Der Kontext der Studie

1.  Der äußere Rahmen   (I. Kapitel)

a) Eigene Verwicklung (biographisch)

Über vier Jahre, von 1977 - 1980, lebte ich als „agente pastoral“ in der Pfarrei Bambamarca, Diözese Cajamarca (1) Bereits Anfang 1972 wurde an der Hochschule der Jesuiten in Frankfurt - St. Georgen ein Arbeitskreis gebildet, der sich mit dem Thema „Theologie der Befreiung“ beschäftigte - noch vor der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung der Arbeit von Gustavo Gutiérrez.

In diesem Arbeitskreis, in dem ich von Anfang an mitwirkte, waren spanische und lateinamerikanische Jesuiten, die sich in St. Georgen zu weiterführenden Studien aufhielten, die Wortführer. Die Leitung des Arbeitskreises hatte Miguel Manzanera, heute Cochabamba, Bolivien.  Die Professoren Semmelroth und Grillmeier waren Gäste in diesem Arbeitskreis und forderten zu gründlicheren Überlegungen heraus.

Die Entwicklung in der Diözese Cajamarca lernte ich über die Brüder Alois und Rudi Eichenlaub kennen, die aus dem gleichen Dorf wie ich stammen (Herxheim in der Pfalz). Damals waren beide als Priester in Cajamarca bzw. Bambamarca tätig. Vor allem die Entstehung von „Vamos Caminando“ und die Bemühungen um eine deutsche Übersetzung, 1976, konnte ich aus der Nähe mitverfolgen. Bischof Dammert hatte ich auf seinen Besuchen in Deutschland (1975/76) bereits kennen gelernt. Als ich ihn fragte, ob ich in Cajamarca mitarbeiten könnte, war er einverstanden und so konnte ich im Auftrag der Diözese Speyer nach Peru ausreisen.

Meine Heimatdiözese Speyer hatte sehr entgegenkommend und unkonventionell auf meinen Wunsch reagiert, insbesondere Weihbischof Ernst Gutting. Nach meiner Rückkehr 1980 nach Deutschland verstand ich meine Arbeit als eine direkte Weiterführung der bisherigen Arbeit, nur diesmal auf der anderen Seite des Globus - aber im Rahmen derselben weltwirtschaftlichen und weltkirchlichen Bedingungen. Dabei ging es nicht darum, die in Cajamarca gemachten Erfahrungen eins zu eins und ohne Übersetzung nach Deutschland zu übertragen.

Trotz der Zugehörigkeit zu der Einen Kirche und der Einen Weltwirtschaft (Makrokontext) ist der lokale Mikrokontext zu verschieden. Bei aller Verschiedenheit darf dennoch nicht die gemeinsame Verflechtung in ein wirtschaftlich definiertes Weltsystem, das auf „sündhaften Strukturen“ (2) beruht, außer Acht gelassen werden. Ein charakteristisches Merkmal der Arbeit in Cajamarca war ja, den jeweiligen Kontext genau zu analysieren und zu deuten.

Deswegen wollte ich nun in meiner neuen Gemeinde in Ulm dazu beitragen, im Rahmen des hier herrschenden Kontextes zusammen mit den Menschen in Ulm und Cajamarca eine gemeinsame Verantwortung für Kirche und Welt zu entdecken und eine gemeinsame Option zu entwickeln, um so einen Beitrag zu der Überwindung der sündhaften Strukturen zu leisten. Aus diesem Engagement in der Gemeinde ist die Partnerschaft der Gemeinde St. Georg, Ulm mit der Gemeinde San Pedro in Cajamarca hervorgegangen (3).

Aufgrund dieser Partnerschaft war ich in den achtziger Jahren jedes Jahr für mehrere Wochen in Cajamarca und konnte die weitere Entwicklung der Diözese sehr gut beobachten - sowohl als Außenstehender als auch als Insider (4). Selbstverständlich bin ich kein andiner Mensch und die andine Religiosität und Kultur ist nicht die meine. Ich lebte aber aus der Sicht der Campesinos als „Anderer“ mitten unter ihnen und habe - nicht nur durch theoretische Aneignung, sondern durch praktisches Erleben - Kriterien und Standorte übernommen, die es mir erlauben, bisherige europäische Formen des Lebens, Glaubens und Denkens nun seinerseits „von außen“ zu betrachten und zu relativieren. Auf beide Lebensformen habe ich zumindest einen gewissen Blick sowohl von außen als auch von innen. Meine Rolle sehe ich daher als die eines Übersetzers.

Mit Beginn der wissenschaftlichen Arbeit 1997 gewann die Beobachtung der Diözese Cajamarca und das Mitgehen mit den Menschen von Cajamarca eine neue Qualität. Aus dieser persönlichen Verwicklung mit der Geschichte, der Kirche und den Menschen von Cajamarca fühle ich mich verpflichtet und gedrängt, mich mit der gegenwärtigen Entwicklung in Cajamarca, einschließlich der Beziehungen, die deutsche Partnergruppen mit der Diözese Cajamarca unterhalten, existentiell auseinander zu setzen.

Es sind besonders die Menschen in Cajamarca, denen ich mich verpflichtet fühle und sie sind es, die entsprechende Erwartungen mit meiner Arbeit verbinden. Diese Erwartungen beziehen sich vor allem auf meine Funktion als Begleiter und Dolmetscher (die Übersetzung der Bedürfnisse, Leiden und Hoffnungen der Menschen von Cajamarca in die Welt und die Sprache der Partner in Deutschland), sowie auf die Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte der letzten vierzig Jahre in der Diözese Cajamarca.

Sowohl persönlich als auch aufgrund der bestehenden Partnerschaftsgruppen in Deutschland und in Cajamarca fühle ich mich persönlich und von meinem Glauben her den Menschen von Cajamarca verpflichtet. Dies schließt notwendigerweise eine bestimmte Option mit ein. Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation seit 1993 steht aber nicht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Diese Arbeit hat die sozialpastorale Arbeit in der Diözese Cajamarca während der Amtszeit von Bischof Dammert (1962 - 1992) als Thema und als Grundlage.

b) Entstehen von Gemeindepartnerschaften

In diesen Kontext sind auch die Entstehung und die Entwicklung der Partnerschaft der Gemeinde St. Georg, Ulm mit einer Pfarrgemeinde in Cajamarca einzuordnen. Dank der großen Aufgeschlossenheit in der Gemeinde St. Georg ist es gelungen, in relativ kurzer Zeit die Idee einer Partnerschaft mit einer Kirchengemeinde „auf der anderen Seite des Globus“ bzw. der „anderen Seite der einen Medaille“ zu begründen und zu verankern.

Im Mai 1982 beschloss der Kirchengemeinderat von St. Georg einstimmig, sich auf eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in der Diözese Cajamarca einzulassen. Bereits seit meiner Beschäftigung mit und in der Diözese Cajamarca bestanden persönliche Kontakte zu deutschen Partnergruppen, besonders zu der Gemeinde St. Martin, Dortmund und ehemaligen Entwicklungshelfern, die in Cajamarca gearbeitet hatten und nach ihrer Rückkehr ebenfalls bemüht waren, an ihrem jeweiligen Ort ihre Erfahrungen mit den Menschen von Cajamarca weiterzugeben.

Diese Kontakte wurden nun durch die neu entstandene Partnerschaft in St. Georg auf eine breitere Basis gestellt, d.h. der Kontakt und der Austausch von Partnergruppe zu Partnergruppe und von Gemeinde zu Gemeinde hier in Deutschland wuchsen kontinuierlich. Der Beginn der Diözesanpartnerschaft der Erzdiözese Freiburg mit der peruanischen Kirche im Jahr 1986 war für die bereits bestehenden Partnerschaften eine starke Motivation und Hilfe, auch für St. Georg. Mehr Informationen und ein noch besserer Gedankenaustausch über die bisherigen Partnerschaften hinaus waren nun leichter geworden. Umgekehrt griff die Erzdiözese Freiburg auf die Erfahrungen älterer und erfahrener Partnerschaften mit Peru zurück (5).

Die Gemeindepartnerschaften mit der Diözese Cajamarca wurden auf eine schwere Probe gestellt, als nach dem altersbedingten und sofort von Rom angenommenen Rücktritt von Bischof José Dammert Bellido Ende 1992 der Bischof der Nachbardiözese Chachapoyas, Angel Francisco Simón Piorno, im Dezember 1992 erst zum Administrator und im Mai 1996 zum Bischof der Diözese Cajamarca ernannt wurde. Im Sommer 1993 war ich zu einem längeren Besuch in Cajamarca. Im Auftrag der Gemeinde St. Martin, Dortmund, besuchte ich auch die Pfarrei San Carlos in Bambamarca.

Die Berichte der bisherigen Vertrauensleute der Partnerschaft, sowie der Katecheten und Frauengruppen von Bambamarca, ließen einen radikalen Kurswechsel des neuen Bischofs befürchten bzw. er hatte diesen neuen Kurs bereits während seines ersten Besuches im Januar 1993 in Bambamarca angekündigt. Die vor Ort erlebten und bezeugten Vorkommnisse übertrafen dann alle Befürchtungen. Die deutschen Partnergruppen suchten in der Folge nach einem vermehrtem Erfahrungsaustausch und rückten enger zusammen.

Die Partnergruppen erfuhren durch eigene Besuche in Cajamarca, dass sowohl der Bischof selbst, als auch die betroffenen Partnerschaftsgruppen vor Ort, von einer veränderten Pastoral mit völlig neuen Schwerpunkten sprachen und dass es zu ersten Entlassungen verantwortlicher Laien - alle bewährte Mitarbeiter Bischof Dammerts und auch Vertraute der Partnerschaftsgruppen - und zu Schließungen wichtiger Kurszentren, speziell für die Landpastoral, gekommen war. Diese Kurszentren waren überwiegend von deutschen Spendengeldern finanziert worden.

In einem von Bischof Simón veranlassten Pastoralplan für die kommenden fünf Jahre (1993-1998) wird der radikale Kurswechsel dokumentiert (6). Dieser Wechsel zeigte sich vor allem darin, dass die bisherigen Katecheten „entmachtet“ wurden, dass die Bibel keine Rolle mehr spielte und dass stattdessen der neue weltweite römische Katechismus als alleinige Quelle der Pastoralarbeit eingeführt wurde. Die bisher in der Diözese gemachten Erfahrungen einer befreienden Pastoral, vor allem auf dem Land, sollten nicht nur keine Rolle mehr spielen, sondern sie galten als nicht kirchlich, weil „nur sozial“.

Die deutschen Partnerschaftsgruppen informierten in Gottesdiensten, Informationsveranstaltungen und Gemeindebriefen auf jeweils sehr unterschiedliche Weise die eigene Gemeinde über die neue Situation. Stellvertretend ein Bericht zur Lage in der Diözese Cajamarca aus St. Georg, der am 16. 9. 1997 im Gemeindebrief der Gemeinde veröffentlicht und kostenlos an alle katholischen Haushalte verteilt wurde: „Die Laien werden von verantwortlicher Mitarbeit ausgeschlossen. Pastoral gesehen konzentriert man sich allein auf die Sakramente, vor allem auf Beichte und Eheschließung; andererseits gibt es z.B. keine Taufvorbereitung mehr. Mütter sind bei der Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung nicht mehr erwünscht. Ab nächstes Jahr wird es keine Taufe mehr von unehelichen Kindern geben.

Theologisch: Die Vorbereitung auf das Ewige Leben steht im Mittelpunkt des Glaubens und der Pastoral. Priester werden als exklusive Vermittler des Heils und Spender der ewigen Gnadengaben herausgehoben und stehen über dem Volk. Der christliche Glaube wird neben den Sakramenten auf Kult, Heiligen- und Marienverehrung und Prozessionen reduziert. Die Kirche wird sehr hierarchisch und zentralistisch geführt“ (7).

Am 27.8.1995 kam es auf Initiative der Partnergemeinden aus Herzogenaurach, Dortmund und Tettnang zu dem ersten Cajamarcatreffen in Ulm, St. Georg. Acht Partnergemeinden nahmen daran teil. Es wurde festgestellt, dass die Verhältnisse in Cajamarca sich immer mehr zuspitzten und dass dies enorme Auswirkungen auf die eigene Partnerschaft hat. Die acht Partnergemeinden konnten authentisch von den Veränderungen in den Partnergemeinden zu Ungunsten der Armen und der bisherigen vertrauten Ansprechpartner berichteten.

Es wurde angedacht, eine Studie in Auftrag zu geben, die „30 Jahre Pastoralarbeit in Cajamarca und ihre Folgen“ wissenschaftlich untersuchen sollte. Vorerst war die Gruppe von Herzogenaurach dafür als Ansprechpartner beauftragt. Die Theologen Prof. Elmar Klinger (Herzogenaurach, Universität Würzburg) und Prof. Ottmar Fuchs (damals Universität Bamberg) konnten für die Mitarbeit an der Studie gewonnen werden. Sie haben die universitäre Infrastruktur für ein wissenschaftliches Projekt zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt waren beide persönlich in die Sache „verwickelt“ (8).

c) Ein Projekt entsteht

Das angedachte Projekt konnte schließlich Gestalt annehmen und dann verwirklicht werden, weil Prof. Elmar Klinger bereit war, die Verantwortung für das Projekt und dessen Leitung zu übernehmen. Die Finanzierung des Projekts war aber noch nicht gesichert bzw. sie hing anfangs völlig in der Luft. Erst durch den persönlichen Einsatz von Prof. Klinger konnte die Erzdiözese Bamberg bewegt werden, die Finanzierung von einem Drittel der anfallenden Kosten verbindlich zu zusagen. Die Erzdiözese war auch deshalb dazu bereit, weil der Pfarrer von Herzogenaurach, Erhard Nüßlein, in der entscheidenden Phase zusammen mit Prof. Klinger bei der Diözese vorsprach und deren Verantwortliche davon überzeugen konnte, dass eine solches Projekt auch für die Pfarreien und Partnerschaften hier in Deutschland von großem Nutzen sein werde.

Nach der Zusage von Bamberg erklärten sich die Diözesen Würzburg und Eichstätt bereit, die Kosten mit zu tragen; sie hatten ihre Zusage davon abhängig gemacht, ob Bamberg einen Teil der Finanzierung übernehmen würde. Eine weitere angesprochene Diözese, die Diözese Rottenburg-Stuttgart als Heimatdiözese der Partnergemeinden von Ulm und Tettnang, lehnte dagegen einen finanziellen Beitrag ab (9).  Aus dem Plenum der Gruppenvertreter wurde Unverständnis geäußert, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart die Studie nicht unterstützen will mit der Begründung, es handele sich um ein Universitätsprojekt ohne Bezug zur Arbeit der Diözese und es würden auch keine Untersuchungen innerhalb Deutschland unterstützt, weil die entsprechenden „Missionsetats“ ausschließlichfür die Missionen gedacht seien.

Die Gruppen: „Wir müssen deutlich machen, dass seitens der Gruppen ein Interesse an derStudie besteht. Die Studie kann die Grundlage unserer Arbeit sein“ (10) Ergänzend sei noch hinzugefügt, dass zur Bestreitung der nicht unerheblichen Sachkosten für die Durchführung des Projekts zehn deutsche Diözesen, in denen Partnerschaftsgruppen mit Cajamarca zu Hause sind, mit der Bitte um Unterstützung (je 6.000 DM) und entsprechender Begründung angeschrieben wurden. Nur die Diözese Speyer reagierte positiv, die Ablehnung der anderen Diözesen war in der Grundargumentation ähnlich der Ablehnung durch Rottenburg.

Auch die Diözese Mainz, deren Bischof sich nach eigenen Aussagen mit Bischof Dammert und Gustavo Gutiérrez besonders verbunden fühlt, lehnte eine Beteiligung ab. Misereor und Missio reichten die Verantwortung an Adveniat weiter, das nach Rücksprache mit Bischof Dammert und der schriftlichen Rückversicherung, dass Bischof Simón nichts gegen das Projekt einzuwenden hat, dann 10.000 Dollar für die Sachkosten bewilligte (11) Caritas Freiburg (DCV) steuerte 3.000 DM bei. Die Erzdiözese Freiburg, die eine diözesane Partnerschaft mit der peruanischen Kirche unterhält, sah sich nicht in der Lage, das Projekt zu unterstützen. Als sich im Verlauf des Projekts herausstellte, dass 10.000 DM fehlen würden, übernahm die Erzdiözese Köln auf Fürsprache von Pfarrer Peter-Paul Marré, Köln, den restlichen Betrag.

Besonders hervorzuheben ist, dass es sich bei diesem Projekt um eine internationale Zusammenarbeit handelt. Das Instituto Bartolomé de Las Casas (IBC), Lima, war nicht nur der wichtigste Ansprechpartner, sondern gleichberechtigter Partner (12). Im IBC und dessen Umfeld waren und sind alle Theologen, Bischöfe und Wissenschaftler zu Hause, die an den Aufbrüchen in der peruanischen Kirche seit 1962 entscheidenden Anteil haben. Gustavo Gutiérrez hat das Institut gegründet, Bischof Dammert hat von 1993 bis 1999 im Institut gearbeitet.

Nicht zuletzt durch dieses Projekt ist Cajamarca wieder verstärkt in den Mittelpunkt auch des theologischen Interesses gerückt - und das auf kontinentaler Ebene. Durch die Ergebnisse des Projekts ermutigt, hat sich die CEHILA (Zentrum für lateinamerikanische Kirchengeschichte) dazu entschlossen, eine „Nueva Patrística de America Latina" zu erarbeiten. Darin werden das Leben und die Arbeit derjenigen Bischöfe Lateinamerikas gewürdigt, die in den letzten 50 Jahren entscheidend dazu beigetragen haben, eine Kirche der Armen zu werden. Bischof Dammert ist einer von ihnen. Mir wurde die Aufgabe übertragen, über Dammert zu schreiben.

Nach den ersten beiden Jahren war deutlich geworden, dass diese Zeit bei weitem nicht ausreichte, um ein solch umfassendes Projekt zu Ende zu bringen. Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) übernahm die weitere Finanzierung des Projekts (1999 - 2002) entsprechend den bei der DFG üblichen Modalitäten. Als Zwischenergebnis des Projekts ist 2001 der Sammelband „Die globale Verantwortung. Partnerschaften zwischen Pfarreien in Deutschland und Peru" erscheinen, der unter der Leitung von Prof. Klinger konzipiert und verfasst wurde.

Nach Abschluss des Projekts bescheinigte die DFG in ihrer Bewertung dem Projekt, dass dessen Ergebnisse „nicht nur für die Systematische Theologie und Pastoraltheologie wichtig, sondern darüber hinaus auch für den Bereich der Entwicklungshilfe und der internationalen Zusammenarbeit von Belang" sei (13)

Zum Verständnis der Missionsarbeit in den Diözesen (14)

Eine theoretische Diskussion um das Selbstverständnis der „Referate Weltkirche in den Diözesen" kann hier nicht geführt werden. Aber ein Einblick in den Briefwechsel und die mit den Diözesen gemachten tatsächlichen Erfahrungen legen nahe, dass die Diözesen ihre weltkirchliche Aufgabe eher dahingehend verstehen, die armen Kirchen finanziell zu unterstützen (15).  Das konkrete Beispiel der schwierigen Finanzierung zeigt, dass das Bewusstsein, in der eigenen Gesellschaft zu „missionieren" und die Gemeinden in dieser Aufgabe zu unterstützen, in der Praxis nicht sehr verbreitet sind.

Viele Gemeinden fühlen sich stattdessen im Stich gelassen und sagen dies auch. Die Partnerschaftsarbeit wird von den Diözesen weitgehend noch nicht als pastorale Aktivität hierzulande aufgefasst, noch weniger als pastorale Priorität. Vielmehr scheint eine als überwunden geglaubte Vorstellung von Spenden für die Dritte Welt als „Almosen für die Armen" und zur „Missionierung der Heiden" noch lebendiger zu sein, als offizielle Papiere vermuten lassen. Man beruft sich zuerst auf Statistiken, die belegen, wie sehr die deutsche Kirche sich mit den Armen der Welt solidarisiert (Spendenaufkommen) und lenkt damit von der spirituellen Not in den eigenen Gemeinden ab.

Das führt dann eben dazu, dass deutsche Diözesen und Verwaltungen eher bereit sind, etwas für die „Dritte Welt" zu geben (was unbestritten sehr viel ist), statt bei uns das Bewusstsein zu fördern, dass es um mehr geht. Dieses „Mehr" zu entdecken, ist die spirituelle Herausforderung an die deutsche Kirche. Auf diesem Weg sind die Erfahrungen lebendiger Partnerschaften unverzichtbar. Die kirchlichen Partnergruppen (hier die Partnergruppen zur Diözese Cajamarca) weisen darauf hin, dass eine lebendige Partnerschaft zu einer Erneuerung der Gemeinden führen kann.

Der Brief aus der Gemeinde Tettnang gibt wesentliche Hinweise darauf, welche Auswirkungen eine Partnerschaft mit armen Gemeinden in der eigenen Gemeinde haben kann:

  • Herausforderung zum persönlichen Einsatz und Anfrage an den eigenen Lebensstil.
  • Übernahme von Mitverantwortung in der eigenen Gemeinde und Gemeindeleitung.
  • Bewusstseinsbildung in der eigenen Gemeinde und darüber hinaus („Mission" - Verkündigung) u.a. dadurch, dass die Ursachen der weltweiten Armut benannt werden.
  • Christliche Solidarität kann niemals auf die einseitige Finanzierung von Projekten reduziert werden. Sie verwirklicht sich vielmehr im gemeinsamen solidarischen Bemühen um eine ‚Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit‘ für alle.
  • Menschen, die sich nicht zur Kerngemeinde zählen, finden in dem Engagement über die Partnerschaft einen Zugang zur Kirchengemeinde.
  • Vom Arbeitskreis Peru gehen Impulse für die Gesamtgemeinde aus, wie sie im Sinne der Leitbilder aus den „Pastoralen Perspektiven“ der Diözese Rottenburg („Berufung aller Getauften, Umkehr und Neuevangelisierung“) und der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ formuliert wurden.
  • Der Austausch darüber sowie die wissenschaftlich begleitete Aufarbeitung und Auswertung dieser Erfahrungen sind wesentlicher Bestandteil der Studie „30 Jahre Pastoral in Cajamarca“. Sie hat damit eine pastorale Bedeutung für deutsche Gemeinden.

Diese Arbeit hat demnach eine große Bedeutung für das Entstehen von „Allianzen der Solidarität" (Kasper), ebenso für die Vernetzung der Gemeinden und einer effektiveren Gestaltung der Partnerschaften. Die Finanzierung eines solchen Projekts dient daher dem Entstehen lebendigerer Gemeinden hier und hilft gerade deswegen am meisten den armen Gemeinden dort, weil ohne eine intensive Partnerschaft finanzielle Hilfen Gefahr laufen, zu „versanden“. Deutsche Gemeinden, die dies ansatzweise erfahren haben, auf ihrem Weg zu unterstützen oder sich von diesen Gemeinden im Dialog gar den Weg zeigen zu lassen, wäre so für die Ordinariate eine Chance, ihre weltkirchliche Verantwortung immer wieder neu zu entdecken.

Anliegen und Zielsetzungen des Projekts (16)

Das Besondere dieses Projekts ist, dass es aus den konkreten Bedürfnissen sowohl der deutschen als auch der peruanischen Partnergruppen heraus entstanden ist. Einzelne Teilnehmer der seit 1996 jährlich stattfindenden Cajamarcatreffen berichteten von ihren negativen Erfahrungen mit kirchlichen Institutionen, als sie diese auf die Problematik in Cajamarca angesprochen und um Vermittlung gebeten hatten. Umso dankbarer waren sie dafür, dass sie nun bei der „universitären Wissenschaft“ offene Ohren und Unterstützung fanden. Das Projekt ist demnach zuerst eine Reaktion auf die Not deutscher Partnergemeinden und deren Partner aufgrund des Bischofwechsels in der Diözese Cajamarca.

Deutsche Partnergemeinden, die sowohl mit Bischof Dammert als auch mit peruanischen Pfarrgemeinden bis 1992 vertrauensvolle Beziehungen aufbauen konnten, sahen ihre Zusammenarbeit mit den Partnern in Peru durch den Bischofswechsel empfindlich gestört und in Gefahr. Daher galt es nun, die bisher geleistete Arbeit zu dokumentieren und nach neuen Perspektiven angesichts veränderter Umstände zu suchen. Die Studie wird von den Partnergemeinden als exemplarische Darstellung der Aufbrüche nach dem II. Vatikanum angesehen. In Cajamarca wurde deutlich, was die Aufbrüche nach dem Konzil konkret für die Menschen, besonders die Armen, in Cajamarca bedeutet haben.

Deshalb geht es darum, das, was in Cajamarca geschah und geschieht, zu dokumentieren. Der Wechsel im Amt des Bischofs (Bischof Simón als Nachfolger Bischof Dammerts) ist nur ein äußerer Anlass. Der Bruch zwischen der Ära Dammert und seinem Nachfolger, Bischof Simón, hat auch einen gesamtkirchlichen Hintergrund. Das hat Konsequenzen für die Arbeit der Partnerschaftsgruppen in Deutschland. Die Initiative hier wird von den Gruppen als pastorale Aktivität eingestuft, da sie die Kirche und ihr Selbstverständnis betrifft, sie betrifft den Konflikt zwischen der alten und der neuen Linie der Kirche (17).

Das Projekt und dessen erste Ergebnisse (Studie) sind deshalb als eine Art Scheinwerfer zu verstehen, die Vorgänge in Cajamarca werden unter einem bestimmten Aspekt beleuchtet. Die Studie kann ein Lernfeld sein für die Kontakte zwischen den Partnerschaftsgruppen hier und den Partnern in Peru. Es geht um die Lernfähigkeit auf beiden Seiten, um eine natürliche Diakoniefähigkeit. Elmar Klinger, zusammen mit Ottmar Fuchs Teilnehmer am 3. Cajamarcatreffen 1997 in Ulm, sagte auf dem Treffen:

„Das Spezifische an der Studie ist der Basisbezug, da die Beteiligten selbst zu ihrer Partnerschaftsarbeit befragt werden. Für die Studie ist die Person Bischof Dammerts unverzichtbar, weil er die nötigen Kontakte herstellen konnte und eine zentrale Person im Instituto Bartolomé de Las Casas (Lima) ist. Das Konzept des Zweiten Vatikanischen Konzils steht im Mittelpunkt, dieses Konzept ist natürlich an bestimmte Personen gebunden. In der Studie geht es jedoch nicht vorrangig um die Person Dammert“ (18).

Die Mitarbeit der Partnerschaftsgruppen am Projekt zeigte sich konkret in einigen Beiträgen zu dem Sammelband „Die globale Verantwortung“. Im III. Teil des Sammelbandes mit dem Titel: „Deutsche Gemeinden vor den Herausforderungen der Kirche in Peru“ kommen die deutschen Partnergemeinden zu Wort. Durch ihre Partnerschaft sehen sich deutsche Kirchengemeinden unmittelbar in weltwirtschaftliche Zusammenhänge und Strukturen verstrickt. Sie erleben, dass ihre Partner durch Investitionen großer Konzerne aus Europa oder der USA und auch durch Projekte staatlicher Entwicklungshilfe existentiell bedroht werden (19).

So wurde mit deutschen Steuergeldern ein riesiger Staudamm gebaut, in dessen Folge etwa 20.000 Menschen von ihrem Land vertrieben wurden, damit an der Küste hochwertiger Reis für den Export angebaut werden kann. Die Intervention der Firma Nestlé (Schweiz) in der Region Cajamarca führte nachweislich zu einer verstärkten Abhängigkeit der Campesinos von dem Konzern bei gleichzeitigem Rückgang der Produktion von Grundnahrungsmitteln. Schließlich ist seit 1993 die größte Goldminengesellschaft der Welt in Cajamarca tätig. Am Beispiel der Gemeinde St. Georg, Ulm, wird deutlich, dass nicht nur weltwirtschaftliche, sondern auch kirchliche Strukturen Partnerschaften entscheidend beeinflussen können. Konkret: ein Bischofswechsel in Cajamarca betrifft nicht nur die Menschen in Cajamarca, sondern auch die Menschen in den Partnergemeinden hier vor Ort.

Schwierigkeiten und Konflikte

Schon in der Entstehungsphase provozierte das Projekt Widerstand und Missverständnisse. Die Erzdiözese Freiburg, vertreten durch den Leiter des Referats Weltkirche und Verantwortlichen der Partnerschaft mit der peruanischen Kirche, Wolfgang Sauer, befürchtete, dass die Studie benutzt werden sollte, um Bischof Simón - im Vergleich zu seinem Vorgänger, Bischof Dammert - an den Pranger zu stellen. Adveniat (Prälat Spelthahn) befürchtete, die Autorität der peruanischen Kirche sollte in Frage gestellt werden und sprach von einer unzulässigen Einmischung in innerkirchliche peruanische Angelegenheiten.

Ein Gespräch zwischen Vertretern der Partnerschaftsgruppen und Verantwortlichen des Projekts mit dem geschäftsführenden Leiter von Adveniat, Monsignore Spelthahn, hatte wenig Erfolg. Sowohl von der Erzdiözese Freiburg als auch von Adveniat wurde das Anliegen des Projekts auf eine persönliche Auseinandersetzung der Gruppen und einzelner Personen mit Bischof Simón reduziert (subjektive Ebene). Gleichzeitig wurde institutionell dagegen argumentiert (objektive Ebene), indem man die vermuteten persönlichen Angriffe auf den Bischof von Cajamarca als Angriff gegen die Kirche im Allgemeinen wertete. Das heißt, dass das eigentliche Anliegen der Partnergruppen nicht erkannt werden konnte.

Die verschiedenen Ebenen wurden vertauscht und man unterstellte den Akteuren der Partnerschaftsgruppen (Laien) antiklerikale Motive. Aufgrund der unterstellten Motive sah man sich als Vertreter der Institution (Kirche) gedrängt, den Bischof von Cajamarca - weil als Bischof angeblich gleich Kirche von Cajamarca - verteidigen zu müssen (20).

Auch innerhalb der Gruppen entstanden Probleme und Missverständnisse. Was schon am Beispiel von Adveniat und Freiburg deutlich geworden ist, gilt auch für die Gruppen (untereinander und sogar innerhalb): Die unterschiedlichen Beziehungen zwischen bestimmten Personen führen aus verschiedenen Interessen heraus zu bestimmten Konflikten. Auch in den Partnerschaftsgruppen wurden des Öfteren die verschiedenen Ebenen (subjektiv - strukturell) vermischt.

Exemplarisch dafür steht folgender Fall: Die Initiatoren und Leiter einer Partnerschaft haben seit Beginn ihrer Gemeindepartnerschaft (1992) mit dem Pfarrer der Partnergemeinde in Peru eine sehr enge und vertrauliche Beziehung aufgebaut. Die deutsche Partnergruppe leistet in der eigenen Gemeinde und darüber hinaus eine beispielhafte Arbeit. Doch inzwischen hat der Pfarrer in Cajamarca einen dramatischen Richtungswechsel vollzogen. Öffentlich hat er aller „Sozialromantik wie zu Zeiten Bischofs Dammerts üblich" abgeschworen. In seiner eigenen Pfarrei (auf dem Land) lässt er sich kaum noch sehen und er ist neben anderen Funktionen zum Leiter des neuen Priesterseminars ernannt worden. Die Konsequenzen für die Menschen in seiner Pfarrei - vor allem im Hinblick auf die Übergriffe der Goldmine - sind dramatisch.

Auf vorsichtige diesbezügliche und leicht belegbare Hinweise und Gesprächsangebote meinerseits reagieren die Verantwortlichen der deutschen Gemeinde aggressiv. Sie unterstellen gar eine gezielte Verleumdung ihrer Vertrauensperson und erklären öffentlich, dass sie jede weitere Zusammenarbeit ablehnen und sie versuchen, andere Gruppen ebenfalls dazu zu überreden. Dies bringt wiederum andere Akteure in anderen Gruppen in eine Zwangslage oder sie werden verunsichert. Das Ergebnis ist das Zerbrechen von „Allianzen der Solidarität" und Verunsicherung selbst bei den Partnern in Cajamarca; vor allem aber: die Campesinos sind die eigentlichen Verlierer, sie fühlen sich im Stich gelassen und sind den Machenschaften der Mine und deren kirchlichen Verbündeten schutzloser als je zuvor ausgeliefert.

An dieser Stelle können solche Probleme nicht gelöst werden, es sind aber Schwierigkeiten und Problemkonstellationen zu nennen, die in Partnerschaften auftreten und zu persönlichen Verletzungen führen können.

  • Auch in Gemeindepartnerschaften stehen persönliche Beziehungen an erster Stelle, sie leben geradezu davon und sind unverzichtbar. Konkret handelnde Personen stehen im Mittelpunkt. Partnerschaften stehen aber auch notwendigerweise in einem institutionellem und strukturellem Kontext. Partnerschaften stehen notwendigerweise in einem Spannungsfeld zwischen Institution und Person, zumal sich die handelnden Personen alle auch als Teil dieser Institution (Kirche) verstehen.
  • Diese Spannungen werden umso heftiger, je dramatischer die Veränderungen in der Institution sind (hier: der Bischofswechsel). Das ursprünglich gemeinsam formuliertemFundament gilt nicht mehr. Vor allem die deutsche Partnergemeinde will aber daran festhalten, gleichzeitig aber den vertrauten Partner und Freund nicht verlieren. Im Zweifelsfall entscheidet man sich für die persönliche Beziehung, mit dem Preis, dann die Realität verdrängen zu müssen. Von außen möchte man sich dies aber nicht sagen lassen. Es handelt sich um „Beziehungskisten", die sonst niemand etwas angehen.
  • So wird die Frage der Einmischung zu einem Hauptthema. Einige Gruppen (nicht die Mehrheit) fühlten sich durch den Umstand, dass ich als Koordinator des Projekts und durch meine langen Aufenthalte in Cajamarca nun logischerweise mehr Einblicke in fast alle Partnerschaften als die betreffenden Partnergruppen selbst hatte, verunsichert. Sie konnten dies nicht - wie von mir verstanden - als Hilfe verstehen (Beratung, Vermittlung etc.), sondern sie fühlten sich dadurch eher an den Rand gedrängt.
  • In einem extremen Fall führte dies dazu, dass eine Partnergruppe glaubte, alle anderen Gruppen warnen zu müssen, sich von mir nicht dominieren zu lassen. Auch der Vorwurf, ich wollte die Gruppen spalten, kommt aus dieser Ecke. Einzelne Hauptakteure der Partnerschaft (insgesamt mit Cajamarca) konnten schwer damit fertig werden, dass mir durch das wissenschaftliche Projekt automatisch eine besondere Rolle zuwuchs und sie verwechselten dies mit „persönlichem Machtstreben". Sie unterstellten mir von daher den Ehrgeiz, stets im Namen aller Gruppen sprechen zu wollen. Dies aber gelte es unbedingt zu verhindern (dies lässt auf den eigenen Anspruch rückschließen).
  • Gerade einige besonders aktive Akteure in den Partnergruppen haben den Charakter des Projekts missverstanden. Ein wissenschaftliches Projekt hat zuerst von den Realitäten auszugehen, von Befragungen, Quellen etc. Das Projekt bezog sich von Anfang an auf alle Partnerschaften in der Diözese Cajamarca und auf die Diözese insgesamt. Erst als im Rahmen der Untersuchungen auch unangenehme Wahrheiten zu Tage kamen, sprachen einige von Einmischung, statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
  • Die Irritationen innerhalb der Partnergruppen bleiben den Partnern in Peru nicht immer verborgen. Diese können diese Irritationen aber nicht verstehen und sie leiden darunter. Es behindert auch die konkrete Partnerschaftsarbeit und in einzelnen Fällen wurden dadurch notwendige Initiativen blockiert – vor allem im Hinblick auf eine Vernetzung der Partnergruppen in Cajamarca selbst.
  • Meine eigene Rolle als Koordinator des Projekts konnte nicht immer richtig eingeordnet werden: Bisher immer inmitten und Teil der Gruppen, wurde ich nun plötzlich als Jemand von außerhalb wahrgenommen, weil ich notwendigerweise auch „von außen" an die Gruppen herantrat. Das führte zu Irritationen und Missverständnissen.
  • Zu Beginn meiner Arbeit wurde von mir versäumt, auf den Charakter des Projekts und auf möglicherweise dadurch entstehende Problemkonstellationen entschiedener hinzuweisen. Auch ich selbst fühlte mich zuweilen aufgerieben und zerrissen zwischen den verschiedenen Erwartungen und Rollen, denen ich gerecht werden wollte: einerseits der wissenschaftliche Anspruch - andererseits das engagierte Eintreten für die Gruppen; einerseits die Solidarität mit den Menschen von Cajamarca - andererseits das Eintreten für eine weltweite Kirche im Rahmen und in Solidarität mit dieser Kirche.

Anmerkungen

(1) Zu einzelnen Aufgaben und Arbeitsschwerpunkten siehe in Kapitel V, Bambamarca. Meine Arbeit und die eines „agente pastoral“ kann man am ehesten mit der Arbeit eines Pastoralreferenten vergleichen.

(2) Medellín, Dokument 2: Frieden. „Medellín“ steht hier und stets für die II. Generalkonferenz des Lateinamerikanischen Episkopats (Medellín, 24. 8. - 6. 9. 1968) wie auch für die dort gefassten Beschlüsse und für das Ereignis als solches. Dies trifft auch für „Puebla“ zu, die III. Generalkonferenz des Lateinamerikanischen Episkopats (Puebla, Februar 1979).

(3) Zur Geschichte dieser Partnerschaft siehe den Artikel Knecht, W.: „Die Partnerschaft der Gemeinde St. Georg, Ulm mit der Gemeinde San Pedro, Cajamarca“, in: Klinger, Elmar; Knecht, Willi; Fuchs, Ottmar (Hrsg.): Die globale Verantwortung. Partnerschaften zwischen Pfarreien in Deutschland und Peru. Würzburg : Echter, 2001, S. 143-160. In der Folge: Der Sammelband „Die globale Verantwortung“; (siehe Verzeichnis der Abkürzungen).

(5) Prälat Wolfgang Zwingmann, erster Verantwortlicher für die neu entstandene Partnerschaft, bat mich um einen Erfahrungsbericht und einen Beitrag zu dem ersten Partnerschaftsheft der Erzdiözese Freiburg: „Partnerschaft Freiburg - Peru; Wege suchen - Brücken schlagen - Hoffnung schenken“, herausgegeben von der Presse- und Informationsstelle des Erzbistums Freiburg, 1986. In diesem Heft erschien dann auch mein Beitrag: „Lebendige Kirche werden - Partnerschaft St. Georg, Ulm - San Pedro“, S. 29 - 30.

Darüber hinaus kam es zu einem intensiven mündlichen Austausch. Prälat Zwingmann lud mich mehrere Male nach Freiburg ein (1985 - 1988). Nach seinem Tod im Jahre 1992 war der Gedanke der Partnerschaft in vielen Freiburger Gemeinden bereits so stark verwurzelt, dass der bald darauf einsetzende Klimawechsel innerhalb der Kirche (global und in Freiburg) nicht zur Katastrophe werden konnte, für einzelne Gemeinden und deren Partnerschaften aber schon.

(6) Dieser Pastoralplan wurde analysiert in: Heidenreich, H.: Befreiungspastoral - quo vadis? - Ortstermin Cajamarca/ Peru: fast ein pastoraltheologisches Feature. In: Pastoraltheologische Informationen, 1997, 145 - 161.

(7) Dok.1, I: Gemeindebrief St. Georg, 16. 9. 1997. Nicht allgemein zugängliche Texte wie Briefe, Rundschreiben, Aufrufe etc. werden in einem eigenen Dokumentenband zusammengestellt. In der Folge wird darauf in durchlaufender Nummerierung hingewiesen, z.B.: 1, I: erstes Dokument in Kapitel I.

(8) In der Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Gemeindegruppen und universitärer Theologie sehe ich einen beispielhaften Schritt hin auf eine Theologie, die aus der (Gemeinde-) Praxis und aus persönlicher Betroffenheit heraus erwächst. Ein solcher Schritt macht Hoffnung und er hat etwas bewirkt. Ottmar Fuchs war an der Entstehung des Sammelbandes „Die globale Verantwortung“ (Echter: Würzburg, 2001) beteiligt und er ist Mitherausgeber des Sammelbandes. Prof. Elmar Klinger und Prof. Ottmar Fuchs haben gemeinsam einen Antrag an die DFG zur Finanzierung des Projekts gestellt, der dann von der DFG angenommen wurde.

(9) Die hier angesprochene Finanzierung bezieht sich lediglich auf die beiden ersten Jahre des Projekts (1997 - 1999). Die Finanzierung des eigens für das Projekt verpflichteten Mitarbeiters (W. Knecht) beanspruchte den größten Teil der Summe. Ich war vom 1. 9. 1997 bis 31. 8. 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Fakultät, Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft der Universität Würzburg angestellt. Die DFG übernahm danach die Finanzierung meiner Stelle (1. 9. 1999 - 31. 8. 2002). Die Partnergruppen sprachen stets von einer Studie, die ihnen helfen sollte, ihre Partnerschaften zu stärken. Als Sprachregelung wird hier dagegen eingeführt: Projekt meint als Oberbegriff die gesamte Arbeit von 1997 - 2002. Im Rahmen des Projekts entstanden eine Studie, deren erste Ergebnisse in dem Sammelband „Die globale Verantwortung“ veröffentlicht wurden und die nun hier vorliegende Arbeit als Abschluss des Projekts.

(10) Dok. 2, I: Protokoll des 3. Cajamarcatreffens vom 20./ 21. 9. 1997. Stellvertretend für die Motivation der Partnerschaftsgruppen steht folgender Brief, der die Besorgnis der Gruppen zusammenfasst und gleichzeitig die Erwartung der Gemeinden an ihre Diözesanleitung spiegelt. Eva Aicher, Leiterin des Perukreises der Gemeinde Tettnang und 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats, in einem Brief vom 1. Oktober 1997 an Bischofsvikar Mühlbacher, Leiter des Referats Weltkirche der Diözese Rottenburg - Stuttgart: „Ich habe aus dieser nun seit fast sechs Jahren wachsenden Partnerschaft für mich persönlich unschätzbare spirituelle Erfahrungen sowie wertvolle Freundschaftsbeziehungen hier in der Gemeinde, mit anderen Partnerschaftsbegeisterten in Deutschland und natürlich mit den Schwestern und Brüdern in Peru geschenkt bekommen - ich erfahre Partnerschaft als Geschenk Gottes an uns Menschen! Gleichzeitig ist sie aber auch Herausforderung zum persönlichen Einsatz und Anfrage an unseren Lebensstil; so gab das erlebte Glaubenszeugnis der Schwestern in Porcón den letztlich entscheidenden Anstoß, mich für die Mitverantwortung in der Gemeindeleitung als Zweite Vorsitzende zur Verfügung zu stellen - eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist. Ebenfalls aus dem persönlichen Erleben und Teilen der Armut unserer peruanischen Schwestern und Brüder erwuchs mehr und mehr die Überzeugung, dass gelebte christliche Partnerschaft niemals auf die einseitige Finanzierung von Projekten reduziert werden kann, sondern vielmehr sich verwirklicht im gemeinsamen solidarischen Bemühen um eine ‚Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit‘ für alle. So verstandene Partnerschaft wirkt daher segensreich genau in die Richtung, die wegweisende kirchliche Publikationen wie das ‚Sozialwort der Kirchen‘ oder die Studie ‚Zukunftsfähiges Deutschland‘ von uns Christen erwarten! Wenn ich Sie als mir fremden Menschen an diesen meinen Erfahrungen teilhaben lassen möchte, Zeugnis gebe von meinem Glaubensweg, der eng verknüpft ist mit diesem Gottesgeschenk der Partnerschaft, dann deshalb, weil ich mir erhoffe, Sie damit neugierig zu machen auf diese Art der weltkirchlichen Verbindungen zwischen Christen, die so stark zurückwirkt auf unser Gemeindeleben hier. Menschen, die sich nicht zur ‚Kerngemeinde‘ zählen, finden in dem Engagement über die Partnerschaft einen Zugang zur Kirchengemeinde. Vom Arbeitskreis Peru gehen in Gottesdiensten, Seminaren, Vorträgen etc. Impulse für die Gesamtgemeinde aus, im Sinne der Leitbilder aus den ‚Pastoralen Perspektiven‘ (‚Berufung aller Getauften‘, ‚Umkehr und Neuevangelisierung‘) und der Studie ‚Zukunftsfähiges Deutschland‘ (‚Gut leben statt viel haben‘ etc.). Alle diese Erfahrungen sind keineswegs auf unsere Gemeinde beschränkt - sie ereignen sich in vielfältiger Art und Weise in vielen Gemeinden, wo der Weg der Partnerschaft gegangen wird - und der Austausch darüber sowie die wissenschaftlich begleitete Aufarbeitung und Auswertung dieser Erfahrungen sind wesentlicher Bestandteil der Studie ‚30 Jahre Pastoral in Cajamarca‘. Es enttäuscht mich daher und tut mir weh, wenn Sie diese Studie als irgendein Forschungsvorhaben betrachten, noch dazu in einem geographischen Teil der Welt, für den Sie sich nicht zuständig fühlen. Für uns in Partnerschaften engagierte Christen ist sie eine wichtige Reflexion der Lernprozesse und Glaubenserfahrungen, zur Planung künftiger Schritte, wo nötig, auch zu Kurskorrekturen. Wir wollen voneinander und miteinander lernen, wie wir uns über alle Grenzen hinweg gemeinsam für das Kommen des Reiches Gottes einsetzen können, Stimme sein für die Stimmlosen im Kampf für mehr Gerechtigkeit und Solidarität, wie es im Sozialwort der Kirchen heißt. Ohne gleichzeitige Förderung der Bewusstseinsbildung in unserer eigenen Diözese ist jede Projektförderung in den Ländern des Südens langfristig zum Scheitern verurteilt“.

(11) Die Unterstützung durch Adveniat war nur über einen Umweg möglich: weil Adveniat keine Projekte in Deutschland finanziert, musste der Antrag an Adveniat von dem Instituto Bartolomé de Las Casas (Lima) bzw. von Bischof Dammert selbst gestellt werden. Der Antrag wurde dann (in Dollar) angenommen.

(12) Das Instituto Bartolomé de las Casas in Lima (in der Folge: IBC) wurde als eine Nichtregierungsorganisation (NRO) von Gustavo Gutiérrez gegründet, der auch der erste Leiter des Instituts war. Das Institut war und ist bis heute nicht von der Katholischen Kirche abhängig, erst recht nicht von der peruanischen Bischofskonferenz. Es versteht sich aber als Einrichtung im Dienst der Evangelisierung.

(13) Brief der DFG (11.2.2003; Geschäftszeichen: KL 1258/1-2) an Prof. Dr. Elmar Klinger als Leiter des Projekts.

(14) Es kann sich hier nur um einen sehr partiellen Einblick in das „missionarische Selbstverständnis" bzw. in das Verständnis von Weltkirche in den einzelnen Diözesen handeln. Dies kann nicht verallgemeinert werden, weist aber auf eingefahrene Verstehensweisen hin, die den eigenen Ansprüchen der Diözesen oft im Wege stehen.

(15) Diese Unterstützung soll hier nicht als unbedeutend hingestellt werden, sie ist vielmehr - gerade im Vergleich zu anderen reichen Kirchen - als beispielhaft zu werten und ist unbedingt notwendig. Vielmehr soll darauf hingewiesen werden, dass die deutsche Kirche - obwohl sie erfreulicherweise wie z.B. Bischof Kasper als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der deutschen Bischofskonferenz in seinem Geleitwort zur Studie von Nuscheler/Gabriel/ Keller/Treber (Handeln in der Weltgesellschaft: Christliche Dritte-Welt-Gruppen. Praxis und Selbstverständnis, Mainz 1995) von notwendigen „Allianzen der Solidarität" spricht und dabei besonders die Bedeutung der kirchlichen Partnerschaftsgruppen hervorhebt - von ihrem eigenen Ansatz, dass eine weltweite Veränderung zugunsten der Armen ihren Ausgangspunkt in einer Veränderung in den reichen Ländern selbst haben muss, noch weit entfernt ist. Gerade kirchliche Partnerschaftsgruppen könnten aber den Verantwortlichen in der deutschen Kirche als Partner oder gar Orientierung dienen und Motor dieser Entwicklung sein. Dies kann sowohl in einem Dialog mit den Partnergruppen geschehen als auch in deren Ermutigung und Bestärkung.

(16) Ursprung, Anliegen und Ziele des Projekts sind logischerweise von der hier nun vorliegenden Arbeit nicht zu trennen. Die über das Projekt gemachten Aussagen treffen somit auch für diese Arbeit zu.

(17) Vgl. das Dok. 2, I: Protokoll des 3. Cajamarcatreffens vom 20./21. 9. 1997.

(18) Ebd.

(19) Die vier Beiträge: „Multis, Markt und Dritte Welt“, S. 101 - 111 (J. Trigoso, Partnergemeinde Herzogenrath); „Wasser fürs Leben“, S. 113 - 130, (H. Meister, Partnergemeinde Herzogenaurach); „Die Goldminen von Yanacocha“, S. 131 - 141, (Kajo und Eva Aicher, Partnergemeinde Tettnang); „Die Partnerschaft der Gemeinde St. Georg, Ulm, mit der Gemeinde San Pedro, Cajamarca“, S. 143 - 158, (W. Knecht, Partnergemeinde Ulm).

(20) Vgl. den Artikel von W. Knecht: „Anspruch und Wirklichkeit" im Sammelband „Die globale Verantwortung", S. 159 - 219, insbesondere die Seiten 206 - 212: „Die Diskussion um die Partnerschaft“.

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