicht zur Debatte) und war danach ausgerechnet zum Direktor des Prä- Seminars für Knaben in San Luís (Cajamarca) berufen worden, obwohl der Bischof über die näheren Umstände Bescheid weiß. Ein Brief an die Gruppe in Grenzach über die Verhältnisse in Celendín (d.h. wen sie in Wirklichkeit unterstützten und wen nicht), wurde mit einer Verweigerung des Dialogs beantwortet, darin bestärkt vom Ordinariat in Freiburg, das sich jede Einmischung von außen verbat (die darin bestand, dem Wunsch der Katecheten nachzukommen, die Partnergemeinde mit ihren eigenen Worten zu informieren).[35]

c) die sonstigen Pfarreien

Pfarrei St. Martin in Dortmund: Der „Dritte - Welt - Kreis St. Martin“ ist mit Abstand die älteste Gruppe. Die Beziehung mit Bambamarca geht auf einen Besuch von Padre Bartolini zurück, der 1962 von Rom kommend in den Sommerferien als Aushilfe zufällig nach Dortmund vermittelt wurde. Anfangs 1963 wurde Bartolini Pfarrer in Bambamarca. Auch wenn der Kontakt in den ersten Jahren nicht sehr intensiv war, so war die Gemeinde Bambamarca seit 1963 fest im Bewusstsein der Gemeinde St. Martin verankert. Lange Zeit war St. Martin über die Partnerschaft mit Bambamarca hinaus der einzige beständige deutsche Ansprechpartner für die Diözese Cajamarca und Bischof Dammert. Ende der sechziger Jahre wurden die „Informationen aus Cajamarca“ ins Leben gerufen, die aus der „Inkahilfe“ hervorgegangen waren, die wiederum ihren Ursprung in den Rundbriefen von Alois Eichenlaub hatte, der seit 1962 ausführlich und sehr anschaulich und regelmäßig über die Verhältnisse in Cajamarca und in Peru berichtete. Zuerst die einzige, bis heute eine wichtige Plattform für alle Kontakte von und nach Cajamarca, steht die Partnerschaftsarbeit von St. Martin vor einer ungewissen Zukunft, sei es aus Altersgründen, sei es wegen der Veränderungen in Bambamarca und in der Diözese Cajamarca.[36]

Die Pfarrei Hl. Kreuz in Castrop-Rauxel hat seit 1998 eine Partnerschaft mit Mollepampa in Cajamarca. „Der ehemalige Perukreis wurde 1972 gegründet. Der damalige Vikar der Gemeinde, Richard Rademacher, war vor seiner Tätigkeit in Castrop-Rauxel in der Gemeinde St. Martin in Dortmund tätig. Dort bestand schon Kontakt zu Bischof Dammert und seiner Diözese. Herr Rademacher motivierte Herrn Dr. Hülshoff mit ihm nach Peru zu fahren um vor Ort zu sehen, wo Hilfe durch eine Kirchengemeinde möglich sei. Nach der Reise bauten beide eine Partnerschaft zu Bischof Dammert und seiner Diözese auf. Die Perugruppe etablierte sich in der Gemeinde, sie wurde dort anerkannt und geschätzt. Der Pfarrer und einige Mitglieder des Kirchenvorstandes versuchten nach einiger Zeit die Arbeit zu verhindern und die Mitglieder des Perukreises zu verleumden. Erstaunlicherweise gelang das aber nicht, denn die Gemeinde steht noch heute zu ihrer Partnerschaft“.

1997/98 zeigte ein neuer Pfarrgemeinderat Interesse an einer konkreten Gemeindepartnerschaft mit einer Gemeinde in der Diözese Cajamarca. Bisher wurde Bischof Dammert unterstützt (keine konkrete Gemeinde), danach die Arbeit von einigen seiner ehemaligen Mitarbeiter. Dies war nun aber nicht mehr möglich, andererseits war der Gedanke an Cajamarca in der Gemeinde noch sehr lebendig. So erschien es ratsam, angesichts der kirchenpolitischen Umbrüche in Cajamarca gezielt eine Gemeinde (mit Pfarrer) zu unterstützen, die gegen den Strom schwimmend an einer Option für die Armen festhalten will. Eine solche Gemeinde wurde gefunden. Seither gibt es eine lebendige Gruppe in der Gemeinde Hl. Kreuz, bewusst unterstützt von den Gremien der Gemeinde. Durch die Partnerschaft wird auch das Bewusstsein einer Option für die Armen in der Diözese Cajamarca vor Ort gestärkt oder zumindest wachgehalten.

Die Partnerschaft der Pfarrei Maria Frieden in Hannover mit der Gemeinde in Cajabamba ist 1999 beendet worden. Die Gruppe nahm aber noch an der Befragung teil. Der „Cajabamba - Kreis“ der Pfarrei ist diejenige Gruppe, die mit den härtesten Problemen konfrontiert war: Auseinanderbrechen der Gruppe, Terrorismus in der Partnergemeinde (Cajabamba war bis 1992 die vom Terror des Sendero Luminoso am meisten betroffene Zone der Diözese Cajamarca), die Rolle der einheimischen Pfarrer, keine direkten Kontakte (z.B. keine Besuche, keine Spanischkenntnisse), die Gruppe wurde nicht über die skandalösen Vorgänge in Cajabamba (u.a. über den Umgang mit Spenden) informiert, der mangelnde Rückhalt in der eigenen Gemeinde.

Pfarrer Michael Hergl, Pfarrer in Neuhofen, konnte unter den gegebenen Umständen in San Pablo den Gedanken einer Partnerschaft in der eigenen Gemeinde kaum vermitteln. „1993 machte ich eine persönliche Besuchsreise in Lateinamerika; ein paar wenige Tage verbrachte ich dabei in der Diözese Cajamarca. Das Interesse danach an der Reise war gleich Null: Fünf Personen erschienen zu einem Diaabend. .. Interesse war vorhanden, aber es zeigte sich doch, dass ohne eine Gruppe, die sich das Anliegen zu eigen macht, es nicht zu einer wirklichen Verbindung kommt. Es war mir ein wichtiges Anliegen, ging aber in der vielen Arbeit einfach unter. Bei den meisten gab es keine Weiterentwicklung des Verständnisses von Partnerschaft (über das Geldsammeln hinaus). Der vorhandene ökumenische Arbeitskreis ‚Eine Welt’ hatte seine eigenen Projekte und konnte nicht eingebunden werden, weil die Terminplanung dieses AK immer so kurzfristig war, dass ich nie Zeit hatte, an den Treffen teilzunehmen und San Pablo einzubringen“.

Aus den Antworten der Gruppen werden folgende Probleme deutlich: die mangelnde Kommunikation auf allen Ebenen (qualitativ und quantitativ); die Frage nach den Ansprechpartnern, deren Zuverlässigkeit und Repräsentanz; damit verbunden die Frage, wer denn eigentlich die Partner sind und wer die Gemeinde vor Ort repräsentiert; die (meist strukturelle) Schwierigkeit, mit den Bedürftigen (den Adressaten der Spenden) in Kontakt zu treten und deren eigentliche Bedürfnisse erfahren zu können; die Bedeutung des Bischofswechsel; die Frage nach den pastoralen Schwerpunkten (Option) in den Partnergemeinden. Auf die eigene Gruppe bezogen: das eigene Selbstverständnis; die Stellung der Gruppe und der Partnerschaftsarbeit in der eigenen Gemeinde, ihr Ort in der Kirche.

II. Teil: Praxis der Partnerschaft

Ausgehend von den Problemen, die sich aus der Vorstellung der Gemeinden herauskristallisiert und wie sie sich aus der Auswertung der Fragebögen an die Gemeinden ergeben haben, werden einige grundsätzliche Themen zur Diskussion gestellt. Die Auswahl dieser Schwerpunkte richtet sich nach den von den Gruppen selbst genannten häufigsten Schwierigkeiten und sie berücksichtigt den Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Situation in den peruanischen Partnergemeinden.

Ein Ausgangspunkt dieser Studie war es, die veränderte Situation nach dem Bischofs- und Richtungswechsel in Cajamarca und dessen Konsequenzen für die Partnerschaft im allgemeinen und die betroffenen Menschen im besonderen, im Lichte von Glaubenserfahrungen und einer damit verbundenen Option für die Armen, zu deuten. Diese Ausgangssituation der Studie war den Gruppen bekannt bzw. sie waren es, die angesichts einer veränderten Situation in den Partnergemeinden nach einer gemeinsamen Basis und Orientierung suchten. Der Fragebogen wurde gemeinsam mit den Partnergruppen entworfen. Auf dem dritten Ulmer „Cajamarcatreffen“ im September 1997, an dem Vertreter von zehn Gruppen teilnahmen, wurde ein Rohentwurf zur Diskussion gestellt. In Gruppenarbeiten wurden dann Anregungen und Ergänzungen erarbeitet, darauf wurde im Plenum der Fragebogen „verabschiedet“. Einheitlicher Wunsch war, den Fragebogen aufzuteilen in einen gemeinsamen Teil für die Gruppe und einen individuellen Teil für die Gruppenmitglieder. Zusätzlich wurde ein eigener Fragebogen an die Pfarrer der Partnergemeinden erstellt. Dieser und der individuelle Teil können im Rahmen dieses Artikels nicht berücksichtigt werden.[37]

Die Befragungen und die entsprechende Beantwortung durch die Gemeinden fanden um die Jahreswende 1997/98 statt. Alle fünfzehn Gruppen bzw. Gemeinden, die mit Gruppen und Gemeinden in der Diözese Cajamarca in einer partnerschaftlichen Beziehung stehen, haben an der Befragung teilgenommen. In den meisten Gemeinden mussten Anfangshemmnisse überwunden werden, was nur durch ständiges Nachfragen und Motivieren gelang. Bei Nachfragen kam auch immer wieder zur Sprache (oft verschlüsselt), dass man es nicht gewohnt sei, über eigene Erfahrungen, erst recht über eventuelle Schwierigkeiten oder gar Misserfolge, „öffentlich Rechenschaft“ abzulegen. Um so mehr waren die Gruppen danach überrascht, wie fruchtbar und anregend das gemeinsame Ausfüllen war.

Wichtig sind auch die Aussagen, die nicht getroffen, Fragen, die übergangen und Probleme und Schwierigkeiten, die ausgeklammert wurden. Entsprechende Ergänzungen ergaben sich aus Rückfragen an die Gruppen (auch in Peru) und einer Einordnung in einen größeren Zusammenhang auf der Basis der oben genannten Ausgangsfragen und Zielvorstellungen. Aufgrund der angetroffenen Situation in den Gruppen werden Probleme herausgestellt, die grundsätzlicher bzw. struktureller Natur sind und nicht als Kritik an den einzelnen Gruppen zu verstehen sind, denn sie arbeiten innerhalb eines bestimmten Kontextes, der in der Regel als fest zementiert erfahren wird. Ausgehend von den Quellen des Glaubens und den Erfahrungen der Partner ist dieser Kontext - auch im Interesse der Gruppen - zu hinterfragen.

1. Frage nach der Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen

Die deutschen Gruppen sehen sich in erster Linie deswegen als kirchliche Gruppe, weil die Mitglieder schon vorher in der Pfarrei aktiv waren und ihr Ansprechpartner in der Partnergemeinde der Pfarrer ist. Zudem nutzen alle Gruppen die kirchliche Infrastruktur. „Die Treffen und Veranstaltungen der Gruppe finden in kirchlichen Räumlichkeiten statt“. „Die Gruppe arbeitet an der Gestaltung von Gottesdiensten mit“. „Die Kassenführung erfolgt über die Kirchenpflege“. „Die Kontakte zur Partnergemeinde laufen hauptsächlich über Priester und Nonnen in Peru“. „Wir feiern regelmäßige Gottesdienste“.

Um den eigenen Ort in derKirche zu bestimmenwerden „äußere“ Begründungen genannt (Gottesdienst eingeschlossen, weil er hier als funktionaler Faktor genannt wird). Inhaltliche Gründe werden nur vereinzelt und zögerlich auf Rückfrage genannt („als kirchliche Gruppe sind wir für die Erfüllung des weltkirchlichen Auftrags verantwortlich“).

Wenn z.B. die Frauen in den peruanischen Partnergemeinden nach dem Motiv gefragt werden, warum sie eine so große Mühe auf sich nehmen, um regelmäßig in der Gruppe mitzuarbeiten und zu den Versammlungen der Gruppe zu kommen, so antworten sie: „Weil wir getauft sind“.[38] Wie die Katecheten begründen sie ihr Engagement mit dem Hinweis auf ihren Glauben an Jesus Christus, der wie sie inmitten der Armut geboren wurde und der ausgezogen ist, den Beginn einer neuen Zeit zu verkünden. Kirche sind sie selbst, d.h. es ist die Gemeinschaft, die aufgrund ihres Glaubens beginnt, sich und ihr Umfeld im Geiste Jesu zu erneuern.

Von den deutschen Gruppen wird die Kirche hingegen eher als eine Organisationsform gesehen, die bestimmte Dienste anbietet und eine manchmal hilfreiche Infrastruktur besitzt, weniger dagegen als eine „immaterielle“ Größe, z.B. als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes.Die Kirche istquasi das „Gehäuse“, das für die jeweiligen Interessen der Gruppe (durchaus auch zu Gunsten der Gemeinschaft) genutzt werden kann.[39]

Auf die Frage nach dem pastoralen Selbstverständnis der Gruppe antworten nur sechs Gruppen. Dabei werden die Vorbereitung von Gottesdiensten und Werbung für die Partnerschaft genannt. „Wir möchten den AK innerhalb der Gemeinde bekannt machen und den Gedanken der Partnerschaft bewusst machen“. „Wir gestalten den Gottesdiensten an Perusonntagen“. „Wir beteiligen uns an Glaubensseminaren und an der Gestaltung von Gottesdiensten, innerhalb der Gottesdienste in Form von Gebeten, Spenden, Fürbitten“. Die Aktivitäten auf die eigene Gemeinde hin werden von den Gruppen als ihr spezifischer Beitrag zum Gemeindeleben betrachtet. Außer Fürbitten und besonderen Anliegen in den speziellen Gottesdiensten handelt es sich in der Regel um Informationen über die Partnergemeinden und Spendenaktivitäten. Die Aufzählung dieser Aktivitäten nimmt in den Antworten den größten Raum ein. „Der Perukreis veranstaltet Diavorträge, er hat aktiv an Pfarrfesten teilgenommen und über die Situation in Peru informiert, die Resonanz ist normalerweise - wie auch bei Aktivitäten anderer Gruppen - klein, das Erfolgserlebnis relativ bescheiden“.

Der Einsatz der Gruppenmitglieder für die Partnerschaft ist in der Tat eindrucksvoll. Informationen und Spenden sind die Säulen der Partnerschaften. Bei den Informationen steht im Vordergrund, Verständnis für die Probleme der Partner zu wecken, an zweiter Stelle steht die Motivation für die Spenden. Zwar wird von allen Gruppen gewünscht, mehr in die Gemeinde hineinwirken zu können, doch wie das geschehen könnte, bleibt meist vage. Die Vermittlung des Partnerschaftsgedanken wird als schwierig empfunden, weil man in der Gemeinde nicht sehen will (kann), was diese Arbeit hier einbringen soll. Viele Gemeindemitglieder sehen nach Aussagen der Gruppen die Partnerschaft lediglich als eine einseitige Spenden - Patenschaft (Almosen für die Armen), während die Gruppen selbst viel mehr wollen.

m Vergleich der deutschen und peruanischen Gruppen besteht im Verständnis von Pastoral somit ein eklatanter Unterschied. Während in Peru (zumindest in den Gruppen und Gemeinschaften, mit denen alle deutschen Gemeinden ja einen möglichst direkten Kontakt wünschen) die Einheit von Glaube und Alltag, Kult und Praxis und Feier des Glaubens und Gemeinschaft selbstverständlicher geworden ist, scheint es bei uns nicht zu gelingen, diese Einheit herzustellen. Die peruanischen Partner werden geradezu bewundert wegen ihrer Fähigkeit, ganzheitlich zu glauben und zu leben, während gleichzeitig die eigene Praxis als mangelhaft erlebt wird. Um so bemerkenswerter und überraschender ist die Ablehnung eines pastoralen Auftrags im Selbstverständnis der meisten Gruppen. Pastoral wird in den Gruppen (und zu vermuten erst recht in der Gesamtgemeinde) als Aufgabe der Hauptamtlichen betrachtet. Vor allem aber besteht die Tendenz, Pastoral auf Kult zu reduzieren (Sakramente, Gottesdienst). Dafür aber sind Spezialisten zuständig, die dafür ausgebildet wurden und die auch dafür bezahlt werden. Selbst sonst sehr engagierte und fähige Mitarbeiter, ohne die in den Gemeinden wenig geschehen und die in einigen Bereichen noch gerne mehr Verantwortung übernehmen würden, erklären sich für die Pastoral nicht zuständig und/oder nicht kompetent.[40]

Die Gruppen beklagen sich darüber, dass sie von der Gesamtgemeinde als „bloße Sammelvereine“ angesehen werden, sie wollen aber mehr sein. Es ist folgender Zwiespalt zu beobachten: Einerseits möchten sie Erfahrungen aus dem Umgang in den Partnergemeinden in die eigene Gemeinde einbringen; sie möchten eine Kirche unterstützen, die Partei für die Armen ergreift; sie möchten mehr Mitsprache und Verantwortung für die Laien, auch in der Partnergemeinde; sie möchten in der Partnerschaft auch eine spirituelle Dimension sehen. Andererseits lehnen die Gruppen mehrheitlich - wie erwähnt - einen pastoralen Auftrag ab und auf die Frage nach der eigenen Spiritualität weiß man keine Antwort, außer vereinzelt: Gebet und Fürbitten. In einer Gruppe wird das Unbehagen, einerseits eigentlich viel mehr von der Bibel inspiriert leben und arbeiten zu wollen, andererseits aber keinen Weg zu finden, wie dies in Gemeinschaft praktiziert werden könnte, in einem anderen Zusammenhang so ausgedrückt: „Eigentlich möchten wir auch so in einer Gemeinschaft unseren Glauben praktizieren, wie dies unsere Partner tun. Aber irgendwie drehen wir uns immer im Kreis, haben immer etwas anderes zu tun oder wir rennen gegen eine Wand, wann immer wir einen Schritt nach vorne machen wollen“.

Ein weiterer Hinweis, dass die Gruppen durchaus mehr machen wollen als reine Entwicklungsarbeit (und ein Hinweis darauf, was diese Wand sein könnte) ist die Einschätzung aller Gruppen, dass die Partnerschaftsarbeit keinen hohen Stellenwert besitzt, weder in der Gemeinde, noch in der Kirche insgesamt. Die Gruppen werden zwar meist als aktive Gruppe anerkannt und als selbstverständlicher Teil der Gemeinde betrachtet. Dennoch sehen sie sich ganz überwiegend als eine Gruppe am Rande. Dies ist deswegen kein Widerspruch, weil die Gemeinden die Existenz einer solchen Gruppe gerne sehen, weil „Mission“ eben gemacht werden muss und man dankbar dafür ist, dass dies einige in engagierter Weise betreiben. Nur dürfen sich diese dann nicht zu wichtig nehmen oder gar Aufregungen verursachen. Die Gruppe fühlt sich so zwar als notwendige Gruppe anerkannt, aber in ihren Intentionen verkannt und von der Gemeinde nicht getragen. Sie wird innerhalb der Gemeinde dann auch noch kritisiert, wenn sie zu wenig informiert und sie wird auch kritisiert, wenn sie schon wieder informieren will.

Die Gruppen kommen zu dem Schluss: „Partnerschaft führt ein Schattendasein“. „Allgemeine Auffassung: ‚Gut, dass das jemand macht!‘ Wir sehen uns etwas auf verlorenem Posten“. „Wir machen zwar unsere Aktivitäten verschiedener Art, aber erhalten dazu kein Feedback seitens der Gemeinde“. „Wir stehen etwas isoliert da und koordinieren unsere Aktivitäten im Alleingang nach unseren Vorstellungen“. „Partnerschaft wird von manchen als Sache der Gruppe, nicht der Gemeinde angesehen“. „Das Interesse der anderen Gemeindemitgliedern an unserer Arbeit ist sehr gering. Der AK Peru bleibt eine Randgruppe im Gesamt der gemeindlichen Aktivitäten, das liegt auch daran, dass Peru weit weg ist“. „In der Kirche allgemein: Projektarbeit ist wichtiger als Partnerschaftsarbeit, diese hat keinen zentralen Stellenwert“. „Die Gruppe wird kaum zur Kenntnis genommen“.

Wenn Projektarbeit von kirchlichen Stellen als wichtiger angesehen wird (so der Eindruck der Gruppen) als Partnerschaftsarbeit, wird das von den Gruppen als Mangel oder gar Verkürzung der christlichen Botschaft gewertet. Besonders in den Referaten Weltkirche der Diözesen (außer Freiburg) und auch den Hilfswerken (was hier verständlicher ist, denn dies ist deren Hauptaufgabe) geht es nach Auffassung der Gruppen zuerst um vorzeigbare Projekte und entsprechende Statistiken.[41] Allgemein wird festgestellt, dass es leichter wäre, reine Projektarbeit zu machen - was dann auch viele tun, weil sie sich nicht ausreichend unterstützt fühlen.

Im Prinzip weiß man, dass „eigentlich“ eine bessere Koordination mit anderen Gemeinden in Fragen der Partnerschaft notwendig wäre, dass man junge Menschen in die Gruppe integrieren müsste, dass man einfach mehr über die Partner und auch gesellschaftliche und kirchliche Zusammenhänge wissen müsste, doch alle Gruppen fühlen sich in diesen Fragen vor allem deswegen hilflos, weil sie sich in ihrem Engagement nicht ausreichend von „der Kirche“ (der eigenen Gemeinde und kirchlichen Stellen) unterstützt und ermutigt fühlen. Den engagierten Mitgliedern der Gruppen darf man keinen Vorwurf machen, wenn sie ihr Engagement nicht so sehr von der Mitte des Evangeliums oder von ihrer Taufe her begründen. Denn wenn sie es tun, werden sie in ihre Schranken verwiesen. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen scheint man in der kirchlichen Behörde ein Übermaß an Aktivität der Laien und ein entsprechendes Selbstbewusstsein der Gemeinden mehr zu fürchten als deren Passivität (die mit „Frieden und Einheit“ gleichgesetzt wird, während das ehrliche Ringen um menschlichere und dem Evangelium gemäßere Formen als Streit und Aggression gegen die Kirche gedeutet wird). Wenn keine Gruppe im Zentrum der Gemeindeaktivitäten steht, dann bedeutet das, dass keine Gemeinde die Partnerschaft in den Mittelpunkt ihrer Gemeindepastoral stellt. Die Partnerschaftsgruppe (wie auch jede andere Gruppe in der Gemeinde) ist für die Gemeinde (und Kirche) nicht konstitutiv.[42]

Auch das Hauptargument der fehlenden Zeit, das von allen Gruppen genannt wird und der damit zusammenhängenden Überlastung lässt darauf schließen, dass in der Rangfolge der Prioritäten und Bedürfnissen ein fundamentaler Unterschied zwischen deutschen und peruanischen Gruppen besteht. Während hier die Menschen wenig Zeit benötigen, um für den existentiellen Lebensunterhalt zu sorgen, aber dennoch keine Zeit haben, weil sie mit Dingen beschäftigt sind, die über das Existentielle hinausgehen, ist es in Peru anders herum: Die Menschen brauchen viel Zeit, um das Überleben zu sichern, haben aber darüber hinaus mehr Zeit - Zeit, die sie in die Gemeinschaft investieren, in die Verbesserung ihrer Beziehungen, aber auch in die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Was ist für die Menschen hier existentiell so wichtig, dass sie trotz immer noch steigendem Wohlstand (auf die Mehrzahl der Gruppenmitglieder bezogen) in immer größeren Druck geraten bzw. sich immer mehr selbst unter Druck setzen? Im Grunde ist diese Frage nach den Prioritäten eine Frage nach dem Ersten Gebot, eine Frage nach Gott.

Was bedeutet es für die Verkündigung der Botschaft Jesu , wenn selbst für engagierte Gemeindemitglieder die Verkündigung der Botschaft Jesu bzw. ein Ausrichten an seiner Botschaft entweder nicht mehr absolute Priorität hat oder (innerhalb bestimmter gesellschaftlicher und kirchlicher Strukturen) für utopisch und nicht realisierbar angesehen wird? Umgekehrt: nimmt man die eigene Taufe und damit die Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus ernst, bleibt eine verschwindend kleine Zahl von Menschen, die unter den Bedingungen dieser Gesellschaft und der heutigen Zeit bereit wären, den Anbruch der Herrschaft Gottes zu verkünden und dies zeichenhaft in Gemeinschaft zu leben (als Kirche). Diese Gemeinschaft hätte dann mit der zu noch 70% „christlichen Gesellschaft“ wenig gemein.[43]

2. Kommunikation (Besuche, Begegnung, Projekte)

Einleitung:
Die Eucharistie ist das Grundsakrament von Kirche. Die Eucharistie hat ihre Wurzeln in der Feier des Auszugs aus der Sklaverei und in den Worten und Taten Jesu (Umkehr und Verkündigung des Reiches Gottes, dessen Zeichen u.a. die Tischgemeinschaft mit den Ausgeschlossenen und das gemeinsame Festmahl ist). Sie bedeutet, dass Jesus als Christus gegenwärtig ist, wenn Menschen in seinem Namen das Brot teilen (die Gaben der Schöpfung und all das, was Menschen zum Leben brauchen). Sie ist Vorwegnahme der Gemeinschaft mit Gott und allen Menschen, einer Gemeinschaft, in der alle Kinder Gottes „das Leben in Fülle“ haben werden. Dieser Anspruch von Eucharistie lässt sich nicht nur einlösen durch die sogenannte Sonntagspflicht. Voraussetzung für Eucharistie ist eine entsprechende Praxis bzw. eine entsprechende Praxis ist bereits Eucharistie, wenn diese Praxis ihren Ausdruck findet in einer gemeinsamen Feier.[44] Wenn nun deutsche Gruppen im Namen Jesu mit den Bedürftigsten das Brot teilen (und das wollen sie), dann ist das konstitutiv für Kirche. Nach den Aussagen der Gruppen, findet aber die Mehrheit der Gruppen keine Wege, um mit den Bedürftigsten in einen engeren Kontakt und Dialog einzutreten, der Voraussetzung für Begegnung und miteinander Teilen ist.

a) Ansprechpartner:
Der Wunsch aller Gruppen ist ein direkter Kontakt zu den Gruppen der Partnergemeinde und zur Partnergemeinde insgesamt. Als ein Hauptproblem der Partnerschaften erweist sich die Frage nach den Ansprechpartnern in den Partnergemeinden (Partnerschaft mit wem?).

Drei deutsche Gruppen stehen in direktem Kontakt zu Basisgruppen in der Partnergemeinde. Diese direkten Kontakte werden nach Ausschöpfen aller „kirchlich legalen“ Möglichkeiten und Gesprächsangeboten nun unter Umgehung der Gemeindeleitung und gegen den Willen des Bischofs (jeweils in Peru) praktiziert. In anderen Gruppen besteht ein wachsendes Misstrauen, dass der jeweilige Pfarrer der Partnergemeinde nicht (mehr) die dortige Gemeinde repräsentiert und das verbreitete und anerzogene Bild vom Pfarrer als Verkörperung und Repräsentant der Einheit einer Gemeinde gerät ins Wanken. Besonders die Freiburger Gemeinden sind hier betroffen und sind auch am hilflosesten.[45] Der Wunsch nach direkten Kontakten deutscher Gemeinden mit den Ärmsten kommt in Konflikt mit der realexistierenden Gemeindesituation in den Partnergemeinden, in denen mehrheitlich die Pfarrer allein „Besitzer“ der Partnerschaft oder nicht behilflich sind, Kontakte zu den einzelnen Gruppen zu ermöglichen bzw. solche Gruppen überhaupt nicht wollen (besonders nicht auf dem Land, was wiederum für die deutschen Gemeinden am attraktivsten wäre).

Ein Ausweg besteht darin, die Frage, wer und was Gemeinde ist, wer die Träger der Partnerschaft sind und wer und was die bleibende und konstitutive Konstante in der Beziehung zweier Gemeinden ist, zu verdrängen. Oder die Probleme mit den Ansprechpartnern werden als spezifisches Lokalkolorit Cajamarcas gesehen, was im Grunde nichts mit (weltweiten) kirchlichen Strukturen zu tun hat und was letztlich akzeptiert werden muss. So wird nur in seltenen Fällen wahrgenommen, dass die peruanischen Partnergruppen erwarten, dass die deutschen Gemeinden Stellung beziehen und sie angesichts der Anmaßungen der offiziellen Kirche nicht im Stich lassen. Viele deutsche Gruppen übernehmen (mangels Alternative und aus den genannten Gründen) die Haltung der offiziellen Kirche, nach der die Einheit mit dem jeweiligen Bischof wichtiger ist als die Einheit mit den Ausgegrenzten. Den Gruppen ist diese Haltung in ihrer Konsequenz meist nicht bewusst, führt aber in der Praxis gerade zu einer Verweigerung der Partnerschaft mit den Bedürftigen, weil man die Terminologie der Amtsträger verinnerlicht hat (Ideologie einer Einheit und Comunio von oben), anstatt von den Armen und dem Evangelium her zu argumentieren und mit den Armen die Einheit und die Tischgemeinschaft zu suchen und Pfarrer und Bischof dazu einzuladen.[46]

b) Projekte:
Die Tischgemeinschaft „materialisiert“ sich in den jeweiligen Projekten bzw. in der finanziellen Unterstützung derselben durch Spenden. Die Vorschläge für die Projekte kommen immer von den Partnern. Dies sind meist die Pfarrer oder die Schwestern. Bei den drei Gemeinden mit Direktkontakten kommen die Vorschläge auch von den Gruppen direkt. Entschieden über die Projekte wird in der Gruppe hier.

Die Art der Projekte: (nach Häufigkeit geordnet)

  • Pastoral- und Weiterbildung, Pfarrei: Förderung der Voraussetzung der Seelsorge, vor allem Katechetenausbildung, Campesino - Treffen (Schulung, Finanzierung von Katechese.); Bau von Versammlungshäusern; Bau eines Pfarrzentrums und Kirchenbauten, Kapellen auf dem Land, Beschaffung von Versammlungsräumen und Unterkünften für Gruppen; Versammlungsräume für Frauen- und Müttergruppen;
  • Landwirtschaftliche Projekte: landwirtschaftliche Projekte wie neues Saatgut, verbesserte Tierzucht, Kanalbau und Bewässerung, Einrichtung einer Getreidemühle, Aufforstung, Erlernen neuer Anbaumethoden, Anlegen von Mustergärten, Zucht von Kleintieren und Gartenanbau zur Unterstützung der Mittagstische, Gewächshäuser, Wasserleitung und Wasserzisterne.
  • Gesundheit: Botequines, Gesundheitsförderung, Gesundheitsfond für anfallende Krankenhauskosten, ein Klein - Apotheken - Projekt, Soforthilfe für Kranke und deren Angehörige und zur medizinischen Vorsorge.
  • Ausbildung: Lehrergehälter, Ausbildungsunterstützung, Schulbau und Solarenergie für die Schule, Einrichtung und Unterhalt von Kindergärten; Ausbildung im Handwerk, Alphabetisierung; Nähschule, Strick- und Webwerkstatt, Bau des Schulhauses und Ausrüstung der Schule, Durchsetzung von Ernährungsprogrammen; Aufbau der Mütterklubs und Bau des Klubhauses; Kinderhort, Frauenberatung, Kleinkreditwesen der Mütterclubs.
  • „Caritas“: Comedores (Gemeinschaftsküchen), Lebensmittelhilfe, Hilfe für Schuhputzerjungen in Cajamarca, Schaffung einer Volksküche, Unterstützung arbeitender Kinder
  • •Sonstige: Umsiedlungsmaßnahmen bei Staudammprojekt, Straßenbau, Autokauf (in den meisten Partnergemeinden).

In drei Gemeinden lag ein gezielter Schwerpunkt auf der Ausbildung von Katecheten. Ansonsten überwiegen in dieser Reihenfolge (nur aufgrund der Nennungen, nicht der Beträge, da diese selten genannt werden): Ausbildung und Katechese (gemeint sind meist die laufenden Kosten einer Pfarrei), Landwirtschaft, Gesundheit und die entsprechenden Bauten (Infrastruktur). Diese Schwerpunkte sind in etwa vergleichbar mit den Schwerpunkten bei Misereor. Frauenarbeit spielt außer in zwei Gemeinden keine (wichtige) Rolle, vor allem dort nicht, wo die Partnerschaft über den jeweiligen Pfarrer läuft. Dies ist um so bemerkenswerter, weil es die Frauen sind, die am meisten benachteiligt (unterdrückt) sind, die in den Partnergemeinden die Arbeit leisten und mit denen am ehesten Veränderungen zu verwirklichen sind. Die deutschen Gruppen sehen dies auch (im Prinzip) so, finden aber wiederum keine Möglichkeiten, über ihre Ansprechpartner in diesem Sinne einzuwirken.

Projektverantwortliche sind die jeweiligen direkten Ansprechpartner. Als eigentliche Adressaten der Gelder (für wen eigentlich bestimmt) werden durchgehend die Ärmsten genannt. Auch wenn rein technische Projekte wie Bauten, Landwirtschaft usw. überwiegen und als leichter abwickelbar angesehen werden, möchten doch alle Gemeinden, dass in den Partnergemeinden mehr Gruppen entstehen, dass Katecheten mehr Verantwortung übernehmen und auch pastorale Fortschritte (einheimische Kirche, Rolle der Laien, Basisgemeinschaften) gemacht werden.
 
Die meisten befragten Gemeinden geben nur zögerlich Auskunft über die Projekte, vor allem wenn es um Probleme oder die Höhe der Spenden geht. In den deutschen Gemeinden ist Transparenz im Unterschied zu den peruanischen Gemeinden selbstverständlich, ebenso eine demokratische Entscheidung über die Spenden (in mindestens zwei Gemeinden haben aber die jeweiligen deutschen Pfarrer damit ihre Probleme). In zwei anderen Gemeinden wird das Problem „heimlicher“ Überweisungen von Pfarrer zu Pfarrer genannt. Über die Höhe der bisherigen „Investitionen“ machen nur sechs Gemeinden genaue Angaben. Die mit Abstand größten Beträge zweier Gemeinden (Dortmund, Ulm) erreichen bei regelmäßigen Überweisungen eine Größenordnung von je 60.000 bis 90.000 DM jährlich. Von Herzogenaurach gingen größere Beträge über Misereor und Adveniat an die Partner, von Ulm einmal 50.000 DM an das "DAS“ (Sozialarbeit der Diözese).
 
Aus Rückfragen und anderen Informationsquellen aus den Gemeinden (Pfarrbriefe, Rechenschaftsberichte usw.) ergibt sich folgendes Gesamtbild: 1997 wurden von den fünfzehn Gruppen insgesamt etwa 250.000 DM an die Partnergruppen in Peru transferiert (zu beachten ist, dass über die Hälfte dieses Betrages allein von den beiden genannten Pfarreien in Ulm und Dortmund aufgebracht wurde). Auf die durchschnittliche Dauer der Partnerschaften von zehn Jahren umgerechnet, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 2,5 Millionen DM. Ohne diese Summe hätte vieles von dem, was in der Diözese Cajamarca im Sinne einer „Kirche mit Poncho und Sombrero“ aufgebaut wurde, nicht realisiert werden können. Diese Leistung ist umso höher einzuschätzen, wenn man berücksichtigt, dass diese Unterstützung meist die Infrastruktur und Pastoral- und Sozialarbeit von einzelnen Gemeinden gestärkt oder gar erst ermöglicht hat - im Unterschied zu vielen Projekten der Hilfswerke, die eher pfarrübergreifend wirken. Nicht vergessen werden darf, dass durch die bestehenden Partnerschaften einige Projekte der Hilfswerke erst ermöglicht bzw. in die Wege geleitet wurden. Auf diese Bilanz können die Partnerschaftsgruppen mit Recht stolz sein.
 
Die Projektförderung steht für alle Gruppen im Zentrum ihrer Arbeit. Projekte wirken wie ein Gravitationszentrum, das alle Kräfte zusammenführt. Um so erstaunlicher ist es, dass nur ganz vereinzelt auf das Fachwissen der Hilfswerke (Misereor) zurückgegriffen wird. Eine Beratung durch Misereor erscheint dann dringend, wenn das Projekt eine bestimmte Größenordnung überschreitet, z.B. wenn die Kosten höher liegen, als die Gruppe durchschnittlich in einem Jahr an Spenden aufbringen kann. In mindestens der Hälfte der befragten fünfzehn Gemeinden wurde ein größeres Projekt (ab 10.000 DM) in den Sand gesetzt. Ein Problem ist, dass gezieltes Nachfragen bei den Partnern (Ansprechpartner) schon im Vorfeld des Projektes auf Misstrauen stoßen kann. Dies ist dann um so wahrscheinlicher, wenn der jeweilige Pfarrer allein verantwortlich für das Projekt ist und ist nie der Fall in den Partnergemeinden, in denen die Verantwortung für die Projekte unter Mitwirkung der Betroffenen auf mehreren Schultern verteilt ist. Weil es in letzteren Gemeinden bereits vor der Antragstellung innerhalb der Gruppen, Komitees etc. zu Diskussionen kam, ist es für die Antragsteller selbstverständlich, dass auch die Geldgeber, die als vertraute Partner erlebt wurden, ihre Meinung zu den vorgeschlagenen Projekten äußern dürfen.


Sechs Gruppen schreiben ausführlicher über ihre Erfolge und Schwierigkeiten in der Projektarbeit. Die anderen Gruppen lassen dieses Thema aus. Als Erfolge werden genannt: Emanzipation, Stärkung der Eigenverantwortung von Gruppen, das Bewusstsein „wir sind Kirche" und materielle Verbesserung der Lebenssituation der Partner. Weiterhin werden aufgezählt: Aufbau und Ausgestaltung von Schulen, Zufriedenheit über den Ablauf vor allem kleinerer überschaubarer Projekte und überschwängliche Dankesbriefe, die als Motivation für die eigene Gemeinde sehr wichtig sind.

Häufigste Schwierigkeiten sind: Fehlplanung, kurzfristige Änderung eines Projekts ohne Absprache, mangelnde Wartung und Instandhaltung, persönliche Interessen von Gemeindemitarbeitern drüben (führte zum Abbruch zu diesen und zur Neuorientierung in der Partnerschaft), der Wunsch des Bischofs, alle Hilfsgelder an sich zu ziehen und Probleme beim Pfarrerwechsel.

Angesichts dieser Schwierigkeiten sollten sich deutsche Gruppen nicht scheuen, mit ihren Partner über gewisse Spielregeln bezüglich des Geldtransfers zu sprechen. Es ist für die peruanische Partnergemeinde eine große Hilfe zu erfahren, wie sehr die deutsche Partnergemeinde darum kämpfen muss, Spenden zu erhalten. Dies können sich viele Menschen in Peru nicht vorstellen bzw. sie haben falsche Vorstellungen. Berichte und Informationen über die verschiedenen Aktivitäten der hiesigen Gruppen, um Spenden für die Partnerschaft zu erhalten, zeigen den Partnern auch die Ernsthaftigkeit und das Engagement, das hinter dieser Partnerschaft steht. Es ist auch immer wieder zu betonen, dass die Spendengelder nicht uneingeschränkt für jeden beliebigen Zweck zur Verfügung stehen und es sich auch nicht um beliebige Gelder handelt. Die Partnerschaftsgruppe verwaltet nur treuhänderisch die Gelder und ist den Spendern gegenüber Rechenschaft schuldig. Deswegen kann es auch nicht egal sein, was in Peru mit den Geldern geschieht. Erst recht müssen die Spender darauf vertrauen können, dass kein Missbrauch geschieht. Ebenso ist es ratsam, die Partner darauf aufmerksam zu machen, dass hier die Spenden und deren Verwendungszweck öffentlich und demokratisch verwaltet werden. In den meisten peruanischen Partnergemeinden ist dies aber nicht der Fall. Auch die Partner können von deutschen Gruppen lernen. So ist es hierzulande, um nur ein Beispiel zu nennen, die Regel, dass alle Gelder und Haushaltspläne, sowohl der einzelnen Gruppen als auch der Gesamtgemeinde und darüber hinaus, öffentlich sind und dass darüber demokratisch entschieden wird. In der Mehrzahl der Partnergemeinden sind demokratische Gremien nicht so strukturell und institutionell verankert wie in Deutschland - und damit der Willkür eher ausgeliefert.
 
In den deutschen Partnergruppen wird allgemein bedauert, dass von den Betroffenen sehr wenig Rückmeldungen kommen. Dennoch möchte man nicht kontrollieren um nicht als „Kolonisator“ zu erscheinen. Die meisten Gruppen stehen aber in dem Dilemma, einerseits sich den Spendern verantwortlich zu fühlen und diese auch entsprechend zu informieren und Rechenschaft abzulegen und andererseits den Partnern gegenüber äußerst verständnisvoll zu sein und keine unnötigen bürokratischen Hürden einzubauen. Denn gerade darin möchte man sich ja von den großen Hilfswerken unterscheiden (ohne allerdings, die Arbeitsweise, Form der Projektbegleitung, Grundlagen und Zielvorstellungen, z. B. von Misereor genau zu kennen). Eine entschiedenere Begleitung der Projekte seitens der deutschen Gemeinden wäre wünschenswert. Dabei könnten die Erfahrungen der Hilfswerke von großem Nutzen sein, doch werden diese Erfahrungen aus verschiedenen Gründen wenig genutzt bzw. es besteht ein Informationsdefizit (beiderseits).
 
Weil es zu wenigen Rückmeldungen kommt, kann nur sehr undeutlich wahrgenommen werden, was die Gelder bei den Adressaten bewirken oder welche Empfindungen sie auslösen können. Es ist aber auf Dauer nicht durchzuhalten, einerseits den Ärmsten helfen zu wollen, gar in einen konstruktiven Dialog „von Angesicht zu Angesicht“ eintreten zu wollen, andererseits aber ständig mit der „Unmöglichkeit“ eines direkten Kontaktes konfrontiert zu werden. Auch kann durch die kaum vorhandene Wahrnehmung der Empfindungen der Betroffenen nicht überprüft und notfalls korrigiert werden, ob der eingeschlagene Weg der Partnerschaft und Projektarbeit nicht doch zuletzt nur die bisherigen Muster der Abhängigkeit verstärkt oder nicht. So kann z. B. durch „vorschnelle“ Geldüberweisungen und ohne sonstigen Kontakte der Eindruck bei den Adressaten verstärkt werden, dass die reichen Deutschen als reine „Geldesel“ betrachtet werden (wollen) und dass es sehr dumm sei, ihnen nicht diesen Gefallen zu tun. Es ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen der „Leistungsbilanz“ und dem, was darüber hinaus noch möglich wäre, wenn die Kommunikation besser wäre.

c) Besuche:
In allen Gemeinden kam es zu Besuchen. Das persönliche Kennen lernen ist für alle Gemeinden ein unverzichtbarer Bestandteil der Partnerschaft. Die Besuche werden einhellig als entscheidend und wegweisend für die Partnerschaft genannt. „Besuche sind sehr wichtig für beide Seiten, persönliche Beziehungen tragen die Partnerschaft hier und dort“. „Der Stellenwert ist sehr hoch, Verteilung der ‚Lasten‘ hier auf mehrere Schultern“. „Die Besuche sind das feste Bindeglied zwischen uns und den Partnern und das fruchtbarste Lernfeld in der Partnerschaft“. „Durch die Besuche kann man sich ein besseres Bild machen über die reale Lebensweise der Menschen und Probleme und daraus resultierende Wünsche besser in konkrete Projekte umsetzen. „Den Stellenwert der Besuche schätzt die Gruppe sehr hoch ein, bisher wurden aber die Besuche nicht genügend vorbereitet, die Partnerschaft ist ‚Mensch‘ geworden und ist den Leuten bewusst geworden“.
 
Nach den Berichten aus den Gruppen war der Besuch in Peru mit weitem Abstand das schönste Erlebnis innerhalb der Partnerschaft. Mehrheitlich sind es die Besuche auf dem Land, die in Erinnerung bleiben. Wo es nicht zu diesen Besuchen auf dem Land kam, wurde dies schmerzlich vermisst. Das bedeutet, dass man gerne auf das Land gegangen wäre, dies aber z.B. vom Pfarrer der Partnergemeinde nicht vorgesehen war. Die Besucher möchten das Leben der Ärmsten (nicht nur auf dem Land) aus der Nähe kennen lernen, sie möchten deren Hütten sehen, wissen, was sie essen und wie und von was sie leben. Von diesen Armen eingeladen zu werden, ist für die Besucher das schönste Erlebnis bzw. wäre der größte Wunsch. Man erinnert sich zuerst an die überschwängliche Gastfreundschaft, an die Freude und Begeisterung der Menschen und an die gemeinsamen Gottesdienste. Je ärmlicher dabei die Umgebung und um so ärmer die Menschen, desto nachhaltiger ist die Erinnerung.
 
Diese so entstandene, stark emotionale Verbindung ist es, die viele Besucher heute zum Durchhalten befähigt. Das Band der Zärtlichkeit ist das Fundament einer stabilen und echten Beziehung und es ist diese zärtliche Verbundenheit, die über alle Unterschiede hinweg trägt und so auch Rückschläge verkraften kann. Gerade die Menschen, die sich auf diese Ebene der Beziehung eingelassen haben, leiden dann am meisten, wenn die Partner der Willkür von „Autoritäten“ ausgeliefert sind. Sie können dann auch ihre Betroffenheit - selbst in der eigenen Gruppe - nur sehr schwer denen vermitteln, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben oder rein formalistisch und legalistisch z. B. von den nun mal so vorhandenen kirchlichen Strukturen sprechen. Theoretische Erkenntnisse oder moralische Appelle vermögen vielleicht Einsichten zu schaffen, geben aber allein nicht die Kraft und bewirken keine Veränderung. Verhaltensänderungen, von denen vereinzelt berichtet wird, beruhen auf dem direkten Erleben von Elend und Unterdrückung im Zusammenhang der Begegnung mit den Partnern. Verhaltensänderung wird hier im Sinne von Bekehrung und Umkehr verstanden.
 
Ist man bereit, diese Begegnungen und Verhaltensänderungen als religiöse Ereignisse ersten Ranges zu sehen, dann wird deutlich, dass es farbenfrohe, sinnliche und bewegende Momente sind, die den Menschen in seinem Innersten bewegen und Religion (Offenheit für das Andere) konstituieren. Eine Begegnung mit dem „Anderen“ kann die Voraussetzung dafür schaffen, dem ganz „Anderen“ begegnen zu können (und umgekehrt). Dass es sich dabei auch um tiefe mystische und spirituelle Erlebnisse handelt, wird allerdings von den Betroffenen kaum so erfahren, da man wenig gelernt hat, in diesen Kategorien zu denken und zu sprechen.[47] Man wird überwältigt, ohne zu wissen, was wirklich geschieht. Die Erschütterung, im notleidenden Nächsten das Antlitz des gekreuzigten Christus zu entdecken, ist der entscheidende Moment einer persönlichen Bekehrung und Umkehr - und um so wichtiger, wenn diese „grenzüberschreitenden“ Glaubenserfahrungen in den eigenen Gemeinden nicht gemacht werden (können). Der „normale“ Gemeindegottesdienst, als eigentlich dichteste Form der Gemeinschaft mit Gott und den Menschen, bietet offensichtlich nicht genügend Raum für solche Erfahrungen.Es sind dagegen gerade die erlebten Gottesdienste mit Campesinos (mit oder ohne Priester), die für einige Besucher zum ersten Mal erahnen lassen, was es heißt, mit den Armen das Brot zu teilen und gerade so die Gegenwart Gottes zu spüren. Etliche Besucher berichten von Tränen, derer sie sich nicht schämten. In den Gruppen sind diejenigen die aktivsten, die von solchen Erlebnissen erzählen können. Sie sind mit dem Herzen dabei, weil sie sich anrühren ließen und sich geöffnet und „ausgeliefert“ haben. Wo die Beziehung aber nur auf rein rationaler Basis besteht, finden sich auch bald rationale Argumente, um die Beziehung abzubrechen.
 
Wenn (reiche) Menschen den Armen begegnen und in ihnen gar das Antlitz des gekreuzigten Christus entdecken, wenn sie aus dieser Erfahrung heraus zu einem neuen Engagement finden, werden sie gerade deswegen in der eigenen Gemeinde zu Außenseitern. Die Gemeinde ist permanent „mit anderen Dingen, einer Unmenge von Dingen, beschäftigt“, wie es eine Besucherin ausdrückt, aber sie ist nicht in der Lage oder hat keine Zeit, sich wirklich auf die in der Partnergemeinde gemachten Erfahrungen einzulassen. Überspitzt formuliert: die christliche Kirche in reichen Ländern (und deren kolonialen Ablegern bzw. Abziehbildern in armen Ländern) droht ihr Fundament zu verlieren, weil Jesus Christus (Worte, Taten, Tod und Auferstehung) eine höchstens sekundäre Rolle spielt. Es funktioniert aber noch der Apparat, den man bei Bedarf in Anspruch nimmt, weil man ja auch Steuern bezahlt.[48]
 
Wenn die Eucharistie in ihren drei Dimensionen (Erinnerung - Gegenwart und Praxis - Vision und Zukunft) und ausgedrückt im Bild des Brotteilens und des gemeinsamen Mahles, das Grundsakrament von Kirche ist, ist es für kirchliche Gruppen von entscheidender Bedeutung, dass sie auf die Voraussetzungen, um mit denen das Brot teilen zu können, die vom Herrn zum Festmahl geladen sind, größten Wert legen. Zu diesen Voraussetzungen gehören der Kontakt mit den direkt Betroffenen, die Möglichkeit einer wirklichen Begegnung und eine effiziente materielle Unterstützung (Teilen). Wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, steht nicht nur die Partnerschaft, sondern die Möglichkeit von weltweit Kirchesein auf tönernen Füßen.
 
3. Einheit (Trennung) von Sozial- und Pastoralarbeit
 

In den Partnergruppen und den Gemeinden gibt es einen Widerspruch: Im eigenen Selbstverständnis und in der konkreten Partnerschaftsarbeit (Projektarbeit) ist der pastorale Aspekt weniger ausgeprägt, der eigene Auftrag und die Zielsetzung wird nur selten „von den Quellen“ her begründet, das Soziale steht eindeutig im Vordergrund. Im Bezug auf die eigene Gemeinde und Gesellschaft steht dagegen das kultische Element im Vordergrund (Pastoral in seiner verengten Bedeutung) und die eigene Wirklichkeit (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik) wird selten im Lichte des Glaubens analysiert und folglich werden auch selten praktische und gesellschaftspolitisch relevante Konsequenzen daraus gezogen - das Soziale wird so in der eigenen Glaubens- und Gemeindepraxis vernachlässigt (ist sekundär). Dies wird in vier ausgewählten Beispielen deutlich.
 
Diskussion um „Politik“ (innerhalb der Gruppen): In fünf Gemeinden (d.h. nur diese berichten darüber) kam es immer wieder zu heftigen Diskussionen um politische Fragen. „Die Frage, wie politisch dürfen wir sein? (Entschuldung, Jugendarbeitslosigkeit etc.), standen immer im Zentrum der Diskussion“. „Konflikte um die Theologie der Befreiung wurden in den Gruppen, teilweise auch in der Gemeinde, kontrovers diskutiert“. Das Engagement in der Friedensbewegung führte zu weiteren Konflikten, einmal gar zum Ende als MEF. In drei Gemeinden kam es zu Spannungen zwischen „Machern und Betern“, in zwei Gemeinden wurden die Spannungen durch den Auszug der „Macher“ bereinigt. In allen Gemeinden, in denen es innerhalb der Gruppe zu Konflikten kam, wurden die Konflikte dadurch gelöst, dass sich ein Teil der Gruppe (meist der „politischere“ Teil) zurückzog, resignierte oder sich anderswo engagierte. Dabei ging es stets um die Frage, ob bzw. wie eine kirchliche Gruppe sich in die Politik einmischen darf und ob ein Zusammenarbeiten mit nichtkirchlichen Gruppen (die durchweg als „links“ und als kirchenkritisch eingestuft wurden) erlaubt sei. In den Anfangsjahren der Partnerschaft waren mehr Menschen bereit, in den Gruppen mitzuarbeiten, die nicht primär vom kirchlichen Milieu geprägt waren. Der Kirche sonst Fernstehende sind in den kirchlichen Gruppen nicht (mehr) zu finden.
 
Das Milieu der Gruppen in der Gemeinde und damit die Gemeinde selbst wird immer mehr verengt, d.h. sie finden keinen Zugang zu anderen Milieus und umgekehrt. Folglich wird heute in der Mehrheit der Gruppen eher ein Rückgang von Veränderungsmöglichkeit in der Gemeinde und im gesellschaftlichen Umfeld festgestellt als zu Beginn der Partnerschaft. Von einer Aufbruchstimmung in den Gruppen oder gar Gemeinden ist nicht (mehr) viel zu spüren. Die Gruppen sind angepasster geworden. Inwieweit dies die Möglichkeiten einer „Partnerschaft mit Außenseitern“ (auch in der eigenen Gemeinde) erschwert, kann hier nicht verifiziert werden. Doch prinzipiell neigen sich verengende Gruppen eher dazu, sich abzuschotten, als sich zu öffnen. Kann vielleicht nicht doch durch eine Partnerschaft mit Ausgegrenzten gerade diese Verengung aufgebrochen werden?

In den Anfangszeiten gab es mehr Reibereien und Auseinandersetzungen mit der Gemeinde. Als „Gemeinde“ wurde hier von den Gruppen meist der (von Männern dominierte) Kirchenrat wahrgenommen, der parteipolitisch ausgerichtet war oder auch die Gottesdienstgemeinde, die von „rein politischen“ Themen wenig wissen wollte. Anlass für Konflikte war stets der Verdacht politischer Einseitigkeit und mangelnder Kirchlichkeit.
 
Standort in der eigenen Gesellschaft:
Für einen Katecheten in einer Comunidad ist es selbstverständlich, seinen Standort in der Gesellschaft zu bestimmen. Er erfährt sich als ein Ausgeschlossener, als Opfer von Verhältnissen, die von Menschen so eingerichtet sind, dass einige Wenige davon profitieren und Viele darunter leiden. Diese Standortbestimmung wird nicht nur erfahren, sondern der Katechet kann auch in der Regel erklären, warum das so ist und welche wirtschaftlichen Interessen dahinter stehen. Vor allem aber weiß er, dass diese Fragen fundamental mit seinem Glauben an den biblischen Gott des Lebens zusammenhängen. Aufgrund seines Glaubens beginnt er diese Gesellschaft zu verändern, weil er z.B. glaubt, dass es nicht Gottes Wille ist, dass seine Kinder nichts zu essen haben, keine Schule besuchen können und als „Indios“ weiterhin verachtet werden. Wegen seinem Glauben sieht er das globale Wirtschaftssystem nicht als gottgegeben an, sondern als eine der Ursachen für die weltweit zunehmende Verelendung. Es gehört zu seinem Glauben, diesem gottlosen System zu widerstehen und er weiß um Alternativen aufgrund seines Glaubens. Er kennt in der Regel besser die grundsätzlichen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils und weiterer kirchlicher Dokumente als vergleichbar Engagierte in deutschen Gemeinden. Er weiß, was z.B. eine bestimmte Finanz- und Wirtschaftspolitik mit dem Glauben zu tun hat und kann seinen Glauben und sein damit zusammenhängendes Engagement glaubwürdig begründen. Er ist von den Auswirkungen einer entsprechenden Politik direkt betroffen.
 
Wer stellt die entsprechenden Fragen innerhalb der deutschen Gemeinden und der deutschen Kirche? Welchen Standort nimmt der Einzelne und die Kirche innerhalb dieser Gesellschaft ein, die Wenigen (und dazu gehört die deutsche Kirche mit ihren Mitgliedern) weiter wachsenden Wohlstand bringt? Es geht hier nicht darum, fertige Antworten zu produzieren, vielmehr soll auf die Unterschiede in der Betrachtungsweise zwischen christlichen Gemeinden der Einen Kirche, die in Partnerschaft verbunden sind, hingewiesen werden. Alarmierend ist es, wenn deutsche Gemeinden offensichtlich nicht in der Lage oder willens sind, alternative Wege zu den wirtschaftspolitischen und finanziellen Interessen der Mächtigen zu suchen oder gar beispielhaft als christliche Gemeinschaft alternativ zu leben.[49] Veränderungen in der Gesellschaft werden von einem Großteil der Gesellschaft lediglich in Richtung von noch mehr Freiheit für den Kapitalverkehr und noch mehr individueller Selbstverwirklichung diskutiert und die damit verbundene Verheißung nach mehr Wohlstand hat den Platz der biblischer Verheißungen von mehr Gerechtigkeit eingenommen. Es wäre eine Aufgabe christlicher Gemeinden, im Namen ihrer Partner ihre Stimme zu erheben.
 
Diakonie aus der Mitte der Gemeinde - Caritas
: Für die christlichen Gemeinschaften in den Partnergemeinden in Cajamarca erwächst der Dienst am notleidenden Nächsten aus der Mitte des Glaubens heraus und er hat seinen „Sitz“ in der Mitte der christlichen Gemeinschaft. Wenn in einem Mütterklub oder in einer Comunidad ein Mitglied leidet, wenn z.B. die Mutter von noch kleinen Kindern gestorben ist, nehmen die anderen Familien die Kinder auf. Zahllose weitere Beispiele ließen sich aufzählen. Das hat sicher auch etwas mit der Tradition und dem kulturellen Umfeld zu tun. Doch gerade in christlichen Gemeinschaften ist dies die Regel, aber außerhalb solcher Gemeinschaften - inzwischen auch in Peru - eher die Ausnahme. Diakonie ist fundamentaler Bestandteil der Glaubenspraxis, sie ist Glaubenspraxis. Sie ist auch konstitutiv für Kirche (neben der Verkündigung und der Feier des Glaubens, Eucharistie). Wenn eine dieser drei Säulen von Kirche aus der Gemeinde - gar noch institutionell gewollt - ausgelagert wird, fehlt eine dieser drei Säulen. Wenn auch noch die beiden anderen Säulen sehr brüchig sind, sie z.B. auch an die exklusive Vermittlung durch geweihte Personen gebunden sind, wenn z.B. Eucharistie nicht auch als konkretes Brotteilen erfahren und begriffen wird, wenn die „Laien“ sich nicht für Pastoral und Verkündigung zuständig fühlen und wenn es doch vereinzelt geschieht, gleich die „Verwaltung“ einschreitet - was bleibt dann noch?

Allein schon durch die bloße Existenz des deutschen Caritasverbandes fühlen sich immer mehr Gemeindemitglieder in Fragen der Diakonie für nicht zuständig oder kompetent. Denn dafür gibt es Profis (siehe auch pastorales Selbstverständnis). Umgekehrt hat der Caritasverband wenig Wurzeln in den Gemeinden, wenn es auch entsprechende Bemühungen gibt, diesen Zusammenhang zwischen Gemeinde und Caritas herzustellen. Festzuhalten bleibt, dass eine Grundfunktion von Kirchesein in kirchlichen Gemeinden keine zentrale Rolle spielt. Dies schmälert nicht den beispielhaften Einsatz vieler Gemeindemitglieder in Sozialausschüssen, Besucherdiensten etc., die sich aber auch nicht im Zentrum der Gemeinde fühlen und zudem ein überdurchschnittlich hohes Durchschnittsalter haben. Deren Einsatz ist um so bewundernswerter angesichts der genannten strukturellen und inhaltlichen Defizite.
 
Einheit von Glaube und Theologie:
Dieses vierte Beispiel erschließt sich nicht direkt aus den Antworten der deutschen Gruppen, wohl aber aus dem Selbstverständnis der peruanischen Basisgruppen. In ihnen erwächst Theologie aus der Mitte des Glaubens und einer befreienden Praxis heraus. Die Campesinos reden z.B. nicht von einer Theologie der Befreiung. Sie erzählen von ihrem Glauben, von ihrem Leben und wie der Glaube ihr Leben und ihr Umfeld verändert.
 
Die Theologie in reichen Ländern, betrieben als wissenschaftliche Disziplin, hat sich längst zu einem von den Gemeinden unabhängigen Wissenschaftsbetrieb mit eigenen Spielregeln und Marktmechanismen entwickelt, der mit dem konkreten Gemeindeleben wenig zu tun hat und der deshalb auch keine gesellschaftliche Bedeutung hat. Theologen, deren eigenes Leben eher weniger von Umkehr und einer befreiende Praxis geprägt ist, erlauben sich gleichwohl, die Glaubenspraxis der Armen zu zensieren, darüber zu diskutieren, einzusortieren, Probleme aufzuwerfen und diese dann unter Ihresgleichen zu diskutieren, Fragen und Antworten hin und her zu schieben um dann nach langem Bemühen und mit möglichst vielem Zitieren aller gängigen Modetheologen, das man dann für wissenschaftlich hält, z.B. zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Eucharistie vielleicht eine soziale Verantwortung impliziert. Worauf sich dann ein Kollege berufen fühlt, dagegen oder dafür (was eigentlich egal ist) seine Bedenken zu erheben, Korrekturen anzubringen, worauf ein anderer .... Man bewegt sich permanent im Uneigentlichen und hält dies schließlich für die ganze Welt (Gott eingeschlossen). Eine solche Theologie kreist um sich selbst und reflektiert bestenfalls von ihr selbst erfundene oder geschaffene Probleme und sie hat daher nicht die Kraft, auf die wahren Überlebensfragen der Menschheit eine angemessene Antwort zu geben bzw. sich den entsprechenden Herausforderungen zu stellen. Die Glaubenserfahrungen des Volkes Gottes werden bestenfalls zum Objekt, zu einem „Ding“ (ein System von Begriffen und Kategorien), das in das bestehende System (auch politisch?) integriert werden muss oder auch nicht.

Der wissenschaftlichen Theologie ist die eigentliche Theologie, nämlich der Glaube des Volkes, der Glaube in der Gemeinde und deren Praxis, weitgehend unbekannt bzw. er ist noch nicht einmal von Interesse - höchstens als soziologisches Datenmaterial. Wie soll aber eine von der Basis abgehobene Theologie die Stimme der Armen hören können, auf die sie - eigentlich - existentiell angewiesen wäre, wollte sie christliche Theologie sein? Es ist der Theologie wohl auch nicht gelungen, neuere theologischen Erkenntnisse dem „Volk“ zu vermitteln und damit zu einer Stärkung und Begründung des Glaubens beizutragen. Sie hat eine Mitverantwortung für ein verbreitetes „christliches Analphabetentum“.
 
Das Gesagte zielt nicht auf eine Aufhebung wissenschaftlicher und/oder „verstaatlichter“ Theologie, sondern auf eine gleichberechtigte Partnerschaft mit Gemeinden, die letztlich gerade auch die Stellung z.B. theologischer Fakultäten eher stärken als schwächen würde, weil diese dadurch eine gesellschaftliche Verankerung bekämen. Die vorliegende Arbeit ist als ein Beispiel zu werten, Praxis und Theorie zusammenzubringen. Der Anstoß für diese Arbeit ging von einzelnen Partnerschaftsgruppen aus, die sich dann mit der Bitte um Unterstützung an die universitäre Theologie wandten. Diese war darum möglich, weil sich zwei Professoren betreffen ließen, die schon vorher Kontakt zu Partnergruppen hatten und die Partnerschaftsarbeit mit ihren Problemen hautnah miterleben konnten.
 
III. Partnerschaft als Lernfeld einer ganzheitlichen Pastoral in Deutschland

1. Partnerschaft als Katechese des Glaubens

Aus den verschiedensten Gründen, die hier nicht zur Debatte stehen, können Kirche, Familien, Gemeinden und Schulen nicht mehr in dem Maße das leisten, was zur Weitergabe des Glaubens an die folgenden Generationen notwendig wäre. Der über Jahrhunderte vorhandene gesellschaftliche - kirchliche Kontext als Stütze der Kirche und des Gemeindelebens hat sich weitgehend aufgelöst bzw. er hat sich dergestalt verändert, dass fast von einem Abbruch der Überlieferung gesprochen werden kann. Neben dem kontinuierlichen Zerbröseln des gewohnten Kontextes ist es auch zu einer Relativierung der zentralen Glaubensaussagen selbst bei den noch „praktizierenden Katholiken“ gekommen. Die Differenz zwischen den dogmatischen Lehraussagen und den Geboten der Kirche und dem Glauben und der Praxis der Gläubigen klafft immer weiter auseinander. Die christliche Substanz, nämlich der Glaube an Jesus den Christus als Fundament und primäre Orientierung für das alltägliche Leben, droht sich zu verflüchtigen. Weit und breit sind keine neuen Lernfelder in dieser Gesellschaft auszumachen, in denen elementare christliche Verhaltensweisen und ein entsprechendes Leben in Gemeinschaft eingeübt und gelebt werden kann.

In dieser Situation - und selbst wenn die Situation nicht so dramatisch wäre - eröffnet sich christlichen Gemeinschaften und etablierten Gemeinden die Chance, in einer Partnerschaft mit Gemeinden, für die der Glaube an Jesus Christus buchstäblich „Brot des Lebens“ ist, ihren eigenen Glauben neu zu buchstabieren, verschüttete Erfahrungen auszugraben und wieder zu entdecken, auf was es ankommt. Partnerschaft eröffnet die Möglichkeit, hautnah mitzuerleben (sich betreffen lassen und berührt werden), wie Menschen aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus ihr eigenes Leben und ihr Umfeld verändern. Dadurch eröffnen sich ihnen neue Horizonte - und selbst Menschen verachtende Strukturen, die über Jahrhunderte fest zementiert erschienen, geraten ins Wanken.

Selbstverständlich ist der Boden, auf den das Wort Gottes fällt, höchst unterschiedlich. Das Wort wird nicht gehört, es wird zertreten, wird vom Unkraut verschlungen, fällt auf versteinerten Boden etc. Aber gerade hier ist der Ansatzpunkt einer Besinnung auf das Wesentliche und einer Katechese, die zumindest zwei Fragen aufwirft: Zum Einen: was ist es, das die Herzen der Menschen zu Stein werden lässt, was haben sie vielleicht zu viel und was zu wenig? Zum Anderen: worin besteht das Wort Gottes, was sind die zentralen Anliegen der christlichen Botschaft und warum haben die Worte und Taten Jesu zu seiner Zeit und in seiner Umgebung eine so befreiende Wirkung gehabt?[50]

In Deutschland (Abendland) ging man bisher selbstverständlich und gewohnheitsmäßig davon aus, dass die Erfahrungen der Zeitgenossen Jesu mit den Worten und Taten Jesu und der Erfahrung der „Begegnung mit dem Auferstandenen“ (das Evangelium als „Gute Nachricht“) für alle Menschen in allen Kulturkreisen in gleicher Weise verständlich und nachvollziehbar sind, noch extremer: dass diese Erfahrungen von einem neuen Leben bereits Neugeborenen eingeimpft werden können und dass in der Folge durch das Einhalten von Riten und Kult diese Art von „Glauben“ konserviert werden kann. Gleichzeitig hält man es aber für ausgeschlossen oder empfindet es als Zumutung, die gleichen Erfahrungen mit Jesus Christus seitens der Menschen, denen man als Partner „von Angesicht zu Angesicht“ begegnet, als relevant für sein eigenes Glaubensverständnis und die eigene Glaubenspraxis zu werten. Konzentriert man sich also nicht auf das äußere Gewand der Kirche, sondern auf die zentralen Anliegen Jesu und die befreienden Erfahrungen von Menschen, die diesen Jesus als Schlüssel zum Leben erlebt haben, dann stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit anders. Wenn man nämlich die befreienden Erfahrungen der Armen nicht als relevant auch für sein eigenes Leben erfahren könnte, dann würde dies bedeuten, dass das Evangelium selbst nicht auf unsere Zeit und Gesellschaft übertragbar wäre. Es geht darum, die befreienden Erfahrungen der Partner „auf eine andere Bühne“ zu stellen und in einem anderen Kontext gemeinschaftlich zu suchen, was hier Befreiung, Spiritualität (das „Sehnen nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit“) bedeuten könnte.

Das Evangelium ist in einer Umwelt und Gesellschaft entstanden, die unserer „Wohlfahrtsgesellschaft“ noch viel fremder und „weiter“ (Vorderer Orient, Agrargesellschaft etc.) entfernt ist, als die Welt der Campesinos. Es stellt sich also nicht die Frage der Übertragbarkeit von Glaubenserfahrungen aus den Partnergruppen, die ja vergleichbar sind mit den Erfahrungen der Zeitgenossen Jesu und der ersten Christen, sondern es geht um die Frage, ob und wie das Evangelium in dieser Welt (eher der „Ersten Welt“) und in dieser Zeit noch gehört werden kann.[51]

Bei einer Analyse der Antworten aus den Gruppen wurde deutlich, dass die christliche Substanz in den Gemeinden (unter Kirchgängern) dazu neigt, sich zu verflüchtigen (die Ergebnisse in weit umfangreicheren Studien und diesbezüglichen Befragungen bestätigen dies, teils auf eine noch erheblich drastischere Weise als hier angedeutet). Partnerschaft als Hinführung und Einführung in den Glauben bedeutet (u.a.) demnach, sich die befreienden Erfahrungen der Partner erzählen zu lassen, darauf eingehen und fragen, was sie für uns bedeuteten.

  • „Die Armen evangelisieren uns“. Weil sie näher „an der Quelle sind“, weil Jesus mitten unter ihnen geboren wurde, erfahren Partner in der Begegnung mit den Armen die Nähe Gottes (siehe auch Mt 25).
  • Glaube entsteht und realisiert sich zuerst in Gemeinschaft („Seht, wie sie sich lieben“).
  • Im Kontakt mit den Partnern kann deutlich werden, was z.B. Taufe und Eucharistie bedeuten. Eine „Taufkatechese“ für Erwachsene wäre dann der erste Schritt.
  • Sich mit der eigenen Umwelt auseinandersetzen (Frage, an was wir unser Herz hängen) und erkennen, dass das „Schicksal“ der Armen mit unserem Reichtum zusammenhängt - Analyse der Ursachen des Reichtums.
  • Erfahrung einer Einheit von Glaube und Alltag, als Sorge um „Leib und Seele“, als Einheit von Spiritualität (als Wurzel und Quelle) und Aktion.
  • Der Kontakt mit den Armen kann die Augen für die Armen und Fremden vor der eigenen Haustür (und im eigenen Haus, der Kirche) öffnen.

Vorläufiges Ziel der Katechese wäre die Stärkung der christlichen Substanz von der Quelle her (Bedeutung der Bibel und deren sachgerechter Auslegung) in den Gemeinden. In einer lebendigen Partnerschaft wächst die Hoffnung, dass der Glaube an Jesus Christus zu einer Basis für erneuerte Gemeinschaften und Gemeinden wird, wenn sie bereit und in der Lage sind, die Erfahrungen der Partner ernst zu nehmen.

Neben dem Grundsätzlichen können in einer Partnerschaft auch eher praktische Dinge eingeübt werden: gemeindeüberschreitende Kontakte; Verknüpfung von finanzieller und pastoraler Verantwortung (Spenden, pastorale Schwerpunkte); dass Kirche auch ohne viel Geld möglich ist und dass man kein „Profi“ sein muss, um seinen Glauben zu verkünden. Partnerschaften sind die geeigneten „Vehikel“, um die zu beobachtende Milieuverengung kirchlicher Gruppen mit ihren Tendenzen zur Abschottung und Ausgrenzung aufzuhalten und gar aufzubrechen.

Es ist die Hoffnung auf „eine Neue Erde und einen Neuen Himmel“ wie sie z.B. in den Erfahrungen der Campesinos konkret fassbar und nachvollziehbar wird. Deren Erfahrungen können für deutsche Gemeinden die Brücke bilden, über die sie zu den Quellen des christlichen Glaubens zurückfinden können. Lernt man begreifen, um was es den Campesinos geht, wie sie den biblischen Glauben interpretieren und leben, dann kann das eine erste Annäherung an das Wiederentdecken des Evangeliums in unserer Zeit und Umwelt sein.

Aber auch umgekehrt ist für die Armen die Partnerschaft mit einer Gemeinde der Ersten Welt von großer Bedeutung. Dies kann an einem Beispiel deutlich gemacht werden.[52]

Im Jahre 1993 übergaben die gewählten Vertreter von 18 Comunidades aus Bambamarca Misereor die Bitte, ihnen bei einem Wasserprojekt zu helfen, das die 18 Comunidades mit Wasser versorgen soll. Das Projekt wurde dann am 1.4. 1994 begonnen und ist inzwischen beendet. Die Leitung des Projektes hatte das DAS (Sozialabteilung der Diözese), in dem Mitarbeiter tätig waren, die von der Sozialpastoral Bischof Dammerts geprägt sind und sich einer Kirche der Campesinos verpflichtet fühlen. Misereor stellte dieses Projekt mit Recht als Musterprojekt der deutschen Öffentlichkeit vor. Auch vom Volumen her (2 Mill. DM) war es eines der größten Projekte Misereors. Nach Beendigung des Projektes stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

  • Die Mine Yanacocha braucht für ihre Aktivitäten, die sie immer weiter Richtung Bambamarca ausweitet, dringend die Wasserreserven auf der Hochebene, die von den Campesinos für ihr Wasserprojekt genutzt werden.
  • Die Organisation der Campesinos ist zusammen mit der Ronda die einzige Organisation in Bambamarca, die - neben der Wasserproblematik - der Mine (z.B. bei Enteignungen von Land, Vergiftung der Umwelt etc.) ernsthaften Widerstand leistet.
  • Der Bischof von Cajamarca hat ein fundamentales Interesse daran, dass diese Basisorganisationen zerstört werden. Die von ihm dafür eingesetzten Priester des Opus Dei in Bambamarca führen im Bündnis mit den lokalen Machthabern einen Kleinkrieg gegen die Organisationen der Campesinos und der Frauengruppen auf dem Land. Zudem ist der Bischof eng mit der Mine verbündet.
  • Die ehemaligen Mitarbeiter Bischof Dammerts wurden nach und nach aus dem DAS verdrängt und im Februar 2000 wurde u.a. der Gründer des DAS zusammen mit Hans Hillenbrand[53] offiziell aus dem DAS ausgeschlossen. Die nun noch im DAS verbliebenen Mitglieder stehen auf der Seite des Bischofs und werden von den Campesinos nicht mehr als Vertrauenspersonen akzeptiert. Der Bischof stellte die Bedingung, dass er nur dann noch weitere Projekte bei Misereor (u.a.) befürworten würde, wenn die „Störenfriede“ endlich ausgeschlossen würden.
  • Im Februar 2000 war der Misereorbeauftragte für Peru in Cajamarca (auch auf der Sitzung, bei der es zum Ausschluss kam). Er hielt sich an den „Dienstweg“, d.h. sein Ansprechpartner war der Bischof und die neue Leitung des DAS. Die ihm dennoch zu Ohr gekommenen „Meinungsverschiedenheiten“ erklärte er zu innerperuanischen Angelegenheiten, in die sich Misereor nicht einmischen darf, sondern die innerhalb der Gruppe durch Gespräche zu lösen seien.
  • Sowohl direkt von den Campesinos als auch von den ausgeschlossenen Vertrauensleuten der Campesinos (die auch die Vertrauensleute der Partnergruppen sind) kamen Briefe an die Partnergruppen mit der Bitte, bei Misereor vorzusprechen um die Situation aus der Sicht der Betroffenen zu erklären.
  • Die Campesinos von Bambamarca sehen sich einer scheinbar allmächtigen Allianz gegenüber. Die Aufbauarbeit von fast vierzig Jahren ist stark gefährdet, auch das von Misereor als Musterprojekt bezeichnete Wasserprojekt ist in Gefahr. Sie setzen große Hoffnungen in die Treue der Partner. In dieser Situation ist die Solidarität der Partner und kirchlicher Hilfswerke für sie „lebensnotwendig“.

Die deutschen Partnergruppen (insbesondere von Herzogenaurach, Ulm, St. Martin in Dortmund, u.a.) baten um ein Gespräch bei Misereor, das dann am 9. Juni 2000 stattfand. Das Gespräch war für die Gruppen und ihre Partner sehr wertvoll, weil Missverständnisse ausgeräumt werden konnten und sie von Misereor in ihrem Engagement zu Gunsten der Campesinos bestärkt wurden. Misereor erkannte an, dass die Partnergruppen aus ihren direkten Kontakten heraus, die Situation vor Ort besser einschätzen können und deshalb zumindest gehört werden müssen.

Dieses Beispiel zeigt,[54] dass deutsche Partnergruppen anhand konkreter Fälle und in direktem Kontakt mit ihren Partnern lernen können, aus der Perspektive der Anderen (der „Indios“, der Armen etc.) die eigene Situation zu sehen, zu deuten und sich des eigenen Standpunktes bewusst zu werden. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Partnergruppen, die Sichtweise der „Indios“ in unseren Gemeinden, in der Kirche und Gesellschaft zur Geltung zu bringen. Diese globale Dimension, mit den Augen der Opfer die Welt zu sehen und diese im Lichte des Glaubens zu deuten, gehört zum Wesen von Kirche, wenn sie katholisch sein will. In den Partnergruppen wird diese Dimension verwirklicht und die eigenen Grenzen werden auf die „Fremden“ hin überschritten. Darin besteht die wesentliche „Existenzberechtigung“ und unbedingte Notwendigkeit der Partnerschaftsgruppen. In ihnen realisiert und konkretisiert die Kirche und die einzelne Gemeinde ihre „Katholizität“. Partnergemeinden stellen diejenigen, die sonst keine Rolle spielen und die „unsichtbar“ sind, in das Zentrum und machen sie zum Maßstab von kirchlichem und gesellschaftlichem Handeln. Deutsche Partnergruppen gewinnen an Glaubwürdigkeit und an Autorität, wenn sie die Partner - deren Ohnmacht und deren befreiende Erfahrungen - in unserem Kontext, in Gemeinde und Gesellschaft, neu zur Sprache bringen.

Partnerschaft steht somit (theologisch gedeutet) auf drei Säulen:

  1. Auf dem Sakrament der Eucharistie in den schon genannten Dimensionen: Tischgemeinschaft, Brotteilen und so in Gemeinschaft die Gegenwart Gottes erfahren.
  2. Auf der Erfahrung einer „Wegegemeinschaft“ mit den Ausgegrenzten (siehe unten).
  3. Auf der Aufgabe, die „Indios“ dieser Welt ins Zentrum zu rücken und von ihnen her das Wort Gottes zu verkünden, um so auf diese Weise die weltweite Kirche Jesu Christi zu werden.

2. Diskussion um die Partnerschaft

a) Umgang mit Konflikten

Hier geht es nicht darum, konkrete Hinweise auf den Umgang mit Konflikten zu geben. Die Art möglicher Konflikte ist von Fall zu Fall so verschieden, dass jede Gruppe selbst ihre je eigenen und spezifischen Lösungen finden muss. Vielmehr geht es darum, auf die Existenz möglicher Konflikte hinzuweisen. Denn nach den Aussagen der betroffenen Gruppen werden Konflikte mehrheitlich verdrängt, bewusst nicht wahrgenommen oder sie können gar nicht wahrgenommen werden. Dies bezieht sich sowohl auf die eigene Gruppe als auch auf den Umgang mit der Partnergemeinde und den dort auftretenden Konflikten. Als Leitbild scheint die idealistische Vorstellung durch, dass man in der Kirche nicht streiten darf. Wer es dennoch tut, zerstört die Einheit. Dabei wird eine inhaltliche Auseinandersetzung mit persönlich diffamierenden und von persönlichen Interessen geleiteten Streit verwechselt. Die verschieden Aussageebenen geraten durcheinander. Wird z.B. eine Aussage der Sache wegen in Frage gestellt, fühlt sich der Betreffende oft selbst in Frage gestellt oder gar abgelehnt. Diese Erscheinung betrifft zwar nicht nur spezifisch kirchliche Gruppen, doch in diesen Gruppen bekommt sie ein besonderes Gewicht, weil hier existentielle Fragen, verknüpft mit tiefer wurzelnden Vorstellungen „von Gott und Welt“ eine besondere Rolle spielen. Für einen gläubigen Menschen (gilt auch für Anbeter von Götzen) kann es eine Katastrophe sein, wenn er meint, man wolle ihm - im Namen des Glaubens - die Ernsthaftigkeit seines Engagements oder gar den Glauben absprechen.

Angesichts dieser Herausforderungen ist es verständlich, wenn die reine Projektarbeit für die Gruppen als unproblematischer angesehen wird. Sie erfahren in der Projektarbeit auch eine Form der notwendigen Anerkennung, die ihnen sonst versagt bleibt. Diese Projektarbeit ist schließlich auch für die Partner von großer Bedeutung. Durch kirchenpolitische Veränderungen und Veränderungen in der pastoralen Zielsetzung seitens der Diözesanleitung, die von oben den Partnergemeinden oft aufgezwungen werden, kann aber auch die reine Projektarbeit gefährdet werden. Nicht nur wegen der Frage der Finanzhoheit, sondern vor allem durch das Setzen anderer Prioritäten (statt zu Gunsten der Armen und deren Förderung) geraten Projekte in Gefahr bzw. werden einer anderen Bestimmung zugeführt. Spätestens hier werden die deutschen Gemeinden mit kirchenpolitischen und pastoralen Konzepten und Herausforderungen konfrontiert, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben wollten.

So werden sie u.a. vor folgende Frage gestellt: Wie soll man sich verhalten, wenn ein von Deutschland finanziertes Ausbildungszentrum für Landkatecheten in ein Einkehrhaus für dem Opus - Dei nahestehende Gruppen umfunktioniert wird? Unabhängig von der rechtlichen Frage nach der Zweckbestimmung, haben deutsche Gemeinden nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, ihre Auffassung von Kirche (in Übereinstimmung mit dem Konzil, allen kirchlichen Dokumenten und neuzeitlichen theologischen Positionen) kundzutun. Dies sind sie auch den eigentlichen Partnern, den Spendern und letztlich auch sich selbst schuldig. Es ist keine Schande, sich auf die Bibel, die Dokumente der Kirche und die Bedürfnisse der Armen zu berufen. Wer dies tut, spaltet nicht die Kirche, sondern leistet einen unverzichtbaren Dienst an der Kirche, d.h. an der Gemeinschaft und Einheit all derer, für die Jesus als Christus der Maßstab ist. Um dies tun zu können, müssen die einzelnen Gruppen sich ihres Kirchenbildes bewusst sein und den Mut haben, es offensiv zu vertreten. Bei den wenigen Gruppen, die ihre Arbeit auch als einen pastoralen Auftrag verstehen, wird die Auseinandersetzung mit den Veränderungen in den Partnergemeinden zu einer Klärung der eigenen Standpunkte genutzt, sowohl innerhalb der eigenen Gemeinde als auch gegenüber den Partnern.

Eine offensive pastorale Auseinandersetzung führt zu einer Stärkung der Partnerschaft sowohl innerhalb der eigenen Gemeinde als auch zu einer Bestärkung der Gruppen in den Partnergemeinden, die eine entsprechende Option der deutschen Gemeinde als Zeichen der Solidarität verstehen, das ihnen Mut macht, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Die Gruppen, die einen pastoralen Auftrag zurückweisen, ziehen sich angesichts der Veränderungen in den Partnergemeinden - nun auch argumentativ - auf reine Projektarbeit zurück, sehen die kirchenpolitischen Veränderungen als gegeben an und/oder arrangieren sich mit den „kirchlichen Autoritäten“, oft ohne zu wissen, was dies für ihre Partner bedeutet (alle Gruppen geben ja an, dass sie den Ärmsten helfen wollen, auch die Spender gehen davon aus).

So wird eine Partnerschaftsgruppe im Fall des Ausbildungszentrums (und es gibt viele ähnliche Beispiele in Cajamarca) den Ortsbischof auf die eigentliche Zweckbestimmung hinweisen dürfen, einschließlich theologischer Begründung. Selbst wenn dies keinen Erfolg zu versprechen scheint, so erfahren die Partner (die Armen) dennoch, dass sie nicht auch noch von der deutschen Kirche im Stich gelassen werden. Dies stellt eine Bestärkung der Partner in ihrem Glauben und ihrem Engagement dar, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

Es führt aber hier und dort zu Resignation (in einigen Gruppen wird dies so deutlich auch formuliert), wenn man sieht, wie z.B. Adveniat zulässt, dass der Ortsbischof ein Priesterseminar, das von Adveniat mit nahezu einer Million DM finanziert wurde, unmittelbar nach dessen Fertigstellung schließt (jetzt leben dort vier Karmeliterinnen).[55] Erst recht hat es eine lähmende Wirkung, wenn von Adveniat argumentiert wird, dass der jeweilige Bischof von Cajamarca (und dies gilt grundsätzlich) schließlich die Kirche von Cajamarca sei. Grundlage der Beziehungen, so Adveniat, ist das Vertrauen zu den Partnern. Wenn die Partner (der Bischof) neue Prioritäten setzen, so muss das von Adveniat und deutschen Gemeinden akzeptiert werden. Die deutschen Partner hätten kein Recht, den Partnern Vorschriften zu machen. Alle Versuche, auch ohne den Bischof direkte Kontakte zu den Partnergemeinden zu unterhalten, sei als Anschlag auf die Einheit der Kirche zu werten, so Adveniat. Die zweifellos guten Absichten einer solchen Argumentation verkehren sich in ihr Gegenteil, wenn die Realität außer acht gelassen wird und die Stimme der Armen (die nicht als eigenständige Partner, als Subjekte, wahrgenommen werden) nicht gehört wird.

Die deutschen Partnergemeinden haben die Pflicht, Adveniat aus ihrer Kenntnis der Realität vor Ort darauf aufmerksam zu machen und darauf zu bestehen, dass die Spenden entsprechend verwendet werden. Es sind Spenden von mündigen Christen für mündige Christen. Die Spenden für Adveniat wurden von einer großen Mehrheit in dem Vertrauen gegeben, dass das Geld auch wirklich den Ärmsten zugute kommt. Wird dieses Vertrauen enttäuscht, sind die Folgen unabsehbar. Da Adveniat in Deutschland ganz gezielt Werbung mit dem Hinweis betreibt, dass die Spenden gezielt den Armen zugute kommen, ebenso dem Aufbau von Basisgemeinschaften, der Ausbildung von Katecheten und verantwortlichen Laien und auch sonst (in der Werbung) die Mitarbeit der Laien, besonders der Frauen hervorgehoben wird, weil man weiß, was in Deutschland ankommt, dann aber gleichzeitig in immer mehr Diözesen in Peru und anderswo mit Geldern von Adveniat genau das verhindert wird, dann hat das eine Bedeutung, die über das rein Kirchliche hinausgeht. Unabhängig von dem theologisch fragwürdigen Kirchenverständnis, wird auch Adveniat in Zukunft sich verstärkt Gedanken machen müssen, wem sich Adveniat zuerst verantwortlich fühlt (den Spendern hier und den Bedürftigen dort) und wem nicht.[56] Auf die Dauer wird es nicht durchzuhalten sein, dass die Spender (überwiegend Laien) sich vom Klerus belehren lassen müssen, für wen und für was ihre Spenden benutzt werden und dass sie von der Entscheidung über die Verwendung der Spenden ausgeschlossen bleiben.

Für heftige Diskussion und Unverständnis sorgt in den Gruppen (hier und dort) der Umstand, dass der Bischof von Cajamarca sich offensichtlich nicht um die Versorgung (einiger) seiner Priester kümmert, noch klarer ausgedrückt: alle Pfarrer (mindestens acht Pfarrer von Partnergemeinden), die an der Partnerschaft festhalten wollen und erst recht die Pfarrer, die an einer Landpastoral und Arbeit mit den Armen festhalten wollen, bekommen nicht nur kein Gehalt, sondern sie werden vom Bischof bewusst an den Rand gedrängt und von allen Finanzquellen (so weit sie in seiner Macht liegen) abgeschnitten. Wenn sie sich doch an ihren Bischof wenden, werden sie mit der Begründung abgewiesen, dass sie sich an die deutschen Gemeinden halten sollen. Selbst nach dem Kirchenrecht ist jeder Bischof verpflichtet, für „seine“ Priester wirtschaftlich Sorge zu tragen. In Anlehnung an die deutsche Praxis, Kirchenmitgliedschaft von dem Bezahlen von Steuern abhängig zu machen, könnte man folgende Regel aufstellen: „Ein Bischof, der sich der Verpflichtung gegenüber seiner ihm anvertrauten Mitbrüder (und Gläubigen) entzieht, verstößt in grober Weise gegen die Solidarität der Gläubigen. Dies ist eine so schwere Verfehlung, dass er erst wieder in die sakramentale Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden darf, wenn er bereit ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen“. Während Laien mit der denkbar schärfsten Sanktion (Ausschluss aus der Heilsgemeinschaft!) bestraft werden, wenn sie ihre „Verpflichtungen“ (Steuern bezahlen) nicht einhalten, wird ein Bischof, der in gröbster Weise gegen seine Verpflichtungen verstößt, zum Vorsitzenden der „Kommission für den Klerus“ der peruanischen Bischofskonferenz ernannt und er wird von Adveniat in dieser Eigenschaft unterstützt.

Die bunte Vielfalt von Partnerschaften stellt einen hohen Wert dar. Es gibt keinen einheitlichen Weg, da alle einen verschiedenen Ausgangspunkt haben. Eine Partnerschaft wird an der Verschiedenheit, einschließlich der verschieden eingeschlagenen Wege, nicht zerbrechen, wenn das gegenseitige Vertrauen, das von unten her wachsen muss, überwiegt und wenn ein Grundkonsens vorhanden ist. Zu diesem Grundkonsens gehören neben einer zeitgemäßen Auslegung der Bibel die Anerkennung der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und der für die Partnergemeinden richtungsweisenden Dokumente der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen. Verglichen damit ist die jeweilige Position eines einzelnen Bischofs oder Pfarrers zwar wichtig, aber von nachrangiger Bedeutung, wenn sie auch in der Frage der Durchsetzung von entscheidender Bedeutung sein kann. Notfalls muss man entscheiden, was wichtiger ist und welche Prioritäten gesetzt werden müssen.

b) Die Bedeutung eines Bischofswechsels (exemplarisch in Cajamarca)

Es geht nicht um die Person eines einzelnen Bischofs, es geht um die strukturelle Frage nach der „Verfassung“ der Kirche (in dem Wissen, dass das Aufwerfen dieser Frage in den Augen der „Verfassungshüter“ die „Todsünde“ schlechthin ist). Unbestritten ist, dass durch den Bischofswechsel die überwiegende Mehrzahl der Gemeinden in Deutschland und ihre Partnergemeinden in Cajamarca vor große Herausforderungen gestellt wurden.

In Cajamarca war das Echo auf die überraschend schnelle Ablösung von Bischof Dammert und die Erwartung in den neuen Bischof erheblich größer, als man dies in Deutschland für möglich halten kann. Dies ist begründet in der außerordentlichen Machtfülle des jeweiligen Bischofs. So hat der Bischof (ob rechtlich abgesichert oder nicht) de facto immer auch die alleinige Verfügungsgewalt über alle kirchlichen Besitzungen (in Gemeinde, Diözese). Darauf ist deshalb besonders hinzuweisen, weil eine Infrastruktur mit Gemeindehäusern, Kurs- und Ausbildungszentren, Versammlungsräumen etc. in der Regel mit Hilfe von ausländischen Spendengeldern mit dem Ziel errichtet wurde (zumindest in Cajamarca), einen Beitrag zu einer authentischen Kirche des Volkes, einer „Kirche mit Poncho und Sombrero“, zu leisten. Ein Bischof in Peru kann in einsamer Entscheidung die gesamte Infrastruktur einer „Kirche des Volkes“ zerschlagen, in dem er die entsprechenden Grundstücke und Gebäude räumen lässt (notfalls mit Hilfe staatlicher Gewalt) und einem anderen Zweck zuführt.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Mitarbeit engagierter Laien. In der Diözese Cajamarca gab es zur Zeit Dammerts etwa zwanzig hauptamtliche, einheimische kirchliche Mitarbeiter. Ein Bischof in Peru hat die Macht, alle Laien von heute auf morgen zu entlassen, falls ihm diese Mitarbeiter nicht genehm sind. Es gibt keinen arbeitsrechtlichen oder sonstigen Schutz für die Laien. Noch gravierender, aber viel subtiler, ist der Einfluss der („Amts“ -) Kirche in einem zentralen Bereich kirchlichen und religiösen Selbstverständnisses: wenn z.B. Campesinos, die weiterhin auf eine Versammlung von „alten“ (aber „abgesetzten“) Katecheten gehen wollen, gedroht wird, in Zukunft ihre Kinder nicht mehr zu taufen und ihnen offen mit der Hölle gedroht wird, dann bedeutet dies eine Fülle der Machtausübung, wie sie in Deutschland kaum noch möglich wäre. Gleiches gilt für alle Gruppen und auch für andere Sakramente wie die Eucharistie, die denen vorenthalten wird, die keine monatliche Beichte nachweisen[57] können oder Frauen, die in Mütterklubs organisiert sind, die direkte Kontakte zu einer deutschen Gemeinde unterhalten. Es soll an dieser Stelle keine theologische Auseinandersetzung mit dem Neukatechumenat oder dem Opus Dei geführt werden, es geht darum, die Möglichkeiten eines Bischofs in Peru hervorzuheben.

Um so überraschender ist es - im Nachhinein betrachtet - wenn man sich auf den bevorstehenden Bischofswechsel in Cajamarca mit seinen absehbaren Folgen nicht eingestellt hat. Auf die Partnerschaften bezogen ist folgendes gemeint: ein diözesanes Netz gut funktionierender Partnerschaften mit eigenen Strukturen, von engagierten Gruppen in Kontakt mit Gruppen anderer Gemeinden und mit deutschen Gruppen, ein finanzieller Ausgleich innerhalb der Gemeinden, Partnerschaftsgruppen in den Partnergemeinden mit der Verantwortung für die Partnerschaftsgelder, die Institutionalisierung (!) demokratischer Gremien und die Ernennung von verantwortlichen Laien zu Gemeindeleitern (zumindest in Mitverantwortung) oder die Weihe von Diakonen, hätte zwar vieles nicht verhindern können, aber es wären ganz andere Voraussetzungen geschaffen worden, damit lebendige Partnerschaften und Gemeinden weiterhin bestehen könnten.[58] Bischof Dammert hätte die „Macht“ gehabt, in allen Partnergemeinden die schon erwähnten Kriterien und Mindestanforderungen einer Partnerschaft durchzusetzen. Doch ist wenig geschehen. Dies ist um so tragischer, als alle Partnergemeinden in den Befragungen angeben, eine „Kirche mit Poncho und Sombrero“ unterstützen zu wollen, diese Kirche aber heute von der Diözesanleitung abgelehnt wird.

Der Hauptvorwurf Bischof Simóns gegenüber den deutschen Gemeinden ist der Vorwurf ungerechtfertigter Einmischung in innerperuanische und innerkirchliche Angelegenheiten.[59] Oft wird auch von Kolonialismus gesprochen, von Dollarimperialismus, deutscher Besserwisserei etc. Den deutschen Gemeinden wird jegliches Recht abgesprochen, Stellung zu den Vorgängen in ihren Partnergemeinden und der Diözese zu nehmen.[60] Auch ist der Vorwurf zu hören, dass von Deutschland aus versucht wird, peruanische Kirchenpolitik zu machen.[61] Aus der Sicht der Partner in Cajamarca stellt sich das Problem der Einmischung dagegen wie folgt dar: In allen betroffenen Gemeinden und Gruppen in Cajamarca ist es der sehnlichste Wunsch der Gruppen an der Basis, dass sie nicht auch noch von den Partnern im Stich gelassen werden. Sie erfahren durch die Solidarität der Partner eine Hoffnung, die sie ermutigt, weiterzumachen; sie erleben in der Solidarität und dem Brotteilen eine Gemeinschaft und eine Kirche, wie sie Jesus wollte. Nicht zuletzt fühlen sie sich bestärkt durch die kirchlichen Dokumente der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen und durch das prophetische Zeugnis von Bischöfen wie Bischof Dammert und dem Zeugnis vieler Märtyrer in Lateinamerika. Sie sind es, die dieser Kirche treu bleiben wollen und sie sehen sich in dieser Treue bestärkt, wenn sie in der deutschen Partnergemeinde eine Kirche (!) erleben, die weiterhin auf ihrer Seite ist.[62]

Deutschen Gemeinden sollte es in der Tat nicht zuerst darum gehen, wer wo und wann Bischof ist. Es geht darum, mit den Partnern weiterhin zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit zu suchen. Wenn deutsche Gemeinden dies mit ihren Partnern gemeinsam tun, dann kann man das zwar Einmischung nennen oder wie auch immer. Es hat aber nichts mit Bevormundung und Kolonialismus zu tun, sondern mit Solidarität und damit, weltweit Kirche sein zu wollen. Befremdlich erscheint, dass ausgerechnet Bischof Simón - stellvertretend für andere Bischöfe - von Kolonialismus spricht, wo er doch selbst den Glauben, die Erfahrungen, die Leiden und Hoffnungen des Volkes von Cajamarca nicht wahrnehmen kann oder will und statt dessen importierte Ideologien vornehmlich spanischer Herkunft den Menschen von Cajamarca aufzwingen will. So waren bei seiner Amtseinführung („toma de poder - Machtergreifung“) alle Campesinos und Basisgruppen ausgesperrt (militärische Absperrung) und die erste Sitzreihe in der Kathedrale war für die (ausländischen) Vertreter der Goldminen reserviert.

c) Partnerschaft als neue Form des Kolonialismus?

Die Instrumentalisierung historischer Schuld (z.B. Kolonialismus) zur Verteidigung eigener Interessen ist zwar als solche leicht zu durchschauen, dennoch müssen sich deutsche Gruppen fragen lassen, was sie mit der Partnerschaft wirklich wollen. Es ist in der Tat so, dass die Idee der Gemeindepartnerschaft ein deutsches Konstrukt ist. Es könnte von außen betrachtet leicht den Anschein erwecken, dass für deutsche Gemeinden eine Partnerschaft die Lösung für viele Probleme darstellt. Man will schließlich helfen, hat nun in der Form von konkreten Partnern die idealen Adressaten der eigenen Hilfsbereitschaft gefunden, man glaubt, effektiver zu sein als die Hilfswerke und erhält noch dankbare Briefe als Bestätigung. Die Gemeinde insgesamt kann ihre weltkirchliche Verantwortung der Partnerschaftsgruppe übertragen und kann sich dann ungestört ihren „eigentlichen Aufgaben“ (z.B. Sakramentenpastoral) widmen. Auch der Gedanke der ideellen Bereicherung, das Hoffen auf pastorale Impulse aus lebendigen Basisgruppen in Ländern der Dritten Welt, geht zuerst von den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen und nicht von den Bedürfnissen der Partner aus. Da zudem an die Partner auch Forderungen gestellt werden (insbesondere wie sie den Transfer des Geldes und dessen Kontrolle organisieren sollen), ist die Frage berechtigt, ob von Deutschland aus nicht ein Modell den Partnern übergestülpt werden soll, das einseitig von den Bedürfnissen deutscher Gemeinden ausgeht. Umgekehrt gilt auch, dass peruanische Gemeinden (fast immer zuerst der Pfarrer) sich an die deutsche Kirche (z. B. die Erzdiözese Freiburg) wenden und um die Vermittlung einer Partnerschaft bitten. Natürlich sind damit auch bestimmte Erwartungen verknüpft.

Die gegenseitigen Erwartungen sind dann legitim, wenn man sich zugleich ernsthaft und redlich mit den wirklichen Bedürfnissen der jeweiligen Partner auseinandersetzt. Doch wie kann man das, wenn z.B. schon die Kommunikation so schwierig ist? Nimmt man die Option für die Armen ernst (auch diese Option, ebenso wie das Evangelium, könnte man nach den gleichen Kriterien als Ideologie bezeichnen, die den Armen von oben bzw. von außen übergestülpt wird), so muss für alle deutsche Gemeinden in Sachen Partnerschaft gelten, dass sie zuerst die zukünftigen Partner fragen, wie diese sich denn Partnerschaft vorstellen, welche Bedeutung Partnerschaft für sie hat und unter welchen Bedingungen sie diese überhaupt wollen. Die Prioritäten, die sie aufgrund ihrer Erfahrungen und Bedürfnissen stellen, sind der Maßstab für die deutschen Gemeinden. Findet eine deutsche Gemeinde trotz ehrlichem Bemühen keinen Zugang zu dem, was die Menschen in der Partnergemeinde wirklich bewegt, sind auch der schon erwähnte Grundkonsens und eine gemeinsame Basis nicht herzustellen, dann muss man ehrlicherweise auf eine Partnerschaft verzichten. Partnerschaft setzt auch immer die Freiheit voraus, nein zu sagen zu dürfen.

Eine Partnerschaft, kann nur schwer als eine interessengeleitete Ideologie bezeichnet werden, die dem (schwächeren) Partner übergestülpt wird, wenn sie von den Bedürftigen ausgeht, deren Anliegen Priorität einräumt und wenn sie biblisch - theologisch begründet und auch entsprechend gelebt wird. Der aus Spanien stammende Bischof von Cajamarca (der sich nach eigenen Angaben zuerst der römischen Kurie verpflichtet fühlt) spricht nun aber nicht nur von der Partnerschaft als übergestülpter Ideologie, sondern er spricht von der grundsätzlichen Unmöglichkeit einer Partnerschaft, so wie sie hier verstanden wird. Partnerschaft bedeutet für ihn nicht ein gemeinsames Gehen des Volkes Gottes in der schon skizzierten Bedeutung (erst recht nicht, wenn dabei auch noch die Frage nach kirchlichen Strukturen eine Rolle spielt). Denn eine Partnerschaft kann tatsächlich dazu führen, die Rolle und das Selbstbewusstsein der Laien zu stärken (vor allem der Frauen); sie kann dazu führen, dass die Option für die Armen auch zu konkreten Ergebnissen führt und dass eine Kirche im Dienste des Volkes, mit dem Volk zusammen, Ungerechtigkeiten denunziert (z.B. gegen die Goldmine) und eine neue Gerechtigkeit verkündet.

All dies widerspricht dem, was Bischof Simón unter Kirche, göttlicher Ordnung und Autorität versteht. Wie aus vielen protokollierten Gesprächen mit deutschen Besuchern deutlich geworden ist, spricht er zudem seinen Gläubigen ein tiefer gehendes Verständnis von Partnerschaft deshalb ab, weil sie nach seiner Meinung für biblisch - theologische Begründungen gar nicht zugänglich sind und als Laien dies auch gar nicht können. Nach seinen eigenen Aussagen wollen und brauchen Arme zuerst Geld. Falls man dies tatsächlich meint, dann muss eine noch viel wichtigere Frage gestellt werden: wenn eine (wie oben skizzierte) Partnerschaft grundsätzlich (!) nicht möglich sein sollte, ist dann katholische Kirche überhaupt möglich? Wenn es nicht möglich sein sollte, sich über alle Kulturen (ohne diese zu vergessen) und Grenzen hinweg, sich als das Eine Volk Gottes zu begreifen, wenn es nicht möglich sein sollte, mit den Ausgegrenzten das Brot zu teilen (nicht nur im karitativen Sinn) und sich als Gemeinschaft derer zu begreifen, die in der Nachfolge Jesu sich für einen neuen Himmel und eine neue Erde einsetzen, dann wäre auch katholische Kirche nicht möglich - dann wäre jede Feier der Eucharistie hierzulande und anderswo eine Gotteslästerung.
 
3. Partnerschaft als Sakrament

Die Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden unterscheidet sich in ihren Grundstrukturen nicht von der Partnerschaft zwischen zwei Menschen. Gegenseitiger Respekt, Offenheit und Treue (besonders in schwierigen Situationen) sind unabdingbare Voraussetzungen für das Gelingen jeglicher Partnerschaft. Dazu kommt das Interesse, den Partner in seiner Menschwerdung (Mündigkeit, soziale Verantwortung usw.) zu unterstützen und zu begleiten. Auf diesem gemeinsamen Weg erfährt jeder den anderen als Bereicherung und als Hilfe für die eigene Menschwerdung. Im gemeinsamen Weg wird die Grenze des eigenen Ich überschritten und auf den Anderen hin geöffnet. Dieser Andere ist zugleich Ursprung und Ziel des gemeinsamen Weges. Da hier implizit immer von einer christlich verstandenen Partnerschaft die Rede ist, ist so verstandene und gelebte Partnerschaft sowohl Voraussetzung als auch Konsequenz des Glaubens an den Einen Gott, der schon immer mit den Menschen unterwegs ist und der ihnen den Weg weist. So wie es eine Gnade ist, im Anderen (implizit immer auch der „ganz Andere“) seine eigene Bestimmung zu entdecken, so ist es auch eine Gnade, sich auf dem gemeinsamen Weg immer besser zu verstehen und das gemeinsame Ziel immer deutlicher vor Augen zu sehen. Das Gelingen einer jeden Partnerschaft ist so immer auch ein Geschenk. Eine Partnerschaft ist nicht machbar, planbar, verfügbar - wie der Partner immer auch trotz aller Nähe der ganz Andere und Fremde bleibt und bleiben muss.
 
Für eine Gemeindepartnerschaft zwischen zwei christlichen (!) Gemeinden ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Jesus als Christus mit auf dem Weg ist,[63] dass er Ursprung und Ziel des gemeinsamen Weges ist. Herausragendes (Kenn-) Zeichen dieser Wege - Gemeinschaft ist das Brotteilen. Die Gesamtheit des Volkes Gottes konkretisiert sich zum einen in der jeweiligen Gemeinde als lebendiger und überschaubarer Teil des Volkes Gottes; vor allem aber konkretisiert sie sich in der gelebten Beziehung einer Partnerschaft mit einer Gemeinde in einem Teil der Welt, in dem der Mehrheit der Kinder Gottes ein Leben in Fülle - strukturell - verwehrt wird. Deutsche Gemeinden sind als materiell reiche Gemeinden - ob sie wollen oder nicht - in diesen Zusammenhang von Reichtum und Armut verwickelt. Im Kontext einer gelebten Partnerschaft können sie dazu beitragen, den tödlichen Kreislauf (Bruch der menschlichen Gemeinschaft und mit Gott) von zunehmender Verarmung für die Mehrheit aller Menschen und zunehmender Bereicherung einer Minderheit zu durchbrechen.

So wie auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus mit dem Unbekannten den Jüngern ein Licht aufgeht, als der Unbekannte mit ihnen das Brot bricht, so können deutsche Gemeinden durch Brotteilen mit den armgemachten Menschen einer konkreten Gemeinde zum gemeinsamen Weg des Volkes Gottes zurückfinden (umkehren und Orientierung finden). Eine so verstandene Partnerschaft zwischen einer reichen und einer armen Gemeinde ist das sichtbare Zeichen dafür, dass die Spaltung innerhalb der Kirche in reiche und arme Gemeinden überwunden werden kann und Kirche nur dann die wahrhaft katholische (universelle) und evangelische (biblische) Kirche Jesu ist, wenn das gesamte Volk Gottes auch in der Tat gemeinsam auf dem Weg ist.[64] Wenn auch schon immer von der Einheit und der Universalität der Kirche gesprochen wird, so wurde die (ideelle) Einheit der weltweiten Kirche zuerst vom Papst als Repräsentant der gesamten Kirche her abgeleitet. Partnerschaften repräsentieren aber (nicht notwendigerweise im Gegensatz zum Symbol dieser Einheit, dem Papst, sondern gleichberechtigt) konkret und in der Praxis, die Einheit vom Volk Gottes her. Gelebte Partnerschaft, gemeinsam auf dem Weg sein, Brotteilen und miteinander an dem Mahl teilnehmen dürfen, zu dem Jesus eingeladen hat, ist somit konstitutiv für das Volk Gottes, sie ist das sichtbare Zeichen einer sonst nur abstrakt gedachten (nicht wirklich erlebten) Welt - Kirche: einer Gemeinschaft, in der Arme und Reiche an einem Tisch sitzen und gemeinsam das Brot des Lebens essen.

Eine solche Gemeinschaft in Partnerschaft ist das Sakrament einer wahrhaft universellen Kirche: Partnerschaft ist das Sakrament des Volkes Gottes.

 
Aktive Teilnahme (Teilhabe, Anteil nehmen, mit einander teilen) an der Partnerschaft ist praktizierte Eucharistie. Als solche steht sie nicht im Gegensatz zur Feier der Eucharistie, die per se immer auch schon im Namen der gesamten Kirche gefeiert wird, sondern sie ist notwendige Ergänzung und Erweiterung, besser gesagt: Konkretisierung und Vergegenwärtigung einer Gemeinschaft mit Ausgegrenzten. In der Eucharistie feiert die Gemeinde den Aufbruch Gottes mit den Menschen (Befreiung), sie feiert die Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott und sie ist damit Zeichen dafür, dass die tödliche Spaltung der Menschheit überwunden werden kann. Sie ist Zeichen des Reiches Gottes. In einer Partnerschaft wird dieses Zeichen konkret erfahrbar und kann nachvollziehbar in eine entsprechende Praxis umgesetzt werden. Keine katholische Gemeinde kann von ihrem eigenen Selbstverständnis her Eucharistie feiern, ohne die Ausgegrenzten an ihren Tisch zu bitten. Mehr noch: nicht sie bittet an den Tisch, sondern es ist Gott, der zuerst die Ausgegrenzten einlädt, während die Reichen dankbar sein dürfen, wenn sie (eventuell auf Fürsprache der Armen hin) ebenfalls einen Platz am Tisch des Lebens erhalten. Für eine reiche Gemeinde ist es eine Gnade, wenn sie von armen Menschen, die sich mit Christus auf den Weg gemacht haben, zu Tisch geladen werden.

Partnerschaft bedeutet daher immer auch eine Herausforderung, sie ist nie am Ziel, sie ist keine genau beschreibbare Größe, kein Faktum, da sich in Zahlen ausdrücken lässt. Sie ist wie ein Senfkorn, das mit Gottes Hilfe zu einem großem Baum mit vielen Zweigen werden kann, auf dem alle Vögel des Himmels eine Heimat finden.

4. Partnerschaft - eine Option für die Armen
 

Seit Papst Johannes XXIII. vor der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 zum ersten Mal von einem Vorrang der Armen sprach und dies als die große Herausforderung für die Kirche der Zukunft bezeichnete, ist die Option für die Armen (zwar noch nicht auf dem Konzil in dem Maße wie von Johannes XXIII. erhofft, aber in der Folge davon in Medellín 1968) zum Thema vieler theologischen Werke und Synodenbeschlüsse geworden. Es sollen hier darüber nicht weitere Überlegungen angestellt werden, es genügt der Hinweis, dass (frei nach G. Gutiérrez) die Option für die Armen keiner weiteren theologischer Begründung bedarf, weil es die Option Gottes selbst ist.[65]

Alle befragten deutschen Gemeinden stellen in ihrem Engagement für der Partnerschaft die Sorge für die Armen in den Vordergrund. So sprechen zwar nicht alle bewusst von einer Option für die Armen, aber sie treffen gefühlsmäßig das, was mit einer Option für die Armen im Ansatz gemeint ist. In dieser Haltung treffen sie sich mit ihren Partnergemeinden. Die „Sorge für die Armen“ ist in der Theorie (und meist in der Praxis) die gemeinsame Basis in der Partnerschaft. Es werden Partnergemeinden gewünscht, in denen die Armen gleichberechtigt oder gar bevorzugt zu Worte kommen. Die „Sorge für die Armen“ ist freilich nicht immer identisch mit der „Option für die Armen“, wie sie z.B. in Medellín verstanden wird. Es soll nun andeutungsweise versucht werden, was für deutsche Gemeinden eine Option für die Armen aus der Sicht der Armen bedeuten könnte. Es werden um der Klarheit der Unterscheidung willen die Positionen überspitzt dargestellt, wohl wissend, dass die Realität komplexer ist und auch innerhalb deutscher Gemeinden Gegensätze zwischen reich und arm anzutreffen sind.

Die jeweilige Option ist zuerst von ihrem jeweiligen Kontext her zu verstehen. Die Mitglieder der deutschen Partnerschaftsgruppen gehören, wie auch die überwiegende Mehrheit in der Gemeinde, der finanziell abgesicherten Mittelschicht an. Die Gemeindemitglieder wie die Gemeinde als Ganzes sind mehr oder weniger gut funktionierende Bestandteile dieser Gesellschaft. Auch die beiden Konfessionen sind als Kirchen auf regionaler und nationaler Ebene eng mit Staat und Gesellschaft verflochten. Dies zeigt sich nicht nur in der Kirchensteuer (die bekanntlich um so höher ausfällt, je höhere Gewinne die Wirtschaft erzielt), sondern auch in der Zustimmung zu den herrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Natürlich gibt es Bruchstellen, doch diese Bruchstellen gehen auch quer durch die Gemeinden. Gemeinde und Kirche sind nicht nur Stützen dieser Gesellschaft, sie sind diese Gesellschaft. Als Gemeinde und Teil dieser Gesellschaft sind sie Teil des dazugehörenden Wirtschaftssystems (oder umgekehrt) und sie haben ein existentielles Interesse an dem Erhalt und der Funktionstüchtigkeit dieses Systems, das auch ein globales System ist. Aus diesem Interesse heraus entsteht de facto eine entsprechende Option.

Die peruanischen Partnergemeinden in ihrer Strukturierung als Gemeinschaft von Basisgruppen (so möchten sie die deutschen Gruppen ja gerne verstehen) gehören hingegen nur insofern zu diesem System, als dass sie sich als vom System Ausgegrenzte erfahren. Mit anderen Worten: sie sind die Opfer eines Systems, das seit 500 Jahren so funktioniert, wie es in einer Ausstellung der Gemeinde St. Georg, Ulm (als Diaserie „Kirche der Befreiung“ übernommen in den Verleih der diözesanen Medienstelle in Stuttgart) aus dem Jahre 1984 heißt: „Die bestehende Weltordnung basiert auf dem Recht des Stärkeren und der absoluten Vorherrschaft des Kapitals. Der wirtschaftliche Kreislauf wird allein von den Interessen des Zentrums (reiche Länder) bestimmt und führt zu mehr Reichtum unsererseits und zu immer mehr Elend andererseits“. In peruanischen Partnergemeinden gehören 80 - 90 % der Menschen zu den Armen. Und als Arme und als Volk sind sie Opfer der von Menschen so geschaffenen Verhältnisse. Diese Verhältnisse stellen sich so dar, dass die unterschiedlichen Rollen in dem Einen System so verteilt sind, dass eine Minderheit auf Kosten der Mehrheit lebt. Der Kontext, in dem die überwiegende Mehrheit der Menschen in den peruanischen Partnergemeinden lebt, ist geprägt von zunehmender Gewalt und Verelendung. Diese Menschen begreifen aber immer mehr, dass zwischen der Situation in der sie leben und dem, was sie an Überfluss und Luxus in den Medien und der Werbung sehen, ein innerer Zusammenhang besteht. Evangelisierung in den Landgemeinden und den Elendsvierteln Perus bedeutet ja gerade, auf diesen Zusammenhang (wie die Propheten) hinzuweisen, diese Situation im Lichte des Glaubens zu deuten und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Eine Option für die Armen aus deutscher Sicht bedeutet daher: 

  • Hören auf die Menschen in den Partnergemeinden, sie innerhalb ihres Kontextes wahrzunehmen und sich ihrem Weg anzuvertrauen, weil ihnen ja der Weg von Jesus gezeigt wird und er mit ihnen ist. Sie sind für deutsche Gemeinden eine Brücke zum Verständnis der ursprünglichen Botschaft. Notwendige Voraussetzung dafür ist Bekehrung (kehrt machen, den eigenen Weg zumindest in Frage stellen, neue Wege suchen) bzw. Umkehr ohne Angst, etwas zu verlieren.
  • Eine Analyse des eigenen Kontextes, diesen im Lichte der Bibel zu deuten, die Auswirkungen des wirtschaftlichen Handelns an den Pranger zu stellen und angesichts einer Verherrlichung materieller Werte (Materialismus, Götzendienst), die zum Tode führt, den biblischen Gott des Lebens zu verkünden. Mit Hilfe peruanischer Partnergemeinden kann dies eingeübt werden. Das Mindeste: Anwalt derer zu sein, die keine Stimme haben.
  • Eine Gemeindepartnerschaft ist ein hervorragender Ort, um die beiden scheinbar nicht miteinander zu vereinbarenden Gegensätze (Pole innerhalb des gleichen Systems) von Reichtum und Armut zu überwinden. Kirche ist der Ort, wo der Bruch der Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott überwunden wird. Die Kirche wird dann zur Kirche Jesu, wenn nicht die einen auf Kosten der anderen leben, sondern wenn Gemeinden im Geiste Jesu eine Tischgemeinschaft (Kirche) bilden.

Für deutsche Gemeinden ist es wesentlich schwerer, diese Einladung anzunehmen. Peruanische Gemeinden haben einen (biblisch, theologischen) „Standortvorteil“. Gott ist ihnen nahe, weil sie arm (unterdrückt) sind - nicht, weil sie „qua se“ bessere Menschen sind. 
Ist es für deutsche Gemeinden schon schwer genug, die Ursachen der Verelendung in ihren Partnergemeinden zu entdecken, so ist es noch viel schwerer, den eigenen Kontext (die Ursachen des Reichtums) zu analysieren. So wie in den Partnergemeinden die Menschen über Jahrhunderte hinweg von einer bestimmtem Kultur, Religion, gesellschaftlichen Konventionen und politischen Systemen geprägt wurden, so natürlich auch die Menschen in Deutschland. Mag man auch an manchem Althergebrachtem nicht mehr festhalten wollen, so ist eine grundsätzliche Kritik sehr selten oder erscheint als nahezu unmöglich. Jede Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen von der Wurzel her stellt letztlich auch jeden Einzelnen in Frage, der dann das Gefühl hat, man wolle ihm den Boden unter den Füßen wegziehen.

Da auch die Grenzlinien zwischen Gesellschaft und Kirche kaum auszumachen sind, eine klarere Abgrenzung auch gar nicht von der Mehrheit der Gläubigen gewünscht würde, hat die (evangelische und katholische) Kirche die Kraft verloren, Alternativen aufzuzeigen oder gar Widerstand und prophetische Kritik zu üben. Eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Kontext wird noch erschwert durch die Auffassung, dass eine solche Arbeit bzw. Beschäftigung und Auseinandersetzung mit wirtschaftspolitischen Fragen nichts mit dem persönlichen Glauben zu tun habe bzw. nicht zum Auftrag der Kirche gehöre.

In der Partnerschaft zwischen einer reichen und armen Gemeinde erfahren aber die in der Partnerschaft Engagierten, dass Alternativen möglich sind. Wenn sie sich auf die Geschichte der Armen einlassen, entdecken sie, dass selbst jahrhundertlange Unterdrückung und gewaltsame Integration in ein materialistisches und gottloses System Menschen nicht davon abhalten kann, den Aufbruch und den Auszug zu wagen. Es ist für die peruanische Gemeinden leichter aufzubrechen als für deutsche Gemeinden. Partnerschaft heißt in diesem Zusammenhang auch, die eigene Ohnmacht zu erkennen und sich von den scheinbar Schwächeren an der Hand nehmen zu lassen. Es ist keine Schande, sich von den Armen die Geschichte Gottes mit den Menschen erzählen zu lassen. Sie sind es doch, denen Gott besonders nahe steht (und umgekehrt) und mit ihnen gehen dürfen heißt, die Einladung Gottes anzunehmen und den Weg Gottes zu gehen.

Es sind die „Hirten auf dem Felde“ (die Indios, Ausgegrenzten) denen sich der Himmel öffnete und denen zuerst die Botschaft von Jesus dem Messias verkündet wurde. Deutsche Gemeinden, die sich den Standpunkt ihrer Partner zu eigen machen, werden von dem neu gewonnenen Standpunkt aus ebenfalls „den Himmel schauen“ können. Dies wird nicht möglich sein, wenn sie weiterhin eingeschlossen bleiben in einem goldenen Käfig. Wer in diesem Käfig eingeschlossen bleibt, wird nur sehr schwer das Wort Gottes, das von außerhalb kommt, hören können. Begegnungen mit den Opfern der Geschichte können zum Schlüssel werden, um diesen Käfig zu verlassen und Gott auf der Seite der Armen zu entdecken.

Für deutsche Gemeinden und die deutsche Kirche bedeutet dieser Weg, auf vieles zu verzichten. Doch bei genauerem Hinsehen (und Ausprobieren) wird man erfahren, dass es nur Ballast war, den man weggeworfen hat und nun frei ist, ohne Rücksicht auf Privilegien das Wort Gottes zu verkünden. Eine Partnerschaft mit einer armen Gemeinde erleichtert den Aufbruch. Sie macht Umkehr möglich bzw. sie ist der erste Schritt zur Umkehr. Eine Partnerschaft ist eine praktische und praktikable Option für die Armen und mit den Armen. Sie ist kirchenbildend, weil sie Einheit (mit den Ausgegrenzten) stiftet. Sie ist das Sakrament einer wahrhaft katholischen Kirche.
 
Epilog

Nach den in den Welt herrschenden Maßstäben stehen deutsche Gemeinden eher im Lichte, die Partnergemeinden und mit ihnen die Mehrheit der Menschheit, stehen im Schatten. Doch in diese Nacht hinein wurde Jesus geboren. Der Himmel öffnete sich, ein Licht erhellte die Nacht und die Armen fanden den Weg. Der Stern über der Hütte erleuchtete die Nacht. Die Frommen und Mächtigen in Jerusalem konnten diesen Stern nicht sehen, denn sie ergötzten sich an ihrem eigenen Licht.

Deutsche Partnergruppen gleichen den Weisen aus dem Morgenland, die aus ihrer Heimat aufbrechen und - geleitet von dem Stern über der Hütte - sich auf den Weg zu Jesus machen. Ihr Weg führt zuerst über Jerusalem, doch dort weiß man von nichts. Dennoch finden sie Jesus in der Hütte, weil sie sich von dem Stern führen lassen. Reich beschenkt kehren sie zurück. Weil sie Jesus in der Hütte gesehen und sie die Stimme Gottes gehört haben, finden sie den Weg in die Heimat und zu sich selbst - ohne in Jerusalem zuvor um den Weg gefragt zu haben.

Willi Knecht,    Cajamarca - Ulm - Würzburg, im Juli 2000. 


[1] Nähere Einzelheiten dazu in dem Artikel: „Cajamarca - eine Diözese in den Anden“; zur sozial-pastoralen Situation siehe den Artikel von Luís Mujica: „Die Pädagogik der pastoralen Aktion“. 

[2] Wenn in der Folge von Ausgegrenzten die Rede ist, sind nicht einige Randgruppen oder kleine Minderheiten gemeint, sondern es handelt sich um 80 - 90% der Bevölkerung, die in arm gemachten Ländern am Rande oder unterhalb des Existenzminimums lebt (besonders „Indios“, Frauen, Kinder).

[3] Dieser Weg wird beschrieben in: „Vamos Caminando - Machen wir uns auf den Weg! Glaube, Gefangenschaft und Befreiung in den peruanischen Anden“. Equipo Pastoral de Bambamarca, Exodus-Verlag 1983. Siehe auch: „Die Wehklagen derer, die leiden, lassen mich nicht ruhen“ (W. Knecht, H. Heidenreich) in: „Die Armen zuerst! 12 Lebensbilder lateinamerikanischer Bischöfe“ (Hg. Johannes Meier), M.- Grünewald 1999.

[4] Noch größer war die Überraschung, als sie im Januar 1993 vom Apostolischen Administrator, Bischof Francisco Simón Piorno (seit 1995 auch Bischof von Cajamarca), die Nachricht erhielten, ab sofort alle Partnerschaftsgelder auf sein Konto in Deutschland zu überweisen. Die Gemeinden reagierten erst bestürzt und dann abwartend.

[5] Dass die Botschaft Jesu von dem anbrechenden Reich Gottes besonders für die Ausgegrenzten jener Zeit eine „Frohe Botschaft“, für die Privilegierten aber ein Ruf zur Umkehr war, wird hier als wissenschaftlich exegetisch hinreichend abgesichert vorausgesetzt. 

[6] In dem Artikel steht Cajamarca exemplarisch für den Teil der Welt, der europäische Geschichte erleiden musste. Von der „Rückseite der Geschichte“ (G. Gutiérrez) her soll am Beispiel von Cajamarca gezeigt werden, wie Gegenwart und Zukunft gestaltet werden können und welche Rolle christlichen Gemeinden in einer immer globaler werdenden Welt zukommen kann.

[7] Eine Option für die Armen ist für die deutschen Partnergruppen nach eigenem Selbstverständnis - wie noch zu sehen sein wird - die Basis ihrer Partnerschaft. Die Option für die Armen steht im Zentrum der offiziellen kirchlichen Dokumente seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Auf sie wird im letzten Teil des Artikels eingegangen. 

[8] Zum Verständnis von „katholisch sein“ und zur Ökumene siehe Teil III. 

[9] Siehe auch den einführenden Artikel: „Cajamarca - eine Diözese in den Anden Perus“, ebenso den Beitrag von Luís Mujica: „Die Pädagogik der pastoralen Aktion: Die Kirche von Cajamarca 1962 - 1992“.

[10] Diese Bestätigung erfahren sie dann, wenn deutsche Partnergruppen im direkten Kontakt mit den Betroffenen bewusst als kirchliche Gruppen auftreten und deutlich machen, dass sie als (Orts-) Kirche zu den peruanischen Partnern stehen und diese weiterhin als ihre eigentlichen Partner ansehen. 

[11] Entgegen einer weit verbreiteten Meinung waren die Dokumente von Medellín nicht der Auslöser für eine befreiende Pastoral (und Theologie), sondern sie waren die logische Weiterführung einer bereits vorhergehenden befreienden Praxis, wie sie insbesondere die Bischöfe Dammert, Proaño (Riobamba) und Câmara (Recife) in ihren Diözesen angestoßen und vorgelebt hatten (siehe auch den Beitrag von Bischof Bettazzi in diesem Sammelband). Wie Gustavo Gutiérrez bei seinen Besuchen in Cajamarca immer wieder betonte, hätte er ohne die bereits vor 1968 (u.a.) in Cajamarca erlebten Erfahrungen einer befreienden Pastoral (weniger im wirtschaftlichen Sinne, vielmehr im Sinne einer Subjektwerdung des bisher verachteten Indio), nicht 1968 zum ersten Mal von einer „Theologie der Befreiung“ sprechen und schreiben können. 

[12] Letztes „update“ Ende 1999, nach der Rückkehr von einem achtwöchigen Aufenthalt in Cajamarca. Über alle 15 Gemeinden liegen ausführliche Informationen vor, es werden einige Gemeinden exemplarisch vorgestellt.

[13] Rolando Estela stammt aus der Landzone von Chugur (Bambamarca), von 1981 - 1988 war er Pfarrer in Bambamarca. Seit 1993 ist er der Verantwortliche für die Landpastoral in der Diözese.

[14] Zu „Despertar“ siehe: Leonardo Herrera: „Wach auf, Campesino“! Zur Pastoral in Bambamarca (einschließlich der genannten Organisationen wie Rondas etc.) und Cajamarca werden im Rahmen dieser Studie noch weitere Arbeiten erscheinen. Auf den Webseiten „www.cajamarca.de“ wird unter dem Titel „Die Stimme der Campesinos“ das Glaubensbuch „Vamos Caminando“ , seine Entstehungsgeschichte und seine Theologie vorgestellt, ebenso der Artikel: „Bambamarca - das Pilotprojekt von Bischof Dammert“. 

[15] Diese Schwerpunkte werden hier hervorgehoben, weil Schwester Leandra Silva stellvertretend für die von Bischof Simón neu angeworbenen Ordensgemeinschaften spricht (sie ist auch verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Diözese). Nach ihrer Aussage gab es in der Zeit vor Simón keine Pastoralarbeit in der Diözese, sondern nur sozialpolitischer Aufruhr und die Fundamente der Kirche wurden unter Dammert systematisch ruiniert. Die vier genannten Schwerpunkten sind für sich genommen sicher wertvolle Elemente einer Pastoralarbeit. In der Interpretation der Schwestern führen sie aber in der Praxis zumindest zu einer völligen Ausblendung der Lebenswirklichkeit. Zu den Frauenorden siehe den Artikel: „Cajamarca...“ 

[16] Jorge Trigoso ist der Autor des Artikels: „Multis, Markt und Dritte Welt - Nestlé in Cajamarca“.

[17] Pfarrer Efraín Castillo ist Beauftragter der Diözese in Fragen der Menschenrechte. Er ist Leiter der Stelle „Vicaría de solidaridad“. In dieser Eigenschaft ist er der Ansprechpartner für die Betreiber der Goldminen, die hin und wieder der Diözese (repräsentiert durch den Bischof) eine Spende zukommen lassen. Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Problematik der Goldmine und der Position der Diözese wird an anderer Stelle noch geführt werden müssen. Ein erster Artikel über diese Problematik ist unter dem Titel „Das Gold von Cajamarca“ unter der genannten Webadresse zu finden. 

[18] Zu beiden Gemeinden siehe die Artikel von Hans Meister: „Wasser fürs Leben“ und von Kajo Aicher: „Die Goldminen von Yanacocha“

[19] Celendín:Die Befragung wurde anlässlich eines Fortbildungskurses vom 10.-12. 9. 1998 für Landkatecheten aller Zonen (Thema: Der Heilige Geist) durchgeführt. Padre Rolando Estela, der Verantwortliche für die Katechese auf Diözesanebene, war Hauptexponent des Kurses. Er wurde von den beiden Pfarrern von Celendín, Lázaro Jara und Segundo Valladares, eingeladen. Er führte auch in den Fragebogen ein, die Ergebnisse wurden gemeinsam ausgewertet und anschließend im Plenum besprochen. Die Beantwortung der Fragen fand in drei Gruppen von je zwölf Personen statt.
Bambamarca: Fragebogen an die leitenden Katecheten des „ZK“ (comité central) in Bambamarca: Die Befragung wurde am 17. 9. 1998 durchgeführt. Die amtierende Leitung der Katecheten (Don Neptalí, Don Concepción und acht weitere Katecheten) beantwortete die Fragen gemeinsam. Der selbe Fragebogen wurde von den Leitern der Rondas und den Leiterinnen der 105 Frauengruppen auf einem gemeinsamen Kongress der Rondas und Frauengruppen am 24./25. Mai 1999 beantwortet. An dem Kongress nahmen 861 Delegierte und Rolando Estela teil. Die Rondas und Frauengruppen sind nach ihrem eigenen Selbstverständnis und von ihrer Entstehungsgeschichte her kirchliche Gruppen und sie repräsentieren zusammen mit den Katecheten die Kirche von Bambamarca. 
San Pedro: Umfrage unter 36 Verantwortlichen und den Katecheten von acht Comunidades der Pfarrei San Pedro, die vom 28. - 30. 8. 1997 zur monatlichen Jornada (Weiterbildungskurs) zusammengekommen waren. Diese acht Gemeinschaften bilden den Kern der Landzone von San Pedro. Mit den anderen Comunidades von San Pedro und deren Verantwortlichen besteht ein Erfahrungsaustausch. Der Fragebogen für die Frauengruppen (Mütterklubs) wurde im Oktober 1997 ausgefüllt. Bei der Bearbeitung des Fragebogens wurden drei Gruppen gebildet, es waren die gewählten Vertreterinnen aller Mütterclubs, insgesamt 35 Frauen, beteiligt. Die Mehrzahl der Frauen sind Campesinas. Die Frauengruppen leben in den Randzonen der Stadt (vier Gruppen) oder in naher Umgebung der Stadt auf dem Land (drei Gruppen).

[20] Die Fragen: 1. Wie sehen (bewerten) wir die Präsenz der Kirche in unserer Comunidad? 2. Fühlen Sie sich von der Kirche (Bischof - Pfarrer) unterstützt in dem Bestreben, in Würde und als Kinder Gottes zu leben? 3. Kennen Sie ein positives Beispiel von der Arbeit der Kirche auf dem Land? 4. Falls ja: Wer gab den Anstoß? In welcher Zeit geschah dies? Worin bestand das gute Beispiel? 5. Stellten Sie eine Änderung in der ländlichen Pastoralarbeit in den letzten Jahren fest? Welche? 6. Welches wäre - Ihrer Meinung nach - die wichtigste Aufgabe der Kirche? 7. Erfüllt die Kirche ihre Aufgabe und falls nicht: Welche Konsequenzen hätte dies? 8. Wenn Sie einen Wunsch an die Kirche hätten, was würden sie wünschen? 9. Was wäre Ihre stärkste Kritik - oder wichtigste Empfehlung - an der heutigen Kirche? 10. Wie sieht man - oder macht sich bemerkbar - die Partnerschaft mit der deutschen Pfarrei?
Die Auswertung hakt nicht eine Frage nach der anderen ab, sondern orientiert sich am Stil der Campesinos, die nicht streng zwischen den Fragen unterscheiden, sondern die Fragen eher als Anregung verstehen, insgesamt über ihre Situation zu reden. Zitate und Interpretation gehen ineinander über und bilden eine Einheit, was nach indianischem Verständnis „logischer“, weil wahrer ist, als die in Europa übliche „wissenschaftlich-rationale“ Art und Weise, die komplexe Sachverhalte in isolierte Einzelteile zerlegt und seziert. Auch die Fragen selbst sind diesem Anliegen entsprechend formuliert. Alle Antworten sind unter der genannten Webadresse zu finden,

[21] Die Aussagen sind nie verallgemeinernd gemeint, sondern beziehen sich stets auf konkret erlebte Erfahrungen.

[22] Kursiv: diese Wörter sind im handgeschriebenen Original unterstrichen.

[23] Dies geschieht z.B. durch das Reden von einer Comunio (W. Kasper), die in der Praxis als „Comunio von oben“ und „Comunio unter seinesgleichen“ verstanden wird. Ebenso wird das Prinzip des Dialogs verstanden - eines Dialogs, der eben nicht auf Gleichberechtigung gründet und dies prinzipiell auch gar nicht kann, wenn vorschnell „göttliche Wahrheiten“ ins Spiel gebracht werden. 

[24] Solche Fragen werden offensichtlich eher in Gesellschaften (und Glaubensgemeinschaften) gestellt, denen die Ganzheit (und damit der biblische Glaube) abhanden gekommen ist.

[25] Im Unterschied zu der Vorstellung der peruanischen Gemeinden stellen sich die deutschen Gruppen selbst vor. Eine vergleichbare Umfrage in allen peruanischen Gemeinden wäre kaum möglich, u.a. weil es in der Regel keine speziellen Partnerschaftsgruppen, die für die Partnerschaft im Namen der Gemeinde verantwortlich sind, gibt. Eine ausführlichere Auswertung, die alle Fragen und Antworten beinhaltet, ist unter der angegebenen Webadresse zu finden.  Siehe auch: Christliche Dritte-Welt-Gruppen. Praxis und Selbstverständnis (F. Nuscheler/K. Gabriel/S. Keller/M. Treber, Mainz 1995). Die Aussagen von Nuscheler/Gabriel, deren Ansatz eher „in die Breite“ geht, werden in einer Befragung, die sich auf wenige Gruppen beschränkt und mehr „in die Tiefe“ geht, im wesentlichen bestätigt. 

[26] Im Sommer 1999 besuchte eine Delegation aller Gemeindegruppen den Bischof, um ihn um einen Pfarrer für ihre Gemeinde zu bitten. Der Bischof wies die Bitte mit dem Hinweis ab, dass sie einen engagierten Pfarrer haben. 

[27] Die Rolle des Pfarrer Alex Urbina und sein Verhältnis zum Bischof ist für die Gruppe hier unklar, er steht zudem im Streit mit einer Schwesterngruppe, die im Sinne von Bischof Dammert arbeitet, zu der aber wiederum die Gruppe in Tettnang keinen Kontakt hat, weil die Kommunikation mit den Schwestern nicht funktionieren will.

[28] Zur neuesten Situation in Porcón: Pfarrer Alex Urbina ist inzwischen eine der wichtigsten Stützen für Bischof Simón (weil er ihm nach eigener Aussage alles verdankt) und hintertreibt und denunziert alle Versuche der Campesinos und der Schwestern, eine gemeinsame Plattform gegen die Übergriffe der Mine und für eine engagierte Landpastoral zu organisieren. Marco Arana, einst eng mit Alex Urbina befreundet, hat sich von ihm völlig distanziert. Wie er in einem langem Gespräch am 29. 11. 1999 versicherte, traut er sich aber nicht, die gemeinsamen Freunde in Tettnang über die wahren Verhältnisse in Porcón aufzuklären, da sie dies als Verleumdung von Alex interpretieren könnten. Die Situation ist um so bedauerlicher, da die Tettnanger Gruppe, nicht nur in Sachen Goldmine, eine sehr engagierte Gruppe ist. 

[29] Eine Ausnahme bildet die Partnerschaft der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit, Freiburg, die ältere Wurzeln hat und in einem anderen Kontext steht.

[30] Ausführlicher Artikel von J. Kramer, geschrieben für diese Studie: „Sozialpastorale Wege befreienden Handelns - Ein Essay zum Wirken von Bischof Dammert Bellido, Cajamarca, Peru“.

[31] Eine Einladung an die beiden Pfarrer für ein Gemeindejubiläum in Ostrach im Oktober 1999 kann von den beiden Pfarren nicht angenommen werden. Beide Pfarrer sehen keine Möglichkeit, sinnvolle partnerschaftliche Kontakte mit Ostrach aufzunehmen, weil die Unterschiede zu groß sind, die Interessen zu weit auseinanderliegen und es über das Verständnis von Partnerschaft und Kirche nicht zu einem Dialog kommt (Aussagen der Pfarrer am. 9.11. 1999). 

[32] Die Katecheten von sechs Comunidades, die offiziell zu Magdalena gehören, sich aber nach San Pedro orientieren, berichten im November 1999, dass inzwischen der neue Pfarrer von Magdalena (seit Sommer 1999) Juan de Dios, von der Existenz der Katecheten erfahren hat und ihnen eine Aufforderung zukommen ließ, ihre nicht genehmigte Tätigkeit als Katecheten sofort einzustellen. Am 28./29. 11. 1999 war Rolando Estela, zusammen mit der Koordinatorin der Partnerschaft in San Pedro (Olivia Velarde) und einigen Helferinnen von San Pedro in diesen sechs Comunidades, um sie in ihrer pastoralen Arbeit zu bestärken und zu versichern, dass sie auch in Zukunft nicht im Stich gelassen werden. Auch St. Georg - Ulm sieht diese Comunidades als ihre Partner, als ihre Teilgemeinde an. 

[33] Seit Sommer 1999 ist David Cruzado als neuer Pfarrer in Namora/Matara. David Cruzado ist der Sohn von Candelario Cruzado, dem ersten Campesino-Katecheten in Bambamarca. Bischof Dammert hielt David Cruzado (weil er ihn gut kannte) für nicht geeignet für das Priesteramt. Bischof Simón gelang es dann, Don Candelario auf seine Seite zu ziehen mit dem Versprechen, den Sohn trotzdem zum Priester zu weihen (laut Aussagen von Don Candelario). 

[34] Das Problem der Partnerschaft in Celendín mit der deutschen Partnergemeinde stellt Rolando Estela in seinem Kommentar am Ende des Kurses (siehe Anmerkung 19) heraus. Die Analyse wurde von ihm an die Tafel geschrieben: „Alle Katecheten, die Vertreter aller Zonen, hörten zum erstenmal von der ‚Partnerschaft‘ mit einer deutschen Pfarrei und reagierten entsprechend verwundert. Auch die beiden Pfarrer Lázaro und Segundo wissen keinerlei Details über die ‚Partnerschaft‘. Auch die Pfarrgruppen der Stadt wissen nichts von einer Partnerschaft. Mit wem hat also die Pfarrei Grenzach eine Partnerschaft? Die Arbeit der Pfarrei gibt Anlass zu großer Hoffnung. Doch sie erhalten weder materielle noch spirituelle Unterstützung, weder vom Bischof noch von der Partnergemeinde. Bei entsprechender Unterstützung könnte die Pastoralarbeit, insbesondere auf dem Land, erheblich an Kraft gewinnen“.

[35] Miguel Garnett, Autor des Artikels über das Priesterseminar, ergreift als neuer (vorübergehender) Pfarrer von Celendín erneut die Initiative und schreibt im 7. Juli 1999 nach Grenzach: „Liebe Freunde in Grenzach, wir kennen euch bisher kaum. Wir hier in Celendín sind eine christliche Gruppe, die seit drei Monaten immer Dienstags abends sich trifft, um die Bibel zu lesen. In dieser kurzen Zeit haben wir entdeckt, dass die Heilige Schrift langsam zum Volk zurückkehren muss, wie es im Leben der ersten Christen gewesen ist. Wir haben auch gelernt, uns alle am Dialog zu beteiligen, unsere Meinung zu sagen und den Gesichtspunkt jedes Einzelnen ernst zu nehmen. .... Wir sehen eine Globalisierung ‚von oben’, die die große Masse der Armen ausschließt. Wir denken daher eher an eine Globalisierung „von unten“, d.h. von den Armen aus. Vielleicht könnte der Kontakt und die Kommunikation zu euch eine neue Form sein, um diese Idee zu verwirklichen“. Eine Antwort auf diesen Brief hatte er Ende 1999 noch nicht erhalten. 

[36] „Bambamarca - das Pilotprojekt von Bischof Dammert“ (a.a.O. im Web)

[37] Die Auswertungen der Fragebögen an die Partnergruppen, sowie an die einzelnen Mitglieder der Gruppen, Fragebogen an die deutschen Pfarrer der Partnergemeinden und an ehemalige kirchliche Entwicklungshelfer in Cajamarca sind unter der angegebenen Webadresse veröffentlicht. 

[38] Es ist eine missionarische und prophetische Deutung des eigenen Auftrags, vergleichbar mit dem Selbstverständnis und dem Wirken der ersten Christen. Gerade eine solche Deutung lehnen die meisten deutschen Gruppenmitglieder nicht nur ab, sondern sie empfinden dies als Zumutung. Andererseits wird ein solches Verständnis bei den Partnern nicht nur akzeptiert, sondern sogar bewundert - eine Projektion unerfüllbar erscheinender Träume und Sehnsüchte in die Ferne?

[39] Es herrscht weithin ein soziologisches Verständnis von Kirche vor. Dieses Verständnis von Kirche entspricht dem Verständnis, das auch die Hierarchie von Kirche hat, nach dem - de facto - das Volk Gottes, die Laien, als ein Gegenüber und damit als Objekt (als Masse der Gläubigen) gesehen wird. Es besteht eine merkwürdige Ungleichzeitigkeit: Während in öffentlichen Verlautbarungen, Synodenbeschlüssen und diözesanen Reformpapieren angesichts der zukünftigen Perspektiven (Priestermangel) immer stärker die notwendige Mitverantwortung der Laien herausgestellt wird, gerät deren tatsächliche Bedeutung als Gemeinschaft der Glaubenden und als Volk Gottes, dem die Amtsträger dienen, wieder mehr aus dem Blickfeld. Der römischen Dimension von Kirche (dem römisch-germanisch inkulturierten Teil von Weltkirche mit entsprechender Rechtsform und Hierarchie) wird eine ungleich höhere Bedeutung beigemessen als dem gelebten Beispiel der ersten Christen und den als befreiend erfahrenen Glaubenszeugnissen der vom Evangelium und dem Zweiten Vatikanischen Konzil inspirierten Campesinos (u.a.). Die historisch gewachsene Form von Kirche wird als unantastbar definiert - de facto, (noch) nicht dogmatisch. Die äußere, geschichtliche Form wird so zur Mitte, die universelle und auf Jesus Christus zurückgehende Form von Kirche als Gemeinschaft aller Menschen,die an Jesus den Christus glauben, wird zur Peripherie. Ein naheliegender Rückgriff auf die Fundamente der Kirche, deren Entstehungsgeschichte und die Praxis der ersten Gemeinden (und dem Entstehen von Glaubensgemeinschaften in den Elendszonen dieser Welt) wird folgerichtig als ein Angriff auf die so von oben her definierte Kirche gedeutet. Denn auch die Einheit der Kirche wird von daher von oben her definiert, d. h. auf der Basis von Gehorsam gegenüber dem „Stellvertreter Christi“. Dieser bedingungslose (weil sich letztlich selbst das Gewissen daran zu orientieren hat) Gehorsam wird somit zum entscheidenden Merkmal der „Rechtgläubigkeit“. Die faktische Aufwertung historisch bedingter äußerer und rechtlicher Strukturen zu „ewigen“ und quasi göttlichen Einrichtungen widerspricht nicht nur allen theologischen Erkenntnissen und den fundamentalen Dokumenten der Kirche, sie muss sich auch die Frage nach dem Götzendienst gefallen lassen.

[40] Es herrscht noch das (unbewusste) Muster vor, dass Laien für die weltlichen Dinge und die Geistlichen für die „überweltlichen“ Dinge zuständig sind (in der Praxis und laut Kirchenrecht sind dennoch die Geistlichen z.B. auch für so profane Dinge wie Finanzhaushalt, Arbeitsrecht etc. in letzter Instanz zuständig...). Wie ist es zu erklären, dass in unserer „aufgeklärten“ Gesellschaft und Kirche die alten (unbewussten) Muster von „Kult- und Opferpriestertum“, die Trennungen von Leib und Seele, von Spiritualität und Engagement, offenbar noch wirksamer sind als in Campesinogemeinschaften, die über Jahrhunderte hinweg mit Gewalt gerade in diese Muster hineingepresst wurden? Ersetzt vielleicht ein schwärmerisches Verständnis von Basisgemeinden, in die alle vor Ort unerfüllten Hoffnungen auf eine lebendige Gemeinde und erneuerte Kirche hinein projektiert werden, das konkrete Auseinandersetzen mit den Verhältnissen vor Ort, so dass sich gerade deswegen wenig verändert?

 [41] Selbst wenn es sich hier um Vorurteile aufgrund mangelhafter Information handeln dürfte - und nicht alle Hilfswerke gleichgesetzt werden dürfen - müsste es den Hilfswerken und Ordinariaten zu denken geben, wie es zu dieser verbreiteten Meinung kommen kann. Mit anderen Worten: Zumindest in der Vergangenheit ging es den Hilfswerken zuerst um Spenden und weniger um Veränderung hier in Deutschland (auf der Basis einer entsprechenden pastoralen Arbeit in den Gemeinden). Ob die Hilfswerke und Ordinariate für eine solche Aufgabe vorbereitet sind bzw. dies als Aufgabe begreifen? 

[42] Was Gemeinde (Kirche) ist, wird nicht zuerst von den Gläubigen und deren Gemeinschaft her definiert. So wird am Beispiel peruanischer Partnergemeinden deutlich, dass Glaubensgemeinschaften, die auf der Basis des Evangeliums ihr Leben und ihren Glauben miteinander teilen (und Priester einladen) nicht „kirchlich anerkannt“ sind, während überall laut römischen Kirchenrecht dort Gemeinde (Kirche) ist, wo ein Priester von seinem Bischof zum Pfarrer bestellt worden ist, unabhängig von dessen Praxis und davon, ob überhaupt eine Basis (Gemeinschaft) vorhanden ist oder nicht. Eine Gruppe, die in der Begegnung mit den Ausgegrenzten deren Bedürfnisse und Glaubenserfahrungen als Orientierung für sich selbst ernst nimmt, wird innerhalb der organisierten Kirche zu einer Randgruppe: der überwiegende Teil des Volkes Gottes, ausgerechnet die Bedürftigsten, die am meisten Hunger nach Brot und nach Gott haben, werden von einer kleinen Minderheit, deren Tische überladen sind mit Brot und dem „Wissen von Gott“, an den Rand gedrängt (vergl. Lazarus).

[43] In jeder Gemeinde gibt es engagierte Christen, die bis an den Rand der Erschöpfung sich für die Gemeinde bzw. Partnerschaftsarbeit einsetzen. Diese gilt es zu stützen und zu ermutigen. Diese Sätze wenden sich nicht kritisch an den Einzelnen, sondern an den gesellschaftlichen Kontext; es geht um strukturelle Anfragen an Gesellschaft und Kirche.

[44] Eine Unterscheidung zischen einer Eucharistiefeier mit oder ohne Priester wird hier nicht angestellt. Sie stellt sich aus einer konkreten Praxis heraus nicht bzw. eine solche Frage erweist sich als zweitrangig. Eine solche Unterscheidung entspricht nicht der Praxis Jesu und den Erfahrungen der ersten Christen und christlicher Basisgruppen, die aus der Situation heraus feiern und die Gegenwart Gottes erleben, wenn sie das Brot miteinander teilen. Dieses Bedürfnis hat oberste Priorität. Die Frage nach Amt und Weihe ist dem untergeordnet. Wird diese jedoch zur obersten Norm erhoben, wird die Masse der Gläubigen de facto ausgegrenzt bzw. ihr wird das wichtigste vorenthalten, das die Kirche nach eigenem Selbstverständnis zu bieten hat und letztlich ihr Wesen ausmacht: die sakramentale Einheit der Menschen untereinander und mit Gott. Dies ist ein theologischer Skandal, die Kirche stellt sich dadurch selbst in Frage. Lehramtliche Fixierungen bedeuten zudem, Gott selbst vorschreiben zu wollen, unter welchen Bedingungen er wann und mit wem sich an den Tisch setzen darf. 

[45] Wenn sie sich in ihrer Not (wie in mindestens drei Fällen geschehen) dann um Hilfe an das Referat Weltkirche der Erzdiözese Freiburg wenden, werden sie von dessen Leiter darauf hingewiesen, unter allen Umständen den Kontakt mit dem Pfarrer aufrecht zu erhalten und in schwierigen Fällen den Ortsbischof um Vermittlung zu bitten. Nach einer solchen Auskunft fühlen sich die Ratsuchenden noch hilfloser und unter Umständen gar schuldig, weil sie die Schuld an dem nicht gelingen wollenden Dialog bei sich selbst suchen. 

[46] Eine Delegation aller fünfzehn Partnergemeinden bat bereits am 22. 10. 1997 wegen der Situation in der Diözese Cajamarca um ein Gespräch bei Adveniat, das dann im Frühjahr 1998 zustande kam. Auf diesem Gespräch stellte der Geschäftsführer von Adveniat fest, dass jede Zusammenarbeit in Übereinstimmung mit dem Ortsbischof geschehen muss, denn der Bischof von Cajamarca ist stets qua Amt die Kirche von Cajamarca. Alle Versuche, ohne dessen Erlaubnis in seiner Diözese zu wirken, ist gegen die Kirche gerichtet und spaltet somit die Kirche. Die gleiche Position vertritt u.a. der Leiter des Referates Weltkirche der Erzdiözese Freiburg, Prälat Sauer.

[47] Spiritualität wird hier als Kraft verstanden, sein Leben im Geiste und in der Nachfolge Jesu zu gestalten. Spiritualität bedeutet aus der Sicht der Armen, Gott inmitten ihres Leides und ihrer Hoffnungen als ein Gott des „Lebens in Fülle“ zu entdecken, der mit ihnen ist und sie führt. Aus der Sicht der „Reichen“ bedeutet Spiritualität, im leidenden Nächsten, das Antlitz des Gekreuzigten zu entdecken, sich mit dem Armen auf den Weg machen und mit ihm zusammen seine Sehnsucht nach dem Reich Gottes zu formulieren und im „Hier und Heute“ Gestalt zu verleihen. Partnerschaft könnte von daher auch als „Überschreitungsphänomen“ bezeichnet werden. Es werden die Grenzen der eigenen Welt (und Gemeinde) überschritten. Dies kann als Fundament oder Voraussetzung einer Spiritualität und Offenheit - einer Mystik - gedeutet werden, ohne die nach K. Rahner das Christentum keine Zukunft hat.

[48] Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, was hierzulande in der Frage nach dem Kriterium der Mitgliedschaft in der Kirche zum Maßstab gemacht wird: die Zugehörigkeit zur Kirche - ist man erst einmal ungefragt Mitglied - wird über Geld (Steuern) definiert. Dagegen erscheint die Praxis des Bischofs von Cajamarca konsequenter, der die monatliche Ohrenbeichte zum Kriterium der Mitgliedschaft in der Kirche macht und der somit wenigstens konsequenter an der traditionellen Lehre der Kirche festhält als die „liberale“ deutsche Kirche (die er konsequenterweise als „protestantisch verseucht“, also als aus seiner Sicht hoffnungslosen Fall darstellt)

[49] Es müsste hellhörig werden lassen, wenn trotz „optimaler“ äußerer Voraussetzungen (Milliardenaufwendungen für Religionsunterricht, Bildungshäuser, permanent tagende Gremien, Tausende von professionellen Experten in einer Diözese usw.) die Kerngruppen der Gemeinden in dem Bemühen, sich den pastoralen Herausforderungen der Zeit zu stellen, sich allein gelassen fühlen.

[50] An dieser Stelle kommt sofort und reflexartig der Einwand, dass sich die Erfahrungen von Campesinos aus den Anden Perus nicht auf die deutsche Gesellschaft und Kirche übertragen lassen bzw. Erfahrungen aus der Dritten Welt lassen sich nicht auf die Erste Welt übertragen. Selbstverständlich ist die Situation in der Ersten und Dritten Welt verschieden. Der Einwand ist dann berechtigt, wenn man die Definition dessen, was Kirche ist, eher an äußeren Merkmalen festmacht und wenn man den wirtschaftlich und politischen Zusammenhang zwischen “Erster und Dritter Welt” außer acht lässt.

[51] Dass das Evangelium dringlicher und aktueller denn je ist, wird hier vorausgesetzt, denn sonst hätte diese Arbeit und vieles mehr keinen Sinn.

[52] Siehe die Artikel „Das Gold von Cajamarca“; „Bambamarca - das Pilotprojekt von Bischof Dammert“ in: „www.cajamarca.de“. Zur Goldmine siehe auch: „Cajamarca - eine Diözese in den Anden“. Auf Einzelheiten des Projekts kann hier nicht eingegangen werden, es geht vielmehr um die zu beschreibende Problematik. 

[53] Als Mainzer Diözesanpriester von 1969 - 1971 Pfarrer in Bambamarca, danach bis zum Rücktritt Dammerts dessen engster Mitarbeiter (u.a. als Dozent im Priesterseminar von Cajamarca, Mitbegründer des DAS etc.). Für diese Studie schrieb er den Artikel „Die Sozial-Pastoral der Diözese Cajamarca unter Bischof José Dammert Bellido, 1962 - 1992“. Der Artikel ist unter der angegebenen Webadresse zu finden. 

[54] Weitere Beispiele sind der Einsatz der Partnergemeinde in Herzogenaurach für die Landlosen in Tembladera; die Arbeit der Partnergruppe in Tettnang für die von der Goldmine betrogenen Campesinos; die Treue der Partnergemeinde in Ulm zu den von der Pfarrei ausgeschlossen Gruppen in San Pedro - siehe dazu auch die entsprechenden Artikel in diesem Sammelband. 

[55] Vgl.: Miguel Garnett: „Das Seminar San José, Cajamarca“.

[56] Der Bau der Priesterseminars wurde von einem deutschen Architekten geleitet, der von Misereor bezahlt wurde. Das Priesterseminar wurde in ökologischer Bauweise, mit altbewährten Materialien der Region wie z.B. Lehmziegeln hergestellt. Auf nationaler Ebene erfuhr dies u.a. von peruanischen Zeitungen sehr positive Würdigungen. Bischof Simón ließ einen Teil davon abreisen und mit „modernen“ Materialien - „material noble“ - wie Zement etc. ersetzen, weil „primitive“ Materialien für ein Bischöfliches Palais nicht angemessen sind. Zudem ließ er hochwertiges Material aus Sevilla - Fließen, Kacheln, Bodenbeläge - einführen und die Räume mit wertvollen Teppichen auslegen. Als eine Delegation der Mütterklubs von San Pedro um ein Gespräch mit dem Bischof bat, wurden sie bereits aus dem ersten der inzwischen drei Vorräume mit der Begründung verjagt, dass sie mit ihren ungewaschenen Füßen die wertvollen Teppiche verunreinigen würden. Seit 1999 wird ein weiterer Teil des ehemaligen Seminars abgerissen und stattdessen eine Ladenzeile errichtet, weil man dadurch hohe Mieten erzielen kann. Weitere Beispiele von Zweckentfremdungen kirchlicher Gebäude, die von Deutschland aus finanziert wurden, sind belegt. Ob hier eine rein kirchenrechtlich - autoritäre Argumentation wirklich hilfreich ist und dem Willen der Spender gerecht wird?

[57] In verschiedenen Gemeinden werden Gläubige beim Empfang der Kommunion vom Pfarrer öffentlich mit den Worten zurückgewiesen, dass sie unwürdig seien, weil sie nicht bei ihm (!) gebeichtet hätten. Es gibt nur noch wenige Gottesdienste, in denen mehr als fünf Gläubige zur Kommunion gehen.

[58] Bereits 1987, zum 70. Geburtstag Bischof Dammerts, wies eine Delegation von St. Georg, Ulm mit dem damaligen Pfarrer Alfred Vögele im Gespräch mit dem Bischof darauf hin, wie Vorsorge getroffen werden könnte, damit ein Nachfolger nicht alles zerstören könnte, was bisher aufgebaut wurde. Dabei wiesen die Ulmer insbesondere auf die positiven Möglichkeiten einer basisorientierten Partnerschaft hin. Doch es geschah auf Diözesanebene wenig in dieser Hinsicht und auch die engeren (auch deutschen) Mitarbeiter von Bischof Dammert vertrauten eher dem Hl. Geist als selbst Hand anzulegen und Partnerschaften gezielt zu stärken. Dies geschah vermutlich auch deshalb, weil damals noch nicht die Bedeutung einer Partnerschaft in all ihren Dimensionen erfasst wurde. 

[59] Einige deutsche Amtsträger solidarisieren sich in dieser Frage mit Bischof Simón und gegen Partnergruppen. Sie sollten aber zumindest wissen, mit wem bzw. gegen wen sie sich solidarisieren und warum sie dies tun.

[60] Der Vorwurf des „Imperialismus und Kolonialismus“ ist um so merkwürdiger, da er ausgerechnet von denen erhoben wird, die ohne Rücksicht auf den Glauben des Volkes europäische Praktiken durchsetzen, die die spanische Geschichte der Eroberung verherrlichen und die Fliesen aus Spanien einfliegen lassen, weil das einheimische Material zu primitiv sei ... usw. 

[61] Eine solche Argumentation folgt der unseligen Tradition, nach der die Unterstützung der Machthaber (und deren Privilegien usw.) nicht politisch, der Protest aber gegen die Mächtigen und die von ihnen verübte Gewalt eine unzulässige Vermischung von Religion und Politik sei.

[62] Siehe den Artikel: „Lasst uns den Weg weitergehen..“

[63] Der Wege - Gedanke ist grundlegend für das Selbstverständnis der Christen in Cajamarca. Dem liegt das biblische Bild des Volkes Gottes zu Grunde, das den Ruf Gottes hört und das sich unter seiner Führung auf den Weg aus der Sklaverei in das Gelobte Land macht. Im Neuen Testament ist es u.a. das Bild von den Jüngern von Emmaus, die sich enttäuscht von Jerusalem abwenden und denen auf dem Weg mit einem Fremden, Unbekannten ein Licht aufgeht. Sie erkennen den auferstandenen Christus, als er mit ihnen das Brot bricht. Gemeinsam als Volk Gottes auf dem Weg sein (Umkehr, Aufbruch), miteinander teilen, was der Mensch zum Leben braucht und die österliche Erfahrung der bleibenden Gegenwart Gottes, sind die tragenden Fundamente christlichen Glaubens und von „Kirchesein“. Sie sind auch die Fundamente einer christlich verstandenen Partnerschaft (sowohl einer Partnerschaft zwischen zwei Menschen als auch einer Partnerschaft zwischen christlichen Gemeinschaften).

Das Volk Gottes ist stets als Gemeinschaft unterwegs. Dieses Volk ist in (mitunter sehr) verschiedenen Gruppen organisiert, den Gemeinden weltweit. Die Gemeinde als überschaubare Gemeinschaft von Menschen, die den Ruf Gottes hören, sich (mit anderen Gemeinden) auf den Weg machen, das Brot miteinander brechen und sich so als Tischgemeinschaft erfahren, repräsentiert stets auch die gesamte Kirche, sie ist Kirche im Vollzug, sie ist Kirche.

Sie ist diese Kirche um so authentischer, wenn sie in ihrem Vollzug und in ihrer Praxis die anderen Gemeinden in der Welt nicht ausschließt (was sie per definitionem gar nicht kann), sondern wenn sie gerade diejenigen in ihr konkretes Leben mit einschließt, die sonst nach den global herrschenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten dieser Welt ausgeschlossen werden. Dem ausgegrenzten Volk offenbart Gott seinen Namen und als das Volk Gottes auf den Ruf hört und sich auf den Weg macht, erfährt es diesen Gott als Gott der Befreiung, der sein Volk nicht im Stich lässt, sondern der immer da ist.

[64] Eine solche Sicht lässt „das Problem der Ökumene“ als überholt erscheinen. Ökumene bedeutete ursprünglich nichts anderes als die eine, miteinander geschwisterlich verbundene Kirche in der ganzen Welt. Die Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden in den so unterschiedlichen Teilen der Welt ist praktizierte Ökumene. Die Spaltung der Christenheit besteht nicht darin, ob einige Christen sich eher zu den Ängsten der Menschen im 16. Jahrhundert mit der daraus resultierenden Lehre von der eigenen (!) Rechtfertigung bekennen oder ob vielleicht nicht auch „Gute Werke“ eine Bedeutung für das eigene Seelenheil haben können.

Sie besteht vielmehr darin, dass von Christen Verhältnisse geschaffen wurden und aufrechterhalten werden, innerhalb derer Christen auf Kosten anderer Christen leben. Der Bruch der von Gott gewollten menschlichen Gemeinschaft ist der eigentliche Skandal (Ur - Sünde). Eine ökumenische Bewegung in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ist in ihrem Kern das, was Kirche ausmacht: die Gemeinschaft des Volkes Gottes, das den Ruf Gottes hört und aus der Sklaverei Ägyptens und des Mammons aufbricht, die das Unrecht anklagt und Gerechtigkeit verkündet, die auf dem Weg das Brot miteinander teilt und die Gegenwart Gottes feiert. Partnergemeinden können und müssen Wegbereiter (Pioniere) dieser ökumenischen Bewegung sein. Sie sind die Keimzellen einer erneuerten Kirche.

[65] Die akademische und nur scheinbar wissenschaftliche Frage, ob die Theologie der Befreiung „tot“ sei, weil ja der Ost - West - Konflikt nicht mehr bestehe, ist ein Hinweis auf das beschämende Niveau der Diskussion innerhalb der deutschen Theologie und im „Bildungsbürgertum“. Ausgangspunkt der Theologie der Befreiung war und ist die Situation der 2/3 der Menschheit, deren Situation „zum Himmel schreit“. Schon vor über 3.000 Jahren haben solche Menschen erfahren, dass der Gott des Lebens sich ihrer erbarmt und sie aus der Sklaverei führt. Diese Situation - bei allem veränderten Kontext - besteht fort und ist heute drängender denn je. Wer an diesen Gott nicht mehr glauben kann, soll sagen, an was er sein Herz wirklich hängt. Die "Hoftheologen des Pharao" haben stets verkündet und tun es noch heute, was dieser hören wollte und sind daher unfähig den "Schrei des Volkes" zu hören geschweige denn zu interpretieren. 

Diese theologische Grundoption hat sich nicht verändert. Die Theologie der Befreiung ist nicht irgendeine „Modetheologie“, sie ist vielmehr eine Abkehr von der Theologie der abendländischen Christenheit, die im Kontext der „Sieger“ (Eroberer) formuliert und verkündet wurde. Sie ist eine Umkehr zu den biblischen Wurzeln und entstanden aus dem Glauben der Ausgegrenzten (der Opfer) an einen befreienden Gott. Sie ist nicht ohne Irrtümer, und sie braucht Unterstützung - aber keine Belehrungen „ex catedra“. Es ist nicht die Schuld der Ausgegrenzten, wenn sie von üppig ausgestatteten Theologiemaschinerien nicht verstanden werden bzw. sie nicht in deren vorgestanzten Formate passt. Wie kann man theologisch vorgeben, die Stimme der Armen zu hören (den Ruf Gottes), wenn die Armen, mit denen sich Jesus Christus identifiziert, selbst nicht als Subjekte in dieser Theologie vorkommen? Und wie christlich (von Jesus Christus her entwickelt) ist eine solche Theologie?

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